Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 36 (4.9.1903)
- Date
- 1903-09-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Dr. Mocb's MocbenscbrM. Seite 881 rabbiner war. Vielleicht liegt eine Verwechslung mit dem 1758 verstorbenen mährischen Landesrabbiner Moses Lwow vor, der ein Leipniker war. Das jedoch nur nebenbei! Befremdet hat mich der Bericht, daß Aron Halberstamm ein ausgesprochener Gegner des Chassidismus gewesen sein soll. Da er ein Enkel von Baruch Frankel war, muß er der Sohn von Chajim Halberstamm, dem berühmten „Zanser Rebben", gewesen sein, der ja als eines der Häupter des Chassidismus in Galizien bekannt war. Der hochbetagte Rabbi Josef Knöpfmacher in Nikolsburg, welcher ein Schüler Baruch Fränkel's war, erzählte mir, daß er ordentlich inGefahr gerathen war, als er imAuftrage seines Lehrers den zu Besuch in Leipnik anwesenden Chajim Halberstamm zur „dritten Mahlzeit" am Sabbath Nachmittag einlud, Knöpfmacher trat in die Stube, wo Rabbi Chajim mit seinem Generalstabe sein Conventikel hatte. Der Rabbi hatte seinen Kopf in die Hände gestützt und tief auf den Tisch hinabgebeugt. Knöpfmacher, als geborener Mährer mit dem Chassidismus unbekannt, wollte den Rabbi leise berühren, als die Gläubigen auf ihn mit drohenden Geberden losfuhren, weil er es wagte, den Heiligen zu unterbrechen, während er mit den Engeln Conversation hielt. Persönlich lernte ich vor etwa 20 Jahren einen Rabbi Halberstamm aus Wisnicz, einen Enkel des Rabbi Chajim, in Vöslau kennen, der dort mit seinem chafsidischen Stabe Hof hielt. Ein Sohn des Rabbi Chajim, Namens David, wurde, wie ich mich dunkel erinnere, wegen Erpressung, begangen durch einen Bannfluch gegen Anti-Chassidäer, vor etwa 30 Jahren zu einer Freiheitsstrafe verurtheilt. Der jetzt verstorbene Aron Halberstamm muß bei dem Tode seines Vaters über 50 Jahre alt gewesen sein. Sollte er sich seither geändert haben, oder sollte er schon bei Lebzeiten seines Vaters „die schädlichen Wirkungen des Wunderrabbithums gegeißelt" haben? Ich stelle diese Frage nur zum Zwecke eigener Information, da ich im Interesse der Jewish Encyclopedia, für welche ich die Abtheilung der neueren Geschichte leite, die Zeitschriftenliteraten aufmerksam verfolge. Sehr dankenswerth war in dieser Richtung der Aufsatz über Moses Bruck von Herrn Dr. Rabbiuowicz, in derselben Nummer erschienen, aber leider zu spät für die Encyclopedia, jedoch auch hier finde ich einen Widerspruch. Nach dem Titelblatte der „Ceremonialgebräuche" und der „Pharisäische Volkssitten" heißt der Autor Brück; Herr Dr. Rabbinowicz nennt ihn Bruck. Was ist richtig? Mit diesen Kleinigkeiten hätte ich Ihre Leser nicht belästigt, wenn es mir nicht-darum zu thun gewesen wäre, meine Anerkennung für die Reichhaltigkeit des in Ihrem Blatte Gebotenen öffentlich auszusprechen und gleichzeitig vielleicht zu ähnlichen Veröffentlichungen und zu genauen Daten über die Zeitgeschichte Anlaß zu geben. Ergebenst G. Deutsch. Vermischtes. Kranzablösnngsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.» Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Regine E n r i q u e z: Von Herrn Josef Enriquez, Wien, X 20.—; von Herrn Rudolf Enriquez, Wien, X 20.—; von Herrn Jaques Sidi in Marseille, X 20—; zusammen X 60.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Adolf Kohn: Von Herrn Leopold Deutsch und Frau, I., Marc Aurelstraße 3, X 10.— Wien. Samstag den 12. September l. I. um halb 9 Uhr Vormittags feiert Herr Bernhard Trnka die Confirmation seines Sohnes Oskar im Tempel XVI., Hubergaffe 8. Wien. (Verlobung.) Fräulein Lollo Simon, Tochter des rühmlichst bekannten Pädagogen und früheren Instituts- Inhabers Director Simon, hat sich mit Herrn Max Kohn in Falkenau verlobt. Wien. (Trauung) Sonntag den 13. September l. I. um 1/25 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel XVI., Hubergasse 8, die Trauung des Fräulein Frieda Kohn, Tochter des Herrn Tempelvorstehers Samuel Kohn, mit Herrn Ignaz Sturz statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 6. September l. I. findet im israelitischen Tempel der Tempelgasse die Trauung des Fräulein Stefanie Steinberger, Tochter des bekannten Polizei-Bezirksarztes Dr. Ignatz S t e i n b e r g e r, mit Herrn Siegfried Werner statt. Wien. (Silberne H o ch z e i t.) Am 5. September l. I. feiert Herr Hermann Engel mit seiner Gattin Julie, geborene Weiß, das Fest der Silberhochzeit. Wien. Nur ein guter Mensch kann ein guter Arzt sein, war der Ausspruch von Professor Nothnagel und er ist dem auch stets treu geblieben, wie abermals folgender Fall deutlich zeigt. Der Pöstyener Rabbiner Diamant ist bedenklich erkrankt, und auf Beschluß eines stattgehabten Consiliums sollte der große Menschenfreund Professor Nothnagel berufen werden. Zufolge der geringen Mitgliederanzahl der Gemeinde ist dieselbe auch arm, der Vorstand fand es demzufolge angezeigt, anzufragen, was dieser Krankenbesuch kostet, worauf die Drahtantwort dies mit fl. 300 feststellte; daraufhin telegraphirte die Gemeinde, fl. 200 zu geben. Professor Nothnagel telegraphirte, komme nächsten Zug. Ec besuchte den Patienten und verordnete Allerlei; als ihm der Vorsteher das Honorar einhändigen wollte, erklärte er von einer solch armen Gemeinde keine Bezahlung anzunehmen, ja selbst die Reisekosten bestritt er aus Eigenem. Daß ist ein hochherziger Act. Die Stätte, die ein solch gottbegnadeter Mensch betritt, ist geweiht. Wien. Aus den Kreisen des Vereines „Adaß-Jisroel", Schiffschul, wird uns geschrieben: Samstag den 12. September 1903 werden es 20 Jahre, seitdem Herr Obercantor Ezechiel Wittmann sein Amt in der Schiffschule angetreten hat. Herr Wittmann hat durch seine hervorragenden Leistungen in seinem Berufe eine große Schaar von Freunden und Verehrern sich erworben, die stets mit Andacht und Spannung seinen angenehmen erhebenden Vorträgen im Gott-'shause lauschen. Ebenso sind es auch die humanen Gesinnungen, die er in jeder Weise zum Ausdrucke bringt, welche ihm besonders lieb und werthgeschätzt seiner Gemeinde und Mitgliedern machen, und werden es gewiß seine Freunde und Anhänger nicht unterlassen, aus Anlaß seiner zwanzigjährigen Amtsthätigkeit die herzlichsten Sympathien ihm zu erweisen. Wien. (Mufikschule Professor Adler.) Professor Adler beginnt den Unterricht in seiner Schule für Damen, Herren und Kinder in Clavier, Violine und Vorbereitung zur k. k. Musikstaatsprüfung am 15. September d. I. Die Einschreibungen finden täglich in der Musikschule. IX., Roßauer gaffe Nr. 4, statt. Wien. (S p e n d e.) Für die armen Juden in Kischenew sind uns von Herrn Ludwig Abeles in Brünn X 10.—, vor. Herrn Albert Paul in Wien X 20.— zugekommen. Preßburg. (Abschiedsfeier eines verdienten Schulmannes.) Der hier seit Jahren zur größten Zufriedenheit der Schulbehörde an der israelitischen Bürgerschule wirkende Religionsprofessor Herr Salomon L ö w y, ein gebürtiger Preßburger, verabschiedete sich dieser Tage vom Professoren-Collegium, wie von seiner Schulbehörde, um einem au ihn ergangenen Rufe nach Graz in gleicher Eigenschaft Folge zu leisten. Die Ovationen, die dem verdienten Lehrer bei dieser Gelegenheit ganz spontan zutheil geworden, legen ein beredtes Zeugniß dafür ab, wie ungern man hier in Preßbnrg das Scheiden des erwähnten Religionsprofessors von seiner hier innegehabten Stellung sieht, ja es wurden seitens der competenteu Factoren noch in letzter Almute Schritte, wenn auch erfolglos, unternommen, um diese tüchtige Kraft der hiesigen Bürgerschule zu erhalten. Diejenigen, die Gelegenheit hatten, der jüngsten Schlußprüfung der hiesigen Bürgerschule anzuwohnen, wissen, mit welcher Begeisterung, mit welch' ungetheiltem schmeichelhaften Lobe Herr Löwh bei dieser Gelegenheit seitens des Vorsitzenden Oberrabbiners B. Schreiber, dessen hervorragender Schüler er ist, sowie seitens des Subrabbiners L. Friedmann, des Schulstuhlpräses und sämmtlicher Schuistuhlmitglieder geradezu überschüttet wurde, und wurden ihm auch damals die ehrendsten Ovationen hiefür zutheil. Es ist demnach nur natürlich, daß man dessen Scheiden von hier als einen kaum ersetzbaren Verlust betrachtet, welchem Empfinden sowohl der leitende Director der Anstalt Herr Professor Max Oesterreicher, die Professoren-Collegen, sowie die Vorstände dieser Schule in warmen tiefempfundenen Worten Ausdruck verliehen. Herr Prof. Salomon Löwy verbindet nebst einem gründlichen jüdischen Wissen (er ist diplomirter Rabbiner, sein Diplom ziert die Unterschrift einer jüdischen Koryphäe) schönes vielseitiges Gelehrtenthum und darf die israelitische Gemeinde Graz zu dieser Acquisitation sich nur beglückwünschen. Möge die allseitige Sympathie, deren Professor Löwy sich hier allerorten erfreute, ihm auch an der Stätte seines ferneren Wirkens stets nach Verdienst zutheil werden. Wr -Neustadt. Der Cultusausschuß der israelitychen Eullns - gemeinde Wr.-N e u st a d t hat Herrn Ignaz S ch i s ch a, Vorstand der obgedachten Cultusgemeinde, eine in Würdigung seiner besonderen Verdienste um das Emporblühen der Gemeinde und namentlich wegen des prachtvollen Monumentalbaues seines Tempels nämlich, sehr schöne Ehrung zugedacht. Als Herr Vorsteher Jacob Wolf die für den 26. d. M. einberufene Sitzung eröffnete, erbat sich Herr Dr Keßler das Wort und schilderte den ganzen Werdegang der vor 10 Jahren noch die Kerzen des Tempels schuldenden Gemeinde und die heute in der Lage ist, einen so schönen Tempel zu besitzen, und dieses Alles ist