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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-04 · 36 (4.9.1903) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
36 (4.9.1903)
Date
1903-09-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Wlocb's Mocbenscbrird Seite 579 keine Lieferung. Sie wollten sich so als gefinnungstüchtige Antisemiten zeigen; aber ach die Herrlichkeit währte nicht lange, denn der socialdemokratische Gemeindeausschuß riß ihnen die Maske recht unsanft herab, er bewies dem Bürgermeister und einem christlich-socialen Gemeindeausschuß nach dem andern, daß sie alle ihre Möbel von dieser jüdischen Firma bezogen haben. Für sich selbst kaufen sie beim Juden, um ihr eigenes Geld zu ersparen, auf Kosten der Gesammtheit wollen sie aber ihren Antisemitismus documentiren. DieRede des Socialdemokraten hatte den bemerkenswerthen, bei den Wiener Barriörestöcken nicht möglichen Erfolg, daß selbst einige Christlich-Sociale für seinen Antrag stimmten, der auch angenommen wurde. Krakau. (Kindesraub in Galizien.) Das Kreisgericht Stanislau, hat. wie wir jüngst berichteten, dem Bezirksgerichte aufgetragen, die unrechtmäßig getauften unmündigen Kinder Reiß dem väterlichen Hause zurückstellen zu lassen. Das Bezirksgericht Stanislau hat jedoch trotzdem beschlossen, erst nach Rechtskraft der obergerichtlichen Entscheidung die nöthigen Schritte hiezu einzuleiten. Der Vertreter des Vaters dieser Kinder, Dr. Raphael Landau in Krakau, hat dem Bezirksgerichte Stanislau mit Berufung auf das kaiserliche Patent vom 9. August 1854 eine Vorstellung überreicht mit dem Ersuchen, im Sinne der obergerichtlichen Entscheidung unverzüglich die nöthigen Anordnungen zu treffen, eventuell aus Grund des § 12 dieses Gesetzes wegen der dringenden Gefahr, daß die Kinder unauffindbar werde», die nothwendigen Vorkehrungen zur Sicherheit derselben zu treffen. Diesem Ansuchen wurde keine Folge gegeben, trotzdem der Aufenthaltsort der Kinder längere Zeit dem Vater geheimgehalten und trotzdem der Aufenthalt derselben oft gewechselt wurde. Gegen die Entscheidung des Bezirksgerichtes hat Dr. Landau dem Kreisgericht Stanislau einen Recurs überreicht. Gleichzeitig hat in Folge der durch Dr. Landau dem Ministerpräsidenten überreichten Beschwerde Statthalter Graf Potocki vom Krakauer Magistrat die Acten über die vollzogene Taufe der Kinder verlangt. Budapest. Sechs der unglücklichen Opfer der grauenhaften Brandkatastrophe wurden unter riesiger Theilnahme aller Kreise der Bevölkerung zu Grabe getragen. Die Beerdigung fand vom Leichenhause des neuen israelitischen Friedhofes aus statt. Schon um 8 Uhr Früh zogen Schaaren von Theilnehmenden nach dem Friedhofe, so daß zu Beginn der Trauerceremonie das im Friedhofe versammelte Publicum nach Tausenden zählte. Einen schauerlichen, tief erschütternden Anblick boten die neben einander stehenden sechs schwarz überzogenen Särge, umgeben von den Organen der Chewra-Kadischa; Hunderte von Menschen schluchzten laut und kein Auge blieb trocken, kein Herz ohne tiefe Erschütterung. In den sechs Särgen lagen: Frau Witwe Ludwig Markus, deren Tochter Margit, die Schwestern Margit und Janka Weinberger, Anna R e i ch m a n n und Geza Blankenberg. Beim Herannahen der so schwer getroffenen Angehörigen der unglücklichen Opfer spielten sich herzzerreißende Scenen ab. Die Mutter der Schwestern Weinberger stürzte sich laut schreiend auf die Särge der ihr so jäh und so schrecklich entrissenen Kinder und mußte ohnmächtig weggetragen werden. Die kleine Schwester der Margit Markus jammerte herzbrechend am Sarge der theueren Mutter und der geliebten Schwester, die Eltern der Anna Reichmann, des Geza Blankenberg, sie lagen jammernd über den Särgen, die ihr Theuerstes auf dieser Erde umschlossen ... Die furchtbaren Schrecken der Katastrophe, sie waren übel troffen von dem hier sich kundgebenden unendlichen Wehe... Um 10 Uhr begann die Trauerceremonie mit einem unter Leitung des Obercantors Lazarus ausgeführten, tief ergreifende»« Trauerchoral. Sodann bestieg Rabbiner Dr. Samuel Kohn die angesichts der sechs Särge errichtete Trauerkanzel und hielt eine überaus ergreifende, von tiefer Religiosität, echter Menschenliebe durchwehte Trauerrede, welche wie Balsamtropfen auf den unsäglichen Schmerz der tiefgebeugten Angehörigen wirkte. Groß »var das Unglück, ungeheuer der Schmerz, allein die Worte des ehrwürdigen Redners waren der Situation angemessen; konnte irgend etwas Trost bieten, so waren es sicherlich diese aus tiefstem Herzen kommenden und in die Herzen dringenden Worte! Lautes Schluchzen begleitete das feierliche Anrufen der Namen der unglücklichen Opfer, mit welchem der Redner begann. Fortfahrend sagte der Rabbiner, die Hände zum Hirnmel erhebend: Allmächtiger! Wie furchtbar war Dein strafender Arm! Nicht Einzelne, sondern schaarenweise fordertest Du die Opfer, Mutter und Tochter, lebensfrohe, noch kaum der Knospe entsprossene Blumen mußten zun» Opfer fallen; junge, kräftige Arbeiterhände »nutzten erlahmen und ihre Thätigkeit für immer einstellen, llnserer wahren Pietät Ausdruck zu verleihen, die in Trauer versetzten Eltern und Verwandten zu trösten, sie aufzurichten, sind wir hieher gekoinrneu. Den Schwerkranken spendete unser edler König selbst Trost und gab ihnen reichliche Spende; nun liegt es an uns, den durch die Katastrophe heimgesuchten Verwandten den Trost zu spenden und für die unglücklichen, in der schönsten Blüthe ihres Lebens dahingerafften Opfer gemeinsarn zu beten, daß er sie in das Reich der Ewigkeit aufnehme. Wir sind doch Alle Kinder eines einzigen Gottes, und »vollen mit Jenen, die jetzt auf einem anderen Gottesacker ebenfalls für zwei unglückliche Opfer Gebete verrichten, gemeinsain zuin Himmel für die Seelen der Heilngegangemn beten. Mögen unsere Thränen und unser Schrnerz Euch begleiten! Amen! Der Chor stimmte sodann ein Trauerlied an, worauf die einzelnen Särge, jeder von einer kleinen Scbaar von Verwandten und Bekannten begleitet, zur ewigen Ruhe geleitet wurden. Obercantoc Lazarus stimmte ein vorn Chor begleitetes Trauerlied an, worauf die rituellen Gebete folgten. Nun deckt die kühle Erde die Ueberreste der unglücklichen Opfer; möge ihnen die unbegrenzte, pietätvolle Theilnahme ihrer Mitmenschen die Erde leicht machen. Das Trauerpublicmn entfernte sich vom Gottesacker wie aus einem Gotteshause; es beugte sich Alles vor der ... Majestät des Todes ... Die Grabstätten wurden von der Chewra-Kadischa gratis beigestellt; der Heilige Verein hat überdies auch sämmtliche Kosten der mit dem feierlichsten rituellen Pompe vorgenoinmenen Bestattung aus Eigenen» bestritten. Prag. Zur Hauptversammlung des israelitischen Landeslehrervereines in Böhmen hatten sich unter Anderem eingefunden: Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld und Rabbiner Dr. Aladar Deutsch, sowie das Mitglied des Weinberger Bezirksschulrathes Dr. Hamburger. Der Vorsitzende Religionslehrer Springer, widmete zunächst dem verstorbenen Mitglieds Moritz Kraus aus Prag einen Nachruf. Hierauf hielt Oberlehrer Robitschek (Straßnitz) einen Bortrag über das Thema »Wie ist der Unterricht aus der Religionslehre in der Volksschule zu gestalten?* Nachdem der Vortragende zuerst die specielle Methodik dieses Unterrichtszweiges dargelegt hatte, zeigte er sodann in einer musterhaft aufgebauten Probelection die Verwerthung der gewonnenen Unterrichtsgrundsätze in der Praxis. Der Bortrag wurde mit reichem Beifalle ausgenommen. Dem Rechenschaftsberichte des Schriftführers Rabbiner Freund (Bodenbach) ist zu entnehmen, daß der Ausschuß des Vereines auch im verflogenen Jahre bemüht war, für dasWohl der Mitglieder jederzeit einzustehen. Aus dem vom CassierReligionslehrer Löwy (Prag), erstatteten Berichte ist zu ersehen, daß sich die Kranken- und Darlehenskasse des Vereines als eine wahre Wohlthat für kranke und nothleidende Mitglieder erweist. Beide Berichte wurden einstimmig genehmigt. Ebenso wurde das Referat des Rabbiners Freund als Redacteur des Vereinsblattes »Mittheilungen* genehmigt. Auf Antrag des Ausschußes beschloß die Hauptversammlung, an die Statthalterei das Ansuchen zu stellen, Fragebogen in Bezug auf Relegung des Religionsunterrichtes, wie sie in Deutschland zur Verwendung gelangten, an die Cultusgemeinden abzusenden. Ferner beantragte Rabbiner Freund, der israelitische Lehrerverein möge dem Verbände »Zion", und zwar dem jüdischen Bolksvereiu in Prag beitreten. Beide Anträge wurden angenommen. Der Ausschuß wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. Demselben gehören an: Obmann S. Springer. Religionslehrer (Prag); Obmann-Stellvertreter Rabbiner A b e l e s (Kuttenberg); Schriftführer Rabbiner Freund (Bodenbach); Cassier Religionslehrer Löwy (Prag); Rechnungsführer Directvr Schwager (Prag). Rabbiner Hoch (Tschaslau), Rabbiner Stein (Radnitz). Nach Absendung einer Huldigungsdepesche an die kaiserliche Cabinetskanzlei schloß der Vorsitzende mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser die Sitzung. Begrüßungsschreiben waren eingelangt von Dr. Bendiener, Mitglied des k. k. Landesschulrathes, von Herrn Dr. Lichtenstein, Präsident der Landesjudenschaft, u. A. Teplitz-Schänau. Löbliche Redaction! Sie brachten unter Prag (Ja, Jude, das ist etwas anderes) in Nummer 33 Ihres geschätzten Blattes eine Notiz über ein Pensionat, und da ich auch zu jenen von Gott begnadeten Geschöpfen gehöre, die ein solches besitzen, so gestatten Sie mir. Ihnen einige Zeilen zu schreiben, um Ihnen über diesen Passus Aufklärung zu geben. Nicht nach Prag schickt der bessere Jude Böhmens seine Kinder, nein, sein schwer erworbenes Geld wandert ins Ausland — besonders nach Dresden — das ist das Eldorado der P. T. czechischen jüdischen Eltern. Ich Habe ein (am Prospeet werden Sie es sehen) wirklich gutes, nicht zu theueres Pensionat, so viel ich weiß, das einzige jüdische in der Provinz. T. selbst ist eine kunstsinnige, schöne, gesunde Curstadt, die Lage romantisch, hat Concerte, Theater, nebenbei vorzügliche Schulen, französischer, englischer Professor im Hause, und ich hatte voriges Jahr 5 Pensionärinnen, heuer habe bis jetzt 4 fest angemeldet. Wie oft höre ich: »Ja, wenn Sie in Dresden wären, dann hätten Sie

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