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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-04 · 36 (4.9.1903) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
36 (4.9.1903)
Date
1903-09-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 678 Dr. Wlocb's Mocbenscbrlkt. Nr. 36 Sitzungen wie in Gegenwart Andersgläubiger als ein lächerliches, von einem barbarischen Zeitalter überkommenes Postulat bespötteln, die sofort bereit sind, aus einer Personenfrage eine Confeffions-Converstonsfrage zu machen. Selbstredend sind da nur obbenannte Elemente gemeint, die Intelligenz trachtet da zum überwiegenden Theile, sich fern zu halten und ihren Kindern nach Möglichkeit eine religiöse Erziehung zu geben, dabei jede religiöse Anschauung achtend. Ebenso ist es Thatsache, daß in solchen Gemeinden sehr viele Kinder ohne Religionsunterricht aufwachsen, ja, es ist mir sogar eine Gemeinde bekannt, die weder Religionslehrer noch Schochet hat, ein Beweis, daß dies auch in anderen Gemeinden der Fall sein kann; die Leute kommen dabei sehr gut aus, sie ersparen die Cultussteuer. Die Rabbiner, die berufen wären, derartigen Zuständen entgegenzutreten, sind in solchen Gemeinden ohnmächtig, in ihrer Abhängigkeit, um ihre Stellung nicht zu erschüttern, sich scheinbar ungerne, innerlich aber doch froh, bei wichtigen religiösen Fragen von einem Fait accompli überraschen lasten und nachgeben — um des lieben Friedens willen. Die in solchen Gemeinden Heranwachsende Jugend, ohne jedwedem religiösen Misten noch Halt, sucht in anderen, zumeist Großstädten nach Existenz und vermehrt da das Renegatenthum, gegen welche dann die solidest verwaltete Gemeinde vergebens ankämpft. Was nützt es, wenn die Renegaten öffentlich bekanntgegeben werden; diejenigen sollen am Pranger gestellt werden, welche dem die Wege ebnen, und das sind oben beschriebene, ollen jüdischen Gefühles baare Leiter von Cultusgemeinden. Daß in solchen Gemeinden der altbewährte jüdische Gemeinfinn vollkommen geschwunden, daß nicht einmal Interesse für eine Zeitung, welche jüdische Interessen vertritt, gefunden wird, geschweige denn für eine jüdische Organisation, ist selbstverständlich. Darum sollte auch hier der Oesterreichisch-israelitische Bund seine Thätigkeit entfalten, er würde nicht nur ein dankbares Feld fi 'den, sondern sich auch die Dankbarkeit aller jüdisch denkenden und fühlenden Kreise erwerben. Mit der Ansicht des geehrten Herrn Einsenders, die nothleidenden Gemeinden zu unterstützen, kann ich mich jedoch nicht befreunden, zumal mir die Zustände in Mähren, wo die Gemeinden vom Landesmastafonde unterstützt werden, als kein nachahmenswerthes Beispiel erscheinen. Der Mährisch-jüdische Landesmaflafond, dessen ursprüngliches Statut, das Erträgniß zum Theile zur Subvention schlecht honorirter Cultusbeamten wie zur Unterstützung deren Witwen und Waisen bestimmte, ist unter der Verwaltung der Cultusgemeinden zu einer Quelle des Einkommens für dieselben geworden, wo die Cultusbeamten nicht nur das Nachsehen, sondern auch den Nachtheil haben. Das Letztere ist auch an den schweren Geburtswehen des Pensionsstatutes zu bemerken, welches immerhin einzelne cultusbeamtenfreundliche Gemeinde-Delegirte dort anstreben. Tachau S. . . Wien. Hochgeehrter Herr Redacteur! Ich habe mir erlaubt, vor einiger Zeit in einer Zuschrift an Sie den Zustand des Stadttempels in hygienischer Beziehung zu schildern. Ich gab mich der Hoffnung hin, daß wenigstens etwas geschehen wird, um die Verhältnisse zu bessern. Ich habe mich aber sehr getäuscht. Ich hatte vor einigen Tagen Jahrzeit und war im Tempel. Was ich da zu sehen, respective zu riechen bekam, ist in Worten nicht zu schildern. Trotzdem es ein schwüler Augusttag war. war von den Fenstern auch nicht die kleinste Lücke offen. Gleich beim Eintritt durch's Hauptthor in der Seitenstettengaffe wird der Athem erdrückt durch die nicht zu beschreibende Stickluft, welche in diesem, durch 70 Jahre nicht ventilirten Hause herrscht. Wenn der löbliche Vorstand politischen Angelegenheiten sich ferne hält, in dem Kampfe gegen den Antisemitismus, wie wir gesehen haben, für machtlos sich erklärt, so sollte man wenigstens erwarten, daß er den inneren Verwaltungsdienst die vollste Aufmerksamkeit zuwendet, die Wünsche und Bitten der Gemeindemitglieder berücksichtigt. Leider sehen wir, daß auch das nicht immer der Fall ist. Wie oft habe ich die gleiche Angelegenheit wie heute angeregt und urgirt, ohne daß bisher etwas geschehen ist. So bleibt mir denn kein anderer Ausweg, als neuerdings an die Oeffentlichkeit zu appelliren und die geehrte Cultusverwaltung an ihre Pflicht ernstlich zu erinnern. Hochachtungsvoll Albert Mandelbaum. Wien. Wir lesen in der „Aerztlichen Standes-Zeitung* Nummer 17: Eine Niederträchtigkeit leistet sich die „Oesterreichische Bolkspreffe" des ehemaligen Greislers und nunmehrigen Landtagsabgeordneten Hermann Bielohlawek. Sie veröffentlicht die Namen der in Wien bei den Genossenschaftskrankencaffen angestellten Aerzte und speit Gift und Galle darüber, daß unter diesen Namen die Mehrzahl der mosaischen Religion angehört. Wir haben schon oft betont, daß für die Anstellung eines Arztes lediglich die Tüchtigkeit entscheiden soll, nicht der Umstand, ob jemand Christ, Jude oder Heide ist. Freilich die Commune Wien macht es zur Grundbedingung, daß keiner ihrer Angestellten deutschnational, ollveutsch, socialdemokratisch oder jüdisch sein darf, sonst darf er jede in Wien existirende politische Richtung haben .... Es ist wahrlich traurig um den Charakter unseres Jahrhunderts bestellt, wenn ein solch bestialisch gemeines Blatt verlangen kann, daß man Aerzte, die außer ihrer Religion sonst keinen Fehler haben, brotlos machen soll. Dieses Blatt, das von der Propagirung der Brutalität lebt, möge wenigstens dafür plaidiren, daß ein Arzt, der durch die bewirkte Entlassung v a c i r e n d ist, nach berühmten Muster Secretär der Franz Josefs-Stiftung wird. Was gehen denn übrigens Herrn Bielohlawek die Aerzte an? Wahrlich, die Stadt Wien ist um diese Capacität zu beneiden, Wien sieht und hört seine Triumphe täglich; ob aber nicht ein auswärts Stehender mit Don Carlos ausrufen könnte: „Wer ist das? Durch welchen Mißverstand hat dieser Fremdling Zu Menschen sich verirrtV Wien. Vielfach ist darüber Klage geführt worden, daß unsere Glaubensgenossen in der Türkei und namentlich auch im heiligen Lande zu ihrer Correspondenz nicht die türkische Post benitz n. sondern fremde Postämter. Wenn es religiöse Pflicht der Juden ist, das Wohl des Landes zu suchen, in welchem sie leben, so ist eine Benützung der fremden Postämter zweifellos ein Unrecht, von besonderen Ausnahmsfällen abgesehen. Ein besonderer Mißbrauch ist es, daß die Juden in Palästina sich im starken Maße der russischen Post bedienen. Es ist empörend, daß in der Zeit, in welcher alle Welt über die Mitschuld der russischen Regierung an den Kischenewer Unruhen entrüstet ist, unsere Glaubensgenossen in Palästina den Einfluß dieser selben Regierung in Palästina durch Benützung der russischen Post vermehren. Hierzu kommt, daß gerade beim russischen Postamt die Concurrenzmittel mehrfach unanständig und sogar ungesetzlich sind, während die deutsche und französische Post streng auf dem Boden anständiger, beamtenmäßiger Verwaltung bleiben. Beispielsweise gibt die russische Post auf Markenverkauf starke Rabatte, Schnorrer erhalten nicht nur Credit, sondern auch die Adressen europäischer Wohlthäter geliefert. Am empörendsten ist aber, daß die r u ssischePost dieFrancatur durch türkischeBriefmarken nicht anerkennt. Kommt ein nach Rußland gerichteter, mit türkischen Briefmarken richtig gestempelter Brief nach Jerusalem zurück, so fordert das russische Postamt von dem Absender den doppelten Betrag des Portos, als ob der Brief überhaupt nicht srankirt gewesen wäre. Da unter Anderem Drucksachen in großen Massen mit dem Vermerk ,rekusä par 1a eensure“ zurückgehen, ist der Betrag dieser Strafporti nicht unerheblich, und es wird dadurch zu Gunsten der russischen ein starker Druck ausgeübt. Da ein großer Theil der Absender aus russischen Unterthanen besteht, über welche der russische Consul Jurisdiction hat, können sich die Absender der Verpflichtung, diese „Strafporti" zu zahlen, nicht entziehen. Umsomehr sollte es Pflicht der deutschen Juden sein, jedes Schreiben und jedes Bittgesuch, welches mit der russischen Post nach hier geht, einfach in den Papierkorb zu werfen. Bemerkt wird hierbei, daß die Gesellschaft „maschab sekenim“ sich stets der russischen Post bedient. Es wird demgemäß gewarnt, dieser Gesellschaft etwas zu geben, bevor sie in dieser Beziehung nicht andere Gewohnheiten angenommen hat. Neuerdings hat sich auch der Herausgeber des Palästina-Almanachs, A. M. Luncz, der russischen Postbedient, so daß auch er eventuell von den Abnehmern seines Almanachs zu belehren wäre. Floridsdorf. In einer der letzten Sitzungen des Floridsdorfer Gemeindeausschusses spielte sich eine interessante Episode ab. die ein bezeichnendes Licht auf das Gebühren und auf den deutschen Mannesmuth unserer Antisemiten wirft. Es handelt sich um die Vergebung der Möbellieferung für das neue Floridsdorfer Rathhaus; der christlich-sociale Referent befürwortete die Annahme der Offerte einer Wiener Möbelfirma, und als ein socialdemokratischer Gemeindeausschuß mit Rücksicht auf die billigere Offerte die Vergebung der Lieferung an die Floridsdorfer Möbelfirma Sinai beantragte, in welchem Falle, abgesehen davon, daß die Gemeinde Geld ersparte, auch Floridsdorfer Arbeiter Beschäftigung fänden, erklärten die Christlich-Socialen, ein Jude bekomme

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