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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-04 · 36 (4.9.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
36 (4.9.1903)
Date
1903-09-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 576 Dr. Llocd's Mocbenscbrltt. Nr. 36 ruhe, Lebensglück, Sorgenfreiheit und Herzensfrieden gewähren, auf daß er dieses Berufes und dieser Pflichten, dieses göttlichen Besitzes sich erfreuen könne. So, m. Fr., zeichnet die Thora in ihrer unvergleichlich kurzen und tiefen Art die Geschichte der Einsetzung und die beruflichen Pflichten des Priesters und Leviten. IL Bedarf es erst der Frage, ob diese wunderbare Zeichnung auch heute, auch jetzt, auch für uns Geltung und Anwendung habe? ton» nu b’-on KVin nw Vor noch nicht fünfzig Jahren schlug auch dem heutigen Israel eine Erlösungsstunde aus dem Joche moderner, aber keineswegs weniger grausamer egyptischer Sclaverei. Es war die Zeit der großen Geisteskämpfe, deren Elgebniß die Verkündung der Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetze war. Eine neue Offenbarung menschlicher Gesetze erlebten wir und wohl vergleichbar ist jene Zeit mit derjenigen, welche die Thora als k\ti nw bezeichnet hat und zu welcher die Priester und Leviten auserwählt worden waren. Aber auch die Kehrseite des glänzenden, farbenprächtigen Bildes stimmt in manchen Zügen mit jener Zeit überein. Die Eröffnung der Freiheitsthore und das Niederströmen des wohlthätigen Gleichheitssegens, so unendlich beglückend, hatten, wie dies bei weltbewegenden Ereigniffen fast immer der Fall ist, ihre Schattenseiten. Wer die Geschichte Israels um jene und vor jener Zeit kennt, wird zugcben, daß der Geist Gottes, der Geist des edelsten, reinsten und tiefsten Judenthums bis dahin in den weitesten und tiefsten Schichten des Judenthums anzutr<fsin war. Israel war in vielfachem Sinne ein Reich von Priestern und fast jeder Glaudensbruder war geschmückt mit der Doppelkrone der Thora und des Glaubens; jeder zumal vermochte das Thorawort zu lesen und zu verstehen und war in der Lage, einen nicht geringen Theil der Wiffensschätze des Judenthums sich anzueignen. Priester, Leviten. Seelsorger, Prediger gab es wohl, aber sie waren nahezu überflüffig; denn jeder Vater versah den heiligen Dienst, ausgerüstet mit dem nöthigen Vorrath an Wissen, an Tugend und an Frömmigkeit. Die neue Offenbarung einer neuen Zeit schuf hier, wer wird es leugnen, Wandel. Im ersten Jahre nach der Erlösung aus dem modernen Egypten, kurz nach der Verkündigung der Freiheitsgesitze entstanden neue Götter, goldene zwar nicht immer, doch anbetungswerth, aber ach, auch zu Jrrthum und Fehler verführend und verleitend. Um jene Zeit — u'NN ni» — stellte sich die unbedingte Nothwendigkeit heraus, Priester und L« Viten einzusitzen. Der Geist Gottes flüchtete aus den Familienhäusern, aus denen die blendende, aber auch sengende Sonne ihn leider vertrieben hatte, in die Synagogen und Schulen. Priester und Leviten erhielten, die alleinige Aufgabe: „zu tragen die Bundeslade des Ewigen, zu stehen vor dem Ewigen und ihm zu dienen und zu segnen in seinem Namens Wer wird zweifeln, daß diese heiligen Pflichten heute also mehr als je zuvor Demjenigen obliegen, welcher der geistliche Führer und Berather einer jüdischen Grmeinde sein soll? Ihnen zu genügen mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele ist seine Lebensaufgabe, sein Lebensziel, wofern er nicht an falscher Strlle stehen und sein priesterliches Amt entheiligen und entwürdigen will. Und so bin auch ich in gottergebener Dcmuth bereit, die Last der heiligen Lade mit Euch vereint zu tragen. Lasset uns die Thora lernen und üben; sie bedarf der Liebe gar sehr; denn «verschmäht, verkannt und oft entehrt liegt sie in verborgener Ecke". Dienen will ich in Aufrichtigkeit und Treue, mit Mannesmuth und ungebeugter Kraft. Segnen will ich mit Inbrunst und väterlicher Sorge und Liebe jetzt und immerdar; mit Euch fühlen, Leid und Kummer theilen, Euch Freund und Berather sein. Hiezu aber bedarf es, meine Freunde, noch Eines. Dicht neben den Priester Pflichten zeichnet die Thora auch der Gemeinde Israel den Weg var, den zu gehen sie verpflichtet ist. Die Thora thut dies mit nicht minder eindringlichem, bündigem, ernstem Worte und sagt: .Und jetzt, Israel'! Was verlangt der Ewige dein Gott von dir? Nichts Anderes, als nur zu fürchten deinen Gott/ Nur dieses wenige! Dies ist aber auch Alles, und mit Recht fragen die Talmudweisen: „Ist denn Gottesfurcht etwas Geringls? Die Antwort aber lautet: »Ja, bei Moses/ Zur Moseshöhe mit allen Mitteln und Kräften emporzustreben, den Sinn und Willen der Thora zu erfüllen, dies sei uns Allen Aufgabe und Pflicht; zu wandeln in den Wegen der heiligen Schrift, Gott zu lieben und zu fürchten mit Herz und Seele. Dann werden die geeinten und einigen Kräfte des Priesters und der Gemeinde, das Streben, Wirken, Schaffen und Arbeiten des Gottesdieners zum Segen führen, wird sein Wort in die Herzen dringen und das Ohr sich willig öffnen seinem Worte; wird er Müde und Matte kräftigen, Morgen für Morgen wecken zu frischer, kraftvoller That für unser so sehr gefährdetes Judenthum; dann wird er im Sinne der Thora und des Propheten aufrecht stehend seinen Dienst verrichten, willig die Last der heiligen Gotteslade tragen und erfüllt von heißer Liebe zu Gott, über dessen Volk segnend seine Hände breiten 'p'-a*' u. s. w. Korrespondenzen. Wien. (Amtseinführung des neuen Rabbiners Herrn Dr. Max Grunwald.) Freitag den 28. August, 6 Uhr Abends, fand im Tempel der israelitischen Cultusgemeinde, XV., Turnergasse, die feierliche Installation des Herrn Rabbiners Dr. Max Grunwald statt. Die Vorbereitungen zur Feier hatten die Mitglieder des Bethausvorstandes: Obmann-Stellvertreter Neufeld, Director Hecht, Mohr, Duschinsky, Spitzer und Blödy getroffen. Lange vor Beginn des Gottesdienstes hatte sich ein zahlreiches Publicum in dem aus diesem Anlasse überaus reich geschmückten Tempel eing«fanden; dichtgedrängt, Kopf an Kopf harrten sie aus. Die Frauengalerie war derartig gefüllt, daß eine große Anzahl von Damen wegen Raummangels keinen Platz mehr finden konnte. Vom Cultusvorstand waren erschienen: de'' Vicepräsident k. k. Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, die Bluter Ober-Ingenieur Arthur Edler von Mises, k. k. Baurath Wilhelm Stiaßny, die Vorsteher Professor Ehrmann, Eltbogen, Hoffmann, kms. Rath Wilhelm Pollak. Sodann Delegirte sämmtlicher Corporationen und Vereine des Bezirkes. Von der" Bezirkscommission: Obmann Börsenrath S. Beer, die Commissivnsmitglieder: Pick, Stern und Bernhard; von der Chewra-Kadischa: Präses Dr. Bars, die Vorstandsmitglieder: Max Haaß, M. Weiß, A. Stern und Rechnitzer. Vom Verein Maskil el dol bic Vorstandsmitglieder: Mohr, Grün wald, Dr. Deutsch,Landeissun. VomKinderausspeisungsverein: die Präsidentin Frau Regine Land eis und mehrere Vorstandsdamen. Von der Talmud-Thora der I. Obmann-Stellvertreter Herzog, vom Vereine „Chesed Scliel Emes“ die Herren Herzog und Weiß. Unter den Gästen bemerkte man die Herren Rabbiner Doctor Feuchtwang, Dr. Templer, die Bethausvorsteher Ad. Stiaßny Armenvorsteher Jellinek, BethausVorsteher im X. Bezirk: Carl Seligmann; Bethausvorstand Margarethen: Adolf Hoffmann; Bethausvorstand Ottakring: Sam.Kohn; Bethausvorstand Stumpergasse: Leopold Werth er, des Bethausvorstandes Währing: Fränkel; den Obmann des Verbandes der österreichischen ,Aons"-Vereine,. Dr. Kreuberger. Man bemerkte ferner als Gäste die Herren kaiserl. Rath Dr. S. Kohn, die Hof- und Gerichtsadvocaien Dr. Langstein, Dr. Wagner, Dr. Zins, Commercienrath Stiaßny, Vorstandsdamen aus den anderen Bezirken, so Frau Dr. Wagner und Vorsteherin Hoffmann (aus Währing), sowie zahlreiche Freunde und Verehrer des neuen Rabbiners. Nach sechs Uhr begaben sich die Mitglieder des Cultusvorstandes im Vereine mit den Bethausvorstehern in die Wohnung des Rabbiners, um ihn abzuholen. Herr Cultusvertreter k. k. Baurath Wilhelm Stiaßny richtete an den neuen Rabbiner eine herzliche Begrüßungsansprache und lud ihn ein. der Deputation zu folgen. Unter Vorantritt von 36 Schulmädchen, Töchtern aus den besten Familien der Gemeinde, gefolgt von den Cultus- und Bethausvorstehern, hielt Herr Rabbiner Dr. Grunwald den Einzug in den reich decorirten Tempel, begrüßt mit einem „Boruch-Habo“ des Herrn Obercantors Jurberger und Cantors Schleifer. Im Namen der Tempelverwaltung richtete Herr Director Hech t an den Rabbiner eine formvollendete geistvolle Ansprache, in welcher er dem Rabbiner zusicherte, daß ihm alle Kreise der Gemeinde warme Sympathien entgegenbringen und daß der Bethausvorstand, in dkssen Namen er ihm ein herzliches Willkommen zurufe, bereit sei, sein Wirken mit allen Kräften zu unterstützen. Redner verfehlte nicht, die Institute der Gemeinde, speciell die Schulanstalten, der lebendigen Fürsorge zu empfehlen. Hierauf folgte ein Hallelujah, sowie ein Lied, gesungen

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