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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-04 · 36 (4.9.1903) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
36 (4.9.1903)
Date
1903-09-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 574 Dr. Dlocb s Mocbenscbrttt. Nr. 36 zu festigen, das ist die Aufgabe jeder Gemeinde in Israel. tr*7cn n'roa Bruderhilfe, das ist neben nun und maj; der dritte Pfeiler des Himmelreichs auf Erden. Auch hier stellt die neue Zeit ein neues Ziel. Meine Andächtigen! Die Bruderhilfe kommt zu spät, sie wird ihrer heiligen Aufgabe nicht voll gerecht, wenn sie erst eingreist. um dem Bruder, der schon zu Boden gesunken, den kargen Bisten, dem Verschmachteten den Labetrunk zu reichen. Nein, nicht Leiden lindern, sondern, wo es irgend angeht, die Leiden des Bruders hindern, den Wankenden stützen, daß er nicht falle, diese sociale Fürsorge und brüderliche Hilfsbereitschaft hat das alte Buch der Bücher uns eingeschärft, sie allein heißt in Wahrheit: ll'nen rrfcm Und gerade in unserer Zeit, da Haß und Neid der Feinde unsere Brüder immer enger auf einander anweist, wo man der jüdischen Arbeit die Thür schließt und den jüdischen Kaufmann zwingt, aus Noth die Thür zu schließen, jetzt muß auch im Erwerbsleben immer fester und inniger werden der Zusammenschluß zwischen Bruder und Bruder. Wen die Vorsehung begünstigt, daß er die Zinnen des Glückes erklommen, je höher sein Stand, umso höher muß der Sinn ihm stehen, umso höher das Herz ihm schlagen für seine Brüder, die drunten in den Tiefen unter der Last des Lebens keuchen. Zu einem reichen Mauue kam einst ein Freund zu Besuch. Er fand einen Troß von Dienern vor und machte dem Hausherrn freundschaftlich den Vorwurf: „Wie kann man so viel Diener brauchen?" — „Mein Freund?, erwiderte der Wirth, „ich brauche sie nicht, sie aber brauchen mich." So sollte jeder Reiche in Israel von seinen Brüdern denken: Wenn ich auch sie nicht brauche, sie brauchen mich. Und daran zu mahnen, die Gewissen aufzurütteln, für gegenseitige Fürsorge und Bruderliebe, für solch' inniges Zusammengehen mit allem Eifer einzutreten, das ist die Pflicht dessen, der von Gott bestellt ist, p» uv^i oa» wab „einen Himmel zu pflanzen und eine Erde zu gründen." IV. nnn ar „und zu Zijon zu sprechen: Mein Volk bist Du." Der Bannkreis der Gemeinde darf nimmermehr begrenzen den Gesichtskreis eines Führers in Israel. In der Gemeinde selbst muß er wachhalten das Bewußtsein: Wir stehen nicht für uns allein, wir sind ein Theil nur eines großen Ganzen, ein Glied nur eines großen Volkes mit ruhmbeglänzteu Erinnerungen und weitausschauenden Hoffnungen. Was immer das Judeuthum bewegt, und sei es räumlich noch so fern, unserem Herzen muß es nahe sein. Auf Schritt und Tritt muß uns bestimmen und leiten der Ausblick auf das Ganze, der Gedanke an das gesammte Israel, eine Stimme in unserer Brust, die zu ganz Zijon spricht: nn« "BP „mein Volk bist Du". Und wie der Leitung jeder Gemeinde, so muß es auch jedem einzelnen Juden ins Herz geschrieben st'hen: Das Höchste, was der Mensch besitzt, das ist sein Volk. Jede Versündigung an diesem Geist der Gemeinschaft, sie fällt nicht nur zurück auf das Haupt des Sünders, sie trifft die Gesammtheit der Brüder. Unsere Weisen erzählen uns ein lehrreiches Gleichniß: Ein Boot kämpft auf hoher See in schwerer Noth bei Nacht und Nebel gegen Wind und Wogen. Welle auf Welle rollt donnernd heran, droht seine Planken zu zertrümmern. In ängstlicher Spannung lugt Alles nach der Richtung, wo man die Küste, den Hafen erwartet, ob nicht Hilfe, nicht ein reitendes Licht sich zeige. Nur einer sitzt abseits von den Gefährten, unheimlich ist sein Sinnen und Thun. Feindschaft erfüllt seine Seele gegen einen der Gefährten, ihn will er vernichten um jeden Preis, und in blindem Hasse bohrt er an seinem Platz den Boden des Nachens au. Der Führer des Bootes erkennt die Gefahr. Er stellt den Thäter zornig zur Rede. Doch dieser antwortet höhnend: „Ich habe diesen Platz bezahlt, mir gehört dieser Theil des Bodens, und was mir beliebt, kann ich damit beginnen". „Du tückischer Thor", belehrt ihn der Führer, „weißt Du denn nicht, daß Du nicht Deinen Feind allein, daß Du Dich selbst, daß Du uns alle dem Verderben weihst"? Meine Freunde! Ganz Israel ist dieser schwanke Nachen, der gegen Sturm und Wogen einen Kampf führt, der seit Jahrtausenden die edelsten Geister zur Bewunderung hinreißt. Rings umher Haß und Feindschaft, aber in dem Nachen selbst, da darf es keinen Zwist, da darf es keine Feindschaft geben. Denn da gibt es keinen Platz, keinen Beruf, keinen Wirkungskreis, wo wir walten und schalten dürften, unbekümmert um das Schicksal der Gesammtheit, oder gar in gehässiger, feindlicher Gesinuung. Des Führers Aufgabe ist es, diese Thoren zu bekehren, zu belehren: Einer für Alle und Alle für Einen, ji'stb -iö*6i zu Zijon zu sprechen: nnx ay Mein Volk bist Du. Wer aber Andere mit diesem Geist erfüllen soll, der muß vor Allem selbst dieses Geistes voll, von ihm beseelt und getragen sein, der muß Jeden, der sich Jude und Alles, was sich jüdisch nennt, seinem Herz gleich nahe wissen, der muß zu Allem, was zu Zijon zählt, sprechen: nnn »oy mein Volk bist du. Wenn nun an mich die Frage herantritt, die Josua einst vor den Thoren Jerichos gerichtet an den Engel mit dem gezückten Schwerte, die Frage: „Bist du für uns oder aber zählst du zu unseren Gegnern?" ima1? ck nnx i&n, — welche Antwort soll ich auf diese Frage ertheilen? Meine Freunde! Ein berühmter Lehrer in Israel, an den einst diese Frage gerichtet wurde, antwortete mit denselben Worten, die der Engel dem Josua erwidert. Da heißt es in der Schrift: nex", und der Engel sprach: tikc nny Ti 8C2 i» *3« '2 *6 „Nicht doch, so darfst Du mich nicht fragen; denn als ein Führer der Schaaren Gottes bin ich eben gekommen". Für den darf es keinen Unterschied und keine Parteiung geben. Der Bote des Herrn, der Diener Gottes, er ist Jedem gleich Freund, keinem ein Widersacher. Keine Partei darf ihn für sich allein und ausschließlich fordern. Will er die Hoheit seiner Sendung nicht entweihen, dann darf er nimmermehr hinuntersteigen in Niederungen, in denen der Parteikampf wüthet. Das dürste Wohl auch der Sinn jenes merkwürdigen Talmudwortes sein: min irp2' niKax -n ybxb non am rsc 1VP2' 7>x ik^j OKI voü. „Nur wenn der Rabbiner einen: Engel gleicht, nur dann soll man Belehrung suchen aus seinem Munde", dem Engel, wie er einst zu Josua gesprochen. Wenn aber der Diener Gottes die Hoheit seiner Sendung verkennt, daß er in den Staub der Arena sich begibt, daun begibt er sich selbst seiner Macht über die Herzen der Gemeinde. Jenen gehöre ich, die noch Treue bewahren dem guten alten Geist der Väter, dem heiligen Gesetze Israels. Ihnen gehört mein Herz, sie suche ich, mit ihnen gemeinsam will ich stützen und erhalten das gute Alte in Haus und Schule, in Lehre und Gottesdienst, in Geist und Leben. Und die da abseits stehen, in deren Seele erblichen sind die Sterne an dem Himmel Israels, deren Herz für das Judenthum erkaltet, dem alten Geist der Väter entfremdet ist, auch sie suche ich, sie will ich erwärmen und begeistern, sie will ich dem Heiligthum nähern, indem ich es ihnen nahebringe, es ihnen nahelege, wieder umzukehren und mit den Brüdern vereint mit neuem Geiste zu beleben die altbewährte Form, mitzuschaffen an einem Werke, das ihrem Leben einen neuen Kern, einen neuen heiligen Inhalt gibt. Ihr alle, die Alten, wie die Neuen, die Männer wie die Frauen, Führer wie Gemeinde, Ihr alle möget mir helfen, meines Berufes segensreich zu walten, mir helfen in dieser uns allen theuren Genrein de p'a6 icx^i pK nic^i dw roab nn« ay „einen Himmel zu pflanzen und eine Erde zu gründen und zu Zijon zu sprechen: Mein Volk bist du". * * * Andächtige Gemeinde! Mit einem doppelten Compaß zieht der Leiter des Schiffes hinaus auf die hohe See. Doch wenn diese versagen, dann wendet er sich aufwärts zu den

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