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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-28 · 35 (28.8.1903) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
35 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 85 Seite 567 Dr. Mocb's MocbenscbrM. „Wir können hier beim Balcon hinaus. Es ist näher als durch die Hausthür'. Als sie einen schmalen Weg durch einen Rasen hinabgingen, hörte Edith ganz deutlich den Klang von Frau Brand's kräftiger Hausthorglocke und ihr Benehmen zeigte einen solchen Wunsch nach Eile, daß Julian sie in das Canoe hob und mit solcher Eilfertigkeit abstieß, daß keine Zeit zum Sprechen blieb. Als sie unterwegs waren, legte er sein Schaufelruder nieder. „Darf ich das oblegen, Fräulein Linton?* und kaum ihre Erlaubniß abwartend, zog er seinen fleckenlosen, weißen Rock aus. Unter ihrem Sonnenschirm hervor betrachtete sie ihn mit fast feindseliger Kritik. Tadellos frisch, nett und gut gepflegt, schien er sich ebenso wenig dessen bewußt zu sein, wie bewunderungswürdig er gekleidet war, als der starken Muskeln, deren Spiel man oeutlich durch die feine, bräunliche Haut sah. Sie suchte nach Mängeln, nach Etwas, das die Erregung rechtfertigte, die sie gegen ihn empfand. Ec nahm die Dinge für viel zu selbstverständlich; er — ffie^wußte nicht was. Er erregte in ihr eine Empfindung von Unbehagen und Schuldbewußtsein. Dann wurde sie ernstlich ärgerlich, als sie entdeckte, mit welchem Vergnügen sie seine ruhigen Ruderschläge beobachtete, die Aufmerksamkeit in seinem Gesichtsausdrucke, wenn er dem Canoe die Richtung gab, und es sorgsam von der Furcht eines vorüberfahrenden Dampfers ablenkte. Beim Steigen und Fallen einer hohen Welle, tauchte ihr Schirm ins Wasser und versprühte einen Tropfenregen über ihr Kleid. -Ach, Ihr hübsches Kleid!' rief er bedauernd aus. „Das Wasser wird ihm nicht schaden!' Ihre Stimme klang ausgesprochen unwirsch. „Geben Sie acht! Da sind wir schon an der Insel, können Sie hier aussteigen?' Ohne Antwort sprang sie leicht an den Strand, und indem sie ihn das Boot anbinden ließ, schleuderte sie längst der Riffe. Im nächsten Augenblicke war er an ihrer Seite. „Was ist los?' fragte er so vom Zaun gebrochen, daß sie sich erstaunt nach ihm wandte. „Lassen Sie, antworten Sie nicht', fuhr er fort, „wenigstens nicht, bis wir etwas Schatten gefunden haben, wer hätte gedacht, daß Maine so heiß sein könne. Oh, da ist ein schattiges Plätzchen, auf dem Felsen unter dem Fichtenbaum.' Widerstandslos folgte ihm Edith und setzte sich gehorsam auf den Platz, den er gewählt hatte. „Haben Sie eine Idee, die leiseste Idee', fing er ernsthaft an, „von all den Beschwerden, die ich gegen Sie ansammle?" Edith schüttelte blos den Kopf. „Nun erstens: Gestern Abends waren Sie, oh je, wie kann ich das nur sagen, zahm, daß man geglaubt hätte, sie fressen aus der Hand, wie man hier sagt, bis Sie mich ganz närrisch gemacht hatten, und dann waren Sie plötzlich fort, ohne auch nur „gute Nacht' oder „auf Wiedersehen' zu sagen.' Edith lachte sehr freundlich. „Jetzt sind Sie wieder so nett, so lieb als ein Mädchen nur sejn kann, und als ich dort in's Zimmer trat, sahen Sie mich so fremd, so mißtrauisch an, und im Boote waren Sie so unwirsch, daß ich kaum zu sprechen wagte, und dann verdrehten Sie mir beinahe den Kopf, und doch, doch", sein Ton wurde milder, bestrickend sanft —„doch haben Sie mir diesen herrlichen, gesegneten Nachmittag geschenkt und es ist Sommer und so himmlisch warm und die Luft ist vom Geruch des frischen Heu erfüllt und von Rosendüften." Er brach fragend ab. „Wollen Sie, daß ich ganz ehrlich sei?" fragte Edith, nicht auf ihn sehend, sondern landeinwärts, wo ein wildes Halbblut-Weib eine widerspenstige Kuh auf einen schmalen, rauhen Pfad zog, der nach dem Theehause führte. Ein in der Nähe von Julian und Edith angebundenes bläckendes Kalb verrieth den Grund für das Widerstreben der Kuh. „Wir werden frische Milch zum Thee haben" fuhr sie fort, als er nicht antwortete. „Ob ich will, daß Sie ehrlich seien?". An einen Baum gelehnt, sprach er es im Tone des Zweifels. „Nun denn ja, ich glaube, ich will es, aber", fügte er ein wenig besorgt hinzu, „aber die Ehrlichkeit kann doch durch Barmherzigkeit gemildert sein?" „Es ist das, Herr Meldohla, es ist mir nicht angenehm, so rasch mit Leuten intim zu werden; Sie gehen zu rasch vor; und das — das ärgert mich. Wenn ich unangenehm bin und meine Manieren schlecht sind, kommen Sie mir nicht in die Nähe, aber mich darum auszuschelten, dazu haben Sie kein Recht." „Wenn er jetzt sagt, daß ich gestern Abends anfing daß es ganz meine Schuld ist, werde ich ihm nie verzeihen so. lange ich lebe", dachte Edith. „Und glauben Sie wirklich' — er hatte den Baum verlassen und stand so nahe vor ihr, daß sie sich zur Flucht geneigt fühlte, — „glauben Sie wirklich, daß das Leben lang genug ist für solchen Unsinn'? Kümmern Sie sich nicht um die Kuh dort, sondern sehen Sie mich einen Augenblick an, bitte!' Edith's Augen begegneten den seinen. Erröthend blickte sie weg. Nein, sie dürfte sicher sein; er würde nie wieder sagen, sie wäre die Erste gewesen, die einleitenden Förmlichkeiten beiseite zu setzen, aber er wußte es! Sie war neugierig, ob er auch von Herrn Tottingham und der Theekanne wußte. Plötzlich begann er in ganz verändertem Tone: „Verzeihen Sie mir, bitte', bat er recht demüthig, „nur schicken Sie mich nicht fort. Ich bitte nur, seien Sie nicht so unwirsch und so, als ob Sie sagen wollen: „Bleiben Sie mir zehn Schritte vom Leibe!' und wechseln Sie nicht so oft und rasch die Stimmung, daß ich nicht mit Ihnen Schritt halten kann. Aber wenn Sie es müffen, natürlich, möchte ich Millionenmale lieber Sie, wenn Sie am schlimmsten sind.' „Wirklich, Herr Meldohla', während Edith sprach, klang ihr ihre eigene Stimme so sehr gleich der der Frau Brand, daß sie sofort nachsichtiger wurde, — „ist es nicht Zeit, uns auf den Heimweg zu machen? Die Schatten werden schon länger.' Widerstrebend blickte Julian nach dem Theehause. „Beim Himmel!', seine Stimme verrieth das tiefste Mißvergnügen, „sehen Sie doch dorthin!' Sie sah landeinwärts schreitend eine kleine bewegliche Dame, nicht jung, in einem kurzen Rock. Ihr folgte eine Schaar ältlicher, umfangreicher Frauen, welche im Gänsemarsche, gegen lange Kleider und träge Muskeln ankämpfend, den Weg über den steinigen Pfad mühselig dahinschritten. Ihre Ruhe war nur von einer männlichen Gestalt unterbrochen, einem kleinen, untersetzten Bischof, unverkennbar in seinen Kniehosen und Gamaschen. „Beim Himmel!' stieß Julian hervor. „Was geschähe Fräulein Linton, wenn Sie keinen Thee bekämen? Es ist ein langer und rauher Weg dahin. Sie sahen selbst, wie schwer er der Kuh wurde, und jetzt fällt eine der alten Damen dort nieder; ich hoffe, sie hat sich beim Sturze nicht verletzt.' Diese Niederlage stellte Edith's Gleichmuth wieder her. „Wenn Sie vielleicht eine Cigarette rauchten', schlug sie vor, „könnten wir noch ein wenig warten, dann könnten sie mich heimrudern, bevor diese gefährlichen Gorgonen zum Landungsplatz zurückkommen. Aber Sie müffen mir sagen, vor welcher der Damen Sie sich so fürchten. „Sie rauchen nicht?' Er bot ihr eine Cigarette an. „Nein? das freut mich sehr.' „Bor welcher Dame?' Edith war unbarmherzig. „Sie find vollständig im Jrrthum'. Er war jetzt ziemlich heiter. „Ich fürchte nichts, außer einem andern Menschen ein Vergnügen zu verderben. Das ist doch rücksichtsvoll. Die Beine und Gamaschen gehörten Seiner Wohlehrwürden Osmond Alarich Satterthwacte, Bischof von Eastern-Freshweter, meinem Stiefvater.' „Und Ihr Anblick?' „Ist ihm ein wenig unangenehm, seitdem ich mich energisch weigerte, Pastor zu werden.' „Ein Pastor?' Edith's Ton zeigte keine Vorliebe für den Talar. „Fräulein Linton!" Julians Stimme funkelte förmlich vor Belustigung. „Haben Sie schon zugesehen, wenn Leute Schlittschuhlaufen lernten, wie ihre Beine nach vorn auseinanderflogen und sie sich dann niedersetzten?" (Fortsetzung folgt.) Literatur. Von dem Rabbiner in Pozega, Herrn Dr. M. Marge! erscheint ein deutsch-hebräisches Wörterbuch in circa 50 Druckbogen, Verlag Ch. K n o l l e r, P r z e m y s l in Galizien. Ladenpreis zwanzig Kronen, Subscciptionspreis fünfzehn Kronen. Der Verfasser hat den ganzen deutschen Sprachschatz berücksichtigt und dementsprechend das Hebräische von der ältesten Zeit bis auf die Gegenwart ausgenommen. Ebenso ausgenommen find alle juridischen, philosophischen und medicinischen termini technici und im Geiste der hebräischen Sprache wiedergegeben worden.

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