Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-28 · 35 (28.8.1903) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
35 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021493-3021529--12942-3037565
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Nr. 35 Dr. Dlocb's Mocbenscbrift Seite 563 von allen Anwesenden die Volkshymne angestimmt, welcher noch einige patriotische Lieder folgten. Hierauf ergriff der Commandant Herr Doctor Olbert das Wort und legte in zündender, von patriotischem Geiste durchglühter Rede die Bedeutung des Tages und der Feier dar, betonte, daß an dem Feste jeder Oesterreicher mit warmen und frommen Herzen theilnehme, daß in ganz Oesterreich heute Feiertags« stimmung herrsche, und forderte in Worten, die auf die Colonisten von mächtiger Wirkung waren, dieselben auf, die jedem Oesterreicherkind angeborene Vaterlandsliebe durchs ganze Leben zu bewahren, stets von dem Gedanken durchdrungen zu sein, einstens für Kaiser und Reich mit dem Herzblut und Leben zu kämpfen, damit sie würdige Söhne unseres Vaterlandes werden. Ehrenvoller Charakter, ein Leben ohne Fehl und Makel, eine tapfere Brust, das seien die Fundamente, auf denen Oesterreich bestanden hat und weiter bestehen möge; „viribus unitis' „mit vereinten Kräften", diesen Wahlspruch unseres erhabenen Monarchen mögen die Colonisten von nun an auch als den ihrigen betrachten. Rach dieser Rede des Herrn Commandanten hielt die Vorstandsdame Frau Dr. Zins eine Ansprache, in welcher sie mit von mütterlicher Liebe und Fürsorge für die Zöglinge und patriotischem Geiste getragenen Worten die Verdienste und Tugenden des Kaisers hervorhob, sowie, daß der Kaiser, der dem Ferienheim auch seinen Namen zu tragen gestattete, nur im Glücke seiner Völker sein Glück und die unversiegliche Kraft st lde. muthig auszuharren im schweren Kampfe, den ihm seine Pflichten und sein Schicksal auferlegen. Selbst gerührt und unter allgemeiner Rührung schloß Frau Dr. Zins mit einem Hoch aus unseren Kaiser, in das die Versammelten begeistert einstimmten. Sodann gedachte Frau Dr. Zins auch der abwesenden Vereinspräsidentin Frau Sophie Grünfeld, die durch ihre Energie den Verein auf eine so hohe Stufe gebracht hat, und brachte auch auf sie ein Hoch aus, in das alle Anwesenden einstimmten. Zum Schluffe folgten noch einige Borträge der Colonisten. Der Feier wohnte auch die Borstandsdame Frau Deutsch aus Wien bei. Denen, die an dieser schönen Feier theilgenommen haben, wird dieser Tag unvergeßlich bleiben. Plumenau als Sommerfrische. Das Centrum der fruchtbaren Hanna in Mähren ist bekanntlich Proßnitz, eine Stadt von 26.600 Einwohnern, davon circa 2000 Juden. Früher war die Baumwollindustrie der Haupterwerbszweig der Bevölkerung. Jetzt ist es die Kleider-Confection, Schuh- Fabrication, Branntweinbrennereien und Malzerzeugung. Seit den letzten 20 Jahren ist Proßnitz ganz czechisch geworden. Mit dem Haffe gegen Deutsche ist auch der Haß gegen die Juden gewachsen, weil sie mit der deutschen Partei Schritt halten. Gegen jüdische Geschäftsleute wird propagirt: »Kauft nur bei Czechen und nur bei Christen/ So lautet die tägliche Parole. Immer mehr werden alte jüdische Geschäfte verdrängt und durch neue christlich-czechische ersetzt. Proßnitz bietet der einheimischen Bevölkerung an Erholungsstätten gar nichts. Ein baumarmer Park, der sich auf der sogenannten „Vapenice" befindet, ist Alles. In den Gasthäusern gibt es keine Gärten, wo man unter dem Schatten der Bäume seinen Gerstensaft herunterschlürfen könnte. Man ist auf die geschloffenen Räume direct angewiesen. Was das Hotelwesen anbelangt, bleibt sehr viel zu wünschen übrig. Das gesellschaftliche Leben hat durch die Terrorisirung seitens der Czechen stark gelitten. Wohin geht man also, wenn man sich erholen will? Wo sucht man den lang ersehnten Schatten des Waldes? Wohin schickt man die Kinder, während der Schulferien? „Nach Plumenau", einem Marktflecken, der 7 Kilometer von Proßnitz entfernt ist. Dort pilgert Alles hin, ob deutsch oder czechisch. Dort gibt es gute und billige Milch, gute und billige Butter, gutes und billiges Bier, schönes Geflügel, große Eier. Kurz Alles, was man zu einem Landaufenthalte braucht. Wie leicht könnte man aus dem schönen Ort einen fashionablen Sommeraufenthalt machen. Die Gegend ist herrlich. Große fischreiche Teiche, umgeben von waldigen Bergen. Auf einem Felsblcck steht das Fürst Liechtensteinische Schloß, von dessen Dachgiebe! man die fruchtbare Ebene von einer Seite und von der anderen das mährische Plateau übersieht. Das ganze Ensemble gibt ein recht malerisches Gepräge. Plumenau ist ein Besitz des regierenden Fürsten von und zu Liechtenstein. Es gibt dort ein Bezirksgericht, Steueramt, Fürst Liechtensteinisches Rentamt, Forstamt und endlich Post- und Telegraphenamt, nur keine Eisenbahn. Zweimal täglich verkehrt die Post von Proßnitz nach Plumenau und zurück und nimmt auch Fahrgäste auf. In Plumenau gibt es große, schattige Gasthausgärten und Obstgärten. Der Marktflecken selber ist czechisch. Äußer den Fürst Lnchtenstein'schen Beamten spricht Nicmand deutsch, obwohl der größte Theil der Bevölkerung sich ganz gut deutsch verständigen faitu, ollün der Chauvinismus, welcher in diesem Volke st ckt, duldet nichts, was deutsch oder besser gesagt, jüdisch ist. An Sonn- und Feiertagen pflegen große Schaaren von Ausflügler« von Proßnitz nach Plumenau zu pilgern. Die Straße ist besäet von Radfahrern in Dreß. Equipagen fahren hin und her. Der Verkehr zwischen Proßnitz und Plumenau nimmt sich an solchen Tagen ganz großstädtisch aus. Aber wehe der Partei, die sich wagen möchte, deutsche Lieder vorzutragen oder laut deutsch zu sprechen. Die czechische Majorität würde sie zur Besinnung bringen. In Plumenau selbst ist die Jugend besonders verroht. Als ich letzthin dort war, erlebte ich einen klaren Beweis dafür. Ich begegnete einem ca. 10jährigen Knaben, der heftig weinte und vor Schluchzen kaum sprechen konnte. „Warum weinst Du?" frug ich den Knaben, und da er ganz erschöpft zu sein schien, richtete ich diese Frage an seine Schwester, die ihn begleitete. „Denken Sie sich, mein Herr!* entgegnete das hübsche Mädchen. .Wir saßen im Walde, um uns mit Lesen die Zeit zu vertreiben. Mein kleiner Bruder kam uns zum Esten holen, da meine Tante, bei der wir wohnen, auf uns wartete. Der kleine Richard rannte voraus und als er in der Nähe des großen Tüches war, überfielen ihn drei halbwüchsige Bursche. Der Eine faßte den Knaben mit beiden Händen um den Hals und drückte seine Daumen auf die Gurgel so lange, bis das Kind die Augen verdrehte und bereits alle Farben spielte. Mein Cousin Alfred H., ein Student aus Wien, der in meiner Begleitung war, bemerkte diesen Ueberfall. Er eilte mit gehobenen Stocke auf die Attentäter zu und als diese drei jungen Strolche sich beobachtet sahen, suchten sie das Weite. Der kleine Richard wäre diesen Bestien sicher zum Opfer gefallen, wenn genannter Student es nickt gesehen hätte. Ferner erfuhr ich, daß die Sommerparteien, Deutsche oder Juden, beschimpft und verspottet werden. Wenn jemand der Sommerparteien die Fenster öffnet, wirft man ihm Unrath oder Steine ins Zimmer. Der Vater des Wiener Studenten hatte ein kleines Kind am Arme. In der Scheune des Nachbarhauses, wo er wohnte, drosch man das Getreide. Um seinem Kinde das seltene Schauspiel zu zeigen, stellte er sich dorthin. Eine Frauensperson brüllte ihn an. Was gaffen Sie? Ihr Juden kennt ja eine solche Arbeit nicht. Ihr könnt nur schachern und die Christen betrügen. Schauen Sie, daß Sie weiter kommen. Ist Plumenau nicht eine schöne Sommerfrische? Sollte man nicht Propaganda machen, daß dieser Marktflecken zu einem fashionablen Curort emporblüht? Gewiß! Die Juden könnten sich ihres Aufenthaltes freuen und der wüsten Race dort zum Spielball dienen, ä la Kischenew. Wie kommt das aber, daß der loyal gesinnte Ortspfarrer und das intelligente Lehrpersonal eine solche Verrohung der Jugend dulden? Wo ist da die vielgepriesene „christliche Nächstenliebe"? Es leben doch die dortigen Bewohner von der Proßnitzer Industrie und die Fabrikanten sind alle Juden. Heinrich Husserl. Krakau. Löbliche Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift^! In Ihrem geschätzten Blatte Nr. 34 vom 21. d. M. wird unter der Aufschrift „Der Rabbiner-Congreß in Krakau", das Telegramm der Cabinetskanzlei an den Rabbiner- Congreß mitgetheilt. Ich will daher diese Rubrik mit Folgendem ergänzen: Das Huldigungstelegramm war gefertigt von Rabbiner H o r o w i tz, Krakau, Vorsitzender und Rabbiner H o r o v i c z, Alsö-Kubin, Secretär. Das Telegramm der Hohen Cabinetskanzlei aber war folgendermaßen adreffirt: An Herrn Rabbiner Horowitz, Krakau, welches deutlich anzeigt, daß es an den Vorsitzenden adreffirt wurde und sich auch daher bei ihm befindet. Hochachtend Schriftführer des Rabbiner-Congreffes E.A.R a b in o w i tz, Rabbiner in Poltawa, Redacteur und Herausgeber des „Hapelies“.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.