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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-28 · 35 (28.8.1903) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
35 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 56 Dr. Vlocb's Mocvenscbrttt. Nr. 35 größte Interesse an der Schule genommen und es lei ihm immer eine Freude gewesen, tie gedeihliche Entwicklung derselben und das stete Wachsen der Schülerzahl wahrzunehmen. Er habe oft den Jahresprüfungen beigewohnt und sich jedesmmal von den vorzüglichen, zum Theil hervorragenden Leistungen der Schule überzeugt. Er sei daher hocherfreut, daß seine Volksgenossen der Anstalt ein so reges Interesse entgegenbringen, dessen dieselbe im hohen Maße würdig ist. Er nehme mit Vergnügen Gelegenheit, seinem verehrten Vorredner gleich, dem verdienstvollen Leiter der Schule und dem überaus tüchtigen Lehrkörper die Anerkennung auszusprechen, die ihnen gebührt. Dieselben wetteifern mit einander, den Zöglingen dieser Schule eine Erziehung und Bildung zu geben, welche sie in Stand setzen, sich später eine sichere Existenz zu schaffen. Der heutige Tag sei ein wichtiger Markstein ans dem Wege, auf welchem die Anstalt einer glücklichen Zukunft entgegengepe. Er wünsche dem Vorstande und den Lehrern Glück zu den schönen Erfolgen und dem neu errichteten Hause und knüpfe daran den Wunsch, daß derselbe Geist, der bisher in der Schule geherrscht, auch in die neuen Räume einziehen möge. Die Schule verdiene umsomehr die Sympathie und die Unterstützung weiter Kreise, als die Mehrzahl der Zöglinge arme Waisen sind, deren späteres Schicksal davon abhängt, was sie aus der Schale mitbringen. Redner schloß mit dem Wunsche, daß die Anstalt gedeihen und blühen möge zum Segen für die hiesige jüdische Bevölkerung. Mit dem Gesang der Mottette „Herr, Deine Güte" schloß die ernste Feier Nachdem die Gäste einige Erfrischungen zu sich genommen, unternahmen sie unter den Klängen des hebräischen Liedes ‘cropn r.“rx ab *nj? einen Rundgang durch die Schulräume. Das neue Gebäude besteht aus einem Erdgeschoß und zwei Stockwerken. Das Erdgeschoß enthält einen großen gewölbten und aus Säulen gestützten Kindersaal, sowie fünf Räume für Nebcnwerke. Im ersten Stockwerk befinden sich zu beiden Seiten eines hellen Eorridors neben Directions- und Lehrerzimmer 4 Classenraume. Von hier führt eine breite Treppe zum zweiten Stockwerke hinauf, wo weitere 3 Claffenzimmer nnd der bereits erwähnte Schulsaal sind. Letzterer — nebenbei gesagt, der größte und schönste Schulsaal in Jerusalem — kaßt circa 460 Personen. Die Decke ist mit ornamentalen Verzierungen in geschmackvoller Anordnung versehen, das Werk des Sculpteurs der Alliance-Schule. Lehre und Wissenschaften sind durch die Bundestafeln auf der einen und Globus, Fernrohr und Rolle aus der anderen Seite versinnbildlicht. Die Menorah steht der Zionsharfe gegenüber und die P'ö die sieben Fruchtarten vervollständigen das Ganze. Eine schone Aussicht auf die Stadt und die dieselbe umgebenden Berge erfreut überall das Auge. Besondere Erwähnung verdient die vorzügliche hygienische Einrichtung. An der Fagade hebt sich der Schlußstein über dem Haupteingange, ein feines Sculpturwerk, vom Ganzen ab. Im Schatten einer Palme steht ein offener orientalischer Brunnen, eine allegorische Darstellung der Bestimmung dieses Hauses. Der Name der Schule ist in hebräischen und deutschen Lettern in eine Marmortafel gemeißelt und am Giebel ist eine große Schuluhr angebracht, ein Geschenk der ehemaligen und gegenwärtigen Zöglinge der Anstalt. Eine aus weißem Sandstein gemeißelte Akroterie auf der Giebelspitze beschließt den geschmackvollen Bau. Direktion und Bauleitung haben sich hier die Hände gereicht, um bei der Errichtung des neuen Schulhauses allen Anforderungen moderner Baukunst und moderner Pädagogik möglichst Rechnung zu tragen. Ihr Bestreben war darauf gerichtet, nicht allein ein festes, bequemes Haus zu bauen, sondern dasselbe auch von Innen nnd Außen mit allen Mitteln auszustatten, welche geeignet sind, in den empfänglichen Kinderherzen das ästhetische Gefühl, die Liebe zur Schönheit wachzurufen und zu. erhalten Und daß sie es konnten, verdanken sie dem Entgegenkommen des Schulvorstandes in Frankfurt am Main, dem kein Opfer zu schwer scheint, wenn es dem Wähle der Schule gilt. — So steht es nun da, das stattliche Gebäude mit seinen massiven Mauern und seinen großen, lichten Räumen — das schönste Schulhaus dieser Stadt, in der Mitte eines ausgedehnten, hochgelegenen Grundstückes; es steht da als ein beredtes Zeugniß für die Opferwilligkeit und den Edelsinn unserer Stammesgenossen. P. Korrespondenzen. Wir erhalten folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redacteur! Der „Allgemeine Oester r.-J s r a e l i t i s ch e B u u d" hat das Mißfallen eines Ihrer zahlreichen Leser erregt. Im Vorjahre anonym, heuer unter dem Pseudonym „Ome^a" oder „86n6x judaeus“ schleudert der Unbekannte die heftigsten Angriffe gegen die feit etwa drei Jahren bestehende Organisation. Was Alles der „Bund" in dieser kurzen Zeit seines Bestandes und mit seinen beschränkten Mitteln hätte in Angriff nehmen und schaffen sollen! multa, sed nun multum! Sehr Vielerlei, woraus aber am Ende doch nichts Ganzes und Rechtes geworden wäre. Im Vorjahre, im Herbste, wurde ein umfassender Rechenschaftsbericht des „Bundes" veröffentlicht. Ueber recht stattliche Actionen wurde referirt. Der Bericht, obgleich in möglichster Kürze die Ergebnisse der Thütigkeit des „Bundes" zusammenfaffend, füllte doch mehrere Seiten Ihres vielgelesenen Blattes und fand allgemeine Zustimmung. Wie wir wissen, ist ein ähnlicher Bericht über die diesjährige Thütigkeit in Vorbereitung und wird wieder im Herbste erstattet werden. Das Eine aber sind wir in der Lage schon jetzt im Allgemeinen mitzutheilen: Daß der „Bund" verschiedene größere Abwehractionen principieller Natur nach Außen hin unternommen hat; daß er u. A. seit Monaten sich damit beschäftigt, Vorarbeiten für eine Enquete, den Religionsunterricht betreffend, zu schaffen und diesfalls die Lehrpläne und Begutachtungen seitens einer Reihe jüdischer Gemeinden eingeholt wurden und daß er überhaupt die Frage der Art der Versorgung der Cultusbeamten und Lehrer im Auge behält; daß, gleichwie im Vorjahre, auch in diesem Jahre zahlreiche Cultusgemeinden Oesterreichs in ihren verschiedenen Belangen, bei ihren unklaren Verhältnissen, in strittigen Fragen, bei dem „Bunde" Auskunft, Rath, Hilfe, Vermittlung ansuchen und — nach Möglichkeit — auch finden, und so scheint uns, daß hier der Weg vorgezeichnet ist, um ein Centralorgan der Cultusgemeinden, das ist der officiellen jüdischen Gemeinschaft in Oesterreich, zu Stande zu bringen. Daß nun eine solche Institution reiche Früchte tragen wird, daß' sie demnach unter uns nicht Gegenstand übelwollender Angriffe sein sollte, vielmehr allseitig wohlwollender Unterstützung bedarf und diese auch finden sollte, hiefür erachten wir, zumal im Hinblicke auf die Zeitverhältniffe, eine weitere Begründung oder Ausführung nicht für erforderlich. Auch ein 8tznex judaeus. Brünn. Ueber die Kaiser-Feier im Kaiser Franz Josefs- Ferienheim in Tischnowitz erhalten wir von befreundeter Seite folgenden Bericht: Das Kaiserfest in der Feriencolonie Tischnowitz war von besonderer Feierlichkeit und da Ihr geschätztes Blatt derselben nur kurz Erwähnung that, erlaube ich mir als einer der anwesenden Gäste Sie um Aufnahme dieses Berichtes zu ersuchen. Am Vorabende des Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers erstrahlte das mit Fahnen und Reisig geschmückte Schloßgebäude in Hellem Lichterglanze. Die Colonisten wurden zu einer Compagnie formirt und auf den Exercierplatz geführt. Der Herr Präfect hielt eine kurze Ansprache, worauf die Colonisten begeistert die Volkshymne sangen. Außer dem üblichen Nachtmahle erhielten die Colonisten Thee und Backwerk, welches die anwesende Vorstandsdame, Schriftführerin Frau Dr. Zins aus Wien, gespendet hatte. Am nächsten Morgen fand eine überaus schöne und erhebende Kaiserfeier statt, bei welcher der Präfect Herr Alfred Stutz die Festrede hielt. Er setzte den Colonisten die Bedeutung des Festes auseinander und feierte den Monarchen als einen edlen und gütigen Landesvater. Er schilderte die innige Liebe aller Bewohner Oesterreichs zu unserem guten Kaiser. Nicht nur in den Tagen des Schmerzes und der Trauer standen sie ihm treu zur Seite, auch wenn Festesfreude das Land durchrauschte, zeigte sich das innige Herzensband zwischen Kaiser und Volk. Der Redner feierte den Monarchen als einen Schutzherrn alles Guten und Edlen und gedachte des ungeahnten Aufschwunges, den alle Gebiete des Lebens unter der glorreichen Regierung Seiner Majestät genommen haben. Er besprach ferner die zahllosen Wohlfahrtseinrichtungen, die in den letzten Decennien geschaffen worden sind, und hob besonders das Ferienheim hervor, das, von hochherzigen Menschen gegründet, schon Tausenden armen Kindern Erholung und Kräftigung geboten hat. Um unseren guten Kaiser zu ehren, erwirkte es zur dauernden Erinnerung an seine segensreiche Regierung seinen Namen. Er ließ seine sehr eindrucksvollen Worte in ein Gebet für das fernere Wohlergehen des Kaisers und seines Volkes ausklingen, daß es ihm beschieden sein möge, durch seine weise Regierung bis an die äußersten Grenzen menschlichen Lebens seine Unterthanen zu beglücken. Nach einem begeistert aufgenommenen Hoch wurde

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