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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-28 · 35 (28.8.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
35 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 560 Dr. Mocb s Mocbenscbrttt. Nr. 35 Augen habe», das ist kein politischer Kampf mehr, das ist ein wahnsinniges Hetzen und Wuthschnauben gegen Personen, gegen Menschen. Lüge und Verleumdung sind die allergewöhnlichsten Waffen, man macht auch schon Miene, zur Brandfackel, zum Schlachtbeil zu greifen. Und das in einem Culturstaate, der das Recht und den Schutz der Person unter allen Umständen verbürgen will und dafür Geld-, Kraft- und Blutsteuer einhebt." _ Dr. B. Frau Nahida Ruth Lazarus erzählt im „Berliner Tageblatt" Einiges aus den Lebenserinnerungen ihres verstorbenen Gemahls, des Herrn Professor Moriz Lazarus. Ueber deffen Ernennung zum Profeffor an der Kriegsakademie zu Berlin heißt es da folgendermaßen: „Die Vorbereitung der Berufung zum Lehrer an der Kriegsakademie lag (und liegt wohl noch) in den Händen einer Commiffiou ans fünf Mitgliedern: drei Generälen und zwei Civilisten, gewöhnlich Rathen des Cultusministeriums. In diesem (meinem) Falle waren alle drei Militärs unbedingt für mich, nämlich General v. Etzel. Direclor der Kriegsakademie, General v. Peuker, oberster Chef aller Militärlehranstalten, und noch ein General. Der eine Civilist fand in mir alle wissenschaftlichen und pädagogischen Eigenschaften vertreten, zweifelte aber, ob angemessen sein werde, an diese hervorragende und einflußreiche Stelle einen Juden zu berufen. Auch der zweite Civilist erging sich — offenbar um seine Gerechtigkeit und Unparteilichkeit zu beweisen — in geradezu übertriebener lobendster Anerkennung, erklärte es aber gleichfalls als „unmöglich", dem Juden diesen Posten (das heißt den philosophischen Unterricht) anzuvertcauen und ihm Militärs, höhere Militärs als Schüler gewissermaßen unterzuordnen. Indessen beharrte General v. Etzel auf dem einmal gefaßten Entschluß. Er hatte den Vortrag beim König (nachmals Kaiser Wilhelm) und legte auf Grund des Majoritätsbeschlusses das eventuelle Patent zur Unterzeichnung vor. König Wilhelm in seiner genauen Gewissenhaftigkeit ließ sich alle Vota wörtlich wiederholen und sagte dann: „Nun? Was also meint denn Wiese?'' (So hieß der Hofrath, der den ^guben" ablehnen zu muffen glaubte.) Etzel las zunächst das überaus anerkennenve Urtheil des Betreffenden vor. König Wilhelm hörte aufmerksam zu und fragte dann nochmals: „Was hat denn Wiese gegen den Mann?" .Daß er ein Jude ist, Majestät!" Darauf König Wilhelm trocken: „W.'nn es sonst nichts ist —" nahm die Feder und unterschrieb." Die Edler Von Laeurel-Kchnle;it Jerusalem. Man schreibt uns aus Jerusalem: Die hiesige Edler von Laemcl-Schule ist wegen ihres civilisatorischcn Wirkens innerhalb der jüdischen Bevölkerung dieser Stadt in den weitesten Kreisen unserer Glaubensgenossen in Europa bekannt. Vor 47 Jahren von dem geistvollen Dichter Ludwig August Frankel im Aufträge der Frau Elise Herz von Laemel in Wien gegründet, fand diese Anstalt die größte Opposition bei den spcciell zu jener Zeit äußerst bildungsfeindlicheu Aschkenasim. Ta der Institution einerseits eine richtige sachverständige Leitung fehlte und sie andererseits über nur geringe Mittel verfügte, glich sie während der ersten Jahrzehnte ihres Bestehens mehr einem modernen Cheder als einer Schule in europäischem Sinne. Als aber vor 1« Jahren nach Uebereinkunft der Curatoren der Laemcl-Stiftung in Wien mit dem Vorstande des Vereines zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina (Sitz: Frankfurt a. M.) die Laemel-Schule mit der Waisenhausschule dieses Vereines vereinigt wurde, brach eine neue Periode für erstere an. Den vereinten Kräften ist es gelungen, aus der Laemel-Schule eine Bildungsstätte zu machen, in welcher der hiesigen Jugend ein gediegenes- Wiffen und eine gesunde Erziehung fürs praktische Leben geboten wird. Mehrere frühere Zöglinge dieser Schule haben sich auch höheren Berufen zngewendet und nehnien jetzt als Aerzte, Apotheker, Juristen, Lehrer u. s. m. geachtete Lebensstellungen ein. Die erzielten günstigen Resultate beseitigte» langsam, aber allmälig das Vorurtheil der hiesigen Bevölkerung gegen moderne Schulbildung und brachten sie zur Erkenutuiß, daß wahrer Gottesglaube mit einer zeitgemäßen Bildung Wohl vereinbar ist. Mit dem steten Wachsen der Schülerzahl machte sich das Bedürfniß nach einem eigenen Heime für die Schule immer fühlbarer. Als die Curatoren der Jewish Colonisation Association auf Verwendung des Frankfurter Comitäs im Jahre 1901 70.' 00 Francs für diesen Zweck geschenkt hatten, konnte an die Errichtung eines neuen Schulhauses geschritten werden, dessen Vollendung durch weitere generöse Beiträge (5000 Mark von dem Hilfsvereine der deutschen Juden, 5000 Mark von Herrn Banguier Henry Seligmann, Cassier des Vereines zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina, 2000 Kronen von der Wiener Cultusgemeiude, 2000 Kronen von Baron Albert von Rothschild in Wien u. A. m.) ermöglicht wurde. Am 4. August fand die Einweihung des neuen Schulgebäudes statt. In dem mit Palmenzweigen, Guirlanden, Blumen und Fahnen festlich geschmückten Schulsaale hatte sich ein distinguirtes Publicum zu der würdigen Feier versammelt. An der Ostwand war eine Estrade errichtet, auf welcher der öfterr -Ungar. Generalkonsul Herr Pogacar, als Vorsitzender der Festversammlung, der kaiserlich deutsche Consul Dr. Schmidt, der englische Consul Mr. John Dickson, Rabbi Chajim Eljaschar Effendi, Dr. Hesse, Kanzler - Dragoman des deutschen Consulats, A. Toroßian, Kanzler - Dragoman des österr.-ungar. Consulats, Architekt Sandel und Schuldirector Ephraim Cohn Platz nahmen. Ferner waren u. A. Schuldirektoren und Lehrer, Vertreter der Gemeinden und Anstalten, sowie allch'christliche und mohammedanische Notabeln erschienen. Durch den Gesang des Psalm 24 seitens des Schülerchors wurde die Feier eingeleitet. Die Gaste waren angenehm überrascht, als dann mehrere 3 - 5jährige fröhlich dreinblickende Knaben aus dem neu gegründeten Kindergarten unter Führung ihrer Lehrerin in wohlgeordneter Reihe in den Saal hineinmarschirten, vor der Estrade Aufstellung nahmen und in anmuthiger Weise ein hebräisches Gedichtchen vortrugen, in welchem sie die Gäste begrüßten und den Gönnern der Anstalt aus Herzensgründe dafür dankten, daß sie ein so schönes Haus errichtet, bestimmt, einst ihre Lcrnstätte zu sein. Dann nahm Rabbi Chajim Eljaschar Effendi, der in Vertretung seines greisen Vaters, des Qberrabbiners Chacham Baschi von Palästina, erschienen war, das Wort zu der Weiherede. in hebräischer Sprache. Nachdem er an der Hand verschiedener Citate aus dem reichen Schatz unserer rabbinischeu Literatur erklärt hatte, daß die sittliche Ausbildung des Kindes in seinem frühesten Alter später den Jüngling gegen die sich an ihn herand? äugenden Leidenschaften wappnet, führte er weiter aus, daß insbesondere das Studium der Thora das Kind zum Gottesglauben erzieht, von welchem allein das Leben des jüdischen Stammes bedingt ist. Er segnete dann die Vorsteher und Lehrer der Schule, welche, diesem Grundsätze stets treubleibend, die ihnen anvertrauten Kinder zu guten Juden und braven Menschen erziehen. Hierauf hielt Herr Schuldirector Ephraim Cohn nach einigen einleitenden Worten in hebräischer Sprache folgende Festrede: Hochverehrte Anwesende! Im Jauern der Altstadt steht in einer engen, abschüssigen Gasse'ein antikes Haus, in dessen dunkeln Vorhof man durch eine niedere Thür tritt. Eine steile Treppe führt zum oberen Stockwerke, welches drei kleine Stuben und zwei größere, hochgekuppelte Räume hat In einem dieser Zimmer waren vor 47 Jahren, an einem Tage wie heute, die Notabeln dieser Stadt versammelt, um der Eröffnung der Laemel-Schule durch den Dichter Ludwig August Frankl beizuwohuen. Den Inhalt seiner kernigen Ansprache gibt Frankl in seinem gefühlvollen Gedichte „Rubin Joebanan ben Sakai“ wieder. Als nämlich „Rabbi lloebauan bau Sakai“ den Fall der heiligen Stadt kommen und das Staatsleben des jüdischen Volkes zu Ende gehen sah, und als ihm der römische Feldherr eine persönliche Gnade zu gewähren versprach bat der weit blickende Greis um die Erlaubniß, nur eine Schule in Jabne gründen zu dürfen, ein Lehrhaus, die Jugend darin zu erziehen. Dem Feldherrn schien die Bitte thöricht, und er ahnte nicht, daß er des Volkes ewige Verklärung gewährte. „Rabbi Jochanau ben Sakai“ wollte eine geistliche Kraft au Stelle der weltlichen setzen, und zwar eine solche, die das eherne römische Reich überdauern sollte. Von einem späteren Nachfolger des „Rabbi Jochanan ben Sakai“, „Rabbi Jehuila Nessia“, wird erzählt, daß er drei der hervorragendsten Männer seiner Zeit in einer speciellen Mission zu allen Gemeinden Palästinas schickte, um den intellectuellen und materiellen Zustand einer jeden Gemeinde eingehend zu prüfen und mit kräftiger Hand dort einzugreifeil, wo Hilfe am meisten noth thut. Die Abgesandten kamen in eine Stadt, deren Schulen in Verfall waren. Sie ließen sich „die Wächter der Stadt" vorführen, und es erschienen die Senatoren, die Gemeindeältesten und die Schutzmannschaft. „Nicht diese", sprachen die Abgesandten, „sind die eigentlichen Wächter der Stadt. Bringet uns die Kinder, die Schuljugend, deren richtige Erziehung und Ausbildung die genügende Bürgschaft für eine heitere, glanzvolle Zukunft der Gemeinde sind." Dieser Gedanke, der in dem Geiste und Herzen der Führer in Israel nie schlummerte, der in der heiligen Lehre mit so großem Nachdruck „Lehre es Deinen Kindern" immer betont wird und in den Psalmen in den wenigen, aber so sinnigen Worten: „Der Mund der Kleinen bedeutet eine Weltmacht", zum Ausdruck kommt; dieser Gedanke, ein Grundsatz im Leben unseres Stammes, war es auch, der zur Gründung dieser Anstalt führte, deren Entwicklung förderte und uns einen weiteren Ausbau derselben erhoffen läßt. Geleitet von der Ueberzeuguug, daß eine richtige, geistige und körperliche Erziehung allein eine bessere Zukunft für die hiesige jüdische Bevölkerung vorbereiten kann, faßte vor 47 Jahren eine durch Herzensuud Geistesadel gleich hervorragende Frau im fernen Oesterreich, Elise Herz von Laemel, den schönen Entschluß, wie Frankl es in seinem denkwürdigen Buche „Nach Jerusalem" darthut, ihrem Vater Simon Edler von Laemel auf heiligem Boden ein Denkmal zu setzen,

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