Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 34 (21.8.1903)
- Date
- 1903-08-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 34 Dr. Dlocb's Wochenschrift Seite 649 Ischl. Samstag, den 15. d. M., wurde hier im Hause des bekannten Restaurateurs Herrn Samuel Sonnenschein die Barmizwah seines Sohnes Kurt gefeiert. Zu dem Gottesdienste, der hier während der Saison im eigenen Hause des Herrn Sonnenschein abgehalten wird, hatten sich unter den Bielen, die der Raum gar nicht fassen konnte, auch die Herren Licco R u s s o, Präsident der türkisch-jüdischen Cultusgemeinde in Wien, Herr Regierungsrath Dr. Julius Schlag, Herr Hofuud Gerichtsadvocat Dr. Ignaz P i ck, die Herren Brüder Tewele, Herr Max Adler und Herr Zuckermann aus Wien eingefnnden. Zu Jenen, welche den Confirmanden mit Geschenken und Glückwünschen bedachten, zählten auch die Herren: Kaiser!. Rath Heinrich K l i n g e r, Präsident der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, Herr Hofrath S. K o h n e r, Präsident der israelitischen Cultusgemeinde in Budapest, Herr kaiserl. Rath Salomon Kohnberger, Herr Rabbiner Dr. Mühsam aus Graz und Herr Rabbiner Dr. Moriz F r i e d m a n n aus Linz. Das Fest, welches nach guter altjüdischer Sitte gefeiert wurde, hinterließ bei allen Anwesenden einen sehr angenehmen Eindruck und dürfte besonders dem Confirmanden- und seinen Angehörigen unvergeßlich bleiben. Carlstadl. Nach erfolgtem Probevortrag wurde Herr Josef Reiner zum Obercantor gewählt. Herr Reiner ist ein Schüler des Obercantors Kläger in Wien. Prag. Die Hauptversammlung des ifrael. Landeslkhrer- Vereines findet am 23. und 24. August 1903 statt. Tagesordnung: Am 23. August Abends im Hotel »Bristol", Prag, Langegasse, geselliges Beisammensein. Am 24. August im Hotel »Bristol", 8 Uhr Vormittags Hauptversammlung. 1. Verlesen und Genehmigung des letzten Protokolls. 2. Methodischer Vortrag. 3. Geschäftsbericht über das 30. Vereinsjahr (Rabbiner M. Freund, Bodenbach). 4. a) Cassabericht und Feststellung der Jahresbeiträge pro 1904 (Religionslkhrer D. Löwy, Prag), b) Revisionsbericht. 5. Unsere »Mittheilungen" (Rabbiner M. Freund, Bodenbach). 6. Anträge des Vorstandes. 7. Anträge der Mitglieder. 8. Wahl des Vorstandes und der Revisoren. Damboritz (Mähren). Am 19. August a. c. waren es vierzig Jahre, seit der Bezirksrabbiner Herr Samuel Hahn sein Seelsorgeramt in dieser Gemeinde angetreten hatte. Wen das Schicksal als Rabbiner in eine hervorragende Gemeinde geführt hat, den kennt die breite Oeffentlichkeit aus seinem Wirken bei kleinen und großen Anlässen des gewöhnlichen Lebens, wer aber in einen kleinen Ort als Seelenhirt verschlagen wurde, der ist gewöhnlich nur dem kleinen Kreise seiner Ortsgenossrn ausgefallen und sein Name ist nur einer geringeren Anzahl von Menschen bekannt. Rabbiner Hahn wirkte nun zwar seit vier Jahrzehnten innerhalb einer kleinen Gemeinde, gleichwohl ist sein Name und seine segensreiche Wirksamkeit den mährischen Juden wohlbekannt. Man weiß es in ganz Mähren, daß er es verstanden hat, den jüdischen Geist in seiner Gemeinde ungeschwächt wach zu erhalten, die Liebe zum Judenthume bei seinen Schülern bleibend einzupflanzen und in ihnen das zu erziehen, was wir das jüdische Herz nennen. Konnte er in seiner Hingebung an Religion und Glauben doch seinen Gemeinde- und Berufsgenossen als Muster insoferne gelten, als er des Oeftern aus besser dotirte Stellen nur deshalb verzichtete, weil wir für ihn mit einem saerifieio dell* intelleto verbunden gewesen waren. Wir wünschen dem wohlverdienten Manne, daß er noch lange Jahre in ungeschwächter Kraft der Ausübung seines Berufes zur Ehre des Judenthums leben möge. Amen. Neubidschow. (Einweihung des Tempels und K a i s e r f e i e r.) Am 18. d. M., Abends 6 Uhr, wurde der nach dem großen Brande im Jahre 1900 stark beschädigte, jetzt neu renovirte und mit einer prachtvollen neuen Orgel versehene Tempel neu eingeweiht. Der Tempel, der nun zu einer Zierde unserer Stadt geworden, wurde durch die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder und hauptsächlich durch die Bemühungen des Cultusvorstehers Herrn Moritz Sachsel mit einem Kostenaufwand von K 30.000 fast ganz neu nach den Plänen des Architekten Gärtner in Wien hergestellt. An der Feierlichkeit der Einweihung, welche durch die Herren Rabbiner Dr. Weiner aus Prag und Sigmund Schrecker von hier vorgenommen wurde, betheiligten sich die k. k. Behörden mit Herrn Bezirkshauptmann Dr. Bolkar an der Spitze, die löbliche Stadtvertretung mit Herrn Bürgermeister Seidl, Herr Landtags- und Reichsrathsabgeordneter Fabrikant Bromovsky, Herr Fabriksbesitzer Friedländer aus Chlumec, Deputationen der Nachbar-Cultusgemeinden Jiöin, Chlumec, Königstadtl und Hohenelbe und eine zahlreiche Menschenmenge aus der Stadt und Umgebung. Den Festact leitete der Tempelchor unter Mitwirkung der Opernsängerin Fräulein Elise Liha mit der Abfingung eines meisterhaft vorgetragenen Psalmes ein, worauf durch Herrn Rabbiner Schrecker das Anzünden des ewigen Lichtes vorgenommen wurde. Hieraus bestieg Herr Dr. Weiner die Kanzel, um in einer formvollendeten Predigt die Entstehung des Baues zu schildern und die Wohltaten hervorzuheben, deren wir jetzt durch die Gnade Sr. Majestät unseres allverehrten Kaisers theilhaftig werden. Hierauf hielt Herr Rabbiner Schrecker vor offener Bundeslade das Kaisergebet und mit Abfingung der Bolkshymne schloß die erhebende Feier. Budapest. Der transdanubische Rabbinerverein hielt am 19. und 20. d. M. im Berathungssaale der Ofner israelitischen Cultusgemeinde unter dem Vorsitz des Oberrabbiners Dr. Schnitzer (Komorn) seine Generalversammlung ab. Dieselbe wurde am 19. d. M., 3 Uhr Nachmittags, mit einem Gottesdienste in der Ofner Synagoge ringeleitet, wobei der Oberrabbiner von Becskerek Dr. Moriz Klein die Festrede hielt. Gegenstände der Generalversammlung waren: Die Gründung eines Landes-Rabbinervereins. diejenige eines Rabbiner- Penfionsinstitutes, die Feststellung eines einheitlichen Lehrplanes des Religionsunterrichtes und die Discutirung mehrerer confessioneller Fragen. Budapest. Die Mitglieder der israelitischen Cultusgemeinde in Isaßeg errichteten mit großen materiellen Opfern eine neue Synagoge, welche vom Gödöllöer Rabbiner Dr. K o h n im Rahmen eines Festgottesdienstes eiugeweiht wurde. Komotau. Am 29. August sei-rt hier der Obercantor und Rabbiner Sigismund Rosenberger das 25jährige Jubiläum seiner Amtstätigkeit in Komotau. Herr Rosenberger versieht in unserer Gemeinde seit einem Bierteljahrhundert die Functionen eines Obercantors und Religionslehrers in gewiffenhaftester und pflichtgetreuer Weise und hat sich im Verlaufe seines Wirkens allseitig? Sympathien erworben. Breslau. Hier ereignete es sich vor Kurzem, daß der Hauptmanu der 10. Compagnie des Grenadier-Regimentes Nr. 11 die Einstellung eines Ernjährig-Freiwilligen wegen deffen jüdischen Glaubens beanstandete. Der Fall wurde bekannt und der Centralverein der Staatsbürger jüdischen Glaubens wendete sich beschwerdeführend an das Kriegsministerium. Von diesem ist nun folgender Bescheid ergangen: »Auf die Eingabe vom 19. Mai d. I. wird dem Centralverein erwidert, daß das Verfahren des Commandos der 10. Compagnie des Grenadier-Regimentes Nr. 11 gegenüber dem Einjährig-Freiwilligen Ludwig Hans Hauptmann wegen deffen Einstellung als Freiwilliger durchaus nicht gebilligt werden kann. Das Generalcommando des VI. Armeecorps hat das Erforderliche veranlaßt. Eine von hier ausgehende allgemeine Verfügung ist nicht erforderlich". Unterzeichnet ist der Bescheid vom Stellvertreter des Kriegsministers. Hamburg. (Ein Wiener als Lebensretter.) Wie im vorigen Monat berichtet wurde, hat ein junger Wiener, Herr Josef Labin. hier unter eigener Lebensgefahr einen Knaben vom Tode des Ertrinkens gerettet. Das hiesige Polizeipräsidium hat nun unter gleichzeitiger Ueberweisung eines Etuis mit einer Münze und entsprechender Zuschrift dem Lebensretter »für die muthige und entschloffene That" d e Anerkennung ausgedrückt. In dem Decret wird hervorgehoben, daß die Rettung unter eigener Lebensgefahr erfolgte. Berlin. In Luxemburg starb Rabbiner Dr. Blumenstein, ein verdienstvoller und beliebter Mann, der über 32 Jahre in der israelitischen Gemeinde von Luxemburg gewirkt hat. Sein Tod weckt die Erinnerung an eine Scene aus dem deutschfranzösischen Kriege, deren Mittelpunkt Dr. Blumenfiein war und die durch Wort und Bild weithin bekannt geworden ist. Dr. Blumenstein begann seine seelforgerische Thät gkeit als Feldprediger im Kriege von 1870/71. Er hat ihn von Anfang bis zu Ende mitgemacht; er war es, der den israelitischen Feldgottesdienst vor Metz am Bersöhnungstage 1870 leitete, an dem eine große Anzahl israelitischer Soldaten aller Waffen von der Mktzrr Belagerungsarmee theilnahm. Rom. Der neue Papst hat in seinem ehemaligen Wirkungskreise als Patriarch von Venedig allezeit für unsere Glaubensgenoffen warme Sympathien bekundet und somit auch bei den Letzteren dankbare Verehrung genossen. Ein Jude war der Lieferant für den Haushalt des Cardinals Sarto, der von deffen Schwestern geleitet wurde. Als derselbe einmal am Sabbath Waaren ablieferte und der Cardinal ihn dabei betraf, tadelte er denselben auf das Strengste und erklärte ihm, daß er nie wieder den erzbischöflichen Palast werde betreten dürfen, wenn er seinen Sabbath entweihe.