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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-21 · 34 (21.8.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
34 (21.8.1903)
Date
1903-08-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 34 Sette 544 Dr. 3BlOCb’S treibe verkaufen, wenn er vom Juden bessere Preise erzielt, als von einem anderen Geschäftsmanne? Ob sich der Jude mit kleinerem Nutzen zufciedengibt, oder ob er sich selbst damit schadet... was kümmert das den Bauer? Oder wer würde nicht vom Juden denselben Stoff um so und so viel billiger kaufen, als ihn ein anderer Händler gibt? In solchen Schlagworten und Rathschlägen liegt keine Hilfe gegen die Juden und im Handel wird ruhig der Grundsatz der Concurrenz gelten: Der Verkäufer wird immer Demjenigen verkaufen, wer den höchsten Preis bietet, und der Käufer wirdwieder beiDemjenigen einkaufen, wer unter sonst gleichen Verhältnissen den billigsten Preis verlangt. Mit ähnlichen Schlagworten richtet man also gegen die Juden gar nichts aus, freilich aber nur mit der Belehrung: „Unsere Kaufleute müssen ganz so, wie die Juden, bei ihrem Einkäufe die höchsten Preise bieten, beim Verkaufe jedoch die niedrig st en Preise verlangen! Mit Einem Worte: Mit künstlichen, gemachten Mitteln bringt man es zu gar nichts, weil, was im Handel künstlich und gemacht ist, nirgends bestehen bleibt, höchstens auf wenige Augenblicke, worauf die natürlichen Be rh ä l t n i s s e gleich wieder zur Herrschaft gelangen." Wir konnten keinen bessern czechischen Fachmann zum Zeugen für die Richtigkeit unserer Meinung wählen, als eben den angeführten Bolkswirth Franz SimaLek/ dessen bedeutsamste Gründung die czechischen Vorschußcassen („zalozug“) seit jeher ganz judenfrei und ganz judenrein waren, in ausschließlich czechischnatioualer Verwaltung sich befanden und von denen trotzdem fast nur die wenigsten sich ohne Defraudationen und ohne Bankerott bis heute erhalten haben. Biele Millionen czechischen Nationalvermögens hat der Krach der meisten „zalugas“ in Böhmen und Mähren schon verschlungen, das ganze Alphabet dieser czechischen „nationalen Selbsthilfe"-Initiative, von Beneschau bis W i t t i n g a u, viele Buchstaben in doppelter, ja dreiuad vierfacher Besitzung, figurirte schon auf den Concurs- Edicten der Gerichte, aber der frivolste Schwindel mit der „Svüj k 8V6WU^-Agitation gegen die kleinsten und mittleren jüdischen Handelsexistenzen wuchert üppig weiter. Erst wenn ungarische Interessen angetastet werden, da hört jeder Haß auf, da wird die Regierung sicher gleich energisch auch in Prag eingreifen. Bon Budapest wird man selbstverständlich gegen diese neueste Hetze ganz andere Saiten aufziehen, die all die Wiener und Prager antisemitischen G'schaftlhuber sonst gewohnt sind. Die ungarischen Repressalien werden sicher nicht lange auf sich warten lassen und werden sehr einschneidende wirthschaftliche Nachwirkungen für die czechischen Fabriken im Gefolge haben! Am interessantesten ist und bleibt freilich die längst bekannte Thatsache, daß diejenigen ,,Svnj k svämu"-Versilberer, die selbst am lautesten schreien, heimlich, bei Nacht, unter sorgfältig gedeckten Wagenplachen ganze Waggonladungen ungarischen Weizens und Mehles in ihre Mühlen und Bäckereien und Kaufläden zustreifen und sie als national-czechisches Product mit fettem Profit an Mann bringen, wobei die Presse, mit den „Narodni Lisly" obenan, wacker mithilft. — Czechische Fabriken werden die Arbeit einschränken oder auch ganz ein stellen müssen, czechische Arbeiter werden entlassen werden — ober das schadet nichts. So wird der czechische kleine Mann mit dem „8vüj k sv€mu“ gerettet. Es lebe der neueste Mehlkrieg gegen Uncorn! pp. Korrespondenzen. Organisation. Wir fahren in der Veröffentlichung der Zuschriften fort, die uns — wie bereits mitgetheilt — anläßlich des in unseren Spalten enthaltenen Artikels „®er Oesterreichisch-israelitische Bund" in ungewöhnlicher Anzahl. zugekommen sind. »Herr Redacteur! Richtig ist es, wie Ihr in Nr. 31 Ihres Blattes enthaltener Artikel über den O'sterreichisch-iftaelitischen Bund besagt, daß dieser die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Man hatte gehofft, daß er eine Art Consistorium bilden Mocbenscbritt. werde, eine oberste Instanz für alle österreichischen Juden und daß er eine Organisation innerhalb derselben schaffen werde, welche in heutiger bedrängter Zeit wahrhaftig vonnöthen wäre. Wie nöth'g dies gegenüber dem von allen Seiten drängenden Antisemitismus auch ist — noch viel nöthiger wäre eine Contcole und eine daran sich knüpfende Hilfsaction für die zahlreichen kleineren Gemeinden, welche theils aus Geldmangel, theils aus Gleichgiltigkeit, theils aus Mangel an Berständniß den primitivsten Pflichten einer Cultusgemeinde nicht Nachkommen. In früheren Zeiten waren es die großen Gemeinden, in welchen die Freigeisterei und die Sucht, sich mit den Andersgläubigen zu mischen, den traditionellen Standpunkt erschütterten und das Judenthum im wahren Sinn des Wortes verwässerten. Dagegen kam E'satz aus den kleinen Gemeinden, wo die Kinder und jungen Leute noch was „gelernt" hatten, ehe sie dem Zug in die Großstadt folgten. Diese Ecsotzreserve hört jetzt allmälig auf. Wie wenig auch in Wien und Prag und Brünn Hebräisch in der Schule gelehrt wird —immer ist es noch viel mehr, als das, was die jüdischen Kinder in den meisten kleinen Gemeinden lernen. In vielen derselben gibt es überhaupt keinen jüdischen Unterricht mehr; in anderen lehrt ein Schochet, wieder" in anderen — ich könnte Namen nennen — hat der Rabbiner „keine Zeit", daher er nur sporadisch Unterricht ertheilt. Da die Kinder am Samstag in die Volksschule gehen, so fehlt ihnen auch alle Uebung in der Liturgie. — Nicht besser steht es um die anderen, das jüdische Leben betrkffenden Fragen. Die Angestellten der kleinen Gemeinden, Rabbiner. Vorbeter, Lehrer, werden so schlecht bezahlt und sind solchen Willküracten ausgesetzt, daß ein ersprießliches Wirken überhaupt nicht zu erwarten ist. Genug — das Judenthum der kleinen Gemeinden hört successive auf. Gegen ähnliche Uebelstände in den reichsdeutschen Gemeinden bietet der Deutsch-jüdische Gemeindebund die erdenklichsten Anstrengungen auf. Ec subventionirt dieselben, damit sie die Lehrer ordentlich honoriren können; er geht ihnen mit Rath und Thal betreffs der Lehrpläne und in anderen schwierigen Verwaltnngsmaßregeln an die Hand; er veranlaßt die Lebensversicherung der Angestellten, um denselben einen Ersatz für die mangelnde Pension zu sichern; er läßt die kleinen Gemeinden bereisen, um die statistischen und administrativen Verhältnisse derselben kennen zu lernen und um dort, wo es am dringendsten noththut. helfen zu können. Und warum geschieht hier nicht Aehnliches? Meint man etwa, daß es minder uöthig sei als in Deutschland? Oder verfügt der Bund über geringere Mittel? Oder fehlt es an dem Willen, zu organisiren oder zu controliren? Ueber all dies weiß die Welt nichts, erfährt sie nichts und die jüdischen Zeitungen lassen diese wichtigen Fragen links liegen, statt sie unablässig zu discutiren. In der That gibt es keine wichtigeren Fragen für uns Juden. Bernhard B., ehemaliger Cultusvorstand in einer kleinen Gemeinde. Finanzrath Dr. Anton Nusko. Zu dem Artikel, den wir unter diesem Titel in der letzlen Nummer veröffentlichten, erhalten wir von befreundeter Seite eine dankensmerthe Aufklärung. Nach unseren Informationen sollte Herr Finanzrath Dr. August Nusko, der sich so angelegentlich darum bemüht, in offenen Correspondenzkarten für seinen judenreinen Stenographenverein Propaganda zu machen, für die Stelle eines Docenten der Stenographie in der Wiener Handelsakademie erst in Aussicht genommen gewesen sein. Das ist nun unrichtig. Auf pag. 13 des jüngsten Jahresberichtes der Wiener Handelsakademie pro 1903 heißt es: „Mit Beginn des Studienjahres 1902/3 trat noch als neues Mitglied in den Lehrkörper der Wiener Handelsakademie Herr k. k. Finanzrath Dr. August Nusko ein, der zum Docenten für Stenographie ernannt worden ist." Ebenso fungirt Herr Dr. Nusko auf pag. 49 des erwähnten Berichtes schon als Mitglied des Lehrkörpers. Herr Finanzrath Dr. Nusko hat also seine antisemitische Bereinsgründung, resp. die Propagirung derselben als judenreine Corporation schon in seiner Eigenschaft als Docent der von liberalen Männern gegründeten und von ebensolchen Männern verwalteten Wiener Handelsakademie unternommen. Darnach fühlen wir uns aus freien Stücken verpflichtet, die in unserem Artikel ausgesprochene Vcrmuthung. daß der Director der Handelsakademie, Regierungsrath Dr. Sonndorfer, schon vorher von

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