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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-21 · 34 (21.8.1903) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
34 (21.8.1903)
Date
1903-08-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Vlocb's Mocbenscbrirt. Sette 541 sehr großen Naturen ist es beschieden, sich mit ihrer Zeit zu verjüngen; nach der „Deutschen Zeitung" ist es jedoch ein großer Mangel, denn Jugend hat nicht Tugend. Geradezu poffirlich nimmt es sich aus, wenn sich die „Deutsche Zeitung" darüber beklagt, daß die Leser immer wieder Berichte über Kischenew vorgesetzt bekommen. „Immer nur Kischenew und Kischenew! Kischenew am Morgen und Kischenew am Abend". Das ist wirklich schön von der „Deutschen Zeitung", daß sie über das langweilige eintönige Geschreibsel der antisemitischen Presse, die seit Wochen Tag für Tag in hunderterlei Varianten alberne Märchen über jüdische Provokationen bringt, ganz öffentlich abfällig urtheilt. Scheinbar richtet sich ihr Borwurs zwar gegen die Juden, — doch da die Juden auch in dieser Beziehung in ihrem Kampfe gegen die Antisemiten im Nachtheile sind, denn es stehen ihnen nur einige Wochenblätter zur Verfügung, in denen sie also nur Woche für Woche schreiben können, gilt der Vorwurf nicht ihnen, — aber wer zwischen den Zeilen zu lesen versteht, weiß, daß über die langweiligen Tiraden der Antisemitenpreffe der Stab gebrochen wird. Wenn die „Deutsche Zeitung" die Unterdrückung der Juden in Rußland mit Befriedigung constatirt und die ruffische Regierung weise und gerecht nennt, so kann das nicht weiter überraschen. Ein Geständniß legt aber die „Deutsche Zeitung" ab, das lebhaftes Erstaunen Hervorrufen muß: „Wir erreichten nichts in unseren Landen, von moralischen Erfolgen abgesehen". Da ist die „Deutsche Zeitung" viel zu bescheiden, sie vergißt ganz, daß es den Antisemiten gelang, jüdische Hauflrer zu schädigen, jüdische Lehrer und Beamte zu chieaniren und im Avancement zu Präteriren, daß seit dem christlich-socialen Regime Juden keine Anstellungen bei der Commune finden, daß durch die fortgesetzten Hetzen in den antisemitischen Organen jüdische Geschäftsleute, Advocaten und Aerzte empfindlich geschädigt werden. Positive Erfolge, Schädigung der wirthschaftlichen Lage der Juden haben die Antisemiten also tatsächlich aufzuweisen; hingegen sieht es mit den moralischen Erfolgen einigermaßen windig aus. Verrohung in den öffentlichen Vertretungen, Ueberhandnehmen der Corruption, Heuchelei und Naderei, das sind die „moralischen" Erfolge der Antisemiten. Der Leitartikel der „Deutschen Zütung" klingt in die Drohung mit der Vertilgung der Juden aus. Billiger gibt es das dümmste Blatt Wiens einmal nicht. 18 e g r i m. Jahresbericht der Zennsh Catomjätio« Association. (Schluß.) III. Canada. 1. Das Baron Hirsch-Institut zu Montreal, welches sich hauptsächlich mit dem Empfang und der Unterbringung von jüdischen Einwanderern beschäftigt, hat im Berichtsjahre mit Hilfe der „Jca" ein großes Schulgebäude für 476 Schüler errichtet. 2. Der Hirsch-Colonie geht es so gut, daß die Gesellschaft den Entschluß fassen konnte, sie vollkommen sich selber zu überlassen. Die Colonie wird in der Folge in den Jahresberichten der „Jca" nicht mehr figuriren. Ein Beamter der canadischen Regierung, welcher im Berichtsjahre die Colonie revidirt hatte, stellt den Colonisten ein glänzendes Zeugniß aus und schildert sie als sehr intelligente, fleißige Arbeiter, die, energisch, stolz und freiheitsliebend, unter allen Umständen ihren Weg finden werden. Es sind 26 Familien mit 81 Seelen, die 18 Häuser nebst Zubehör, 52 Pferde und 146 Kühe besitzen und 415 Hektar Land angebaut haben. 3. Eine neue Colonie bei Q»'Appelle. Auf Betreiben einiger Londoner jüdischer Notabeln hat der canadische Regierungscommissär für das Auswanderungswesen 360 rumänische Juden ausgesucht, welche in der Nähe der Festung Qu'Appelle in der Provinz A s s i n i b o i a als Colonisten angesiedelt werden sollten. Die „Jca" zahlte die Ueberfahrt nebst einem gewissen Vorschuß pro Familie, während die Regierung jedem Ansiedler 65 Hektar bereits mit Getreide bepflanzten Bodens bewilligte. Die erste Partie von 100 Emigranten gelangte ungestört an ihrem Bestimmungsorte und heimste pro 1902 eine reichliche Ernte ein Bei der ein Jahr später erfolgten Landung der zweiten Partie mit 50 Familien passirte ein Zwischenfall: Unter den Emigranten brach eine Diphtheritisepidemie aus und sie mußten deshalb eine langwierige Quarantaine durchmachen. Als sie endlich, viel zu spät für die Ernte vor Qu'Appelle anlangten, fand sich, daß weder Vieh noch Ackergcräth von den Behörden für sie bereitgestellt sind. Ein Theil der Emigranten zerstreute sich infolgedesien, während der Rest, im Ganzen etwa 200 Personen, auf der neuen Colonie verblieben ist. IV. Die Bereinigten Staaten. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika arbeitet die „Jca" im Vereine mit dem Baron Hirsch-Fond und der New-Aorker jüdischen Ackerbau- und Jndustrie-Hilfsgesellschaft. Im Verein mit dem Ersteren fördert sie die Colonisationsversuche in New-Jersey, sowie die Industrieschule zu New-Aork, während sie mit der Letzteren zusammen das System der Einzelfarmer betreibt und die Evacuirung des New-Uorker Ghettos zu bewirken sucht. 1. W o o d b i n e. Die vor 12 Jahren errichtete Colonie hat sich zu einem ansehnlichen Orte entwickelt, indem nebst Ackerbau in sieben Fabriken mit 419 Arbeitern noch Industrie betrieben wird. Die Arbeiter verdienen etwa 32 Mark die Woche und können den jüdischen Bauern zu guten Preisen die Producte der Milchwirthschast, der Hühnerzucht und der Gemüsegärten abkaufen. Woodbine hat von der Regierung jetzt Stadtrecht erhalten und stellt demnach den einzigen Platz auf Erden dar, auf dem die Juden unter eigener Per» waltung leben. Die Ackerbauschule zu Woodbine hat in dem Berichtsjahre eine wesentliche bauliche Erweiterung erfahren und ihre Schülerzahl ist von 120 auf 158 gestiegen. Von den 58 Zöglingen, welche in diesem Jahre die Anstalt verließen, haben nur 26 45 Percent den ganzen Unterrichtscursus durchgemacht. Dasselbe läßt sich sagen von der 2. Industrieschule zu New-Nork, die den Zweck hat, erwerbslosen Immigranten binnen weniger Monate eine Profession beizubringen. 16 Percent aller Schüler verlassen den kaum 3 Monate dauernden Unterricht vorzeitig. In den letzten 3 Jahren hat die Industrieschule 437 Einwanderer ausgebildet. 3. Die Einzel farme r. Im Verein mit der „Jewish agricultural aucl iudnatrial Aid Society“, welche in Chicago eine Filialgesellschaft gegründet hatte, hat die „Jca" 80 Farmern Darlehen im Gesammtbetrage von 41.517 Dollars gewährt. Die Filiale in Chicago hat überdies 56 neue Farmerfamilien mit im Ganzen 302 Seelen in sieben Bundesstaaten etablirt. Die Versuche zur Evacuirung der großen amerikanischen Ghettos werden mit etwas besserem Erfolge als bisher fortgesetzt. Die Einwanderer werden bereits am Landungsplätze in Ellis Island von Beamten der Gesellschaft abgefangen und zur sofortigen Weiterfahrt zu bewegen gesucht. Der Erfolg war, daß 3208 Emigranten New-Iork verlassen haben und weiter ins Hinterland gegangen find. V. Cypern. 1. MargoTschiflik. Die Colonie umfaßt jetzt 1114 Hektar, von denen 289 in Anbau genommen worden sind. Die Ernte war aber noch schlimmer als im Vorjahre, das seinerzeit schon ebenfalls sehr viel zn wünschen übrig ließ. Von den sieben Colonistenfamilien haben daher wieder zwei den unglückseligen Platz verlassen. Es find noch fünf Colonistenfamilien, vier ehemalige Schüler von Mikweh Israel und vier eingeborene Pächter in Tschiflik vorhanden. Die Gesellschaft fährt aber fort, das Anwesen zu verbessern und weiter auszustatten. 2. N e u e r A n k a u f. In diesem Jahre hat die „Jca" auf Cypern eine weitere Erwerbung von 400 Hektar Land gemacht. Es handelt sich um die Margo Tschiflik benachbarte Domaine Cholm a ck ch i. Das Land wurde bis auf Weiteres an sieben Eingeborene verpachtet. VI. Anatolien. Die 2587 Hektar umfasiende Domaiue Or Jehudah hat 916 Hektar brauchbaren Boden. Von diesen sind 167 an 22 Personen, darunter 5 Inden, verpachtet. 121 an 84 Griechen vermiethet und 157 in eigener Regie bearbeitet. Die Ackerbauschule von Or I e h u d a h zählt jetzt 54 Zöglinge. Domaine und Schule haben im Vorjahre 241.806 Mark erfordert. V1L Rußland. Nebst den Colonien in Argentinien wendet die „Jca“ mit vollem Recht ihr Jntereffe den Juden Rußlands zu. Ein mit großen Kosten (im vorigen Jahre 65.000 Mark) in Petersburg unterhaltenes Centralcomite dient dem Verwaltungsratb gleichzeitig als berathende Körperschaft und ausführendes Organ. In erster Reihe fördert die „Jca" in Rußland: .1. das Nnterrichtswesen, wobei sie, auf dieser Bahn weiter schreitend, sich jetzt nicht mehr mit Erziehungsan st alten begnügt, sondern auch immer mehr reine Bildungsanstalten zu fördern beginnt. In diesem Jahre wurden unterstützt, respective vollständig unterhalten 5 Acker- und 2 Gartenbau schulen mit einem Landbesitz von 1188 Hektar, 20 Lehrern und 163 Schülern. Ferner zählen wir 13 Handwerkerschulen mit 1400Zöglingen, 7 Industrieschulen für Mädchen mit 998 Schülerinnen und 2 gemischte Anstalten mit 300 Knaben und 328 Mädchen. Im Ganzen werden also in Rußland nicht weniger als 3241 jüdische Kinder zu tüchtigen Landwirthen und modernen Handwerkern exogen. Dazu kommen noch zwei einfache A r b e i t s st u b e n, in den 52 Mädchen nützliche Handarbeiten erlernen Die Zahl der Arbeitsstuben ist in Wirklichkeit bei weitem größer, da die meisten Handwerker- und Industrieschulen solche Arbeitsstuben zur praktischen Erlernung zahlreicher Berufe aufweisen. So zählen wir im Berichte nicht weniger als 20 solche Werkstätten, in denen 1953 Knaben und Mädchen einen Beruf erlernten. Leider wird die Wirkung dieser mit großen Kosten verbundenen Anstalten — im Jahre 1901 wurden für Unterrichts-

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