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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-14 · 33 (14.8.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
33 (14.8.1903)
Date
1903-08-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. SS Dr. Llocb's MocbenscbrM. Sette 533 dem Projecte näher zu treten. Die Inhaber von Sitzplätzen in der Synagoge verlangen, daß auch ihr Eigenthumsrecht ihrer Sitzplätze aus die neu zu erbauende Synagoge übergehe. Der Vorstand ist anderer Ansicht, er behauptet, daß das Eigenthumsrecht der Sitzplätze in der Synagoge den Inhabern solange gesichert bleibt, wie die Synagoge benützt wird, mit dem Augenblick aber, wenn diese niedergerissen, aushöre. Man ist aber der Zuversicht, daß eine Einigung zwischen den Parteien erzielt werden wird. Rosenberg in Böhmen ist eine der schönsten Sommerfrischen des Böhmerwaldes, welche gegenwärtig von nahezu zweihundert Gästen aus Wien, Prag, Budweis rc. besucht ist. Unter denselben befindet sich eine größere Anzahl Juden, welche diese herrliche Idylle ganz besonders deshalb zu ihrem Sommeraufenthalte wählen, weil man hier von der pestartigen Krankheit des Antisemitismus noch ganz frei, man könnte sagen, immun ist. — Samstag den 8. August hielt der neugewählte Rabbiner der hiesigen G-meinde, Herr Philipp Lederer, in der Synagoge während des Mussafgottesdienstes seine Antrittsrede. Nebst den Mitgliedern der Gemeinde waren auch viele der hier weilenden Gäste, unter diesen auch ein gräflicher Schloßpfarrer und als dessen Begleiter ein junger Baron in der Synagoge anwesend. Redner errang allgemein großen wohlverdienten Beifall. St. Wolsgang. (Eine Lebensrettung.) Am 7. Juli, Abends gegen 9 Uhr, fuhr die Schiffersgattin Höpplinger, bei ziemlich bewegtem See, mit einem Ruderbot in ihre nächst St. Wolsgang befindliche Schiffshütte. Durch einen bisher noch nicht aufgeklärten Zufall klppte das Schiff um, die Frau stürzte ins Wasser, und nachdem sie nicht mehr die Kraft hatte, sich an dem Boote anzuhalten, sank sie in die Tiefe. Durch die Hilferufe aufmerksam gemacht, lief Herr Otto Pollak, ein Sohn des kaiserl. Rathes Alois Pollak in Wien, von der in der nächsten Nähe befindlichen Villa seines Vaters zum Seeuser, stürzte sich ins Wasser und holte mit eigener Lebensgefahr die bereits bewußtlose Frau Höpplinger aus den Wellen. Erst nach langen Bemühungen gelang es, die junge Frau zum Leben zurückzurufen. Kolberg. Am Samstag den 25. v. M. beging das jüdische Curhospital sein 29. Stiftungsfest. Zur Feier dieses Tages wurde am Vormittag in Verbindung mit der Sabbathandacht ein Festgottesdienst in der Anstaltssynagoge abgehalten. Wie in früheren Jahren, so findet auch dieses Mal das Stiftungsfest seinen Abschluß durch ein im Strandschloß stattfindendes Wohlthätigkeitsconcert. Karlsruhe. Freifrau Adelheid von Rothschild, die in Paris verheiratete Tochter des vor zwei Jahren in Frankfurt verstorbenen Barons Wilhelm von Rothschild, hat für die Errichtung einer Lungenheilstätte ,für Israeliten in Adelsheim eine halbe Million Mark gespendet. Die Anstalt heißt »M. A. v. Rothschild'sche Lungenheilanstalt". Vorsitzender des Ausschuffes ist Rabbiner Dr. Löwenstein-Mosbach. Warschau. Herr N. Sokolow. Redacteur der »Hazefirah", kündigt die Herausgabe einer allgemeinen Encyklopädie der Wiffenschaften mit besonderer Berücksichtigung der Wissenschaft des Judenthums in hebräischer Sprache an. Das großangelegte Unternehmen ist durch einen dafür zur Verfügung stehenden Fond gesichert. Nachdem Herr Sokolow sich eines großen Stabes jüdischer und nichtjüdischer Gelehrter vergewissert hat, soll in allernächster Zeit mit der Publication begonnen werden. London. Prof. Israel Gollancz, der bisher als Lehrer der englischen Literatur an der llniverfität Cambridge thätig war, wurde zum Professor am hiesigen Kings College ernannt. Die dem Gelehrten widerfahrene Auszeichnung erscheint umso größer, als Gollancz, der einer der vorzüglichsten Shakespeareforscher ist, als erster Jude eine Kanzel der Londoner Hochschule erhielt, die bis vor ganz kurzer Zeit überhaupt nur mit Anglikanern besetzt werden durfte. — Der „ Jewish Chronicle“ meldet, daß in den Colonien nächst Jaffa Postämter der österreichischen Post eröffnet worden sind und daß mehrere Formulare hebräischen Text mit einem ,Mögen David“ als Embleme tragen. New-Iork. Hier hat sich ein aus hervorragenden amerikanischen Persönlichkeiten, darunter Präsident Roosevelt. Expräfident Grover Clevland, Staatssecretär John Hay, Bischof Potter und dem Schatzmeister August Belmont. bestehendes Comitä constituirt, um dem Ehepaare Baron und Baronin Hirsch im Centralpark von New-Aork ein Denkmal zu errichten. Das Denkmal, dessen Pläne bereits ausgearbeitet sind, soll eine die Wohlthätigkeit darstellende allegorische Figur aufweisen und zwei Medaillons mit dem Reliefbildniß des Baron und der Baronin Hirsch. Die auf 200.000 Mark veranschlagten Kosten sind theils durch Beiträge der Comitämitglieder, theils durch eine von dem »New-Aork-Herald" eingeleitete öffentliche Sammlung gedeckt. Die Errichtung des Monumentes erfolgt mit Rücksicht auf den Umstand, daß durch die Munificenz des Baron Hirsch philanthropischen Institutionen New-Aorks und Chicagos große Summen zugefloffen sind. Feuilleton. Julian Meldohta. Von Mary Maß. I. Arme Andromeda. Eine höchlich civilisirt aussehende, ältliche Dame saß, Patience legend, in einem jener civilisirten Zimmer, deren Herstellung an den rauhen Küsten Neu-Englands wohlhabenden Sommerfrischlern zu gelingen pflegt. Die grellen Draperien und scheußlichen Möbeln und Ornamente der Pionniere der Häusergründung batten wohlgeordneten Blumeiwasen, mit lichten Zitz bezogenen behaglichen Lehnstühlen und bequemen niederen Tischen aller Art Platz gemacht. Das behagliche Lampenlicht zeigte eben genug von Photographien nach Betticelli um eine duldsame Anerkennung der herrschenden Kunstrichtung und ihrer Schwächen anzudeuten, während der persönliche Geschmack der Billenbewohner in einer Aufstellung hell umrahmter Bilder modern gekleideter Männer und Frauen zum Ausdruck kam. Zwei Sammlungen von Büchern stellten sichtlich den Geschmack zweier verschiedener Persönlichkeiten dar. Ein Stoß Bände deutete auf eine experimentirend tastende junge Person hin, deren philosophische Studien, von Schopenhauer und Laffalle bis zu den neuesten metaphysischen Psychologen reichend, offenbar häufig durch Ausflüge in das weite Gebiet des Dramas, der Poesie und des Romanes der Gegenwart und Vergangenheit unterbrochen wurden. Auf der anderen Seite des Tisches gaben ein Roman von Hector Malot, und zwar durchaus keiner von den harmloser«, Labouchöre's »Wahrheit", »Stadtgespräche", vorsichtig unter den »Kirchenbesucher" geschoben, sowie zwei neue englische Romane, mild wie frische Milch, vollkommenen Aufschluß über den geistigen und moralischen Zustand der ruhevollen Patience-Spielerin. Eine geglückte Partie beendend, blickte sie nach der Uhr und klingelte. Sofort erschien eine Magd mit nettem Häubchen. »Bringen Sie meine Umhülle und sagen Sie Fräulein Edith, daß es neun Uhr vorüber ist und der Wagen feit einer halben Stunde wartet." In diesem Augenblicke erschien in der Thür ein blondes, schlankes Mädchen, dessen weiches, milchweißes Kleid von jener künstlerischen Einfachheit war, die jede Krause so selbstverständlich und freiwillig erscheinen läßt, wie die Blumenblätter einer zarten Blüte. »Für eine Person, deren Haar von Natur gelockt ist", bemerkte Frau Brand, »brauchst Du sehr lange Zeit zum Ankleiden " „Es hat keine Eile", sagte das Mädchen. »Ziehen wir jetzt hier unsere Handschuhe an!" Edith Linton sprach leise und rasch, aber mit einer gewiffen persönlichen Schärfe in Stimme und Ausdruck, welche unfehlbar ihren unbedeutendsten Bemerkungen Interesse verlieh. Es war ein Tonfall darin in Moll, doch auf verborgenes Feuer deutend, welches der natürliche Ausdruck ihres blaffen, ovalen Gesichtes war, eines Rebellengesichtes voll regelloser Energie, unverbrauchter Bewegung mit nervösen, sensitiven Lippen. Es war ein Gesicht, das Schätze von Gefühl, aber auch ungemeine Hartnäckigkeit kündete, Fähigkeiten für Lust und Leid, und nicht geringem Edelsinn. Ihrer Vormünderin Frau Brand erschien sie blos als eine Nichte, die ihr Ehre machte und deren Hauptfehler es war, daß sie alle paffenden, wünschenswerthen Bewerber zurückwies. Edith sank in einen tiefen Lehnstuhl und begann mit großer Seelenruhe ihre langen schwedischen Handschuhe anzuziehen. »Du bist eine kluge Frau, Tante Margarethe, kannst Du Dir denken, weshalb ich heute in Frau Warfeld's mufikalische Abendgesellschaft gehe?"

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