Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 33 (14.8.1903)
- Date
- 1903-08-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 532 Dr. Mocb s TKHocbenscbtfft Nr. 33 den Unruhen Aussagen gemacht haben, auf das Polizeibureau gerufen und dort mit Schmähungen und Drohungen überschüttet. Es ist bei russischen Verhältnissen begreiflich genug, daß derartige Vorgänge die noch nicht verhörten Zeugen einschüchtern. So wird von verschiedenen Seiten dafür gesorgt, daß sich bei den Proceßverhandlungen möglichst wenig Unannehmlichkeiten für die russischen Behörden ergeben. * * * Zugleich mit dieser Zuschrift erhalten wir eine andere aus Czenstochau (Ruff. Polen), der wir Folgendes entnehmen: Die hiesige jüdische Bevölkerung ist wieder stark beunruhigt infolge der immer wiederkehrenden Gerüchte, daß am 15. August, einem katholischen Feiertage, der jedes Jahr große Wallfahrermengen nach Czenstochau führt, in Abwesenheit der Militärbesatzung neue Judenkrawalle ausbrechen sollen. Biele Einwohner verlassen schon jetzt die Stadl, andere wieder verlegen ihre Wohnstätten nach dem besseren Viertel, während die Kaufleute den Bezug von Waarenvorräthen auf das Minimum beschränken. Um allen möglichen Eventualitäten vorzubeugen, hat sich der Vorstand der jüdischen Gemeinde an den Gouverneur in Petrikau mit der Bitte gewandt, eine genügende Militärmacht für den erwähnten Zeitpunkt in der Stadt zurückzulaffen; das Gesuch ist indeß abgelehnt worden, weil die Regierung, wie es in der Antwort heißt, .nicht einen unwiderleglichen Beweis dafür habe, daß die Gerüchte auf einer tatsächlichen Grundlage beruhen". Natürlich ist ein derartiges Verhalten der Regierung nur dazu geeignet, die Angst vor Ausschreitungen, welche sich in so hohem Maße der jüdischen Einwohner bemächtigt hat, noch weiter zu steigern. Dies umsomehr, als man auf Hilfe seitens der örtlichen Polizei nicht mehr rechnen kann. Diese letztere benutzt vielmehr schon jetzt den geringsten Zusammenstoß zwischen einem Juden und Christen, um den Anschein zu erwecken, als nähmen die Juden eine herausfordernde Haltung an. Da dies nicht immer gelingen will, scheut man selbst vor Protokollfälschungen nicht zurück, wie dies erst vor Kurzem seitens der hiesigen Gerichtsbehörden festgestellt worden ist. Die Lage der russischen Juden ist ja schon seit Jahrzehnten s«-hr traurig, sie wird aber jetzt, wo die jüdische Bevölkerung sich nicht nur in ihrem Besitzstände, sondern sogar an ihrem Leben bedroht fühlt, geradezu trostlos! Petersburg. (Antokolski-Stiftung.) Nach dem Ableben des berühmten jüdischen Bildhauers Marc Antokolski war von seinen Freunden und Verehrern der Plan gefaßt worden, das Andenken des großen Künstlers durch eine Stiftung zu ehren. Dieses Projcct wird demnächst zur Ausführung gelangen, die dafür gesammelten Gelder haben bereits eine ansehnliche Summe ergeben. Man sucht nach einem passenden Platz für das Antokolski- Jnstitut, das in der Vaterstadt des Künstlers, in Wilna, errichtet werden soll. Dieses Institut soll in mehrere Abtheilungen gegliedert werden. Es wird zunächst eine Kunst- und Gewerbeschule enthalten, ein Museum für angewandte Kunst, in dem ein besonderer Raum speciell dem Andenken Antokolski's gewidmet werden, d. h. in dem Alles zusammengetragen werden soll, was von den Werken des Verstorbenen, seinen Skizzen und Studien zu erlangen ist. Die Bibliothek soll eine reiche Sammlung von Zeichnungen und Mustern für alle Industriezweige enthalten; eine große Halle ist für Vorträge bestimmt, die alle Zweige der Kunst und des Handwerks betreffen und den in der Kunstschule ertheilten Fachunterricht durch umfassendere wissenschaftliche und theoretische Erörterungen vervollständigen. Vermischtes. Wien. Der Präsident der israelitischen Cultusglweinde Herr kais. Rath Heinrich Klinger hat seinen Sommerurlaub für mehrere Wochen angetreten und die Leitung der Präsidialgeschäfte während dieser Zeit dem ersten Bice-Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern übertragen. Wie«. Aus Anlaß des Allerhöchsten Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. findet Dienstag den 18. August 1903 im Tempel, I., Seitenstettengaffe 4, um 9 Uhr Vormittags, und im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgaffe 3, um 10 Uhr Vormittags ein feierlicher Gottesdienst statt. Der Bethausvorstand der israelitischen CultuSgemeinde. Wien. Im israelitischen Gemeindetempel, XV., Turnergasse 22, findet am 18. August 1903 um 9 Uhr Vormittag aus Anlaß des Geburtsfcstes Sr. Majestät des Kaisers ein Festgottesdienst statt. Die Festrede hält Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Grunwald. Der Synagogenvorstand für die Bezirke XII-XV. Wien Der Bethausvorstand für den XVIII. und XIX. Bezirk bringt zur KenNtniß, daß Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang Samstag den 15. August d. I. beim Morgengottesdienste (Beginn 8 Ühr Früh) die Antrittspredigt und Dienstag den 18. August d. I. bei dem Gottesdienste anläßlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers (Beginn halb 8 Uhr Früh) die Festrede im Gemeindetempel, XVIII., Schopenhauerstraße 39, halten wird. Wien. (Bethausverein .Beth Hachneseth", 111., Untere Biaductgasse 13.) Dienstag den 18. August präcise 7 Uhr Abends findet in unserem Tempel anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers ein feierlicher Gottesdienst statt, bei welchem unser Rabbiner Herr Dr. Armin Abeles die Festpredigt halten wird. Wien. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers findet Dienstag den 18. August l. I. um 9 Uhr Vormittags in der Synagoge des Vereines .Beth Israel", 11., Leopoldsgasse 29, ein feierlicher Gottesdienst statt. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Ludwig Krön: Von Frau Adele Krön, X 20. —; von Herrn Dr. Alexander von Weilen, X 20.—; von Herrn Dr. Jacob Ornstein, X 20.—; von Familie von Weilen, Neubau, Burggasse 20, X 10; von Herrn Moritz Baum, 1., Wipplingerstraße 5, X 10.—. Zusammen X 80.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Anton Jritzer: Von Herren Hauser und Sobotka, II., Gredlerstraße 10, X 40.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Dr. Abraham A n s ch e r l i k: Von Herrn Dr. Carl Stein, I., Wipplingerstraße 18, X 5.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Anna E i s n e r: Von Herrn Sigmund Eisner, XX., Wallensteinstraße 54, X 5.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Julius Goldscheider; Von Herrn Donat Zifferer, IX., Maximilianplatz 6, X 20.—; von Herrn Julius Stern. I., Kohlmessergasse 5, X 20.—. Zusammen X 40.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Josefine H e l l i n: Von Herrn Julius Granichstädten, IX., Hörlgasse 18, X 20.—. Wien. (Trauung.) Sonntag den 30. August l. I. findet in V ö s l a u, Villa Schefftel, die Trauung des Fräulein Olga S ch e f f t e l. Tochter des kaiserl. Rathes Herrn A. Schefftel, mit Herrn Oscar Straßmann statt. Wien. (Trauung.) Am 18. August um 2 Uhr Nachmittags findet im Tempel zu Baden bei Wien die Trauung des Fräulein Hedwig Bäcker, Tochter des langjährigen Amtsleiters der israelitischen CultuSgemeinde in Wien Herrn I. Bäcker, mit Herrn Dr. Robert Bäcker, k. k. Professor am Staatsgymnasium in Sereth in der Bukowina, statt. Wien. (Verlobung.) Sonntag den 9. d. M. hat sich Herr Alfred Stärk, Sohn des in den westlichen Bezirken durch sein humanes Wirken bekannten Herrn Moritz Stärk, mit Fräulein Valerie Abeles verlobt. Wien. Herr Obercantor Bela Guttmann hat einen vierwöchentlichen Urlaub angetreten und hat sich nach Gleichenberg begeben. Bischosteinitz. Die hiesige israelitische CultuSgemeinde wählte am 19. Juli in den Gemeindevorstand die Herren : MUDr. Gustav Hahn, Jakob E k st e i n, Samuel S ch l e i ß n e r. Sigmund Schleißner und Simon Steiner. Am 2. August l. I. constituirte sich der Cultusgemeindevorstand in folgender Weise: Herr Simon Steiner Cultusvorsteher; Herr MUDr. G. Hahn, Stellvertreter; Samuel S ch l e i ß n e r, Cassier; Sigm. Schleißner, Rechnungsführer, und Herr Jakob Ekst e i n, Tempelvorsteher. Jnowrazlaw. Ueber den Begriff .Eigenthum sr e ch t" herrschen Meinungsverschiedenheiten zwischen den jüdischen Gemeindemitgliedern und dem Synagogenvorstande. Schon seit langen Jahren gehen Vorstand und Repräsentanten- Collegium mit der Absicht um, eine neue Synagoge zu erbauen. Aus diesem Grunde wurde von diesen Körperschaften schon eine Menge Sitzungen abgehalten und Beschlüsse gefaßt. Die allzugroße Bausälligkeit der alten Synagoge zwingt den Vorstand,