Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 33 (14.8.1903)
- Date
- 1903-08-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Mocd's MocbenscvrM. Seite 531 Maskirt und verschönert inseriren doch schon deutsche Sprachschulen auch in den „OesKoÄäovsicS listy". — Das kann jetzt der „deutschfeindliche Israelit" in der „Politik" dem „Oas" pfiffig entgegenhalten und so wieder das deutsche Pensionats-Inserat der W. Schinova fein hinter dem „jüdischen Schirm" verstecken. L. Karlsruhe. (Bezold gegen Delitzsch.) In der 39. Hauptversammlung des wissenschaftlichen Predigervereins der evangelischen Geistlichkeit des Großherzogthums Baden, die unlängst hier stattfand, hielt der Heidelberger Ordinarius für orientalische Philologie, Professor Dr. Bezold, Herausgeber der Zeitschrift für Affyriologie, einen Vortrag über „Die babylonischassyrischen Keilinschriften und ihre Bedeutung für das Alte Testament". Ausgehend von einer Mittheilung Professor Oppert's an die im September 1865 in Heidelberg abgehaltene 24. Philologenversammlung gab der Redner zunächst eine gedrängte Uebersicht über die Entzifferung der altpersischen Inschriften, über die Ausgrabungen in Mesopotamien und die Wiederentdeckung der babylonisch-assyrischen, sowie der sumerischen Sprache. Er betonte im Anschluß daran die Bestätigung, die der Inhalt durch die neuerschlossenen Geschichtsguellen erfahren hat, und erläutert die durch die Entdeckung einer Reihe von Keilschrifttafeln zu Tell-el-Amarna in Oberegypten gewonnenen Aufschlüsse für die älteste Geschichte Israels. Bon der Auffindung der keilinschriftlichen, in jüngster Zeit durch neue Fragmente ergänzten babylonischen Weltschöpfungstafeln verspricht sich Bezold eine weitgehende Beeinflussung unserer Auffassung der biblischen Urgeschichte, deren theilweise Abhängigkeit von babylonischen Mythen nicht länger zu bezweifeln sei. Dagegen verhält sich der Heidelberger Gelehrte gegenüber einer Anzahl von Affyriologischen Ansichten, die — zum Theil durch Delitzsch's ersten Vortrag über „Babel und Bibel" — in weitere Kreise gedrungen sind, skeptisch oder ablehnend: Der Babylonierkönig Chammurabi läßt sich bis jetzt noch nicht sicher als der Amraphel des ersten Buches Moses erweisen, so daß die Zeit des biblischen Erzvaters Abraham nach wie vor unbestimmt bleibt. Von Monotheismus ist in den Keilschriften kein Hauch zu verspüren, und der hebräische Sabbath läßt sich auf eine babylonische Institution nicht zurückführen. Auch der biblische Sündenfall hat kerne Analogie in den bis jetzt in Mesopotamien ausgegrabenen Denkmälern. Die Keilinschriftforschung ist in vollem Fluß begriffen. In der Herausgabe und Entzifferung der nach Tausenden zählenden, noch unedirten Inschriften erblickt Professor Bezold zur Zeit die wichtigste Aufgabe der Affyriologie. Breslau. Bei der gestrigen Rectoratswahl fiel die Würde des Itsetor mg.Liiiüc:n8 dem Ordinarius für Mathematik, Geh. Regierungsrath Professor Dr. Jacob Nosanes zu. Jacob Jmmanel Nosanes wurde am 16. August 1842 zu Brody in Ostgalizien geboren. Den ersten Unterricht erhielt Nosanes durch Privatlehrer und von seinem 12. bis 15. Lebensjahre besuchte er die Realschule seiner Gebnrtsstadt. Da er keine Aussicht hatte, einen gelehrten Beruf ergreifen zu können, benutzte er nach Austritt aus der Schule beinahe ein Jahr dazu, sich durch Erlernung der neueren Sprachen für den Kaufmannsstaud vorzubereiteu, und trat auch mit 16 Jahren, kurz nach seiner Uebersiedlung nach Breslau, im Herbste 1858 in ein hiesiges Handlungshaus. Im Laufe eines Jahres reifte in ihm die Ueberzeugung, daß Gedankenrichtung und Art der Beanlagung ihn vollständig ungeeignet machten für den Stand, für den er von Anfang an bestimmt war. Er bemühte sich daher, die Lücken seines Wissens auszufüllen und Michaeli 1860 faßte er, unter Zustimmung seiner Eltern den Entschluß, sich an der hiesigen Universität zu einem praktischen Chemiker auszubilden. Er hörte drei Semester-Vorlesungen über Chemie und arbeitete gleichzeitig im chemischen Laboratorium unter Leitung des Geheimraths Loewig. Eine vorwiegende Neigimg für die mathematische Richtung der exacten Wissenschaften bestimmte ihn jedoch, gegen Ostern 1862 sich fortan gänzlich dem Studium der Mathematik und Physik zu widmen. Deshalb verwandte er die nächsten lVa Jahre vorwiegend zur Erlernung der ctltclassischen Sprachen, und die Frucht dieses eifrigen Studiums mar das Zeugniß der Reife am hiesigen Mathias-Gymnasium, sowie eine in ihrer Anlage fertige Arbeit, welche er in Verbindung mit einem Freunde unternommen hatte. Im Sommer 1864 wurde die Arbeit vollendet und veröffentlicht. Im Sommer 1865 promovirte Rosanes an der hiesigen Universität zum Dr. phil. und setzte dann in Berlin seine mathematischen und physikalischen Studien fort. Im Sommer 1866 kehrte er nach Breslau zurück und wollte eine größere Arbeit unternehmen, als eine ernste Unterbrechung seiner wissenschaftlichen Thätigkeit eintrat. Eine körperliche und geistige Abspannung gestattete ihm fast volle drei Jahre keine productive Thätigkeit; nur eine Arbeit erschien in dieser Zeit. Nachdem er im Sommer 1869 seine Arbeiten wieder hatte aufnehmen können, habilitirte er sich am 23. März 1870 an der hiesigen Universität. Anr 30. April hielt er seine Antrittsrede über die neuesten Untersuchungen in Betreff unserer Anschauung von Raum. Im Jahre 1873 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt und im Mai 1876 erhielt er eine ordentliche Professur für Mathematik und Physik. Am 20. April 1897 wurde er zum Geheimen Regierungsrath ernannt. Er war Tirector des mathe matisch-physikalischen Seminars und hat durch zahlreiche Veröffentlichungen sich in den Kreisen der Mathematiker und Physiker einen geachteten Namen erworben. Bewundernswerth ist die Energie, mit welcher Rosaucs sein Ziel verfolgte und erreichte. Schon als Schüler der Realschule seines Heimatsortes fühlte er sich durch den Unterricht in der Geometrie nnd Chemie mächtig ungezogen, und als der Knabe zum Jüngling geworden war und die Ueberzeugung von seiner Begabung feste Wurzeln in seinem Gemüthe gefaßt hatte, gab es für den Vorwärtsstrebenden kein Hinderniß mehr, das er nicht überwunden hätte. Die Judenauswanderung. Bukarest. Der Correspoudent des „Adeverul" in Jassy hatte eine Unterredung mit dem Bürgermeister jener Stadt, dem Abgeordneten Penesku. Auf die Frage des Correspondenten, wie it die öconomische Lage betrachte, antwortete der Bürgermcister: „Nicht nur, daß ich keine Besserung erblicken kann, sorrdern unsere Stadt geht immer mehr zurück. Niemand kann das beffer wissen als wir, die wir sehen, daß die Gemeindeeinnahmen in stetiger Abnahme begriffen sind. Die Ursachen sind nur allzu bekannt. Es hat dazu viel die Nothwendigkeit beigetragen, in welcher sich Staat und Gemeinde befanden, alle Arbeiten einzustellen. Viele Leute erwarben sich durch diese Arbeiten ihr Brot und unsere Stadt hat ihre Einst llung besonders hart getroffen. Die Judenauswanderung trägt gleichfalls zu dieser schlechten öconomischen Lage bei. Aus Jassy sind mindestens siebentausend Juden ausgewandert (bei einer Gesammtbevölkerung von 60.000. Anm. d. Ber.) Davon hat sich heute jeder überzeugt. Wenn wir annehmen wollten, daß jeder dieser Leute nur einen Franken täglich verbrauchte, so sind doch dem Consum über zwei Millionen entzogen worden." Der Bürgermeister antwortete auf eine Bemerkung des Correspondenten, daß er nicht die Möglichkeit habe, die Auswanderung einzudämmen, da die Leute eben hingehen, wo sie ihr Brot finden. Herr Penesku ist früher selbst Antisemit gewesen. Vielleicht hätten diese auswandernden Juden, die bei einem an Bevölkerung so arnren Lande wie Rumänien einen doppelten Verlust bedeuten, das Stück Brot doch in einem der vielen Berufe gefunden, die ihnen durch gegen die „Fremden" gerichtete Gesetze verschlossen worden sind. Die Lage der ruffifchen Juden. Odessa. Ueber die Verhandlungen, durch welche die Mordthaten in Kischenew gesühnt werden sollen, wird allmählich Näheres bekannt. Leider besteht wenig Hoffnung, daß bei diesen Verhandlungen rücksichtslos die Wahrheit aufgedeckt wird. Die Proceffe finden, wie ich erfahre, nicht in Kischenew, sondern in dem kleineren Städtchen Tiraspol statt, und zwar hinter verschloffenen Thüren. Dadurch ist auch die Presse nicht in der Lage, mehr als die Thatsache der Anklage und das Urtheil zu bringen, und die Regierung ebenso wie die Beamten, welche sich an den Ausschreitungen betheiligt haben, find vor unliebsamen Enthüllungen in hohem Grade gesichert. Der Gerichtspräsident ist dann ferner in der Lage, da die Oeffentlichkeit ausgeschlossen ist, die Verhandlungen fast ohne Controle zu führen, und man darf sicher sein, daß sie in dem von der Regierung gewünschten Sinne geleitet werden. Es kommen im Ganzen 42 Personen vor das Gericht, welche des Mordes oder schwerer Körperverletzung angeklagt sind. Die Zahl ist außerordentlich gering, wenn man bedenkt, daß 47 Personen getödtet, 90 schwer und viele Hunderte leicht verwundet wurden. Von den eigentlichen Anstiftern der Massenmorde war bisher nur der Notar Pisarzewsky angeklagt, den man am Tage nach Erhebung der Anklage todt in seiner Wohnung vorfand. Die stark cowpromittirten Kaufleute Stepano, Ponin und Staatsbeamter Szerban sind heute noch nicht den« Gericht übergeben worden. (Diese Personen haben seinerzeit dem „Deutschen Volksblatt" in Wien und der „Staatsbürger-Zeitung" in Berlin das Material zu der erlogenen Darstellung der Ereignisse in Kischenew geliefert. Anm. der Red.) Die genannten vier Personen hatten, wie man uns mittheilt, regelmäßige Sitzungen, um das Massacre zu organisiren; die letzte fand zwei Tage vor dem Ausbruch der Excesse statt. — Zu den amtlichen Persönlichkeiten. welche bemüht sind, die Wahrheit zu vertuschen, gehört vor Allem auch der Chef der Gendarmerie in Kischenew, Baron Lewendahl. Er hat in das Gefängniß einige seiner Agenten zu den angeklagten Räubern und Mördern einsperren lassen und läßt diesen vorschreiben, was sie aussagen sollen. Andererseits werden Zeugen, welche über die Betheiligung der Polizei br