Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 33 (14.8.1903)
- Date
- 1903-08-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021493-3021527--12905-3037526- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Seite 628 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Nr. 33 nebst den in der Nahe erworbenen Terrains von Merdj und d'Abel für die zurückgebliebenen 39 Familien vollkommen ausreichen. Die Colonisten haben neue Wohnungen erhalten, die alle zusammen von einer Mauer und einem breiten Graben umgeben sind, um sie so vor den Ueberfällen der Drusen zu schützen. Der Tabaksbau hat 286 Kilo pro Hektar, der Getreidebau 18.646 Frcs. ergeben. 19. Mischnar Hajarden. Die 12 Colonisten von Mischnar müssen immer noch unterstützt werden, da die Colonie nur 250 Hektar anbaufähigen Bodens besitzt. Es sind deshalb 140 Hektar Land hinzugekaust worden. 20. Sedjera. Die Ernteergebnisse dieses in eigener Verwaltung der „Jca" mit Hilfe von jüdischen Taglöhnern bewirthschastcten, etwa 1700 Hektar umfassenden Bodencomplexes läßt sehr viel zu wünschen übrig, da Dürre und Scirocco seit zwei Jahren die Ernten vernichten. Bis jetzt sind 567 Hektar in Anbau genommen. B. Dieindustrielle Colonisation. Zu den industriellen Etabliffements. welche im Verlaufe der Colonisationsbewegung in Palästina ins Leben gerufen wurden, geboren nebst den Kellereien in Rischon-Lezion, Sichron-Jacob und Rosch-Pina noch die Spinnerei und Weberei von Rosch-Pina, die Weberei in Jerusalem, sowie die Färberei und die Appreturanstalt daselbst. 1. Der KellervonRischo n-L e z i o n hat in dem Berichtsjahre 5,315.400 Kilo Trauben verarbeitet. Da der Versuch einer Böttcherei in Palästina selbst aus Mangel an geschickten Böttchermeistern gescheitert ist, werden die Weinfässer einstweilen noch in Europa gekauft. Die Transportkosten des Weines konnten bedeutend herabgesetzt werden und es sind Aussichten vorhanden, sie noch weiter zu verringern. Der Weinverkauf nach Europa, Asien, Afrika und Amerika hat eine derartige Ausdehnung gewonnen, daß die Existenz der nur Wein bauenden Colonisten bald gesichert erscheint. 2. Der Keller von Sichron Jacob hat im Berichtsjahre 776.300 Kilo Trauben zu 4679 Hektoliter Wein verarbeitet. Es wird in Sichron fast nur Weißwein fabricirt. Die Fabrications- sowie die Transportkosten konnten sehr wesentlich herabgesetzt werden. 3. Der Keller von Rosch-Pinah spielt nunmehr eine ganz untergeordnete Rolle bei der Herstellung der Palästinaweine, da die großen Transportkosten zum Meere die Weinproduction in dieser Colonie unlohnend machen. Desto bedeutender ist in Rosch-Pinah die 4. Seidenspinnerei und Weberei, welche zahlreiche jüdische Arbeiter aus Safed beschäftigen. Die großen Transportkosten der Kohle vom Meere und der Cocons vom Libanon her erschweren die Fabrication wesentlich. Andererseits sind aber durch die Anschaffung befferer Maschinen die Herstellungskosten verbilligt und die Erzeugung eines werthvolleren Products ermöglicht worden. Im Ganzen wurden in den letzten zwei Jahren 4107 Kilo Seide aller Sorten verkauft und dafür ein Preis von durchschnittlich 44 Francs per Kilo erzielt. 5. Die Weberei in Jerusalem beschäftigt etwa 100 Arbeiter, welche sich in derselben einen Taglohn von 1—2 Francs erwerben. Das Product findet guten Absatz und die Märkte erweitern sich noch fortwährend. Im Berichtsjahre wurden für 30.000 Francs Stoffe erzeugt. Noch im ersten Stadium ihrer Entwicklung befinden sich die Färberei und die Appreturanstalt, über die einstweilen wenig zu berichten ist. Für den Bau von 39 Arbeiterwohnungen wurde ein Credit von 73.500 Francs bewilligt, wovon 63.000 verausgabt wurden. 12.391 Francs sind inzwischen von den Inhabern der Wohnungen zurückgezahlt worden. Die mit einem Capital von 50.000 Francs im Jahre 1901 errichtete Vorschußcaffe hat an 160 Personen 101.960 Francs ausgeliehen und davon 54.642 Francs nebst 2908 Francs Zinsen zurückerstattet erhalten. Die Arbeiterinnen st ube beschäftigt 43 Mädchen und Frauen, von denen 39 Haarnetze Herstellen. Wir fügen hinzu, daß der Löwenantheil an den Ausgaben für Palästina von dem bekannten Protector der jüdischen Colonien des Heiligen Landes, dem Baron Edmund Rothschild, bestritten wird. Die „Jca" fördert nur einige kleine Colonien, sowie die jüdische Bevölkerung in Jerusalem. Dennoch soll sie im Jahre 1901 für Palästina nicht weniger als 273.000 Mark ausgegeben haben. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. .Oeeonomifche Rettung". Von fachkundiger Seite erhalten wir folgende Zuschrift: Herr Redacteur! Der Vorschlag, den eine in Ihrer letztwöchentlichen Nummer mitgetheilte Zuschrift enthält, verdient die vollste Aufmerksamkeit des Cultusvorstandes. Wichtiger als alle Mizwos, deren sich der Vorstand befleißigt, dringender als Spital und Siechenhaus wäre es, dem rapid fortschreitenden Ruin der jüdischen Gewerbslente vorzubeugen, denn hiebei handelt es sich nicht um die Rettung Einzelner, sondern ganzer Schichten der jüdischen Einwohnerschaft. Unseren Gewerbsleuten wird eine Kunde nach der andern, ein Geschäft nach dem andern aus den Händen genommen und Ersatz hiefür wird nach keiner Richtung geboten. Und doch wäre dies keineswegs ganz unmöglich : Wenn alle Familien, die noch etwas auf das Judenthum halten, ausnahmslos bei jüdischen Gewerbsleuten ihren Bedarf decken, so wäre viel gethan, und wenn ferner für das Creditbedürfniß in angemeffener Weise vorgesorgt würde, so könnten jene Existenzen, die noch nicht vollständig ruinirt sind, vor dem gänzlichen Untergange bewahrt und vielleicht wieder zu Wohlstand gebracht werden. Das in Ihrem Blatte angeregte Mittel ist auch das richtige. Man organisire den Credit in genossenschaftliche rForm. Warum sollte der Weg, der an so vielen Orten erfolgreich beschritten wird, gerade hier nicht einmal versucht werden? In Galizien, wo die Verhältnisse wenn möglich noch kritischer sind, als in Wien, hat die „Jca" nicht weniger als 9 Credit-Genossenschaften eingerichtet und mit denselben ausgezeichnete Erfolge erzielt. Diese Genossenschaften werden durch Vorschüße, welche ihnen die „Jca" in Beträgen von 20.000—100.000 Kronen zur Verfügung stellt, in die Lage gesetzt, Darlehen zu ertheilen, bei denen wöchentliche Rückzahlungsraten bedungen werden, so daß jedes Darlehen binnen Jahresfrist zurückgezahlt sein muß. Die Schuldner bedienen sich der Darlehen, um Geschäfte zu machen — findig wie unsere dortigen Glaubensgenossen sind, fällt es ihnen nicht übermäßig schwer, in einer Woche so viel zu verdienen, als die wöchentliche Rückzahlungsrate ausmacht, und nach Jahresfrist ist die Schuld getilgt und der Schuldner ist Eigenthümer des entlehnten Capitals geworden. Nach dieser Fatzvn ist schon sehr Bielen die Möglichkeit der Existenz erhalten oder wieder gegeben worden. Natürlich ließe sich diese Methode nur mit mancherlei Veränderungen für die Wiener Vorstadt adaptiren. Daß sie aber die richtige sei, kann Niemand leugnen, der sich eine oder die andere der von der „Jca" begründeten Genossenschaften in der Nähe angesehen hat. Der Cultusvorstand ist gewiß so gut wie die „Jca" berufen, helfend und rettend einzugreifen. Daß er dies thue, daß er sich nicht mehr mit dem bloßen Administriren und und Mizwosthun begnüge, sondern eine energische Rettungsaction einleite, wäre hoch an der Zeit. Aber freilich darf eine solche Action nicht nach der Schablone geleitet werden — auf die Art, wie man sich zur Sache stellt, kommt sehr viel an. KYZ. Karlsbad. Geehrter Herr Redacteur! In einer Ihrer letzten Nummern lobten Sie den „Curort Karlsbad" im Gegensätze zu dem „antisemitischen" Baden. Dieses Lob war durchaus unverdient. Sie haben in einer der darauffolgenden Nummern über antisemitische Flegeleien einiger Karlsbader Schulkinder berichtet. Wenn Sie solche dem Wirken des Lehrers Hofmann zuschreiben, so sind Sie vielleicht nicht im Recht; das Wirken des Herrn Bürgermeisters Schäfer hat vielleicht ebensoviel zur „Bildung" dieser Schuljugend beigetragen. Sei es aus Angst vor den Deutschnationalen, sei es aus anderen Gründen, die Schaufenster der Karlsbader Kunsthandlungen genießen eine — Preßfreiheit, wie sie östlich des Rheins sonst selten ist. Neben zotigen Darstellungen, welche gemeiner waren als irgend etwas, was man in dem gewiß nicht prüden Nizza sieht, und die es thatsächlich unmöglich machten, mit einem jungen Mädchen vor einem solchen Schaufenster stehen zu bleiben, sah ich im vorigen Jahre fast überall Carricaturen von Juden, manche harmloser Art, viele aber auch sehr gehässig. Bor einigen dieser Schaufenster standen zwei Jungen, einer zeigte dem Anderen ein solches Bild und machte ihn darauf aufmerksam, daß es Juden darstellt. Hier war ein recht deutliches Beispiel, wie die Jugend durch die Schaufenster erzogen wird, Herr Bürgermeister Schäfer, der die Polizeigewalt hat, dürfte ein redlich Stück der Verantwortung hiefür tragen. Im letzten Winter — in Karlsbad pflegt man im Winter überhaupt sehr antisemitisch zu sein — haben die aus Karlsbad gebürtigen Studenten während der Weihnachtsferien ein Hochschulkränzchen im städtischen Curhaus von Karlsbad veranstaltet. Das aus Söhnen Karlsbader Curhausbesitzer bestehende Comitö beschloß, keine Juden zu dem Kränzchen einzuladen, beziehentlich zuzulassen. Infolge deffen traten drei Christen aus dem Comite aus, darunter ein Sohn des verstorbenen Bürgermeisters Ed. Knoll. Der Reinertrag des Balles wurde antisemitischen Vereinen zugesührt. Auch hier wäre wohl der Bürgermeister in der Lage gewesen, Remedur eintreten zu lasten. Sie werden danach zugeben, daß Karlsbad das in Ihrem Blatte gezollte Lob nicht verdient. Hochachtungsvoll Ein Reichsdeutscher. Prag. (Jubiläum eines Arztes.) Herr MUDr. S. Bondi, einer der ältesten deutschen Aerzte Prags, feierte am 4. v. M. seinen 70. Geburtstag. Herr Dr. Bondi entstammt einer der angesehensten Prager Familien und ist ein