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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-14 · 33 (14.8.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
33 (14.8.1903)
Date
1903-08-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Dlocb's Wocbenscbritt Seite 529 Cousin des k. k. Landesschulrathes und Bice-Präsidenten der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Dr. Gustav K o h n. Das »Prager Tagblatt* vom 4. Juli schreibt über den Jubilar: „Der allverehrte Mann wird nicht nur von seinen zahlreichen Patienten, sondern auch von seinen älteren und jüngeren Collegen als ein Meister seiner Kunst geschätzt. Als vor einigen Jahren der „Verein deutscher Aerzte in Prag" von seiner Gepflogenheit, einen Professor zu seinem Obmann zu wählen, abging, übertrug man diese Würde als erstem an den Herrn Dr. Bondi. In gewohnter Bescheidenheit lehnte er aber die auf ihn gefallene Wahl ab. Nun wird der heutige Festtag ihn doch aus der philosophischen Zurückgezogenheit, in die er sich, ganz und gar seiner Wissenschaft und ihren Fortschritten ergeben, eingesponnen hat, hervorlocken. Neben seinem Fachwissen pflegt der Jubilar seit Jahrzehnten eifrig Literatur und Linguistik, und die Mühen und Aufregungen des ärztlichen Berufes verklärt er sich in;einer Einsamkeit, indem er sich die Alten, die Engländer, die Italiener und die Deutschen abwechselnd zu Gaste lädt. Den Horaz, Shakespeare, Goethe und besonders seinen Dante kennt er wie irgend ein zünftiger Literaturgelehrter und am Krankenbette wie in der Ordination hüllt er Trost und Zuspruch in launiger Weise oft in goldkörnige Dichterworte. Indem er so dem schweren Berufe einerseits ein besonders feingeistiges Relief zu geben weiß, erfüllt er andererseits auch alle die Pflichten, die aus der erhabensten Auffassung der ärztlichen Thätigkeit hervorgehen: er ist ein Wohlthäter im großen Maßstabe, der in aller Stille und Verschwiegenheit mit vollen Händen dem Elend und der Armuth steuert, und wenn er als Arzt geheilt oder getröstet hat, wirkt er als Spender, wo es nöthig ist, edel, hilfreich und gut. Aber den Dank verträgt er nicht: sein gutes Herz verbirgt er in seiner rauhen Hülle, jeder Weichheit tritt er ablehnend entgegen, weil er selbst nicht weich erscheinen will. Er hat in schweren Heimsuchungen aufopfernd sein Bestes geleistet: bei der großen Cholera-Epidemie im Jahre 1866 war er einer der Thätigsten und Unermüdlichsten, und von Haus zu Haus ging er als heilender Helfer. Durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes wurde damals seine außerordentliche Wirksamkeit anerkannt und belohnt. Besonders den Studenten ist er seit jeher ein zuverlässiger Berather und Freund gewesen; er ist nicht nur einer der ältesten, wenn nicht der älteste Arzt der Krombholz'schen Stiftung, sondern er hat auch manchem Studirenden, dem er die Gesundheit wiedergab, reichliche Wegzehrung mit ins Leben gegeben. In die stille Einsamkeit, in die er sich seil Jahrzehnten zurückgezogen hat, dringt heute manch dankbarer Segenswunsch und von vielen Lippen hallt es ihm heute zu: „Ad multos aunoa!“ Budapest. Die Pester israelitische Cultusgemeinde erhält von der Hauptstadt eine Jahressubvention von 40.000 Kronen als Beitrag zu ihren confeffionellen und culturellen Auslagen. Vor zwei Jahren richtete die Cultusgemeinde an die Commune das Ansuchen, die Subvention auf 60.000 Kronen zu erhöhen, und motivirte das Gesuch mit dem Nachweise, doß die Erhaltung der culturellen und humanitären Institutionen der Gemeinde schier unerschwingliche Opfer auferlegt. Die hauptstädtische Unterrichtscommission empfahl damals dem Magistrat die Erhöhung der der Pester Cultusgemeinde gewährten Unterstützung, beantragte aber zugleich, die Subventionen der übrigen K rchen- - gemeinde» zu revidiren und zu ordnen. Das Gesetz macht nämlich den Kirchengemeinden zur Pflicht, für den Religionsunterricht Sorge zu tragen, verfügt aber, daß für den Fall, als die Commune eine Gemeinde subventionirt, auch die übrigen Kirchengemeinden im Verhältniß der Seelenzahl ihrer Gläubigen zu unterstützen sind. Die hauptstädtische Unterrichtscommiffion trat daher mit Hinweis auf die gesetzliche Verfügung dafür ein, daß die Hauptstadt sämmtliche Confessionen in gleichem Verhältniß subventioniren möge. Der hauptstädtische Magistrat jedoch verwarf mit Rücksicht auf die precäre Finanzlage der Commune den Antrag der Commission und unterbreitete das Gesuch der israelitischen Cultusgemeinde der Generalversammlung des Municipalausschuffes nicht. Die Cultusgemeinde unterbreitete der Stadtbehörde ein neuerliches Gesuch, in welchem sie um die Erhöhung ihrer Subvention auf 80.000 Kronen jährlich bittet. Dem Gesuch legte die Gemeinde ihre Schlußrechnungen vom verfloffenen Jahre bei, aus welchen hervorgeht, daß das Deficit 25.708 Kronen betrug. In der Bittschrift wird auf den bekannten Umstand hingewiesen, daß die Cultusgemeinde mehrere Schulen, zwei Spitäler unterhält und in sämmtlichen Schulen der Hauptstadt den israelitischen Religionsunterricht besorgen läßt, und schließlich die Commune ersucht, die Jahressubvention zu erhöhen, damit die Gemeinde ihre Verpflichtungen nach wie vor getreulich erfüllen könne. Stampfen, 9. August. Heute beging die kleine Gemeinde Stampfen das seltene Fest des 100jährigen Bestandes ihrer Synagoge. Die Gemeinde Stampfen war eine der bedeutendsten Gemeinden Ungarns, deren Entstehung aus der Zeit der Verbannung der Juden aus den österreichischen Erblanden datirt. Die Rabbinen der Gemeinde waren Koryphäen. Wenn auch die Gemeinde auf eine jahrhundertelange Existenz zurückblicken kann, so war es ihr doch nicht gestattet, einen Tempel zur Verrichtung gottesdienstlicher Handlung zu errichten. Erst mit Beginn des verflossenen Jahrhunderts wurde der Gemeinde von der Grundherrschaft Palffy die Erlaubniß zum Bau eines Tempels gegeben. Im Jahre 1803 wurde der Tempel fertiggestellt. Die Einweihung vollzog damals der bedeutende Talmudgelehrte und Rabbiner des Ortes, Lewi, der Verfasser des in Fachkreisen hochgeschätzten Werkes Amude Schittim le-bes Laleoi. Die Feier des 100jährigen Bestandes der Gemeinde-Synagoge vollzog sich bei Anwesenheit der Honoratioren des Comitates, der Ortsbehörde, des Pfarrers, der Vertretung der Karoly'schen Grundherrschaft. Für den kleinen Ort war dieses Fest ein Ereigniß. Die Menge der Festgäste gab dem Orte eine eigenartiges Gepräge. Aus Wien trafen die Gäste — etwa 200 an der Zahl — in einem Extrazuge ein. Aus Preßburg und Umgebung waren gleichfalls Viele herbeigeströmt. Alles, was auf die Beine konnte, war zum Empfange der Festgäste auf dem Bahnhofe erschienen. Im Namen des Vorstandes hielt Herr Gemeindevorstand Just eine warme Begrüßungsansprache an die zahlreich erschienenen Festgäste, welche begeisterte Aufnahme fand. Die Schuljugend sang die Nationalhymne und mit einem Hoch auf den König fand die Begrüßungsfeier einen würdevollen Abschluß. Von hier ging es zum Gotteshanse. Hier sei erwähnt, daß dasselbe im gothischen Stile erbaut worden ist und die innere Ausstattung sehr schön ist. Der Tempel wurde vor 10 Jahren auf Kosten des in Stampfen gebürtigen Sigmund Geiringer aus Wien renovirt. Die jüdische Gemeinde. Stampfen ernannte nun aus Gefühlen der Dankbarkeit und Anerkennung Herrn Geiringer zum Ehrenmitgliede der jüdischen Cultusgemeinde Stampfen. Herr Geiringer spendete aus diesem Anlasse 100 Kronen für den Tempel, sowie 50 Kronen, damit 10 arme Leute an dem Festbankette theilnebmen können. Vor dem Eingänge des Tempels las Lehrer Pollatschek einen Bericht über die Geschichte der Gemeinde Stampfen vor. Derselbe zeigt von einer emsigen Arbeitsthätigkeit und verdient es, in Druck gelegt zu werden. Die Cultusvorstände sandten eine Huldigungsdepesche an das königliche Hoflager in Ischl ab. V,1Uhr begann der Festgottesdienst. In weihevoller Weise wurde derselbe durch Recitirung des üblichen Ma taivwu eingeleitet. Herr Obercantor Bauer vom Tempel der türkischen Gemeinde in Wien, hat sein ganzes Können in diese Composition gesetzt. Nachdem das Mincha-Gebet verrichtet wurde, bestieg Herr Rabbiner Herzog die Kanzel, um die Festrede zu halten. Es berührte überaus angenehm, daß er seine Rede in ungarischer Sprache begann und dann in deutscher Sprache fort» setzte Der Rabbiner begrüßte die erschienenen Behörden, wies auf die Wichtigkeit der Feier hin, rühmte die liberalen Grundsätze, von denen sich die ungarische Regierung leiten läßt und die es ermöglichen, daß die jüdische sowie christliche Bevölkerung in Eintracht leben. Ein Psalm, vorgetragen von Herrn Obercantor Bauer, schloß die Feier im Tempel ab. Nachmittags vereinigte in froher Stimmung ein Bankett die Festgäste. Es wurden unter Anderem Toaste ausgebracht: Vom Rabbiner, Ortspfarrer, Richter und Stuhlrichter :c. :c. Die Feier war erhebend und verlief ungestört und programmmäßig. Nebst dem Wiener Comits ist das Gelingen dem Rabbiner und den umsichtigen Cultusvorstehern Just, Tischler und Wagner zu verdanken. EN Krakau. (Rabbinercongreß.) Am 9. August Mittags um 12 Uhr wurde der allgemeine Rabbinercongreß eröffnet. Zahlreiche Vorsteher erschienen aus allen Ländern Oesterreich-Ungarns, sowie aus Frankreich, Rußland, Deutschland, Rumänien und Egypten. Biele Hunderte Rabbiner sandten brieflich ihre Zustimmung mit dem Bedauern, nicht am Congreffe theilnehmen zu können. Der Rabbinercongreß wurde in der fast eintausend Jahre alten Synagoge eröffnet. Eine nach Hunderten zählende Schaar von Andächtigen füllte das ehrwürdige Gotteshaus. Auf der Straße bildeten Reihen von Tausenden Menschen Spalier. Der hiesige Oberrabbiner Ch. L. Horowitz hielt die Eröffnungsrede und begrüßte die versammelten Rabbiner und verkündete im Namen Aller die Huldigung für unseren Herrscher Kaiser Franz Josef. Hierauf sprach der Rabbiner vor geöffneter Bundeslade mit der Thora in der Hand einen heiligen Eid, daß die Blutbeschuldigung erdichtet und erlogen sei. Die Eidesleistung enthält z. B. folgende Sätze: Wir Alle wiffen es ganz genau, daß wir unschuldig find an dem Verbrechen, das uns angedichtet wird. Indem aber auch in jüngster Zeit in den entferntesten Ländern unsere Menschenwürde durch den schändlichen Anwurf der Blutbeschuldigung mit Füßen getreten wird, erheben wir anläßlich des hier versammelten Weltrabbinercongreffes im Namen der Rabbiner und Lehrer in der ganzen Diaspora, die sich uns angeschloffen, laut Protestation gegen diese gräßliche Beschuldigung. Wir beschwören beim Namen des allmächtigen Gottes, der Herz und Nieren prüft und in das Dunkel unseres Erdendaseins hineinleuchtet, wir rufen den himmlischen Vater, den höchsten Gesetzgeber, zum Zeugen der Wahrheit und Unschuld an. Wir beschwören, daß es in Israel nie einen solchen Cultus gegeben hat, daß nie eine ähnliche Lehre, Vorschrift oder Brauch zu finden wo".

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