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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-14 · 33 (14.8.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
33 (14.8.1903)
Date
1903-08-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. . Sette 527 grade diese Provinz, die der Herr in seinem Zorn geschaffen zu haben scheint und in welcher es selbst der genügsame Italiener und der so tüchtige Deutsche nicht lange aushält, speciell für jüdische kolonisationsversnchc wählen und den größten Theil aller jüdischen Kolonien Argentiniens ausgerechnet hierher verlegen konnte. . . . Der Bodenbesitz der „Jca" in dieser von Gott verlassenen und von jedeni anderen Menschen gemiedenen Provinz erstreckt sich auf über 200 000 Hektar (etwa 40 Quadratmeilen), von denen 100.000 Hektar zur Verfügung der bereits ansässigen Kolonisten stehen. Dieselben haben davon 27.791 Hektar gegen 19.036 im Vorjahre angebaut, darunter 14.638 mit Getreide, 3649 mit Flachs und 3060 mit Mais. Man sieht, die Kolonisten thnn ihr Bestes und haben in diesem Jahredie Anbaufläche gegen das Vorjahr um nahezu 9000 Hektar vergrößert. Ihr Viehbestand hat ebenfalls gegen das Vorjahr eine namhafte Vermehrung um 2625 Stück erfahren und zählt jetzt 24.765 Köpfe. Aber aller Fleiß hilft nicht gegen eine schlechte Verwaltung und ein noch schlechteres Klima. Daher kommt es, daß die Zahl der jüdischen Bevölkerung in den 20 Kolonien der Provinz Kntre-Rios, trotz neuer Zuwanderung aus Rußland, stets zu rück geht und seit 1899 von 4982 auf 4097 gesunken ist. Die gegenwärtige Situation der Kolonisten ist kurz folgende: Kein Einziger von ihnen ist in der Lage, irgendwelche Rückzahlung zu machen, der größte Theil von ihnen ist mit Privatschulden überbürdet, die Kolonisten von Lucienville, Primero de Mayo und Basal-Basavilbaso bedürfen aber wenigstens keiner directen Unterstützung und ernähren sich noch einigermaßen; weit schlimmer daran sind die Kolonisten der Gruppen Clara und San- Antonio. Der Verwaltungsrath der „Jca" hat nun die Administration reorganisirt und durch ihren Vertreter den Kolonisten Muth zugesprochen und sie zum Ausharren aufgefordert. Man hofft, durch extensive Kultur, durch Anlegung von umfangreichen Maisplantagen wenigstens die Kinder dieser Kolonisten zur ökonomischen Selbstständigkeit zu bringen. 11. Palästina. Weit günstiger als in Argentinien, wo nahezu 65 Percent aller Kolonisten noch der directen Unterstützung bedürfen, hat sich in den letzten drei Jahren die Situation der jüdischen Kolonien in Palästina gestaltet. Nichts legt ein so günstiges Zeugniß für die Bestrebung der jüdischen Vereine zur Kolonisation Palästinas ab. als wenn selbst der Verwaltungsrath der „Jca'', dem gewiß Niemand Voreingenommenheit für die Besiedelung des heiligen Landes vorwerfen kann, die Zukunft der jüdischen Kolonien Palästinas in rosiger Beleuchtung zu sehen beginnt. Die vor drei Jahren eingeleitete Reorganisation der palästinensischen Kolonien befindet sich auf dem Wege ihrer Verwirklichllng. Die Installation der neuen Kolonien um Liberias nehmen einen normalen Verlauf und die Ernteergebnisse des ersten Jahres sind ermuthigend. Mehrere Kolonisten haben eine gute Einnahme gehabt, die ihnen ein reichliches Auskommen sichert; nach einiger Zeit werden sie im Stande sein, mit den Rückzahlungen zu beginnen. So nähern wir uns allmälig unserem Ziele, das darin besteht, die Kolonisten selbstständig und von unserer Bevormundung unabhängig zu machen. Ein großes Hinderniß für die Entwickelung der Kolonien bildet immer noch der Zehent, der von den Steuerpächtern in manchen Kolonien willkürlich bis auf 30 Percent erhöht wird. Allein die Verwaltung hofft auch dieser Schwierigkeit zu Gunsten der Kolonisten Herr werden zu können. Nach dieser kurzen Einleitung wollen wir zur Beschreibung der einzelnen Kolonien übergehen. Leider fehlt sowohl über die Zahl der Kolonisten als auch über den Umfang des im jüdischen Besitz sich befindenden Bodens irgendwelche officielle Angabe, und so müssen wir uns einer von dem Kolonisten Manaffe Meierowitz auf Rischon-Lezion 1901 gesammelten, nicht ganz zuverlässigen Privatstatistik bedienen. A) Die Kolonien in Judäa. 1. Rischon-Lezion. Die 615 Hektare umfassende Kolonie ist ausschließlich auf die Weinproduction angewiesen. Die Kolonisten haben 2,264.979 Kilo Trauben geliefert. 2. E k r o n, das ursprünglich eine reine Getreidecolonie, dann aber gegen den Willen der sich gewaltig sträubenden Kolonisten in eine reine Obstcolonie uingewandelt wurde, soll nunmehr wieder zum Getreidebau zurückkehren. Zu den 383 Hektaren der Kolonie sind jetzt weitere 350 Hektare zugekauft und mit 16 Kolonisten bevölkert worden, die zurückbleibenden 15 Kolonisten sollen auf dem Boden des eben angekauften Dorfes Mansnrah untergebracht werden. Im Berichtsjahre haben die 31 Kolonisten aus dem geringen Getreidebau (mit 20.087 Francs) den Mandelbäumen und der Seidenzucht eine Einnahme von zusammen ca. 24 000 Francs gehabt. 3. Pethach Tikwah. Diese größte jüdische Kolonie Judäas mit 818 Seelen hat 115.000 Francs für Trauben und 26.150 Francs für Getreide eingenommen. Außerdem besitzt die Kolonie 90 Hektare Orangerien. 4. W o a d - e l - C h a n i n. Die kleine 120 Hektare umfassende Kolonie mit 18 Familien hatte im Berichtsjahre 261.600 Kilo Trauben (gegen 182.000 im Vorjahre) eingenommen und von ihrer 16.354 Francs betragenden Schuld 14.170 Francs zurückgezahlt. Ein Versuch mit dem Anbau von Tabak hat eine Ernte von 560 Kilo per Hektar ergeben. Der Tabak ist von vorzüglicher Qualität. Der Anbau von Tabak wird jetzt in sämmtlichen jüdischen Kolonien mit bestem Resultat gemacht. Sehr gut geht es der Kolonie. 5. Rochowoth. welche zum großen Theil einer Warschauer Gesellschaft gehört. Trotzdem von den 960 Hektaren dieser Kolonie kaum die Hälfte in Kultur genommen ist, haben die Actionäre für das Jahr 1902 10 Percent Dividende bekommen. Die Kolonie hatte für 185.109 Francs Trauben gehabt Nicht gut geht es der Kolonie. 6. K a t r a h, deren Bewohner sich mit der Fabrication von Cognac anstatt mit dem Getreidebau abgeben. Die 23 Familien dieser Kolonie hatten eine Einnahme von 39.828 Francs, davon 28.961 ans dem Cognacverkauf und 10.866 für Trauben. 7. Chederah. Die Einwohner dieser Kolonie haben von jeher unsäglich viel vom Fieber gelitten, da drei große in der Nähe befindliche Sümpfe ausströmen. Die Juden verzagten aber nicht, sondern nahmen den Kampf mit dem tückischen Feind muthig auf. Und wirklich gelang es ihnen durch Anpflanzung eines wahren Waldes von 300.00 ) Eucalyptusbäumen nicht nur des Fiebers Heer zu werden, sondern sich auch für die Zukunft eine reichlich fließende Einnahmsquelle zu eröffnen. Im Berichtsjahre war das Klima soweit gebessert, daß die Kolonisten den Boden bebauen und ihm für 28.000 Francs Getreide entlocken konnten. Außerdem wurden für 24.000 Francs Trauben verkauft 8. Von den übriggebliebenen 73 Familien sollen 5 in Sichron Jacob selbst und 28 auf dem neu gekauften 443 Hektar umfassenden Boden des benachbarten Torfes Bnrdje angesiedelt werden. Für den Rest von 40 Familien wird das Terrain von Sichron Jacob selbst mit seinen Weinbergen und Obstbänmen wohl umsomehr ausreichen, als dies Jahr in Sichron Jacob aus dem Getreidebau 27.268, aus dem Weinbau 34.782 und aus der Obstcultur 2760, im Ganzen 64.810 Frcs. vereinnahmt worden sind. So scheint die Frage über die Zukunft von Sichron Jacob, welche noch vor zwei Jahren dem Verwaltungsrath der „Jca" nahezu unentwirrbar schien, sich dennoch ihrer befriedigenden Lösung zu nähern. Der Verwaltungsrath scheint jetzt sogar in das entgegengesetzte Extrem verfallen zu wollen, wenn er die rosige Hoffnung ausspricht, die früher als „sogenannte" Kolonisten bezeichneten Einwohner von Sichron Jacob werden in 2—3 Jahren im Stande sein, mit R ü ck z a h l u n g e n zu beginnen. 9-15. sst e u e Kolonien. Ten guten Erfolg, den die „Jca" mit Sichron Jacob, sowie mit den anderen an Landknappheit leidenden galliläischen Kolonien erzielt hat, verdankt sie dem ebenso einfachen wie eigentlich ganz selbstverständlichen Entschlüsse, den nothleidenden Kolonisten Land zuzukaufen. Diese Landankäufe im Umfange von circa 6000 Hektar sind erfolgt einerseits am Berge Tabor (Meskah), andererseits in der Nähe von Tiberias. Bislang sind auf den neuen Ländereien 4 Kolonien, nämlich Meskah, Daleika. Abadje und Aamma gegründet worden. Im kommenden Winter sollen 3 weitere Kolonien auf dem neuen Boden errichtet werden. Jeder Kolonist erhält eine vollständige Ausrüstung. bestehend aus einem Haus von 3 Räumen, Scheune, Stall» Vieh (6 Ochsen, 2 Kühe, 1 Esel. 20 Schafe und 20 Hammel), Ackergeräthe nebst 41 Hektar Land für eine Familie von 5 Köpfen. Auf diese Weise sind bis jetzt 79 Familien iustallirt worden. Es wird beabsichtigt, diese Familien nach erfolgter Einrichtung vollkommen sich selber zu überlassen und sie nicht im Geringsten zu bevormunden. Bis jetzt liegen die ersten Ergebnisse von 3 Kolonien vor: In Iamina, wo die Aussaat noch rechtzeitig erfolgen konnte, habcn 11 Kolonisten für 26.809 Frcs- Brotfrucht geerntet. Das macht das schöne Einkommen von 17 0 0 F ra n cs p ro Fa m i l i e aus. In Meskah und Daleika konnte die Besitznahme des Bodens nur sehr spät erfolgen. Die Bestellung konnte nicht rechtze tig norgenommen werden, und das Ergebniß war für die 22 Kolonisten von Meskah 33.168 und für die 25 von Daleika nur 5517 Frcs. 16. R o s ch - P i n a. Diese 2912 Hektar ^umfassende Kolonie besitzt nur 1364 Hektar ertragfähigen Bodens. Das Getreide brachte 60.940, die Weinberge 10 12> und die von den Kolonisten arg vernachlässigte Seidenzucht 2178 Frcs. Die Gesammlsumme von 73.252 Frcs. reichen nicht aus, um 43 Familien zu ernähren, zumal von diesem Gesammtbetrage noch 21.600 Frcs. Steuern abgehen. Es sollen daher noch 8> Familien in den neuen Kolonien untergebracht werden, so daß die Zurückbleibenden Land genug übrig behalten sollen, um aus ihm ein Einkommen von 1700 Frcs. erwerben zu können. Der Tabaksbau hat 275 Kilo Hektar ergeben. 17. I e s so d - H a m a a l o h. Die Kolonie hat sehr guten Boden, aber ein sehr schlechtes Klima. Ihre Lage in einer nach dem Mecomsee sich öffnenden Thalschlucht, bewirkt, daß der Scirocco ungehindert über den Boden der Kolonie streicht und deren Fluren versengt. Jeffod Hämaaloh hat schon hintereinander drei Mißernten gehabt. Nur die Tabakernte war glänzend und hat circa 600 Kilo pro Hektar ergeben. Die Getreideernte brachte nur 36.675 Frcs., was zur Ernährung von 32 Familien umsoweniger ausreicht, als der Steuerpächter die Kolonisten geradezu ausgeplündert und ihnen 33 Percent ihrer Ernte als Zehent abgenommen hat. Die Kolonisten werden wohl etwas mehr Boden bekommen niüffen, damit ihre Existenz gesichert ist. 18. M e t h u l e. Von den 60 Kolonisten dieser nördlichsten Kolonie Palästinas sind 21 in den neuen Kolonien untergebracht worden, so daß die 774 Hektar anbaufähigen Bodens dieser Kolonie

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