Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 33 (14.8.1903)
- Date
- 1903-08-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 526 Dr. IBlocb’s Mocbenscbritt. Nr. 33 auch im Bakimer und Elifabethopoler Gouvernement leben und sich der tatischen Sprache bedienen. Die Gesammtzahl der Bergjuden beträgt nach den im Jahre 1886 von I. S. Anisimov gepflogenen Erhebungen bei 20.000 Seelen, doch gibt cs Anhaltspunkte für die Annahme, daß vor einigen Jahrhunderten die Zahl jüdischer Ansiedelungen im östlichen Kaukasus bedeutend bemerkenswerther als in der Gegenwart gewesen sein müsse. Bezüglich des Zeitpunktes der Ansiedelung der Juden kann man aus den Zeugnissen einiger arabischer Schriftsteller schließen, daß die Araber bei der Eroberung Daghestans in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts Juden schon in namhafter Anzahl dort angetroffen haben. Zu welcher Zeit sich aber die Vorfahren der jetzigen Juden in diesen Gebieten niedergelaffen, darüber gibt es weder schriftliche noch mündliche Ueberlieferungen. Sie hegen vollständig die Ueberzeugung, daß sie von jenen Juden abstammen, die von affyrischen Königen aus Palästina fortgebracht worden seien und sich am Bau des neuen Tempels in Jerusalem nicht betheiligt haben. Es ist schwer zu entscheiden, ob diese Behauptung auf einer Volksüberlieferung vergangener Jahrhunderte fußt, oder ob sie nur einer rabbinischen Deutung der Worte im Buck der Könige (IV. XVII. 6) ihren Ursprung verdankt. Auf alle Fälle unterliegt es keinem Zweifel, daß sich schon in ältesten Zeiten inmitten der medifchen Bevölkerung Juden befunden haben. In jenem Theile Mediens, der in der Folgezeit Aturpatakan geheißen nnd späterhin Aderbeizan genannt wurde, war ganz gewiß eine beträchtliche jüdische Bevölkerung ansässig, die man als die Vorfahren der kaukasischen Juden ansehen kann. In der letzten Zeit haben die Bergjuden in Daghestan begonnen. sich die moderne Cultur anzueignen und ihre Kinder in die russischen Volks- und Mittelschulen zu sendet!. Sie können es um so leichter thun, als sie der procentuellen Beschränkung nicht unterworfen sind. Auch sangen sie jetzt an, ihren europäischen Glaubensgenossen, von denen sie sich bis dahin ostentativ ferngehalten haben, sich ein wenig zu nähern. Diese Juden sind zum Theil alte Nikolaus'sche Soldaten, welche in Rußland bekanntlich das Privilegium der allgemeinen Freizügigkeit genießen, theils haben sie sich aus Grund einer localen, für den Bezirk Temir-Chan- Schura bestimmten Verordnung, infolge deren die Juden daselbst die gleichen Rechte wie die Eingebornen genießen, in diesen Gegenden niedergelassen. Jahresbericht der Jewish Colouisaliorr Association. Der uns vorliegende Bericht der „Jca" pro 1902 verdient aus manchen Gründen besondere Beachtung. Schon die Fülle des dargeboteuen Stoffes erregt Staunen. In 200 Rubriken werden fast ebensoviel über 4 Erdtheile zerstreute Unternehmungen behandelt, bei denen die „Jca" pecuniär mehr oder weniger stark betheiligt ist. Manche von diesen Unternehmen sind Millionengeschäfte, wie sie nur wenige große Actiengesellschasten betreiben können; aber selbst die geringeren unter ihnen sind immer noch bedeutend genug, um einen gutsituirteu und wohlorganisirteu jüdischen Wohlthätigkeitsverein voll und ganz in Anspruch zu nehmen. I. Argentinien. Das Areale im Besitze der Gesellschaft umfaßt zur Zeit 368.410 Hektar, die zu einem Kostenpreise von 32,954.400 Mark erworben worden sind. Davon sind gegen 44.000 Hektar für 2,264.400 Mark im Berichtsjahre erworben worden. Die Terrains sind über die 3 Provinzen Santa-Fe, Buenos-Aires und Entre-Rios zerstreut, und zwar befinden sich 201.000 Hektar in Entre-Rios, 123.000 Hektar in Santa-Fe (Eolonie Mosesville) und etwa 44.000 in Buenos-Aires mit der Eolonie Mauricio. Der Boden ist nach den Angaben des Dr. Sonnenfeld unter den Eolonisten derart vertheilt, daß in Entre- Rios 90.000, in Mosesville 40.000 und in Mauricio 26.000 Hektar für sie bestimmt sind, während der Rest Ende Juni 1902 für neue Eolonisten zur Verfügung stand. Inzwischen sind in Mosesville 45 Familien, in Mauricio 50, in Entre-Rios 20 neu angesiedelt worden und für diese 120 Familien etwa 80.000 Hektar zur Verfügung gestellt. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß die den Eolonisten zur Verfügung stehenden enormen Terrains nur zum geringen Theil angebaut sind. Die bestellte Fläche umfaßte im Berichtsjahre ca. 60.000 Hektar gegen 47.000 Hektar im Vorjahre. Die Zahl der Eolonisten ist von 906 im Jahre '1900 auf 1095 im Berichtsjahre, die Zahl der Familien von 1289 auf 1440 und die Bevölkerungszahl einschließlich der jüdischen Taglöhner von 6782 auf 7897 gestiegen. Dies günstige Gesamwtresultat ist so erfreulich, daß wir seinetwillen uns mit den erfreulichen Erscheinungen auf den einzelnen Gebieten aussöhnen müssen. Unerfreulich sind zunächst die enormen Verwaltungskosten, die sich nach Sonnenfeld's Bericht auf jährlich 350.000 Dollar belaufen. Dieser gewaltige Apparat, um eine Bevölkerung von 7000 Seelen zu verwalten, stellt selbst die vielbeschrieeneu Verwaltungskosten der Rothschild'schen Eolonien in Palästina in Schatten. Von diesen 305.000 Dollar beansprucht die Centrale in Buenos-Aires mit 72.840 Dollar den Löwenantheil. Ferner kostet die Verwaltung von Mosesville 12.600, die von Mauricio 11.400 und die von Entre-Rios 37.760 Dollar. Der Rest von 220.000 Dollar geht auf den Unterhalt der Polizei und der Schulen, für Aerzte und Medicamente, zur Unterhaltung der Verkehrswege rc. darauf. Pro Eolonisten macht es allein für G e m e i n d e k o st e n eine Jahresausgabe von 1426 Mark ans. Dabei läßt die Verwaltung noch sehr viel zu wünschen übrig! „Die Direktion von Buenos-Aires ist zu bureaukratisch". „Die meisten Beamten sind keine Juden " „Die Verbindung der Centrale mit den einzelnen Eolonien ist sehr lose." „Einige der Administratoren auf den Eolonien halten sich für selbstständig und kümmern sich wenig um die Anordnungen der Centrale." Solche und ähnliche Klagen muß Dr. Sonnenfeld selbst über die Administration führen. Es soll nunmehr versucht werden, die Administration zu vereinfachen resp. zu verbilligen und die Verwaltung in die Hände der Eolonisten selbst zu legen. Indessen dürfte es nicht ganz leicht werden den von der bisherigen Administration angestifteten Schaden wieder gut zu machen. Die bisher gemachten Ausgaben, welche naturgemäß doch früher oder später bis auf Heller und Pfennig von den Eolonisten bezahlt werden müssen, haben die Schuldenlast derselben bis ins Enorme gesteigert. In Entre-Rios gibt es Eolonisten, welche der Gesellschaft 45.000 Mark schulden. Die Schuldenlast in Mauricio beträgt bei manchen Eolonisten 36.000 Mark. Zu der Ausgabe für Gemeindekosten in der Höhe von 1425 Mark kommt noch die alljährliche Schuldentilgung, welche für die meisten Eolonisten eine jährliche Ausgabe von 3—4000 Mark bedeutet. Für die 131 Eolonisten in Mauricio betrug 1901 die Gesammtquote für Schuldentilgung 222.000 Mark-- 1678 Mark per Eolonisten. Endlich tritt noch hinzu, daß die meisten Eolonisten noch Schulden an Privatpersonen haben, die weniger nachsichtig als die Gesellschaft sind und für ihr Geld außerdem 18% Zinsen nehmen. Solche Schulden haben die Eolonisten von Mosesville in Höhe von 50.000 Dollar. (Bericht des Dr. Sonnenfeld.) Nichtsdestoweniger darf die Lage der 138 Eolonisten von Mauricio als sehr günstig betrachtet werden. Die Anpflanzung der Luzerne bewirkt, daß sie weder von der Laune der Witterung noch von dem guten Willen der Heuschrecken abhängen. Außer der Luzerne, die ihnen eine ausgedehnte Viehzucht ermöglicht und eine glänzende Zukunft verbürgt, haben sie 6664 Hektar mit Mais und 5559 Hektar mit Getreide bepflanzt, die in diesem- Jahre eine glänzende Ernte ergeben haben. Die Eolonisten von Mauricio haben daher nicht nur pünktlich ihre Jahresraten geleistet, viele von ihnen waren sogar in der Lage, jüdische Einwanderer aus Rußland als Arbeiter zu beschäftigen. Infolge dieser günstigen öconomischen Situation ist die Administration auf einen Administrator nebst Gehilfen reducirt und die ganze Verwaltung in die Hand der Eolonisten selbst gelegt worden. Nicht mehr so günstig ist die öconomische Lage der Eolonisten von Mosesville. Diese älteste jüdische Eolonie in Argentinien hat in der letzten Zeit sowohl an Umfang ihres Areals wie an Zahl ihrer Bevölkerung ganz erheblich zugenommen. Von 24.000 Hektar im Jahre 1899 ist sie auf 120.000 Hektar im Jahre 1902 gestiegen, während die Zahl ihrer Eolonisten durch starke Zuwanderung ans Rußland und Rumänien von 130 auf 251 mit 385 Familien nnd 2500 Einwohner gewachsen ist. Leider erwies sich der Administrator dieser Vergrößerung der Zahl seiner Schutzbefohlenen gegenüber wenig gewachsen, so daß er abgesetzt werden mußte. Die Getreideernte hat infolge der in dieser Gegend chronischen Dürre, welche die Provinz für Getreidebau wenig geeignet erscheinen läßt, ein ungünstiges Ergebniß gehabt. Die alten Eolonisten hatten noch an der Luzerne, die durch den günstigen Stand des Grundwassers im Norden von Santa-Fö vorzüglich gedeiht, einen Rückhalt gefunden. Ein Theil der Luzernenernte wird von den Eolonisten verfüttert, während der Rest in großen Ballen nach Buenos-Aires verkauft wird. Schlimmer waren daran aber die neuen einstweilen ausschließlich auf den Getreidebau angewiesenen Eolonisten. Diese mußten Vorschüsse, die aus Rumänien sogar direct monatliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Für die Zukunft wird beabsichtigt, nebst der Vergrößerung der Luzernenanpflanzungen mehr Maisbau als bisher zu treiben. Im Jahre 1902 wurden in Mosesville 18.341 Hektar bebaut, davon 5011 mit Getreide, 3785 mit Flachs, 2285 mit Mais und 2691 mit neuen Luzernenanlagen. Dazu kommen noch 4568 Hektar Luzernenfelder, die den alten Eolonisten gehören. An Nutzvieh besaß die Eolonie 12.687 Stück, darunter 2659 Ochsen, 3658 Pferde und 6386 Kühe. Sehr schlecht geht es leider immer noch den 70 Eolonisten von Entre-Rios, welche mit 800 Familien und 4097 Seelen das Gros der jüdischen Eolonisten in Argentinien bilden. Die Ursache ihres Mißerfolges ist leicht begreiflich: „Wegen des zu tiefen Standes des Grundwassers will die Luzerne nicht gedeihen." „Das Terrain ist wellenförmig und der Getreidebau auf demselben schwierig." „Nasse Jahre wechseln in Entre-Rios mit langwieriger Dürre ab." „Die Eolonisten haben fortwährend Enttäuschung erlebt; denn bald wurde ihre Ernte von der Dürre vernichtet, bald wurde sie vom heftigen unablässigen Regen erdrückt!" Unverständlich bleibt nur, wie m a n