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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-07 · 32 (7.8.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
32 (7.8.1903)
Date
1903-08-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 82 Dr. Dlocb's Mocbenscbrttt. Sette 517 Petersburg. Der Bischof von Kischenew wies auf Anordnung des Oberprocurators des heiligen Synods die Geistlichkeit an, durch Predigten in der Kirche und außerhalb derselben durch Belehrung auf die orthodoxe Bevölkerung einzuwirken, damit der religiöse Haß gegen die Juden schwinde. Vermischtes. Kranzablösungöspenden zu Gunsten der Chewra-Äadischa in Wien 1.» Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Karoline Janowitzer Von israelitischen Frauen-Wohlthätigkeits Verein für Mariahilf und Neubau K .0.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Simon Spitzer: Von Herrn Emanuel Spitzer, II., Große Schiffgasse 2. K 5.-; von Herrn Josef S a l o m o n in Preßburg, K. 5.—. Zusammen K 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Karl Kantor: Von Herrn, Norbert Ulmann, II., Ob. Donaustraße 101, K. 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Anton I r i tz e r: Von Herrn Leopold Stern und Frau, I. Wallsischgasse 1, L 40.—; von Herrn Jg. Wottitz, II., Rothe Sterngasse 20, K. 10.—. Zusammen: EL 50.—. Wien. (Israelitischer Tempelverein tmVIII. Bezirke.) Wir erhalten folgende Zuschrift: Einem dringenden, Wunsche Hunderter unserer Glaubensgenoffen Rechnung tragend, haben sich einige Edelgesinnte zusammengethan, um auch im 8. Wiener Gemeindebezirke ein den religiösen Empfindungen würdiges Gotteshaus zu schaffen. Diesen machtvoll wteverauflebenden religiösen Gefühlen verdankt auch der von der Meisterhand Max Fleischer's geschaffene Tempel im VIII. Bezirke, Neudeggergaffe, seine Entstehung — ein Monumentalbau, der erst nach nahezu zwanzigjähriger hingebungsvoller Thätigkeit des Tempelbauvereines und nach Ueberwindung zahlloser Schwierigkeiten vollendet werden konnte. Im Einklang mit der äußeren Schönheit des Gotteshauses soll auch die Weihe des Gottesdienstes stehen, der darin abgehalten werden wird. Um diesen würdig und erhebend zu gestalten, bedarf es weiterer Opfer! Ein hervorragender Prediger, ein künstlerisch ausgebildeter Cantor und ein wohlgeschulter Chor sollen Zusammenwirken, damit der neue Tempel eine Stätte wahrhafter Andacht, ein heiliger und heiligender Ort der Erbauung und Belehrung werde. Schon zu den bevorstehenden hohen Feiertagen soll das neue Gotteshaus eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden. Wir apprlliren deshalb an den nie versagenden Öpfermuth unserer Glaubensgenossen und bitten, durch Beitritt als Mitglied zu unserem Tempelvereine uns zu ermöglichen, daß wir unser heiliges Werk vollenden. Die Entrichtung des mit 12 Kronen festgesetzten jährlichen Mindestbeitrages sichert den Mitgliedern auch das Vorbezugsrecht für die Tempelsitze, deren Preise mäßig angesetzt sind. Das Haus Gottes ist gegründet, vereinigen wir uns Alle, um es zu erhalten und um darin die reine Gotteslehre in würdiger Form zu verkünden. Für den Tempelbau-Verein: Für den Tempel-Verein: Michael Strasser, Präses. Hermann Beck, Präses. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 9. d. M. um 2 Uhr Nachmittags findet im Seitenstettentempel die Trauung des Fräulein Olga Dohan, Tochter des Herrn Samuel Dohan, mit Herrn Karl Ehrenfest, k. k. Mittelschul- und Religionslehrer der israelitischen Cultusgemeinde Wien, statt. . Wien. An die löblichen Cultusgemei nden und Vereine! Der theologische Verein der Hörer an der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien empfiehlt den löblichen Cultusgemeinden und Vereinen seine Mitglieder als Prediger für die kommenden hohen Feiertage. Offerte sind zu richten an Gustav Sicher, derzeit Vicepräsident, Wien, II., Mayergasse 8. Wien. Am 2. d. M. fand die Bestattung des in weiten Kreisen bekannten Professors Franz Josef L ö w e n st a m m, des jüngst erst gewählten Chordirectors für den neuen Tempel des VIII. Bezirkes statt. Eine unabsehbare Trauergemeinde hatte sich eingefunden, den todten Meister zu ehren. Was eben zu den hervorragenden Kreisen zählt und in Wien anwesend ist, fand sich am Centralfriedhof ein, überdies hatte der jüdische Trauertag (9. Ab) eine zahllose pietätvolle Menge nach dem Friedhofe geführt — Abordnungen der Gesangsvereine, geführt von den Herren Dr. Geza Winter, Dr. Immerg l ü ck, Emil Fischer, Leop. S i tz m a n n, legten Kränze auf den Sarg des verblichenen Meisters. Der Vorstand des VIII. Bezirkes Herr H. Beck, eine große Anzahl von Corporationen, die Leidtragenden, der aus München herbeigeeilte einzige Bruder Herr Eugen L ö w e n st a m m, zahlreiche Freunde und Schüler, Mitglieder des vom Verstorbenen begründeten Männergesangvereines „8obir Zion“ umstanden den mit Kränzen bedeckten Sarg; aus sanitären Gründen wurde die Trauerfunction außerhalb der Halle von Obercantor Jurberger und seinem Quartett erhebend vollzogen und hatten sich auch Obercantor G u t t m a n n, ferner die Cantorkn Schlesinger, Quartin, mehrere Mitglieder des Vorstandes und der Chewra- Kadischa eingefunden, um den verstorbenen Torikünstler das Geleite zu geben. Nun trat Prof. N a s ch « r an die Bahre, und als der ausgezeichnete Redner die Trauer um das zerstörte Zion, mit der Zerstörung eines Prachtgefüges von Kunst und Sang, des in Schutt verfallenen Familienglückes verglich, blieb kein Auge thränenleer. In rührenden Worten nahm der Obmann des Gesangsvereines „8ebir Zion:‘ Herr Leop. Sitzmann Abschied. Hierauf hoben Schüler des Verblichenen den Sarg und trugen den verblichenen Lehrer, aus dessen Schule zahlreiche Talente hervorgingen, u. A. die vor Doppelmonatsfrist verstorbene Irma G o 1 z — zu Grabe. Hier stimmte Cantor Quartin mit erschütternden Klängen das „El mole raehainim“ an, der Bruder sprach das Kaddisch-Gebet, die Familie, welcher auch die Gesangsmeisterin Frau Charlotte O r o s z y angehört, verließ gebeugt die Stätte des Friedens, die dem Verblichenen nach reichen Lebenskämpfen werden möge. Straßnitz. Am 31. Juli fand an der hiesigen concessionirten Religionsschule eine Schlußprüfung aus der Religion und den hebräischen Fächern statt, welcher der Cultusvorstand und zahlreiche Gäste beiwohnten. Die Prüfung dauerte fast drei Stunden. Die Schüler beantworteten die an sie gerichteten Fragen richtig und präcise. Die sehr guten Unterrichtserfolge sind dem unerinüdlichen Herrn Doctor A. Friedmann und dem Herrn LZberlehrer Isidor Robitschek, vormaligen Schulleiter und hebräischen Lehrer in Prerau. zu verdanken. Sichtlich befriedigt und hcrzlichst dankend verließen die anwesenden Gäste die Schule. Am 14. Juli fand daselbst an der zweiclassigen deutschen Volksschule eine Schlußfeier statt, welcher der löbliche Ortsschulrath, Vertreter der polnische» Israeliten und Cultusgemeinde, sowie zahlreiche Schulfreunde beiwohnten. Zur Aufführung gelangte das patriotische Liederspiel von Ramisch „Mein Vaterland, mein Oesterreich." Die Schüler überraschten die zahlreich Erschienenen durch den ausdrucksvoll gebrachten Vortrag der Gedichte und Lieder. Hierauf hielt der Oberlehrer I. Robitschek eine passende Ansprache. Den Abschluß dieser unvergeßlichen Schulfeier bildete das Absingen der herrlichen Volkshymne. Gräfenberg. (Akademie für Kischenew.) Am 25. Juli veranstalteten einige Curgäste im großen Cursaal eine Akademie, bestehend in gesanglichen, musikalischen und declamatorischen Vorträgen, wobei die mitwirkenden Herren und Damen Ausgezeichnetes leisteten und hiefür stürmischen Applaus von den zahlreich Anwesenden sich erwarben. Bei dem Stücke „Kol-Nidre", welches Frl. Frida Krasny aus Mähr.-Ostrau auf der Geige mit Clavierbegleitung von Frl. Dora Goldmann aus Bielitz zur Geltung brachte, nicht minder bei den declamatorischen Vorträgen des Herrn Oscar Frankl aus Kremsier („Sturm" von Rosenfeld, „Belsazar" von Heine) herrschte begeisterter Jubel. Der Reinertrag von über 500 Kronen wurde der „Alliance israelite" zur Verwendung für Kifchenewer Juden eingeschickt. Berlin. DasDoctorexamen eines Blinden hat vor der philosophischen Facultät der Universität B rlin stattgesunden. Der Doctorand, Ludwig Cohn aus Markliffa in Schlesien ist seit seinem zehnten Lebensjahre völlig erblindet. Nichtsdestoweniger hat er, ohne hinter den anderen Schülern zurückzustehen, das Gymnasium zu Lauban glatt absolvirt. Dann bezog er zum Studium der Nationalökonomie auf zwei Jahre die Universität Leipzig und setzte danach sein Studium in Berlin fort. Herr Cohn mußte sich beständig Alles, was er zu seinem Studium zu wissen nöthig hatte, vorlesen lassen, schrieb es danach in Blindenschrift nieder, und lernte dann Alles gleichsam aus seinen eigenen, in lauter Punkten geschriebenen Werken. Er hat sich aus diese Art eine stattliche Bibliothek zusammengeschrieben, darunter griechische, lateinische und französische Bücher. .Welch' ungeheure Energie des Geistes!" äußerte einer seiner Examinatoren.

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