Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 32 (7.8.1903)
- Date
- 1903-08-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 32 Dr. Mocb's MocbenscbrM. Seite 513 die Massen mit tiefem Judenhaß imprägnirt. Die Erscheinungen des Abendlandes scheinen sich in unseren Tagen im slavischen Osten wiederholen zu wollen; das früher mit den Juden friedlich beisammenlebende Volk wird künstlich zum grausamen Judenhaß getrieben. Aber die Zeiten sind heute anders Nicht umsonst sind durch die französische Revolution die Menschenrechte proclamirt worden, und diese Rechte dürfen Niemandem genommen werden. Ein gewaltiger Zug des Unwillens und der Entrüstung durchdringt die civilisirten Völker, besonders das freie Amerika, angesichts der russischen Greuel, und der befreiende Strahl der Aufklärung, der im Abendlande ein Product von Jahrhunderten war, muß in dem barbarischen Osten in viel rascherem Tempo seinen siegreichen Einzug halten. Nur von der Aufklärung haben die Juden ihr Heil zu erwarten, darum neigt sich auch unser Volk instinctmäßig den liberalen und fortschrittlichen Bewegungen zu. Wenn einzelne Titanen in der Erkämpfung der Freiheit, in der Herabholung des Feuers der Aufklärung gleichsam den Himmel stürmen, wie einst Prometheus, so braucht uns das nicht zu verdrießen, in ihnen manifestirt sich der ewige Geist des Judenthums, der nach Licht ringt und sich zum Lichte aufschwingt. Budapest. Dr. Samuel Krauß. Vom Zadrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. (Das Einmaleins des dümmsten Blattes von Wien — Bergani und der Mörder.) Die „Deutsche Zeitung" erfreut sich des Vorrechtes, das „dümmste Blatt von Wien" genannt zu werden. Und sie benützt jede nur halbwegs geeignete Gelegenheit, um diesen ihren wohlgegründeten Ruf neuerdings zu befestigen. Es darf nicht geleugnet werden, daß manchmal die »Deutsche Zeitung" einen harten Strauß mit anderen Blättern auszuiechten hotte, die ihr das citirte Epitheton streitig machen und sie auf dem Gebete der Dummheit übertrumpfen wollten. Allein wie lehr sich auch gelegentlich das »Deutsche Volksblatt", die »Unverfälschten Deutschen", die »Ostdeutsche" rc. abmühten, immer gelang es noch der „Deutschen Zeitung", die Wettbewerber spielend zu schlagen und eine allergrößte Dummheit niederzuschreiben, zu der sich nicht einmal der hierin schwer besiegbare »Briefkasten" der »Unverfälschten deutschen Worte" aufschwingen konnte. So hatte kürzlich die »Deutsche Zeitung" die Wahlen in Deutschland zum Anlaß genommen, um mit dem ganzen Geschütz ihrer Beschränktheit aufzufahren. Die Thatsache, daß der Antisemitismus aus den deutschen Wahlen als schwer Verwundeter hervorgegangen ist, suchte das Blatt in dem Sinne zu commentiren, als wäre der Antisemitismus als stolzer Triumphator aus der Urne emporgestiegen. Mit der »Deutschen Zeitung" volemisiren, hieße einen armseligen Lahmfuß zu einem Wettmarsche auffordern wollen; wir wollen daher, ohne ein Wörtchen Gegenrede zu verschwenden, lediglich constatiren, daß das Blatt dumm-dreist genug ist, um gegen das Einmaleins zu disputiren. „Nein", declamirt die »Deutsche Zeitung" angesichts der Zahlenreihe auf der Abgeordneteuliste. »zweimal zwei ist nicht vier! Das ist jüdische Mathematik! Nein, zweimal zwei ist zwanzig oder dreißig ..." Die Deutschen sollten sich energisch dagegen verwahren, daß sich die dümmste Zeitung als »Deutsche" Zeitung bezeichnet. Denker und Dichter wird es wohl nur sehr wenige dort in der Redactionsstube geben. Höchstens daß sie ein originelles Einmaleins zusammendichten können! * * * Herrn Bergani ist in der vergangenen Woche ein Malheur pasiirt: es war ihm nach langer Zeit endlich gelungen, eines jüdischen Mörders habhaft zu werden, — aber die Freuds währte nur einen Tag; nach 24 Stunden mußte Bergani zu seinem Leidwesen erkennen, daß der glücklich ausgestöberte Mörder leider die Confession des Ehrenbürgers von Mühldorf besitze. Das kam so: die Zeitungen bekamen eines Tages die telegraphische Nachricht, daß in Budapest ein Mörder Namens Karmel hingerichtet würde. Kaum hatte Bergani das Wort »Karmel" erblickt, so vrrsah er es schleunigst mit dem bewußten Ausrufungszeichen (!), das in der Blumensprache des »Deutschen Bolksblattes" besagt, der also Gekennzeichnete sei ein typischer Jude. Denn Bergaui sagte sich, während er die Depesche las:» Erstens heißt der Mann Karmel, Karmel ist ein jüdischer Berg in Palästina, der Mann ist also zweifelsohne ebenfalls palästinensischen Ursprungs. Zweitens ist der Mann ein Mörder — ein Umstand, der gleichfalls für seine Zugehörigkeit zum Stamme Israel spricht; und drittens ist der Mann ein Magyare — ein Judäomagyare!" Bergani ergriff also freudig die Gelegenheit, den Juden eiren Galgencandidaten aufzuhalsen und die Leser des „Deutschen Volksblattes" hatten wiederum Gelegenheit, sich über den Berbrechertrieb der Juden zu entrüsten, der weder vor Mord, noch vor Galgen zurückschreckt. — Allein die Sonne bringt Alles an den Tag, die verheimlichtesten Obligationen und das gefälschteste Ausrufungszeichen; es kamen alsbald Depeschen aus Budapest, aus denen ersichtlich war, daß der besagte Mörder Karman heiße. Bergani sah sich also genöthigt. das Ausrufungszeichen wieder wegzulaffen und den Delinquenten aus der mosaischen Religionsgenoffenschaft zu entfernen. Der Mörder starb als reumüthiger Christ — und zwar darf man aus seiner aufrichtigen Reue, die auch von seinem Geistlichen gerühmt und gewürdigt wurde, den Schluß ziehen, daß er mit einem besseren Christenthum im Herzen gestorben ist, als das Christenthum ist, das der noch lebende Bergani im Herzen trägt. Immerhin ist diese kleine Episode bezeichnend dafür, wie Bergani selbst die zufälligsten Druckfehlerteufel im Dienste des niedrigsten Judenhaffes zu verwerthen trachtet. Isegrim. Judenbekehrungen in Rußland (1817). Wie äußerst selten Juden aus wahrhaft reiner Ueberzeugung zum Christenthum übertreten, ist durch vieljährige Erfahrung männiglich bekannt; auf hundert Proselyten lassen fich kaum Einer oder Zwei annehmen, von denen das mit einigem Rechte behauptet werden kann. Die Mehrheit tritt über, weil gesellschaftliche Umgebungen und äußere Brrhältniffe es rathsam machen, weil Handelsvorthsile dazu ermuntern oder weil Heiraten davon abhängen und Anstellungen oder Versorgungen nicht anders erlangt werden können. Die unausbleibliche Folge ist in der Regel Geringschätzung von Seite derer, an die sie sich im äußern Glaubensbekenntnisse anschließen, und derer, von denen sie sich trennen; es entsteht ein sittlich und gesellschaftlich gebässiger Mittelzustand, welcher weder für Einzelne noch für den Staat wünschenswerth ist. Die innere bürgerliche Verbesserung des Judenthums scheitert daran, daß die Juden als solche im seltensten Falls Ackerbau und Gewerbe treiben und immer durch eine beschwerliche Grenzlinie von ihren christlichen Nachbarn geschieden bleiben; soll ihnen der Kleinhandel und Trödel untersagt werden, so hieße das sie zu einer Art von bürgerlichem Tode oder zum Zigeunerleben verurtheilen, was mit den Grundgesetzen politischer Menschlichkeit unvereinbar ist. Umstaltungsversuche aller Art haben sich nicht bewährt und beruhen aus Voraussetzungen, welche in der Wirklichkeit des bürgerlichen Lebens, wie es nun einmal ist, nicht vorhanden zu sein pflegen. Gegen alles dieses dient eine Einrichtung, welche Alexander I. von Rußland gemacht hat und von deren Wesen hier kürzlich Nachricht ertheilt werden soll. Unter dem 25. März a. St. d. I. ist in St. Petersburg eine kaiserliche Verordnung, den Uebertritt der Hebräer zum Christenthum betreffend, giltig für das ganze große ruffische Kaiserreich, erschienen, folgenden Inhalts: 1. Allen zum Christenthum übertretenden Hebräern sollen, sie mögen eine Confeffion wählen, welche sie wollen, und nach Maßgabe der ihren Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechenden Lebensart, welche sie ergreifen, Begünstigungen zu Theil werden. 2. In den südlichen und nördlichen Statthalterschaften sollen ihnen zur Ansiedelung Ländereien unentgeltlich verlieben werden, wo diejenigen, welche es wünschen, sich auf eigene Kosten niederlassen können, unter der Benennung: Gesellschaft der israelitischen Christen. 3. Diese Gesellschaft erhält eigen: hümliche Rechte und Vorzüge. 4. Diese Gesellschaft steht, Criminalfälle ausgenommen, ganz allein unter einem Ausschüsse zu St. Petersburg, in welchem der Minister der Nativnalbildung. Fürst Alex. Golyzin, den Vorsitz hat. Dieser Ausschuß der Fürsorge für die Israelitischen Christen sorget für Alles, was ihre Ansiedelungen betrifft, und bringet den Erfolg zur Kenntniß Sr. Majestät des Kaisers.