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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-07 · 32 (7.8.1903) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
32 (7.8.1903)
Date
1903-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 32 Seite 507 Dr. Mocb's Mtocbenscbritt. gesundes und gut geschultes Geschlecht, ein Geschlecht, das ausdauernd bei der Arbeit und wohlgeeignet ist, m emem freien Lande den Kampf ums Dasein aufzunehmen und durchzuführen. Wir thuen also nichts, was nicht auf die eine oder die andere Weise der Colonisation zugute kommen würde. Die Colonisation bleibt für uns das Objectiv, das wir niemals aus den Augen verlieren, ihr bleiben alle unsere Bemühungen und der größte Theil unserer Mittel reservirt. Wir behaupten keineswegs, daß Niemand es besser machen könnte. Möge man über die Sache dlscutiren, möge man unser Verfahren kritisiren. Dazu ist Jedermann berechtigt; und wir sind gern bereit, uns belehren zu lassen und aus jeder ernsten und exacten Kritik zu lernen. Wie sollen wir aber uns jene leidenschaftlichen Angriffe erklären, deren Gegenstand wir waren und die uns bis in das englische Parlament hinein verfolgt haben und bemüht waren, jene Bill, deren Botirung von so weittragenden Folgen für unsere ganze Zukunft, zu hintertreiben! Jene Angriffe (des bekannten Novellisten Zangwill, Red.) sind umso begreiflicher als sie, im Falle sie vom Erfolg gekrönt wären, die Colonisation und die Fortführung der Colonisation Palästinas, an der unseren Angreifern soviel zu liegen scheint, unmöglich gemacht hätte. Wir haben unseren Kritikern niemals ein Wort erwidert. Wir glaubten, daß sie von selber zur Einsicht kommen werden, daß der Moment, in vem es für unsere von der Verfolgung niedergebeugten Glaubensgenossen soviel zu thun gibt, sehr schlecht gewählt ist, uns den Krieg zu erklären. Wir glauben, wir hätten jetzt etwas Besseres zu thun, als uns herumzustreiten. Wir haben unser Ziel, das wir uns gesetzt haben, in aller Ruhe zu verfolgen, und dies Ziel ist, die Lage unserer Brüder in der ganzen Welt zu verbessern. Die Aufforderung des Präsidenten, über diese Ansprache in eine Discussion zu treten, wird auf Antrag der Herren Zadoc- Kahn, Lachmann und Reinach abgelehnt. Die Rede des Präsidenten war zwar als Erwiderung auf die gegen die Gesellschaft erhobenen ungerechtfertigten Anklagen nothwendlg uno ihr Inhalt wurde durchaus gebilligt, man hielt es jedoch nicht für erforderlich, in eine Debatte über dieselbe zu treten. Sie wurde als eine persönliche Ansprache des Präsidenten betrachtet, an welcher durch einen Beschluß der Versammlung nichts geändert werden könnte. Im weiteren Verlauf der Versammlung fragte Paul E r r e r a-Brüssel an, ob und welche Maßregeln die Gesellschaft zu Gunsten der Opfer der Katastrophe von Kischenew ergriffen habe. Der Vorsitzende theilt mit, daß am 25. Juli o. I., d. h. in der der Generalversammlung vorhergegangenen Nachr, eine Sitzung, der auch die beiden Gäste aus Amerika belgewohnt haben, ungehalten wurde, in der ui Betreff der Opfer von Kischenew nachstehender Beschluß gefaßt wurde. Der Verwaltungsrath der „Jca", dem zahlreiche Bittschriften Kischenewer Juden um die Ansiedlung als Colonisten Vorgelegen haben» hat beschlossen: 1. festzustellen, daß die Gesellschaft in Argentmien freies, zur Ausnahme von geeigneten Colonisten vorbereitetes Land besitzt und daß sie durch ihre Agenten Vorkehrung getroffen hat, eine Anzahl von ausgesuchten Familien aus Kischenew als Colonisten hinzusenden. lieber den Wunsch vieler Kischenewer Juden, als Colonisten in Asten untergevracht zu werden, wird die Entscheidung einer späteren Sitzung Vorbehalten. Aus eine weitere Anfrage des Herrn Errera theilt der Vorsitzende mit, daß die »Jca" in Kischenew einen Agenten hat. Die Solidarität der Dotker. Herr Björnstjerne Björnson veröffentlichte folgenden Artikel im Pariser »L'Europöen": »In einer Versammlung, die kürzlich in Paris stattfand, hat die Oeffentlichkeit durch den Mund hervorragender Redner gegen die Verletzung der finnländischen Verfassung und die Unterdrückung des loyalen finnländischen Volkes Protest erhoben. Man hat ebenso gegen die unablässige Verfolgung der Juden und besonders gegen die schweren, aber ungesühnten Verbrechen von Kischenew protestirt. Es geht aus den Berichten, die ich gelesen habe, nicht deutlich hervor, ob man bei dieser Gelegenheit auch gegen die dauernde Mitschuld des Auslandes protestirt hat. Die öffentliche Schuld Rußlands betrug im Jahre 1902 gegen IVU Milliarden Francs, von denen 8 677 Millionen im Lande selbst und 4 275 Millionen im Auslande untergcbracht waren. An Eisendahnobligatlouen waren etwa 4'333 Millionen ausgegevcn; von diesen waren gleichfalls ein sehr großer Theil im Auslände untergebracht. Allein feit 1899 hat Rußland 3l/2 Milliarden im Ausland geliehen; in dieser Summe sind die Eifenbahnanleihen nicht mitgerechnet. Gleichzeitig wütheten die scheußlichen Zollplackereien. Dabei lagen die Dinge so, daß die immer drückenderen Zölle den Credit Rußlands vergrößerten^ zugleich wurde die Regierung durch dre Anleihen ui oen stand gesetzt, die aus den Zollplackereien sich ergebenden Gefahren zu erstickeu. Jetzt gehl das nicht mehr. Die Ausgaben wachsen beständig, aber dre Einnahmen können nicht folgen. Ern TyeU der Eisenbahnen gibt keinen Ueberschuß mehr, deckt nicht einmal die Unkosten, und die Zölle haben ihre äußerste Grenze erreicht. Dieser letzte Punkt wurde ourch den Fiuiuizmimster Witte m seinem Bericht an den Relchsrary bestätigt. Was besonders die auswärtigen Anleihen betrifft, so sieht man nicht recht klar, wozu sie verwendet wurden. Man nimmt an, daß sie zum Theil oie Einführung der Goldwährung erleichterten; daß sie mithalfen, die Kosten des chinesischen Krieges und der Operationen m der Mandschurei zu bezahlen; daß sie den Bau der transsibirischen Bahn ermöglichten, da diese nicht unter denjenigen Bauten erwähnt wurde, deren Kosten durch die Obligationen gedeckt wurden. Es ist übrigens sicher, daß die auswärtigen Anleihen die Regierung zugleich m den Stand gesetzt haben. Die Polizeimacyt zu vermehren und eine noch viel mächtigere Flotte zu schaffen. Wir wissen Alle, oatz der größte Theil dieses fremden Goldes, welches die Selbstherrschaft mit tyreu Unlerorückuugs- und EroberungSplänen feil 1889 aufrecht erhalt, aus dem Lanoe der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit geflossen ist. Wir wiffen ebenso, daß diese Anleihen zum Lheil durch französische Juderl begeben worden sind. Man sagt in Europa wie in Amerika allgemein, daß ohne das französische Gold die russische Selvstherrschasl schon längst zur Capitulanon gezwungen worden wäre. Keine Cenn. algewall, auch oie beste nicht, ist im Slanoe, sür längere Zeit so zahlreiche und verschiedenartige Völker zu beherrschen. Keine Hand, auch die mächtigste nicht, kann einen so gewaltigen Raum umspannen oder so gegensätzliche Ziele vereinigen, wie sie durch das verschiedenartige Klima uno die zahlreichen Racen uuD Religionen geschaffen wurden. Ader was oie oeste Regierung und die mächtigste Hand nicht zu Stande bringt, das wird zu Chaos und Elend unter emer schwachen selbstherrlichen Macht, wo eine brutale, feile und lügenhafte Bureankiaue cvrrumplrt, plündert und unterdrückt. Ohne die Hilfe des Auslandes fände das von selbst sein Ende, sei es aus dem Wege üer Rcvolution, sei es auf oem der Verwahrlosung. Das Natürlichste wäre, daß sich öle gewaltigen Massen Rußlands zu einer sörderallven Organisation decentralisirten. Mit Hilfe des fremden Goldes konnte oie ganze leicht entflammbare Masse dieser entsetzlichen Anhäufung von Ungerechtigkeit und Drangsal lange genug vestehen, um zu einer Gefahr sür uns alle zu weroen. Wenn nicht etn Krieg oen Zündstoff auf die Nachbarn ausschüttet, wird er dort ui Brand geralhen, und es werden während langer Jahre Explosionen und Erschütterungen folgen. Darüber sind Alle, Russen und Fremde, der gleichen Ansicht. Ader der Krieg wird ausvrechen. Wenn dre allmächtige russische Bureaukratie bisher vor keinem Mittel zurückgewlchen, um ihre Herrschaft zu verlängern, weshalb sollte sie vor diesem zurückweichen? Welches auch das Ergebniß dieses Krieges sein möge, eins ist sicher: die Zinszahlungen werden aufyören. Rußland wird sich für dre Hilfe, me man ihm zu theil werden ließ, durch einen Staatsbankerott bedanken. Man braucht, wie ich meine, kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, daß mau sich dann zuerst und zunächst an die Juden halten wird. Wenn man zornig ist, ist man selten gerecht» und die Betrogenen werden die Banken über den Juden vergeffen; ihr Beoürfniß. sich zu rächen, wird sie nicht nur die Schuldigen unter den Juden treffen lassen, sondern auch die völlig Schuldlosen. „Hier hast Du den Lohn dafür, daß Du die Solidarität verrathen hast, welche Dein Volk, Deine Race gleichmäßig bewähren mußten!* Aber wir Anderen werden allen erregten Betrogenen zurufen: »Hier hast Du selbst den Lohn, weil Du die Solidarität verrathen hast, die gleichmäßig unter

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