Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 31 (31.7.1903)
- Date
- 1903-07-31
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021493-3021525--12878-3037497- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 31 Dr. Mocb's Mocbenscbrtft. Seite 508 sofort Ihrer Tochter, daß wir uns angehören dürfen, ich reise jetzt nach Budapest, sie abzuholen." „Ihr Wunsch soll sogleich erfüllt werden", versetzte Arauch, „Sie haben Ihren Mannesmuth bewiesen, ich hoffe, wir werden uns auch künftighin gut miteinander verstehen." David wollte sich verabschieden, um sich schnell einen Posten zu versorgen, aber Arauch eröffnete ihm, daß er durch die Verwandtschaft mit ihm Aussicht habe, in der Redaction der Zeitung angestellt zu werden, und der Bethörte willigte auch darin ein. Kaum war er fortgegangen, so erschien Dr. Bielitzky, erfuhr den Erfolg seines Anschlages und gab das Unterzeichnete Manuscript sofort in Druck. Darauf entwickelte sich eine fieberhafte Thätigkeit in der Stadt. An allen Ecken wurden Placate angeschlagen, die den Wortlaut des Blutmärchens in gesperrter Schrift verkündeten. Kein Mittel, welcher Art es auch war, um die Wahl des Dr.Bielitzky zu fördern, blieb unversucht. Zu dieser Zeit erhielt der Buchdrucker Arauch von dem Principal seiner Tochter ein Telegramm, das ihm das Verschwinden derselben anzeigte. Man brachte es in der Hauptstadt mit dem Besuche eines alten Juden in Verbindung, dieser sollte sie entführt haben. Arauch war sprachlos vor Schreck, aber Dr. Bielitzky versprach ihm, nachdem er die Nachricht gehört, sofort nach der Hauptstadt zu reisen und nach der Entschwundenen zu forschen. Inzwischen sollte Arauch Flugzettel mit dem Inhalt des Telegrammes vertheilen, um dem Antisemitismus dadurch immer mehr Anhänger zu gewinnen. (Schluß folgt.) Literatur. Münz, Dr. I. Rabbi Moses ben Maimon (Maimonides). Sein Leben und seine Werke. I. Theil. Mainz 1003. 155 S. 8". Um ein vortreffliches Buch ist unsere wissenschaftliche und populär-historische Literatur bereichert worden. Wenn zuweilen von hyperrigorosen Wissenschaftlern das Urtheil vernommen wird, strenge Wissenschaftlichkeit und Popularität seien so schwer vereinbar, daß man sie geradezu als Gegensätze ansehen müsse, so hat die vorliegende Arbeit in einer nicht leicht zu übertreffenden Weise die Unrichtigkeit solcher Meinung bewiesen. Denn nur wenige Monographien besitzen wir, die mit so großem wissenschaftlichen Ernst und tiefdrrngendem Berständniß, mit so staunenswerthem Sammelfleiß und gründlicher, umfassender Gelehrsamkeit gearbeitet sind, wie die vorliegende, und nur wenige Biographen unserer großen historischen Persönlichkeiten haben ihren Helden so begeisterte und begeisternde, hinreißende Liebe entgegengebracht, sind so in ihrem Leben und Weben, in ihrem Wirken und Schaffen aufgegangen, wie man dies aus voller Ueberzeugung von dem jüngsten Biographen Maimunis rühmend bezeugen darf. Schon seit Jahrzehnten war eine des großen Maimomdes würdige Biographie als eine Ehrenpflicht betrachtet worden, die die neuere jüdische Geschichtswissenschaft sich selbst schulde. Seit Jahrzehnten war dieser Mangel drückend, um nicht zu sagen beschämend empfunden worden — und doch wagte sich, offenbar wegen der Alles überragenden und überstrahlenden Größe des darzustellenden Mannes und der damit zusammenhängenden erhöhten Schwierigkeit der Aufgabe, Keiner an diese ebenso dankbare wie verdienst- und ehrenvolle Arbeit heran. Nun ist sie vollbracht, und zwar vollbracht, daß wir uns ihrer freuen dürfen. In vier Capiteln behandelt der vorliegende e r st e Theil, dem in kurzem auch der zweite mit weiteren drei Capiteln folgen soll, die Jugendjahre und die erste Wirksamkeit Maimonides', seinen Mischnacommentar, seine Wirksamkeit als rabbinische Autorität, sowie seinen Religionscodex Mlschna-Thora. Nicht nur die gesammte moderne Maimonides-Literatur ist hier berücksichtigt und verwerthet, was bei einem so excellenten Maimunikenner, wie es Münz, der langjähriger Forscher auf diesem Gebiete, ist, als selbstverständlich gelten darf, sondern auch die gesammte, weitschichtige Literatur der Responsen und der historischen Quellenschriften. Aber trotz dieser schweren wissenschaftlichen Rüstung, die freilich fast ausschließlich in die Anmerkungen verwiesen worden ist, hat der Verfasser seine Darstellung so fließend und elegant, so spannend und interessant zu machen, ihr eine so edle populäre Form zu geben verstanden, daß wir sie selbst der Heranwachsenden Jugend ohne Zögern mit großem Nutzen als Lectüre in die Hand geben würden. Zwei kleinere Fehler des Buches sollen jedoch nicht verschwiegen werden, umsoweniger als sie in einer zweiten Auflage, deren Nothwendigkeit hoffentlich bald eintreten wird, leicht beseitigt werden können. Einerseits die an einzplnen Stellen, wohl infolge des schnell fortschreitenden Druckes, eingeschlichenen Sprachunebenheiten und andererseits die etwas zu empfindsame, beinahe erbauliche Darstellungsweise einzelner Schicksalsschläge im Leben Maimunis. Dringend bitten möchten wir den Verfaffer, seinem zweiten Theil auch ein durchaus vollständiges, zuverlässiges Sach- und Personenregister hinzuzufügen, das den wissenschaftlichen Werthund Gebrauch dieses Buches noch wesentlich erhöhen dürfte.. Allen für Milche Geschichte Jnteressirten sei dieses Buch auf's Wärmste und Beste empfohlen. Schwedt a. O. D r. H o l z e r. Neue Bücher. Gotthard Deutsch. Unlösbare Fesseln. Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben der Gegenwart. I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1903. Monatschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. Begründet von Dr. Z. Frankel, fortgesetzt von Professor Dr. H. Graetz. Neue Folge, im Verein mit Professor Dr. David Kaufmann s. A. in's Leben gerufen und herausgegeben von Dr. M. Braun. Siebenundvierzigster Jahrgang. Neue Folge, elfter Jahrgang. März-April 1903. Inhalt: Sigmund Jampel: Die Wiederherstellung Israels unter den Ächämeniden. (Fortsetzung.) Dr. I. S ch e ftelowitz: Z>r Kritik des griechischen und massoretischen Buches Esther. (Schluß.) Dr. M. Güdemann: Das Judentbrrm im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung. (Fortsetzung.) Dr. Jos. Eschelbacher: Die Vorlesungen Ad. Harnack's über das Wesen des Christenthums. (Fortsetzung.) Dr. A. Schmiedel: Randbemerkungen zu Saadjas Pentateuchübersetzung. Dr. Ph. Bloch: Der Streit um den Moreh des Maimonides in der Gemeinde Posen um die Mitte des 16. Jahrhundertes. Moriz Steinschneider: Purim und Parodie. (Fortsetzung.) Notiz: Jüdische Statistik. Besprechung: Meyer, Herbert. Dr. jur. Entwerthung und Eigenthum im deutschen Fahrnißrecht. Von Dr. Max Eschelbacher. S. Fraenkel: Nachtrag zu Band 46, S. 449 f. Verlag von Wilhelm K o e b n e r, Breslau. Berlhold Feiwel: Junge Harfen. Eine Sammlung jungjüdischer Gedichte. Jüdischer Verlag, Berlin. Krirflrasten. 2. B., Nagy-Kanisza. Daß Israeliten, welche in mehreren Orten ihren ordentlichen Wohnsitz haben, in jeder der zuständigen Cultusgemeinden cultussteuerpflichtig sind, wurde durch ein im Jahre 1902 erschlossenes Erkentttniß des k. k. Verwaltungsgerichtshofes entschieden. Caffee Kauders, Agram. Sabbath Chanuka 1848 war am 23. December. K. Das hat sich in Jekaterinoslaw (Rußland) zugetragen. Es mußten zwanzig Schüler wegen Nichtbezahlung des Schulgeldes entlassen werden. Dies mußte auch die Entlassung zweier jüdischer Schüler zur Folge haben, die nur 10 Percent aller Schüler bilden dürfen. Den Eltern der zwei jüdischen Schüler legte man nun die Wahl vor: „entweder die Entlassung anzunehmen oder das Schulgeld für die zehn christlichen Schüler im Betrage von sechshundert Rubel jährlich zu erlegen". Tie Eltern zogen es vor, 600 Rubel für die christlichen Schüler zu bezahlen. „Historicus»', New-Zjork. Es ist nicht das erste Mal, daß es wegen der Behandlung der Juden in Rußland zu Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Czarenreiche gekommen ist. Schon vor Roosevelt machten die Vereinigten Staaten der ruffischen Regierung wiederholt Vorstellungen. Als Arthur Präsident war, im Jahre 1882, hatte der amerikanische Gesandte in Petersburg eine Note des Staatsfecretärs Freilinghnysen zu überreichen, worin es hieß, die Bevölkerung der Vereinigten Staaten habe mit tiefem Bedauern Kenntniß genommen von den Berichten über die Leiden der Juden in Rußland und verleihe der Hoffnung Ausdruck, daß die kaiserliche Regierung Mittel und Wege finden werde, der Verfolgung dieser unglücklichen Mitmenschen ein Ende zu machen. Unter Präsident Harrison, 189i richtete Staatssecretär Blaine eine lange Note nach Petersburg, in welcher Vorstellungen gemacht wurden hinsichtlich der scharfen, gegen die Juden gerichteten Maßregeln. Herr v. Giers sprach lange mit dem amerikanischen Gesandten Charles Emory Smith über die Sache; aber eine schriftliche Antwort scheint die russische Regierung nicht ertheilt zu haben. Es handelt sich also bei dem jetzigen Vorgehen Roosevelt's durchaus um kein politisches Novum, und nicht aus persönlicher Ueberhebung handelt Roosevelt, er thut vielmehr nur das, was ferne Vorgänger bereits gethan haben. H. W. in Oswiecim. Wir publiciren grundsätzlich weder Gedichte noch Lieder. Curgast. Franzensbad. Das Hotel Adler gilt allgemein als rituell zuverläßlich und würden wir dasselbe ohne Weiteres jedem gesetzestreuen Juden empfehlen. In weitere Erörterungen uns einzu lassen, haben wir keinen Anlaß.