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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-31 · 31 (31.7.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
31 (31.7.1903)
Date
1903-07-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 502 Dr. Mocb s MocbenscbrM. Nr. 31 werden sollte. Der Advocat war ein gewandter Journalist, so gewann das neue Blatt einen ziemlichen Erfolg. Arauch's Verhältnisse besserten sich demnach auch, und er kam nun auf den Gedanken, seine Tochter zurückzurufen, damit sie die Leitung des Haushaltes übernehme und ferner nicht bei Juden diene. Zur Zeit als Irma den Brief ihres Vaters, der ihr seinen Entschluß mittheitte, erhielt, war David, ihr Verlobter, bei seinen Eltern. Sie setzte ihn in Kenntniß von dem Geschehenen, und beide, obwohl sie die Schwierigkeiten ihrer Lage erkannten, gelobten sich nochmals, nie von einander zu lasten. Ihrem Vater schrieb Irma, daß es ihr unmöglich sei, jetzt nach Hause zu kommen. Sie erzählte von ihrem Berlöbniß, pries die Tugenden ihres Bräuttgams und bat den Vater um seine Einwilligung zur Heirat. Außerdem fügte sie hinzu, daß ihre Dienstherrin ihr die ganze Ausstattung als Hochzeitsgeschenk schenke. Irmas Brief erregte den Aerger ihres Vaters, der sie sofort zurückberusen wollte und gar nicht daran dachte, seine- Zustimmung zu einer Heirat mit einem Juden zu geben. Schließlich beschloß er die Meinung seines neuen Gönners, des Dr. Bielitzky, einzuholen. Als dieser in der Druckerei erschien, reichte er ihm den Brief. „IKun", fragte der Advocat nach dem Lesen desselben, „was gedenken Sie zu thun?" „Nun und nimmer werde ich meiner Tochter erlauben, einen Juden, noch dazu einen Fanatiker, einen Rabbiner zu heiraten! Wäre er wenigstens noch reich. Ich werde dem Kerl meine Meinung sagen, daß ihm künftig die Last vergehen wird, Christenmädchen den Kopf zu verdrehend „Sie haben ganz recht", versetzte Bielitzky, „die Juden werden von Tag zu Tag frecher, man muß ihnen das Handwerk legen. Uebrigens, das verschafft uns einen zündenden Artikel für unsere Zeitung" und schnell schrieb Dr. Bielitzky einige Notizen in sein Taschenbuch. Am nächsten Tage erschien Dr. Bielitzky zeitig bei Herrn Arauch und eröffnete ihm seine Pläne hinsichtlich der besprochenen Heirat. „Ich glaube, daß der Theologe uns nützen kann, wenn wir geschickt Vorgehen." Verständnislos sah ihn Arauch an, und der Advocat fuhr fort. „Ich habe einen Plan, der allerdings geheimgehalten werden muß, hören Sie mich an!" Die Beiden hatten eine längere Unterredung, nach deren Beendigung Herr Arauch mit noch größerer Hochachtung als bisher auf seinen Freund, den schlauen Advocaten, blickte. Nach einigen Tagen kam David in die Geburtsstadt Irmas und besuchte ihren Vater, um besten Einwilligung zur Heirat seiner Tochter zu erbitten. Der junge Mann athmete erleichtert auf, als er seine Rede beendet hatte und erwartete gespannt die Antwort des Buchdruckers. Dieser faß einige Zeit still da, als ob er die Sache mit sich beriethe, dann begann er: „Ihr Antrag, junger Mann, kommt mir so unerwartet, daß ich nicht imstande bin, sofort eine Entscheidung in einer so überaus wichtigen Angelegenheit zu treffen. Ich werde mir die Sache reiflich überlegen, kommen Sie morgen wieder, um meinen Entschluß zu hören." So gern David bald einen Bescheid erhalten hätte, so mußte er sich doch fügen und das Haus verlaffen. Arauch eilte zu Dr. Bielitzky, mit dem er wieder eine lange Unterredung hatte. Beim Abschied empfing er von ihm ein vvllgeschriebenes Heft, das er lachend durchlas. So zeitig als möglich kam David am nächsten Tage zu Arauch. Dieser empfing ihn höflich und sagte: „Ich bin mit mir zu Rathe gegangen und bitte Sie nur, einige Bedenken zu widerlegen, die ich gegen Ihre Verbindung mit meiner Tochter habe. Sobald Sie imstande find, dieselben zu zerstreuen, habe >.ch nichts mehr gegen Sie als Schwiegersohn einzuwenden. Hören Sie mich ruhig an!" Nun hielt er eine ihm von Dr. Bielitzky einstudirte Rede, in der er auf das Opfer hinwies, seine Tochter einem stellungslosen Juden zu geben. Das Amt eines Rabbiners könne er nicht mehr ausüben; ob er sich für einen anderen Beruf eigne, sei ungewiß, vielleicht sei es nur das Geld Irmas, das ihn Liebe für sie zu heucheln vrranlaste; denn die Juden, das sei leine innerste Meinung, seien jeder schlimmen That fähig. David hielt den Zorn, der ihn bei diesen kränkenden Worten überkam, mit aller Willenskraft zurück, um nicht seine Hoffnung aufs Spiel zu setzen. „Ich wußte bis zu diesem Augenblick noch nicht, daß Ihre Tochter Vermögen besitzt, konnte also nicht darauf hoffen", entgegnete er auf Arauch's Worte. „Uebrigens Ihnen Sie Unrecht daran, meine Glaubens genoffen grundlos zu beschimpfen. Fragen sie, welches Urtheil Ihre Tochter über mich und meine Liebe hat, und Sie werden über die Lauterkeit meiner Gefühle beruhigt sein." »Meine Tochter ist ein unerfahrenes Mädchen und außerstande, das Leben und die Menschen richtig zu beurtheilen!" David schwieg verletzt, er war auf Widerstand gefaßt gewesen, aber nicht auf eine Verdächtigung seiner ehrenhaften Gesinnung. „Ich schwöre Ihnen, daß ich Irma über Alles liebe und bereit bin, mein Leben für sie hinzugeben", rief er endlich mit eindringlicher Stimme. „Soll ich Sie auf die Probe stellen?" fragte Arauch in einem Tone, der scherzhaft klingen sollte. „Verlangen Sie von mir, was Sie wollen, falls ich es überhaupt ausführen kann, soll es geschehen!" „Man kann Alles, was man will", war die Antwort des Buchdruckers. „An meinem Willen soll es nicht fehlen, nennen Sie mir ihre Bedingung", rief David ungeduldig. Arauch erhob sich, holte das Buch, das ihm Bielitzky gegeben, von seinem Schreibtisch und überreichte es dem jungen Manne mit dem Ansuchen, den Inhalt zu lesen und seinen Namen darunter zu setzen. Dadurch sollte er die Größe seiner Liebe für Irma beweisen. Sobald er durch seine Unterschrift die Richtigkeit des Geschriebenen bezeugt hätte, würde Irma mit Bewilligung ihres Vaters sein Weib werden. Erstaunt fragte David nach dem Inhalt des Buches, aber Arauch verwies ihn auf die eigene Durchsicht. erbat sich einen baldigen Bescheid und verabschiedete sich freundschaftlich von dem Fortgehenden. Kaum war dieser in das Gasthaus zurückgekehrt, in dem er Wohnung genommen, als er das.mitgegebene Schriftstück zu lesen begann. Er traute seinen Augen nicht; die Schrift erhielt die Behauptung, daß den Juden der Ritualmord vorgeschrieben sei, und durch Aussprüche berühmter Rabbinen und Talmudisten bekräftigt ist. David las den Artikel, ohne darüber klar werden zu können, was Arauch damit plane. Schließlich dachte er, es solle als Vorwand gelten, ihn abzuweisen; aber auch dieser Gedanke wurde von ihm selbst zurückgewiesen, da der Buchdrucker für feine Weigerung keines Borwandes bedurfte. Die geforderte Unterschrift für derartige plumpe Lügen erschien ihm so zwecklos, daß er am nächsten Tage zu Herrn Arauch ging, um Aufklärung zu verlangen. Natürlich wies er das Ansinnen, seine Unterschrift zu geben, entschieden zurück. Arauch stellte sich sehr entrüstet und höhnte David, daß er mit Worten wohl geneigt sei, für Irma zu sterben, in der That aber nicht einmal einen Artikel mit seinem Namen unterzeichnen wolle, um ihr ein Opfer zu bringen. „Was wollen Sie denn mit dem Artikel anfangen?" fragte David ahnungslos. „Nun denn, Sie sollen Alles erfahren, ich wiederhole Ihnen aber, daß Sie meine Tochter nicht Wiedersehen werden, wenn das Manuscript des Herrn Dr. Bielitzky bis morgen nicht von Ihnen unterzeichnet worden ist". Er machte eine kleine Pause und fuhr fort. „In 14 Tagen ist, wie Sie wissen, Reichstagswahl. Der Schreiber des Artikels, den Sie unterzeichnen sollen, ist Dr. Bielitzky, der Herausgeber unserer Zeitung. Er hat für die antisemitische Partei eine Candidatur angenommen und hofft durch den Artikel Wähler zu erhalten, die ihm bis jetzt leider noch sehr fehlen." In höchster Erregung sprang David auf und schrie dem Buchdrucker zu: „Wie können Sie mir eine solche Ehrlosigkeit zumuthen, Herr? Wissen Sie nicht, wer ich bin? Sie sind ein ganz gesinnungsloser Schurke!" Darauf eilte er davon und ließ Arauch in großer Bestürzung zurück, denn einen solchen Ausgang hatte er nicht erwartet. Als David erschöpft nach Hause kam, fand er einen Brief von Irma vor. Sie theilte ihm mit, daß sein Vater bei ihr gewesen und daß sie den Kummer des alten Mannes sehr wohl begreife. Sie bat David, feine ehrenvolle Laufbahn um ihretwillen nicht aufzugeben, er solle versuchen, sie zu vergessen und mit einem Mädchen feines Glaubens glücklicher zu werden. Einige unzusammenhängende Sätze, welche noch folgten, verriethen die furchtbare, seelische Erregung der Geliebten. David stellte sich ihre Stimmung beim Schreiben des Briefes vor, der Jammer des alten Vaters hatte ihr weiches Herz gerührt, nun sollte er auch noch vor sie hintreten, ohne die Einwilligung ihres Vaters zu bringen und neuen Kummer auf ihre Seele häufen Nochmals stürmte er in die Buchdruckerei: „Herr Arauch, ich. beschwöre Sie, geben Sie mir Ihre Einwilligung zur Heirat mit Ihrer Tochter, retten Sie zwei Menschenleben, Alles steht auf dem Spiel". Kalt blickte Arauch den Flehenden an. „Sie kennen meine Bedingung". Mit ausgehobenen Händen wiederholte der verzweifelte junge Mann seine Bitten, aber Arauch beharrte mitleidlos auf Unterzeichnung des Artikels. „Geben Sie mir das Heft", rief David endlich. Schnell holte es der Buchdrucker herbei, wiederholte noch einmal seinen Entschluß, nach der gegebenen Unterschrift seine Einwilligung zur Heirat zu geben und David Unterzeichnete das Blatt und warf es dem Buchdrucker vor die Füße. „Ich habe Ihre Forderung erfüllt, nun aber telegraphiren Sie

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