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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-31 · 31 (31.7.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
31 (31.7.1903)
Date
1903-07-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Wlocb's MocbenscbrM. Sette 501 Halts zu bestrebten. Endlich hatte er das ersehnte Ziel erreicht und die Prüfung am Rabbiner-Seminar, sowie an der Universität mit Vorzug bestanden. Wie stolz empfingen die Eltern den heimkehrenden Sohn! Wie hob sich das zärtliche Mutterherz in dem Hochgefühl, einen gelehrten Sohn zu besitzen, wie gern hätte sie ihn selber mit dem Ehrentitel »Herr Doctor" begrüßt! Sie konnte nicht müde werden, ihn zu bewundern, jeder seiner Blicke, jedes seiner Worte schufen ihr Freude. Bald aber erkannte das treue Mutterauge, daß David von geheimer Sorge erfüllt war, die er sich nicht entschließen konnte, ihr mitzutheilen. Sie wartete einige Tage bangen Herzens, als aber die bewölkte Stirn ihres Lieblings nicht heiterer wurde, da entschloß sie sich herzhaft, ihn zum Reden aufzufordern. Sie bat ihn, ihr Gesellschaft zu leisten, und als sie den Kampf Davids mit sich selber bemerkte, sich ihr anzuvertrauen, ermunterte sie ihn dazu mit herzlichen Worten: »Sag, Liebling, was bedrückt deine Seele? Warum willst du mir verschweigen, was ich doch aus deinen Blicken lese?" Bezwungen von ihrer Zärtlichkeit, entschloß sich der junge Gelehrte, sein Geheimniß zu offenbaren. »Mutter", begann er stockend, »du hast nur zu klar gesehen, ja, ich habe euch etwas mitzutheilen, was euch schweren Kummer bereiten wird, ich fürchte, eure Liebe zu verlieren, ja noch mehr, den Fluch des Vaters auf mein schuldiges Haupt herabzuziehen!" »David", rief die geängstigte Mutter, »ich bitte dich, sage mir, was hast du gethan?" »Du sollst Alles erfahren, geliebte Mutter, du mit deiner Milde und deiner Liebe wirst versuchen, mich zu verstehen. Ich liebe — eine Christin und habe ihr die Ehe versprochen!" Mit tödtlicher Angst vernahm die Mutter die Worte ihres Sohnes, auch in diesem Augenblick galt ihre Sorge nur ihm allein und dem Leide, das er über sich heraufbeschwor. »David, du willst eine Christin heiraten, willst darauf verzichten, ein Rabbiner zu werden? Was wird der Vater zu deinem Entschlüsse sagen?" Die Kämpfe mit dem strengen Gatten, die ihrem Liebling bevorstanden, ließen das Herz der Mutter erzittern; aber sie bezwang sich gewaltsam und ließ sich von David die Geschichte seiner Liebe erzählen. Er beichtete ihr das Folgende: Irma Arauch, die Tochter eines Buchdruckers, war nach Budapest gekommen, um eine Stellung als Kinderpflegerin anzunehmen, da sie sich nach dem Tode ihrer Mutter im Elternhause nicht mehr glücklich fühlte. Sie fand Unterkunft in einer jüdischen Familie, dort hatte sie David kennen und ihrer äußeren und inneren Vorzüge wegen auch lieben gelernt. Die begeisterte Art, in der er seiner Mutter von den Tugenden des jungen Mädchens erzählte, ließen diese erkennen, daß es sich hier um keine bloße Schwärmerei, sondern um eine ernste Neigung handelte, und diese Erkenntniß verdoppelte ihre Angst. Trotzdem rieth sie ihrem Sohne, dem Vater die Wahrheit zu gestehen, und versprach ihm seufzend ihre Unterstützung in dieser traurigen Angelegenheit. Klopfenden Herzens schickte sich David an, den Rath der Mutter auszuführen. Der Vater fragte kurzweg nach seinem Begehr, und zögernd stammelte der Sohn: »Ich will und kann nicht Rabbiner werden!" Nun wurde der alte Lazzar aufmerksamer, er nahm die Pfeife aus dem Munde, setzte sich die Brille zurecht und fragte ruhig: »Was sprichst du für Thorheiten?" »Vater", entgegnete jetzt etwas muthiger der junge Theologe, »höre mich an und glaube mir, daß es mir weh thut, euch diesen Kummer bereiten zu müssen. Ich kann nicht Rabbiner werden; denn ich liebe — eine Christin!" Angstvoll hatte die Mutter in den Zügen des Gatten geforscht, wie er das Bekenntniß des Sohnes aufnehmen werde; all ihre Befürchtungen aber wurden noch übertroffen. Wie ein Rasender durchmaß der alte Vater das Zimmer in wildem Selbstgespräch. Endlich wandte er sich an seine Gattin mit schneidenden Vorwürfen. »Sieh hier die Früchte deiner Erziehung, du, nur du hast dies Unglück verschuldet durch deine Verblendung. Das sind die Freuden, die dein geliebter Sohn für seine Eltern in Bereitschaft hält. Eine Christin heiraten, das heilige Amt verschmähen, o Gott, warum muß ich solches Unglück in meinen alten Tagen schauen! Aber du, thörichte Mutter, hast ihn dazu gebracht, ich ahnte stets das Unheil, das mich jetzt zermalmend trifft! Wohl versuchte Frau Lazzar den erzürnten Gatten zu beschwichtigen, daß David doch kein Verbrechen begangen, aber dieser Einwand erhöhte nur seinen Zorn. »Welches Verbrechen sollte er denn noch begehen?" schrie er seiner Gattin entgegen, »soll er seine Eltern erschlagen! ich traue dem mißrathenen Buben auch diese Handlung zu!" Diese Worte erschienen dem Sohne, der bis dahin wortlos den Ausbruch des väterlichen Zornes über sich ergehen ließ, zu hart. »Vater", rief er erregt, »das darfst du mir nicht bieten. Du bist hartherzig und willst mein Glück deinen Ansichten opfern. Warum soll ich durchaus Rabbiner werden? Kann ich nicht auch in einem anderen Berufe mein Fortkommen finden und mit dem Mädchen meiner Wahl glücklich leben?" »Schweig', ungerathener Bube", donnerte der alte Vater, »ich habe keinen Sohn mehr!" Bon Schmerz überwältigt, stieß der Unglückliche seine Gattin zur Seite und stürzte aus dem Zimmer. Stumm schickte sich nun auch David an, das Elternhaus zu verlassen, die Mutter folgte ihm, dem Befehle ihres Gatten trotzend, und bat ihn, nicht im Zorn davonzugehen. Aber all ihre Worte verhallten ungehört, mit heißen Thränen nahm sie endlich Abschied von ihrem Sohne und bat ihn, ihr das Ziel seiner Wanderung zu nennen. Er theilte ihr mit, daß er zu Irmas Vater reisen wollte, um von diesem die Hand seiner Tochter zu erbitten. Noch einmal versuchte Frau Lazzar das Herz ihres Sohnes zurückzugewinnen, sie erinnerte ihn an die Tage seiner Jugend, an die zärtliche Fürsorge seiner Eltern, an den Kummer, den er dem alten Vater zufüge, sie beschwor ihn mit Worten, wie nur eine Mutter sie findet, das Seelenheil ihres Kindes zu retten, auf feine Neigung zu verzichten, aber die Stimme der Leidenschaft übertönte die treuen Mutterlaute. »Leb' wohl, Mutter! Ich kann nicht anders handeln!" Noch einen Kuß, einen letzten Segenskuß, dann stürmte David fort und Frau Lazzar kehrte weinend in ihr verödetes Heim zurück. Ü. Buchdrucker Arauch, der Vater Irmas, lebte in sehr dürftigen Verhältnissen. Gewöhnt, von seiner Gattin gelenkt zu werden, gerieth er nach dem Tode derselben vollständig auf Abwege. Er vernachlässigte sein Geschäft, trieb sich in Wirthshäusern herum und kümmerte sich nicht um die Erziehung seiner einzigen Tochter. Diese selbst aber war ein strebsames Mädchen und versuchte durch eigenen Fleiß sich eine gewisse Bildung zu erwerben. Gern ergriff sie die erste Gelegenheit, ihr Vaterhaus, das ihr nichts mehr an Liebe und Fürsorge bot, zu verlaffen. und ihr Vater, dem die geistig und sittlich höherstehende Tochter unbequem war, hielt sie nicht zurück. Er hatte mit seinen Angelegenheiten genügend zu thun; die Schulden wurden immer drückender, die Mahnungen der Gläubiger drängender, der Zusammenbruch des Hauses stand nahe bevor. Da erschien eines Tages ein Herr bei ihm, der sich als Dr. Bielitzky. Advocar, vorstellte und ihn fragte, ob er den Druck einer Zeitung übernehmen wollte, zugleich erklärte er sich bereit, Herrn Arauch in der Ordnung seiner Geldverhältniffe beizustehen. Ganz erstaunt über dieses Anerbieten bedachte sich der Buchdrucker einige Zeit, dann willigte er ein und erfuhr nun, daß es sich um ein antisemitisches Blatt handle, welches Dr. Bielitzky neu begründen wollte. »Glauben Sie, daß Sie hier in einer durchaus liberalen Stadt mit Ihrem Blatte Erfolg haben werden?" fragte Arauch den Advocaten, als dieser ihm seine Pläne dargelegt hatte. »Anfangs freilich werden wir schwer kämpfen müssen, aber ich hoffe auf den Erfolg", war die Antwort. Arauch, einem Menscher» ohne feste Grundsätze, war es ganz gleichgiltig, welcher Partei er dienen sollte, wenn er nur seinen Vortheil dabei fand. Allerdings wunderte er sich, daß man ihn, den unbedeutendsten Buchdrucker gewählt hatte, ja daß der Advocat sogar die fehlenden Maschinen auf eigene Kosten besorgte, doch den wahren Grund errieth er nicht. Dr. Bielitzky wußte nur zu genau, daß kein anderer Buchdrucker der Stadt es wagen würde, eine antisemitische Zeitung herauszugeben aus Angst, sich dadurch unmöglich zu machen, aber dem schon ganz verkommenen Arauch war das gleichgiltig. Bielitzky war ein ehrsüchtiger Mann, der nur darnach trachtete, eine Rolle zu spielen. Da die Politik ihm hiefür die sicherste Handhabe bot, so versuchte er sein Glück bei allen Parteien. Er hörte Reden mit an, trat selbst als Redner aus und wurde auf diese Weise bekannt. Das sehnlichste Ziel war ihm, in den Reichsrath zu kommen, das glaubte er am ehesten durch die Hilfe des Antisemitismus zu erreichen, so ging er denn mit fliegenden Fahnen in das antisemitische Lager über. Da er sich in der Hauptstadt vergebens nach einem geeigneten Wirkungskreise umgesehen, begab er sich in diese Gegend, um hier seine Ideen zu verbreiten, und hatte in dem Buchdrucker Arauch bald das geeignete Werkzeug für seine Pläne gefunden. Die neue Zeitung versteckte anfänglich ihre antisemitischen Grundsätze, für welche das Publicum erst nach und nach gewonnen

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