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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-31 · 31 (31.7.1903) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
31 (31.7.1903)
Date
1903-07-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 500 Dr. Vlocb's MocbenscbrM. Nr. 31 Wie«. (Todesfall.) Donnerstag den 23. d. M. verschied nach kurzem Leiden Frau Johanna Winter geborene Kann im 65. Lebensjahre. Unter äußerst zahlreicher Betheiligung von Verwandten und Bekannten, sowie in Anwesenheit des Gesammtvorstandes des Bethausvereines „Montefiore" wurde sie Sonntag den 26. d. M. am Centralfriedhofe zur ewigen Ruhe bestattet. Herr Rabbiner Dr. Mor. Rosenfeld widmete der Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er die seltenen Eigenschaften der Verstorbenen, ihre treue Gatten- und hingebende Mutterliebe, ihre wahre, tiefe Religiosität und echte Wohlthätigkeit erwähnte. Teschen. (Trauung.) Sonntag den 9. August l. I. um 472 Uhr Nachmittags findet im hiesigen Tempel die Trauung des Fräulein Martha Gutmann, Tochter des Herrn Joach. Gutmann, mit Herrn Lambert Haas, Sohn des Herrn Dr. Jacob Haas, statt. Ung.-Hradisch. (Silberne Hochzeit.) Am 10. d. M. feierte der hiesige Kaufmann und Hausbesitzer Herr Bernhard Berger im engsten Familienkreise das Fest der silbernen Hochzeit mit seiner Gattin S 0 p h i e, aus welchem Anlasse dem Jubelpaare zahlreiche Glückwünsche aus Verwandten- und Bekanntenkreisen zukamen. Budapest. (AdeleBrody-Kinderspital.) Die Pester israelitische Cultusgemeinde veröffentlicht soeben den Bericht über die Wirksamkeit des Adele Brody-Kinderspitals im verflossenen Jahre 1902. dem sechsten Jahre seit dem Bestände des Krankenhauses. Das reichhaltige statistische Material, welches Chefarzt Dr. Julius Groß und der Präsident der Spitalscommisfion Leopold K e p p i ch zusammengestellt haben, beweist klar, daß das Spital die edle Aufgabe, die ihm bei seiner Gründung als Ziel vorgesteckt wurde, getreulich erfüllt, eine segensreiche Wirksamkeit ausübt und hiedurch zur Verbesserung der sanitären Zustände der Hauptstadt ein gutes Stück beiträgt. Wir theilen die folgenden Daten über das Jahr 1902 mit: Im Jahre 1902 nahmen 15.805 Kinder die ärztliche Hilfe in Anspruch. Von den kleinen Patienten waren 13.449 nach Budapest, 2351 nach der Provinz zuständig; 5 waren Ausländer. Der Confession nach waren 4860 (3 l Percent) Israeliten, 10.945 Kranke (69 Percent) gehörten anderen Confeffionen an. Eine große Zahl ambulanter Kranker ohne Rücksicht auf die Confeffion wurde auf Rechnung der Cultusgemeinde mit Arzneien, Verbandstoffen, chirurgischen Apparaten rc. versehen. 565 Kinder (95 Israeliten und 450 zu anderen Confeffionen Gehörige) wurden kostenfrei geimpft. Im Spital wurden l052 bettlägerige Kranke gepflegt (547 Israeliten und 450 zu anderen Confeffionen Gehörige). Im Verlaufe des Jahres ereigneten sich 101 Todesfälle (10 Percent). Da aber 16 Kinder sterbend ins Spital gebracht wurden, betrug die Zahl der letal verlaufenen Fälle eigentlich nur 85 (8 Percent); die Mortalität war demnach eine geringe. Die Gesammtkosten des Krankenhauses beliefen sich auf 90.464 Kronen. An Verpflegsgebühren nahm das Spital 19.055 Kronen ein, der Beitrag der Chewra- Kadischa machte 15.000 Kronen, der Beitrag der Cultusgemeinde 38.347 Kronen 68 Heller aus. Im Vorjahre errichtete Frau Max Domonyi-Brüll eine Bettstistung im Betrage von 4000 Kronen. Neu-Sandez. Am 25. d. M. verschied hier im achtzigsten Lebensjahre nach langem und schwerem Leiden der Rabbiner der hierortigen Cultusgemeinde Aron Halberstamm noch 45jährigem segensreichen Wirken in unserer Gemeinde. Der Verewigte, der mütterlicherseits ein Enkel des mährischen Landesrabbiners Varuch Thunim Fränkel aus Leipnik war, vereinte außerordentliche Frömmigkeit mit höchster Toleranz, und wiewohl selber asketisch, pflegte er die Schwächen seiner Mitmenschen niemals durch harte Worte des Tadels zu geißeln, sondern immer liebevoll ja häufig in scherzender Weise die Verirrten auf die richtige Bahn zu lenken und zu gottgefälliger Lebensweise zu verhalten. Seine Gelehrtheit und Weisheit war im ganzen Lande bekannt und von Ferne strömten Tausende Leute zu demselben, um sich bei ihm Rath zu erholen, sei es in geschäftlichen, sei es in Familienangelegenheiten, und bei jeder Gelegenheit pflegte er die schädlichen Wirkungen des „Wunderrabbithums", zu geißeln und davor zu warnen. Rur Gottesglaube war seine Parole und den Aberglauben erklärte er für unjüdisch. Frieoe seiner Asche! N. T. Uug. Brod. Nachtrag für die Kischenewer Juden durch Rabb. Dr.Jung gesammelt im Bezirke 133 Kronen und der „Allianz" übergeben. Von Frau Sofie Klein Kronen 10.—; Leopold Löwi 10.-; ©aff. Fuchs, ©tränt 10.—; Joh. Weinstein in Slawitschin 10.—; Johann und Wilhelm Sonnenschein, Luhatschowitz 20.—; Leopold D. Schön 8.—; Haas, Strelna 5.—; Jellinek, Schumnitz 5.—; Isidor Reiß 5 —; Straus, Poslowitz 5.; Leop. Biichler in Bojkowitz 5. —; Lowl, Schanok 4. -; Haas, Prikas 4.—; Mark Weinstein in Strani 4.—; Ad. Pilzar, Brumov 3. -; Karol Bock, Luhatschowitz 3.—; Groß, Prikas 2.—; Haas, Fr Lhotta 2.; Haas. Stitna 2.—; Brichta, Brumov 2.—; Majer, Banof 2.—; Freund, Niwnitz 2.—; Reiß, Niwnitz 2.—; Weiß, Bojkowitz 2. -; Kohn. Slawitschin 2.—; Schön, Pittin 2.—; Lippa, Hrosinkau 1.—; Gansel, Hrosinkau 1.—. Uugar.-Brod. In unserer Gemeinde ist mit Genehmigung des hohen k. k. Ministeriums ein Privatgymnasium eröffnet worden, in welchem die Zöglinge in allen Lehrgegenständen des Gymnasiums, wie auch in den Fächern des jüdischen Wissens unterrichtet werden, und erhalten uich abgelegter Prüfung staatsgiltige Zeugnisse. Durch Errichtung dieser Schule glauben wir einem der dringendsten, immer mehr in weiten Kreisen empfundenen Bedürfnisse unserer Gemeinschaft entgegenzukommen. Das Judenthum kennt nur eine Gefahr im Innern, die der Prophet bereits als verhängnißvoll bezeichnet hat, das ist die Unkenntniß der Hoheit unseres Glaubensinhaltes. Was soll der Jugend Stolz und Selbstbewußtsein verleihen, was die Treue und den Duldermuth nähren und anfeuern, wenn die Quellen in unserer Mitte versiegen, die uns seit Jahrtausenden gespeist haben, wenn wir den Jungbrunnen aller religiösen Innigkeit und gesinnungsvollen Entschlossenheit, die Kunde unserer Religionsurkunden, unter uns verfallen lassen. Nicht Schulen für Rabbiner, sondern Schulen zur Heranbildung glaubensstarker und überzeugungstreuer Gemeindemitglieder thun uns noth. Nicht Seelsorger fehlen uns, die in begeisterten Worten die Ideale des Judenthums im Gotteshause verkünden, unsere Gemeinschaft braucht jüdisch denkende und fühlende Männer in allen Schichten, des Volkes, in deren mannigfaltigen Bernfsarten auf dem bewegten Marktplatze des Lebens der Geist des Judenthums in opferfreudigen Thaten zur Geltung kommen soll. Wollen wir nicht Führer ohne Soldaten erziehen, Gotteshäuser ohne Andächtige, Gemeinden ohne Mitglieder aufrichten, dann ist es die höchste Zeit, eine Schule zu eröffnen, in der eine Jugend herangebildet wird, die Eultur und Judenthum, Bürgertugend und Glaubenstreue, Religiosität und Gesittung als leuchtendes Muster und vorleuchtendes Beispiel hinaustragen soll in die Mitte unserer Gemeinden und der Jugend, die ihre Ausbildung an interconfessionellen Schulen empfängt. Die in dieser Schule herangebildeten, mit der Kenntniß der hohen Idealität und der welthistorischen Mission des Judenthums ausgerüsteten und von glühender Begeisterung für unsere Religion erfüllten Jünglinge sollen später, wenn sie zu Männern herangereift sind, im öffentlichen Leben überall da als feurige Anwälte für das Judenthum auftreten, wo es aus Böswilligkeit entstellt oder ans Un kenntniß verkannt wird. Wir erwarten daher zuversichtlich, daß die jüdischen Eltern, die Größe und Heiligkeit des uns gesteckten Zieles würdigend, ihre Kinder unserer Anstalt anvertrauen werden, unter deren Aegide allein die verheißungsvolle Aufgabe ihrer befriedigenden Lösung entgegengeführt werden kann. Dr. M. I u n g, Rabbiner. Kostel. Unser Herr Rabbiner A. Weiß ist in der israelitisch-orthodoxen Gemeinde zu Janoshaza in Ungarn einstimmig gewählt worden. Herr Rabbiner Weiß war langjähriger Talmudlehrer im Hause der Familie Bondy und hat auch an der Bohre des unvergeßlichen Herrn Aron Bondy' in Baden einen Nachruf gehalten, der einen tiefen Eindruck wachte. Rußland und der Zionismus. Wie ein russisches Blatt meldet, wurden in Rußland alle Z-onistenversammlungen, sowie Spenden und Sammlungen zur Unterstützung der Ziele des Zionismus verboten. Dies ist um so auffallender, als die russische Regierung der zionistischen Bewegung bisher keineswegs feindlich gegenüberstand. Offenbar erblickt sie nun in jeder Organisirung außerhalb ihres Wirkungskreises eine Gefahr. Feuilleton. Der Rabbirmtsrandidat. Erzählung von Heinrich Hufferl. Dem Alldenken der verewigten Baronin Hirsch de Gereuth gewidmet. 1. * Vater Lazzar war Vorbeter und Schächter in einer kleinen Gemeinde Ungarns. Sein Gehalt war nicht groß, aber er und seine Gattin hatten nur geringe Bedürfnisse, ihre ganze Sorge, all ihre Zukunftsträume erstreckten sich auf ihren einzigen Sohn David. Er sollte Rabbiner werden, von geweihter Stätte den Andächtigen das Wort Gottes verkünden, das war der Lieblingswunsch der Eltern, der sich nun bald erfüllen sollte. David hatte eine religiöse Erziehung erhalten. Obgleich sein Vater ihn herzlich liebte, war er stets streng zu ihm, da ihm dies als bestes Erziehungsmittel galt; die Mutter dagegen suchte ihn durch zu große Zärtlichkeit zu entschädigen und alle seine Wünsche zu erfüllen. In ernster, rastloser Arbeit verstrichen ihm seine Studienjahre; er unterrichtete frühzeitig, um die Kosten seines Unter-

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