Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 31 (31.7.1903)
- Date
- 1903-07-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 498 Dr. Mocb's Mocbenscbritt. Nr. 31 Ungeachtet des Umstandes, daß die Gehalte der Lehrer durch Avancements, Quinquennalzulagen, Gehaltserhöhungen u. s. w. gegenüber dem Vorjahre um X 12.000 stiegen, ergab sich infolge des Austrittes von sieben Lehrern und mannigfacher Ersparnisse eine Abnahme der Gesammtkosten von X 561.24. Die Subventionen an fremde Schulen werden in diesem Jahre auf X 31.850-08 vermindert, sie werden auch in Hinkunst bis zu einer gewissen Grenze noch weiter restringirt werden müssen, angesichts der mit Schwierigkeit erfolgenden Erfüllung der eigenen Verpflichtungen. Dasselbe gilt für die Stipendien an Lehramtskandidaten und Candidatinnen, zumal für die nächsten Jahre ein Bedarf an Lehrkräften kaum zu erwarten ist. Während vor zwei Jahren X 176.617 02, vor einem Jahre noch X 68.636-32 für Schulbauten und Hauskäufe verausgabt wurden, mußte man sich in diesem Jahre auf die unumgänglich nothwendigen Adaptirungen und Reparaturen beschränken. Die Ausgaben betrugen deshalb auch nur X 39 589-05, wenngleich in einzelnen Orten die Errichtung eigener Schulhäuser dringend erforderlich wäre. Auch in diesem Jahre konnten die beschlossenen Bauten in Bursztyn und Pomorzany, in welchen Orten das Curatorium bereits Bauplätze erworben hatte, nicht zur Ausführung gelangen. Dank der erziehlichen Thätigkeit der Baron Hirsch-Stiftungsschulen ist bei einem großen Theile der Bevölkerung ein gründlicher Wechsel in der Anschauung über das Handwerk eingetreten > während stüher große Opfer erforderlich waren, Knaben dem Handwerke zuzuführen, ist derzeit die Zahl der Petenten so groß, daß ihre Berücksichtigung selbst zu den bedeutend verringerten Einzelkosten unmöglich ist. Von den im Jahre 1901/1902 im Status geführten 743 Lehrlingen verblieben am 31. August 1902 noch 430, welche im Jahre 1902/1903 X 35.000, im Jahre 1903/1904 weitere X 25.000 erfordern, weshalb schon seit anderthalb Jahren die Unterbringung von neuen Hondwerkslehrlingen eingestellt werden mußte und erst dann wieder ausgenommen werden kann, bis nach Frestprechung einer entsvrechenden Anzahl von Lehrlingen wieder Mittel für diese Zwecke verfügbar sein werden. In der Zusammensetzung des Curatoriuws sind folgende Veränderungen eingetreten: die Herren Professor Kwiatkowski, Dr. Hermann Grünbaum und Sigmund Ritter v. Bauer (Schatzmeister) sind gestorben, Dr. Julius Freiherr v. Waldberg ist ausgetreten. Es wurden an deren Stelle cooptirt die Herren: Max Nierenstein, Julius Nossal und Dr. Ludwig Schwitzer. Das Schatzmeisteramt übernahm das bisherige Mitglied des Curatoriums Herr Donat Zifferer. Das Cultusministerium hat den k. k. Sectionschef Dr. Ludwig Cwiklinski in das Curatorium entsendet. Agram. (Empfang beim neu ernannten Banns Dr. Grafen Theodor Pejacs evich) Vergangenen Donnerstag den 23. d. M. wurden die Begrüßungen beim neuernannten Bonus fortgesetzt. Unter den vielen Deputationen, die hierzu erschienen waren, befand sich auch die Deputation der hiesigen autonomen orthodox-israelitischen Cultusgemeinde unter Führung des Cultusvorstehers Herrn Wilhelm Wolfgang Engelsrath. Als Sprecher derselben fungirte der Secretär der Gemeinde Herr Em. Wortmann, der folgende croatische Ansprache au denselben hielt:„Euere Excellenz! Die hiesige autonome israelitisch-orthodoxe Cultusgemeinde erachtet es als besondere Ehre, Euere Excellenz aus Anlaß der Allerhöchsten Ernennung zum Landeschef aus tiefstem Herzen zu beglückwünschen. In Ihren bewährten Händen liegt heute das Schicksal dieses ganzen Landes, und auch wir, als treue Söhne dieses Vaterlandes, legen ruhigen Muthes unser Schicksal und das der ganzen Gemeinde in Ihre Hände, da wir überzeugt sind, daß selbes jenem illustren Manne und jenem ausgezeichneten Sohne dieses Vaterlandes anvertraut ist, dessen Herz stets für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, ohne Unterschied der Confeffionen, geschlagen hat. Verzeihen Euere Excellenz, wenn ich mich bei dieser Gelegenheit des Ausspruches unserer Bibel bediene, der da sagt: Gesegnet sei Deine Ankunft, mit der Hinzufügung unserseits: Gesegnet sei auch Dein Aufenthalt in unserer Mitte. Xivio Ban Dr. Theodor Graf Pejaesevich!" Se. Excellenz geruhten hierauf Folgendes zu erwidern : Es freue ihn sehr, auch die Vertreter dieser israelitischen Cultusgemeinde heute hier zu sehen, umsomehr, als ec stets ein Beschützer der israelitischen Cultusgemeinden war und er in confessioneller Beziehung nie einen Unterschied kannte und auch einen solchen nie kennen wird, daher auch diese Gemeinde stets auf seinen Schutz als Landesoberhaupt rechnen kann. Unter allgemeinen Liviorufen und Händedruck entfernte sich dann die Deputation. Bemerkenswerth ist, daß Se. Excellenz unter den vielen anwesenden Deputationen und Corporationen als Erste die genannte israelitische Cultusgemeinde vortreten ließ. Karlsbad. Eine recht häßliche Scene, schreibt das „Karlsbader Tagblatt" vom 18. Juli, spielte sich Donnerstag Nachmittag in der Bellevuestraße ab. Zwei polnische Juden gingen harmlos ihres Weges und begegneten fünf bis sechs Jungen. Letztere waren nicht sobald der beiden Kaftauträger ansichtig geworden, als sie dieselben auch schon zum Gegenstände ihres Muthwillens machten; ja einer ging sogar so weit, mit Steinen nach den ruhig dahinschreitenden alten Männern zu werfen. Wir waren empört über die Rohheit und verwiesen sie den Jungen, worauf einer derselben ganz keck erwiderte: „Ach was, sind ja nur ein paar Juden!" — Uns schauderte geradezu. Sollten das vielleicht die Erziehungsresultate des Herrn Lehrers Josef Hofmann, „völkischer" Landtagsabgeordneter mit einem „f°‘ sein? Uns wollte es schier so bedünken. Da kann uns wirklich. vor der Zukunft bange werden. Dobrisch. In feierlicher Weise ist hier der Grundstein zur neuen Synagoge gelegt worden. Um 8 Uhr Früh versammelten sich die Cultusgemeinde-Angehörigen nebst vielen anderen Glaubensgenossen beim Bauplatze und es wurde zunächst die in hebräischer, deutscher und czechischer Sprache abgefaßte Urkunde von Rabbiner Dr. Link vorgelesen. Nachdem dieser unter Citirung der drei biblischen Sprüche: „Liebe Gott den Allmächtigen, liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst, liebe die Wahrheit und den Frieden" die üblichen drei Hammerschläge gethan und den Grundstein geweiht hatte, wurde die Urkunde in eine kupferne Urne gelegt und vom Cultusvorsteher Bondy in den Grundstein versenkt. Mit der Absingung der Hymne schloß die einfache, aber würdige Feier. Prag. Der Verein zur Förderung der Wissenschaft des Judentbums „Afike Jehuda" in Prag hielt unter dem Vorsitze seines Obmannstellvertreters Dr. Aladar Deutsch seine diesjährige Generalversammlung ab. Der vom Schriftführer Doctor Pfau vorgetragene Geschäftsbericht bemerkt, daß die Zahl der Mitglieder zwar keine wesentliche Veränderung erfahren habe, jedoch in die Reihen der Mitgliedschaft sehr empfindliche Lücken durch das Ableben mehrerer, langjähriger Mitglieder gerissen wurden. Das Andenken derselben wurde vom Vereine in gebührender Weise geehrt. Insbesondere bespricht der Bericht sodann eingehend die Hauptthätigkeit des Vereines, nämlich die Abhaltung jüdisch-wissenschaftlicher Vorträge im verflossenen Winter. Der vom Cassier Gustav Fuchs erstattete Cassabericht hebt hervor, daß ungeachtet der mit den Vereinrveranstaltungen verbundenen namhaften Auslagen das Vereinsvermögen keine Schmälerung erlitten hat. Bei den sodann vorgenommenen Wahlen wurden in den Vorstand gewählt: Rabbiner Dr. Deutsch, Alois Deutsch, Jonas Franck, Hermann Flaschner. Gustav Fuchs, Dr. Kohner, Dr. Psau, Arthur Pick, Gotthold Utitz und Doctor Zalud; zu Revisoren Dr. Weltsch und Emanuel Zemanek. In der der Generalversammlung folgenden Ausschußsitzung constituirte sich der Vorstand wie folgt: Obmann Rabbiner Doctor Deutsch, Obmannstellvertreter Kohner, Schriftführer Dr. Pfau, Cassier Gustav Fuchs. Semlin. (Eine Reminiscenz.) Gelegentlich der Thronbesteigung des serbischen Königs mag es nicht uninteressant sein, zu erwähnen, daß hier ein angesehener ungarischer Staatsbürger lebt, der in der Jugend des neuen serbischen Staatsoberhauptes eine nennenswerthe Rolle gespielt hat. Es ist dies der Semliner Kaufmann Herr Georg Spirta. Derselbe gab dem Vater Peters, Alexander Karagyorgevics, dessen Gattin und Sohn, dem jetzigen König, der damals 14 Jahre alt war, unmittelbar nach ihrer Ausweisung aus Serbien sechs Monate hindurch Schutz und Unterkunft. Alexander Karagyorgevics vertraute damals seinem Beschützer Herrn Spirta und seiner Gattin geborene Eva Rosenberg, ohne jede Schrift, zwei Millionen Dinars an, die er erst dann zurückforderte, als er später in Begszeg (Arader Comitat) eine Besitzung ankaufte. Unser Glaubensgenosse wurde vom alten Karagyorgevics reichlich beschenkt als Zeichen seiner Anerkennung für seine Herzensgüte und die Verwaltung seines Vermögens. Bukarest. (A n t i s e mi t i s ch e A gi t a t i o n.) Die neueste Blüthe des Antisemitismus in Rumänien ist ein von einer Frau herausgegebenes Hetzjournal, das in Focschani erscheint und die dortige Bevölkerung zu Excessen gegen die Juden aufhetzt. Die Herausgeberin dieser Zeitung ist Madame Titza Pawelescu, die ihre Propaganda ganz offen treibt, weil sie der Protection des Präfecten sicher ist, dessen Wahlagentin sie ist. Auch in der Stadt Buzeu hat die antisemitische Journalistin versucht, das Volk gegen die Juden aufzubringen; dort hat man sie aber ausgewiesen und wegen Bedrohung der öffentlichen Sicherheit unter polizeilicher Escorte aus der Stadt gebracht. In Focschani wurde sie sofort wieder auf freien Fuß gesetzt, und dort nimmt sie ihre Thätigkeit wieder auf. St. Petersburg. (A n t o k o l s k i - S t i f t u n g.) Nach dem Ableben des berühmten jüdischen Bildhauers Marc Antokolski war von seinen Freunden und Verehrern der Plan gefaßt