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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-31 · 31 (31.7.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
31 (31.7.1903)
Date
1903-07-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Sette 497 gewußt. Dagegen wirken in den großen wissenschaftlichen Centren, die aber keine Universitäten haben, Forscher jüdischer Confession höchst ehrenvoll, so Weigert, Ehrlich und Edinger in Frankfurt, Unna in Hamburg u. A. Sie sehen also, daß alle diese Erscheinungen von einer höheren Warte gesehen werden müssen. Das Corpswesen in Deutschland bewirkt, daß alle einflußreichen und einträglichen Staatsämter den Corpszugehörigen zufallen. In den medicinischen Facultäten sind es die Stammtische, welche häufig diese Rolle spielen, man sieht, daß die Zugehörigen alle — mit der Zeit ihren Weg machen. Nicht umsonst hat man den Sohn unseres angesehenen Präsidenten der Anwaltskammer, Justizrath Freund, an seinem Amtsorte von der Juristentafel amovirt; denn da werden nicht nur Biergespräche geführt, da wird die Carriöre gemacht. Sie werden sich, sehr geehrter Herr Redacteur, ein großes Verdienst erwerben, wenn Sie die Eltern jüdischer Studirender vor der Illusion warnen, daß noch Tüchtigkeit und ehrlicher Wille allein genügen, um einem Jüngling den Weg zur Gelehrtenlaufbahn zu ebnen, nicht einmal das berühmte Entreebillet in die „Europäische Civilisation", als welches man den Taufschein bezeichnet hat, hilft da, und das ist das Moralischste an der ganzen Sache. Genehmigen Sie u. s. w. Die Sonntagsruhe. Der Statthalter von Niederösterreich hat die allgemeine Sonntagsruhe für die Handelsgewerbe in Wien decretirt. Nicht nur dem Zwang gehorchend, sondern auch dem eigenen Triebe folgend, fand sich dieser oberste Verwaltungsbeamte der Reichshaupt- und Residenzstadt bemüssigt, diese Ordonnanz zu erlassen. Es ist ja bekannt, daß Graf Kielmansegg — wie der Thon in des Töpfers Hand — Eindrücken von den divergirendsten Seiten folgt. Er kokettirt zeitweilig mit den Cbristlich-Socialen und zu Zeiten auch mit den Socialdemokcaten. kriuelpiis obsta ist durchaus nicht seine Sache. Diesmal neigte sich die Schale auf Seite der Socialdemokraten. Was war der Letzteren Begehr? Der freie Sonntag für die Handlungsgehilfen. Logisch batte die statthalterliche Ordonnanz lauten sollen, für die Angestellten der Handelsgewerbe sei der Sonntag, der ihnen schon bis sitzt in den Sommermonaten freigegeben war, das ganze Jahr hindurch als Ferialtag bewilligt. Man hat aber das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. In Wien sind die Handelsgewerbe derart situirt. daß, gering angenommen, 90 Procent ohne Mithilfe von Personal, betrieben wird. Die Besitzer dieser überwiegenden Mehrheit der Kleinsten unter den Kleinen der Geschäftsleute Wiens erscheint durch die Maßregel, die man bester als Maßregelung bezeichnen könnte, aufs Empfindlichste betroffen, insbesondere die kleinen Krämer, Tandler, Pfaidler u. s. w. in den Bezirken und früheren Vororten. Deren Kundenkreis recrutirt sich nahezu ausschließlich aus der arbeitenden Bevölkerung, die nur Sonntag Muße und Zeit und was die Hauptsache ist, auch Geld besitzt, das sie vom Wochenlohne erhalten, Einkäufe in Textilwaaren und Bedarfsgegenständen für den Haushalt zu machen. Es sei auch nur nebenbei erwähnt, daß sich unter den von der Maßregel des Statthalters betroffenen Geschäftsleuten ein gut Theil Juden befindet, ein Umstand, der die antisemitisch schillernden Socialdemokraten gewiß nicht abgehalten hat, auch diese zu treffen. Unter diesen jüdischen Krämern. Tandlern und Pfaidlern ist wieder ein erhebliches Percent, das aus confeffionellen Rücksichten auch am Samstag die Geschäfte geschloffen hält, demnach doppelt cmpfildlich geschädigt erscheint. Es darf der Sachlage nach aber angenommen werden, daß die Socialdemokraten ihres Sieges nicht froh werden und sich desselben nicht lange erfreuen dürften. Die in ibren vitalsten Interessen getroffenen Kleingewerbetreibenden — Christen und Inden — werden ihrem Aerger in einem Nothschrei Luft machen, der dem Grafen Kielmansegg vernehmlicher in die Ohren gellen wird, als ihm lieb sein dürste. Es ist der Fluch aller Tendenzgesetzr und Verordnungen — und als ein solches erweist sich die Einführung der Zwangssonntagsruhe, daß Freund und Feind gleichsam von ihnen tangirt erscheinen. Man hat nur die Handelsgehilfen gehört, die eigentlich und direct getroffenen Kleingewerbetreibenden aber nicht gefragt. Nun dürsten sich auch die Letzteren in ungestümer Weise Gehör verschaffen, und will man nicht Tausende und Abertausende Existenzen der Vernichtung preisgeben, wird man nicht umhin können, auf den status quo ante zurückzugreifen, etwa mit der Modification, daß die Gehilfen von der Sonntagsarbeit befreit find, wogegen schließlich nichts einzuwenden sein würde. Natur thut allzeit mehr als Demonstration. Die Socialdemokraten haben diesmal den Bogen allzu straff gespannt. Sie scheinen nicht erwogen zu haben, daß auch Industrie und Handel von der ganzjährigen Sonntagsruhe im Handelsgewerbe direct geschädigt sind, weil ja der Waarenabsatz im Allgemeinen darunter nothgedrungen leiden muß. Industrie und Handel find aber derart mächtige Factoren im Verkehrsleben, daß deren Stimme nicht überhört werden kann. Schließlich wird sich aber auch der Steuerfiscus melden, wenn die Steuerrückstände sich für die Staatsfinanzen fühlbar geltend machen werden. Es ist aber auch gar nicht zu bezweifeln, daß der Vorgang des Statthalters von Niederösterreich Schule machen wird. Die Handlungsgehilfen der Landes-Haupt- und der größeren Provinzstädte werden gleiche Forderungen stellen. Eine General-Sonntagsruhe würde aber zweifelsohne zu einer Katastrophe, zu einer Krise in den Handelsgewerben führen, die sich auch auf Industrie und Handel erstrecken müßte, denn die Handelsgewerbe sind die besten Abfatzquellen für die Jndustrieproducte. Die Natur sorgt erfreulicherweise dafür, daß die Bäume nicht bis in den Himmel wachsen, und auch dafür dürfte es ein Mittel geben, daß die Socialdemokraten nicht das ganze Land dominiren. lieber die schädliche Wirkung der Sonntagsruhe auf das Hausiergewerbe ein nächstes Mal. Ed. Beer. Wien. (Für die armen Brustleidenden!) Die Regierung beginnt der Tuberculosenfrage größere Aufmerksamkeit zuzuwenden und sucht die Verbreitung der Volksseuchemit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln einzudämmen. Doch was nützen die Bemühungen der Behörden, wenn die breiten Schichten der Bevölkerung dieser Bewegung fern stehen! Wie wenig insbesondere unsere Glaubensgenossen an derselben theilnehmen, erhellt aus den Berichten des ersten und einzigen Vereines .zur unentgeltlichen Verpflegung armer jüdischer Brustleidender auf dem Lande, derzeit in RoLnau in Mähren". Dieser Verein, der schon nahezu 3000Lungenkranken theils zur Genesung, theils zur Besserung ihres Zustandes verholfen hat. zählt nach zweiunddreißigjährigem Bestände nicht mehr als 550 Mitglieder. Es läge doch im wohlverstandenen. eigenen Interesse, durch kleine materielle Opfer sein Scherflein beizntragen zur Bekämpfung des ärgsten Feindes der Menschheit, zur Ausrottung der Lungentuberculose; ein Jeder müßte nach Maßgabe seiner Mittel beisteuern, damit nicht alljährlich Hunderte von Patienten abgewiesen und damit dem unerbittlichen Tode preisgegeben werden müssen. Der Vorstand der israelitischen Cnltusgemeinde in Wien hat den Namen diefts Vereines auf die Spendentafeln seiner Bethäuser gesetzt, damit die frommen Wohlthäter Gelegenheit finden, das segensreiche Wirken des Vereines nach Kräften zu unterstützen. Es nahen die hohen Feiertage! Mögen an diesen Festtagen, wo die Herzen empfänglicher sind für das Elend der Armen, die Spenden für den Brustkranken-Berein reichlicher fließen denn je! Bericht über die Thätigkeit des Curatoriums der Baron Hirsch-Stiftung im Schuljahre 1901—1902. Infolge des Anwachsens der Ausgaben durch die regulativmäßigen Avancements, Gehaltserhöhungen und Quinquennalzulagen. Steigerung der Miethzinsen und anderer Umstände, und nachdem die Gemeinden mit Ausnahme von Horodenka eine Beitragsleistung ablehnten, erübrigte für das Berichtsjahr nichts anderes, als die Stiftungsthätigkeil hinsichtlich der Volksschulen zu restringiren, woran auch in den nächsten Jahren wird festgehalten werden müssen. Das Curatorium glaubte dies in dcr mildesten Form dadurch zu bewerkstelligen, daß es an Stelle von Lehrern, die zum Theile freiwillig den Stiftungsdienst verließen, um Religionslehrerstellen im Lande anzunehmen, oder mit Tod abgingen, oder an Stelle der Lehrerinnen, die infolge Verehelichung austraten, keine neuen Lehrkräfte mehr aufnahm. Daher kam es auch, daß die Anzahl der Lehrer gegenüber der des Vorjahres von 248 auf 230 fiel. Die nothwendige Folge war, daß in einzelnen Orten Parallelclassen zusammengezogen und schwachfrequentirte Schulen in minderclassige Schulen umgewandelt werden mußten. Diese Maßregeln sind nicht nur im Interesse der Schulen, sondern auch jener absolvirten Lehramtscandidaten zu bedauern, die zum Theil mit Hilfe der von der Stiftung bewilligten Stipendien ihre Studien absolvirten und zunächst weder beim Lande noch bei der Stiftung Stellung finden werden. Die Kosten, welche die Erhaltung der Schulen verursachte, betrugen X 433.858'30 gegenüber X 439.469-54 des Vorjahres

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