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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-31 · 31 (31.7.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
31 (31.7.1903)
Date
1903-07-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Seite 495 über die in Rede stehende Persönlichkeit erfahren konnte, mußte sein Bericht mangelhaft und unrichtig ausfallen. Herr Doctor L. Venetianer wird nun gütigst entschuldigen, wenn ich seinen Bericht auf Grund von beglaubigten Urkunden richtigsten?. Moses Bruck wurde am 2. August 1803 in Mähr.-Weißkirchen geboren, wo er auch die Schule besuchte und später ein Lieblingsschüler des Gemeinderabbiners Abraham Trischet wurde; der Talmndgelehrte Rabbiner Trischet konnte nicht genug den Scharfsinn des jungen Moses Bruck bewundern. Als Jüngling von ca. 23 Jahren wanderte Moses Bruck nach Deutschland aus, um dort auch profanes Wissen sich anzueignen; er hielt sich in Breslau, Berlin, Hamburg und Frankfurt a. M. auf; in letzterer Stadt war er am längsten. Ob er in Deutschland öffentliche oder private Schulen besucht oder nur privatim studirte, konnte ich nicht ermitteln. In Urkunden wird er als „Rabbinatscandidat* bezeichnet, so muß er auch gewiß dementsprechende Zeugnisse sich erworben haben. In Frankfurt am Main hielt er im Andachtssaale der israelitischen Bürger- und Realschule zuweilen Predigten. Vor mir liegt ein „Auszug- Protokoll des Schulrathes" der genannten Schule in Frankfurt am Main aus dem Jahre 1837, in welchem dem „Rabbinats- Candidaten M. L. Bruck aus Weißkirchen in Mähren" gestattet wird, die mit Approbation des Oberlehrers Dr. Heß versehene vorgelegte Predigt Samstag den 10. Juni, als dem Tage des zweiten Wochenfestes, im Andachtssaale zu halten. Auch in Mannheim hielt Bruck Predigten, wie aus einem Zeitungsberichte zu ersehen war. Aus unbekannter Ursache konnte Bruck in Deutschland keine Anstellung als Prediger finden, weshalb er eine hebräische Buchhandlung in Frankfurt a. M. gründete, beziehungsweise eine Anstellung in einer solchen Buchhandlung annahm. Dies ist aus einem Zeugnitz Josef Johlson's in Frankfurt a. M. zu entnehmen. In Frankfurt a. M. hatte Bruck ein hübsches Auskommen, denn er hatte in Deutschland und besonders in Frankfurt a. M>. Gönner und Beschützer; allein die Sehnsucht nach der Heimat trieb ihn dahin zurück, und so kam er ungefähr im Jahre 1842 nach Mähr.-Weißkirchen, wo er sofort eine Schule gründete, die auch großen Zuspruch erhielt. Im Jahre 1843 verheiratete er sich mit Marie Vogel, einem durchaus gebildeten Mädchen, ebenfalls aus Mähr.-Weißkirchen; 1844 wurde ihm ein Sohn geboren, der bald starb; 1846 bekam er einen zweiten Sohn, welcher den Namen Ignatz erhielt. Die ersten Jahre wirkte er als Lehrer ruhig und unangefochten, allein sein höherer Bildungsgrad, sowie seine gewaltige Beredsamkeit mochten den Neid der anderen Lehrer hervorgerufen haben — vielleicht war es auch ehrlich gemeint — genug, ein wahres Kesseltreiben begann gegen Moses Bruck. Rabbiner war hier damals Rabbi Jsaias Reiniger, ein bedeutender Talmudist und sehr witziger Kopf, weshalb er den Beinamen „Charif" erhielt. Wiewohl er ein Mann von streng conservativer Richtung war, fiel es ihm bei seiner Friedfertigkeit und seinem ehrlichen Wesen nicht ein, gegen Bruck's freie Anschauungen, insbesondere gegen Bruck selber, aufzutreten, vielmehr wurde Bruck vom Rabbiner vielfach gefördert; allein über das Kesseltreiben der wahren und falschen Eiferer konnte der Rabbiner nicht stillschweigend hinweggehen und er wurde gezwungen, Partei zu nehmen; als conservativer Rabbiner mußte er sich gegen Bruck erklären, und damit war das weitere Verbleiben Bruck's in hiesiger Gemeinde unmöglich. Ec entschloß sich, ausznwandern, zuvor mußte er noch ansehen, wie seine Schriften verbrannt wurden. Sanft wie er war, sprach er: War ich so lange fort von Euch, werde ich wieder in die Fremde ziehen. Nur ein Herr, Namens Josef Singer (Vater des Herausgebers der in New-Iork erscheinenden Eucyklopädie des Judenthums) verbarg sein Exemplar einer Schrift Bruck's. Dieser seither verstorbene Josef Singer fügte in seiner Erzählung über das stattgehabte Autodafe hinzu: „Ich gab mein Exemplar nicht heraus; ich war schon „neumodisch". Dieses Exemplar des „neumodischen" Gemeindemitgliedes vor 1848 hat sich auch erhalten. Der vollständige Titel dieses Buches lautet: „Pharisäische Volkssitten und Ritualien in ihrer Entstehung und geschichtlichen Entwicklung, dargestellt von M. Bruck, Frankfurt a. M„ Joh. Chr. Hermann'sche Buchhandlung F. E. Suchsland 1840. Ohne Groll schied Bruck von seiner Vaterstadt, und zwar im Jahre 1847 und wandte sich nach Pest, woselbst er eine Lehrerstelle annahm; dorthin nahm er auch seine Frau und das Söhnchen mit; auch eine damals 13 Jahre alte Schwester seiner Frau folgte ihm nach Ungarn; diese Schwester seiner Frau lebt gegenwärtig als Witwe hier in Mähr.-Weißkirchen. In Pest blieb M. Bruck nur ein halbes Jahr, denn seine Gönner verschafften ihm bald eine Predigerstelle in Nagy-Becskerek. In Becskerek gebar ihm die Frau ein drittes Söhnchen, dem der Name Leopold beigelegt wurde. Und als infolge der Wirren des Jahres 1848 die Gemeinde in Becskerek sich aufgelöst hatte, schloß er sich der Unabhängigkeitspartei an und wurde als Verpflegshauptmann in Szegedin stationirt. In dienstlichem Auftrag ging er gelegentlich nach H6dmezö-Bäsärhely und wurde von der herrschenden Cholera überfallen, welcher Krankheit er auch erlag. Seine Frau, die bald nach dem Tode des Gatten eines Mädchens genas, das jedoch nicht lebensfähig war, kehrte mit den zwei Knaben nach Mähr.-Weißkirchen zurück. Sie bezog von der ungarischen Regierung anfänglich eine Pension, später erhielt sie jedoch eine einmalige Abfertigung. Die Frau überlebte den Tod ihres Mannes nicht lange; 1851 starb sie und wurde auf dem hiesigen Friedhof beerdigt. Der beiden zurückgebliebenen Knaben nahm sich die vorhingenannte Schwester der Frau Bruck an, die sich inzwischen verheiratet hatte und nun mit Hilfe ihres Mannes die verwaisten Knaben sorgfältig erzog. Gegenwärtig leben sie als Fabrikanten in Deutschland. Die ungarische Behörde hat seinerzeit unsere Gemeinde vom Ableben M. Bruck's in Kenntniß gesetzt und seine Papiere anhergesandt; leider find viele Papiere beim Umbau des Gemeindehauses in Verlust gerathen; ein Faszikel Zeuqniffe hervorragender Männer über Bruck entgingen nur durch Zufall der Vernichtung. Diese Zeugnisse sind von nachbenannten Gelehrten: I. A. Francolm in Breslau; L. Zunz, Berlin; E. Kley und G. Salomon, Hamburg; Josef Johlson u. A. m. in Frankfurt a. M. Die Zmgnisse sind in den Dreißiger- oder Anfang der Vierziger-Jahre des abqelaufenen Jahrhunderts ausgestellt, und der Tenor ist, daß Bruck's Bestrebungen der Förderung werth seien. Diese Papiere sandte ich seinerzeit an meinen edlen Gönner von meiner Studienzeit her, Herrn Director Dr. H. Baerwald in Frankfurt a. M. Herr Director Baerwald schrieb mir darauf, er werde dafür Sorge tragen, daß die betreffenden Schriften an geeigneter, wissenschaftlichen Männern zugänglichen Stelle geborgen werden; auch meinte Herr Doctor Baerwald, ich möchte die Biographie Bruck's veröffentlichen. Um die Person des M. Bruck hat sich ein Legendenkreis gebildet, geeignet, seine Gestalt zu verunstalten. Mit schwerer Mühe gelang es mir, den richtigen Sachverhalt zu ermitteln. Aus diesem Grunde schilderte ich auch etwas umständlicher, als es nothwendig erscheinen mag: um nämlich den Lcgendenkreis durch Angaben von Einzelheiten zu zerstören. Die Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift" wird einen Act von Pietät begehen, wenn sie diesen Bericht nach Thunlichkeit ungekürzt zum Abdrucke bringen würde — denn Moses Bruck gehört zu den Lichtgestalten unseres Judenthums, sein Bild sei vor Verunstaltung gewahrt und sein Andenken sei gesegnet! Mähr.-Weißkirchen, im Juni 1903. Dr. Jacob Rabbinowicz. Korrespondenzen. Wo bleibt der „Oesterr.-Jsraelit. Bund"? Als der „Bund* in's Leben gerufen ward, durste man hoffen, daß er sich zu einem thatkrästigen Centralvrgan für die österreichische Judenschaft entwickle. Es war Jedermann klar, daß die Cultusgemeinden einzelweise der großen Gesammtaufgabe nicht gerecht werden konnten und daß an die Einführung einer Consistorialverfafsung, als eines staatlichen Factors, nicht zu denken sei. Damals erschien die Begründung des „Bundes" als eine rettende That, die einen Sammel- und Centralpunkt für die Besten aller Gemeinden schaffen würde, dazu berufen, dem Feinde zu wehren, nicht allein dem äußeren, sondern auch dem weit gefährlicheren im Innern. Niemals war dies so nöthig, wie eben jetzt, da nichts Geringeres auf dem Spiele steht, als der Fortbestand des Judenthums. Nun besteht der „Bund" seit vier Jahren, allein von seiner Wirksamkeit sieht und hört man nichts. Seinem eigenen Berichte (1902) zufolge scheint er sich auf die sogenannte Rechtshilse zu beschränken, ein löbliches Beginnen, in dem er sich mit

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