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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-31 · 31 (31.7.1903) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
31 (31.7.1903)
Date
1903-07-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 494 Dr. Mocb's Mocbenscbrttt Nr. 31 Herrn K. in M. Ich bitte freundlichst zu entschuldigen, daß ich keine Blutwurst mitgeschickt habe. Ich mache solche seit Febiuar des Jahres nicht mehr, und zwar auf Grund von 1 Mose 9.4. und Apstlg. 15, 20. 29. Vergaß selbiges auf der Postpacketadresse zu bemerken. Halte mich bestens empfohlen für die Zukunft. Mit frdl. Gruß X. Y. Die angeführten Bibelstellen lauten: „Alles, was sich reget und lebet, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe, ich es euch alles gegeben. Allein esset das Fleisch nicht, das noch lebet in seinem Blut." (1. Mose 9, 3, 4.) „Gott sind alle seine Werke bewußt von der Wett her. Darum beschließe ich, daß man denen, so aus den Heiden zu Gott sich bekehren, nicht Unrecht mache, sondern schreibe ihnen, daß sie sich enthalten von Unsauberkeit der Abgötter, und vom Erstickten und vom Blut." (Apostelgesch. 15, 18, 19, 20). „Denn es gefällt dem heiligen Geist und uns, euch keine Beschwerung mehr aufzulegen, denn nur diese nöthigen Stücke, daß ihr euch enthaltet vom Götzenopfer, und vom Blut, und vom Erstickten; von welchen, so ihr euch enthaltet, thut ihr recht. (Apostelgesch. 15. 28, 29.) Die Ledereinfuhr über Damaskus im Jahre 1902. In den letzten Jahren hat die syrische Lederfabrikation einen bedeutenden Aufschwung genommen; sie ist auf dem besten Wege, das Geschäft in einigen, bisher vom Auslande gelieferten Hauptsorten ganz an sich zu ziehen. So wurden im Jahre 1902 reichlich 1000 Ballen zu je 60 Kilogramm Sohlleder aus den Gerbereien von Zahle im Libanon und El Maschghara in der Bekaa verarbeitet, während nur 200 bis 250 Ballen zu je 60 Kilogramm mit 10. 7 und 5 Halbhäuten pro Ballen französischer und italienischer Herkunft waren. Ebenso wurden 100 Dutzend Wichsleder aus denselben inländischen Gerbereien bezogen, während nur 25 Dutzend zu je 12 bis 15 Kilogramm aus Frankreich (7/s) und Oesterreich ('/«) gekauft wurden. Farbiges Kalbleder — etwa 100 Dutzend — und ganz geringe Mengen farbiges Ziegenleder kamen aus Deutschland; in den Import von schwarzem und farbigem glacirten Kalbleder, der sich auf ungefähr 125 Dutzend, und 25 Dutzend beziffette, theilten sich Deutschland, Frankreich und Nordamerika; etwa 300 Dutzend lackirte Kalbleder lieferte Deutschland, das auch den ungefähr 100 Häute betragenden Bedarf an Kuhleder für Wagenverdecke und Schuhwerk deckte. Von Schafleder wurden 50 Dutzend weiße und 10 Dutzend farbige eingeführt, wovon 3(i auf Oesterreich-Ungarn und lU auf Deutschland entfielen. Wohlfeile Damen- und Kinderschuhe aus glacirtem Kalochromleder Schweizer und Wiener Herkunft finden zunehmenden Anklang und es soll die vorjährige Einfuhr bereits 30.000 Mark erreicht haben. (Nach einem Bericht des Deutschen Consulats in Damaskus.) Die vorsemitische Rare in Chaldäa und Susiana. In der Pariser Anthropologischen Gesellschaft hielt Dr. H. Bloch einen Vorttag über die Race, welche in Chaldäa und Susiana den Semiten voranging. Nach einigen Assyriologen sind nicht die Semiten die Erfinder der Keilschrift, sondern Akkadier oder Sumerier, die schon vor dem Erscheinen der Babylonier in Chaldäa wohnten und eine nichtsemttische Sprache redeten. Bertin ist aber der Meinung, daß die Semiten die Erfinder der Keilschrift sind, daß sie aber von den Akkadiern unterworfen wurden, die ihre Schrift adoptirten. Welcher Race haben diese nun angehört? Oppert und Hommel halten sie für eine turanisch-mongolische Race. Bloch ist dagegen zur Ueberzeugung gekommen, daß sie eine „schwarze Race" waren. In den Keilinschriften wird von „schwarzen Köpfen" gesprochen, außerdem berichten Babylonier, Griechen und Juden, daß in Chaldäa eine Race von dunkler Farbe existirte. Jedoch war diese Negrito-Race nicht mit den Sumeriern identisch. Sie dehnten sich bis nach dem Osten von Susiana und im südlichen Theile von Persien aus, vom persischen Golf bis zum Indus. Noch heute bewohnt sie Südarabien. (LuÜetius et memoires de la soci6t6 d’Anthropologie de Paris, 1902.) Aus der „Pol. anthrop. Revue". In der Berliner Anthropologischen Gesellschaft sprach Hauptmann Merker von der Deutsch-Ostafrikanischen Schutztruppe über die religiösen Vorstellungen der Massai. Der Referent hat sich seit acht Jahren auf der Station Moschi am Kilimandscharo aufgehalten und dort die Ethnologie der Massai studirt. Die Massai sind Semiten. Nach drei Richtungen sind die Semiten aus ihrer arabischen Heimat ausgewandert, nach Afrika bis zum Aeguator hin, nach Asten und Egypten. Die Massai müssen wir uns etwa 7000 Jahre vor unserer Zeitrechnung nach Afrika eingewandert vorstellen. Ihre Religion ist ganz im Gegensätze zu den Negritosemiten und den Semito-Negritiern ein reiner Monotheismus des unfehlbaren Gottes, dessen auserwähltes Volk sie sind. Nach ihrer Tradition, die der Referent von älteren Stammesangehörigen vernommen hat, besteht anscheinend eine viel nähere Verwandtschaft zwischen der israelitischen Tradition der Bibel von der Schöpfungsgeschichte bis zur Sinaigesetzgebung und der Tradttion der Massai, als es zwischen der babylonischen Tradition und der Bibel der Fall ist. Manche Uebereinstimmung zwischen Massai- Tradition und israelitischer Sitte und Legende ist so frappi end, daß man hier einen gänzlich neuen Einblick in die Urgeschichte und in die Wanderungen der Racen gewinnen würde. ch * Dem „Bericht über die Ethische Bewegung vom 15. März 1903, herausgegeben von Dr. Fr. W. Förster, Secretär des Ethischen Bundes (Leipzig 1903), entnehmen wir folgende Mittheilung: In einer großen zionistischen Versammlung in Whitechapel- London hielt Dr. Coit, ein bekannter englischer Ethiker. einen Vortrag über die „Mission des Judaismus", dessen Gedankengang daselbst kurz wiedergegeben ist: „Dr. Coit sagt, er sei von allen Juden, die er kenne, der orthodoxeste (eine Bemerkung, die viel Heiterkeit erregte). Viele Juden hätten heute ihreu Glauben verlassen, seien weltlich und materialistisch geworden und drängten danach, de-judaisiert zu werden, als ob sie sich ihrer Tradition zu schämen hätten. Er weiche von Felix Adler ab, der es für nöthig gehalten habe, eine ethische Bewegung unabhängig vom Judenthume zu begründen. Nach Adler seien Moral und Gerechtigkeit universell und human und sollten unabhängig von den Nacenunterschieden gepflegt werden. Nach dem grün blichen Studium der jüdischen Tradition aber sei es ihm, dem Redner klar geworden, daß Adler einen Fehler begangen habe, und daß er die ethische Bewegung auk dem historischen Boden des Judaismus hätte beginnen lassen sollen. Viele Leute hätten neuerdings gesagt, die Juden sollten ihre Racenidee aufgeben und sich mit der anderen Race vermischen. Das sei gerade so, als ob man sage, die Engländer sollten, weil sie den übrigen Nationen mißliebig seien, sich nicht mehr Engländer nennen. Ein anderer Vorschlag sei der zionistische Gedanke eines neuen Judenstaates. Aber er glaube nicht daran, daß die Juden eine Nation werden könnten, wenn sie nicht zuvor in ihrer eigenen Mitte eine Bewegung zur Ausbreitung des Idealismus — ein ethische Bewegung begründeten. Die ganze Welt verlange nach einer solchen Bewegung — aber gerade die Juden könnten sie geben. Das Alte Testament sei besser den Bedürfnissen des modernen Lebens gewachsen als das Neue Testament, denn es gehe mehr auf die socialen und politischen Tugenden, während das Christenthum individualistisch sei. Eine jüdisch-ethische Bewegung würde die Juden im Westen zum geistigen Lebenskern der Nationen machen, in denen sie lebten. Wir brauchen eine diesseitige Religion, und diese kann nur unter den Juden entstehen. Die Juden seien bisher nie Propagandisten gewesen. Sie müßten es jetzt werden; sie allein verständen am klarsten, daß Gerechtigkeit die Basis alles socialen Lebens sei. Mögen sie die Träume ihrer Propheten erfüllen." Moses Druck. Ein Gedenkblalt zum 100. Geburtstage. In „Itte Jewish Encyclopedia“, New-York and London, Funk and Vagnall’s Company 1902, vol. III, pag. 401, widmet Herr Dr. L. Venetianer. Rabbiner in Neupest, dem Gelehrten M. Bruck einen Artikel von 19 Zeilen. Hier der Bericht in sinngemäßer Uebersetzung: Bruck Moses, ungarischer Theologieschriftsteller, geboren um das Jahr 1812 in Prerau, Mähren, gestorben 1849. Ec studirte zu Prag und ging, als er eine Stellung als Seelsorger in Mähren nicht finden konnte, nach Ungarn. Bei Ausbruch der Revolution im Jahre 1848 schloß er sich zu Nagy- Becskerek der ungarischen Unabhängigkeitspartei an und wurde Honved-Officier. Er starb zu Hüdmezö-Väsarhely und wurde auf dem jüdischen Friedhofe dortselbst mit allen militärischen Ehrenbezeugungen beerdigt. — Bruck war einer der enthusiastischesten Förderer der Reformbewegung und der modernen jüdisch-theologischen Literatur. Er schrieb über „die Reformen des Judenihums"; von weiter Verbreitung jedoch und großem Werth für die Forscher jüdischer Gebräuche und Sitten sind seine „Rabbinischen Ceremonialgebräuche" und „Pharisäische Volkssitten und Ritualien", die von Geiger („Wissenschaftliche Zeitschrift") und Fürst („Allgemeine Zeitung des Judenthums") günstig besprochen wurden. So weit der Bericht in der Encyklopädie. Das Urtheil über das Streben und die Schriften des M. Bruck ist zutreffend; allein die Daten sind fast alle unrichtig. Hiebei trifft mich vielleicht eher ein Vorwurf als den Einsender des Berichtes an die Encyklopädie; denn als der greise Rector des Rabbiner-Seminars in Budapest, Herr Prof. Moses Bloch, im Sommer des Jahres 1898 mit Familie hier in Mähr..Weißkirchen weilte, erzählte er mir gesprächsweise, daß Herr Dr. Ludwig Venetianer über Moses Bruck's Leben und Wirken für die in New-Iork erscheinende Encyklopädie einen Artikel zu schreiben gedenke; wenn also hier etwas Näheres über Moses Bruck bekannt sei, möge ich es mittheilen. Aus Mangel an Zeit oder, offengestanden, aus Bequemlichkeit unterließ ich es zu thun, und da Dr. L. Venetianer nichts Genaues

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