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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-31 · 31 (31.7.1903) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
31 (31.7.1903)
Date
1903-07-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Mocb's MocbenscbrV. Sette 493 Nehmen wir aber selbst an. es sei Thatsache, daß alle russischen Revolutionäre Juden sind. Sind deshalb alle russischen Juden Revolutionäre? Ueberall wo Frösche sind, ist Wasser, aber nicht überall wo Wasser ist, sind Frösche. Millionen russische Unterthanen jüdischer Confession kümmern sich niemals um die sociale oder politische Bewegung. Mit welchem Rechte macht die Regierung diese Millionen Menschen verantwortlich für die von Anderen betriebene Agitation? Herr Plehwe sagt: Wenn es euch nicht gelingen sollte, die jüdische Jugend von der Theilnahme an der revolutionären Bewegung zurückzuhalten, werden wir eure Lage in Rußland so unerträglich machen, daß die Juden bis auf den letzten Mann Rußland werden verlassen müssen. Das ist die Ankündigung der vollständigen Ausrottungsaction, die abzuwenden den russischen Juden keinerlei Mittel zu Gebote steht, weil sie ja eine ganz unmögliche Bedingung erfüllen sollen. Sie können die jüdische Jugend bitten und beschwören, von jeder politischen Agitation sich fern zu halten, sie können versuchen, auf die Gemüther einzuwirken, die gegen die russische Schreckensherrschaft mit gerechtem Abscheu erfüllt sind, aber das Gelingen dieser Action hängt doch um Gotteswillen nicht von ihnen ab! Die russische Regierung legt da auch ihren friedlichsten und getreuesten Unterthanen eine moralische Contribution auf, die sie beim besten Wollen nicht zu leisten vermögen. Die Gräuelthaten in Kischenew sind ein Schandmal russischer Barbarei, aber sie sind eine vereinzelte Katastrophe, ein Unglück, das verschmerzt und vergessen werden kann. Die Grundsätze, die Herr Plehwe entwickelt hat und die durch die Erklärung des Senators Gärard, wonach die Gleichberechtigung * der Juden der subjectiven Stimmung einer Persönlichkeit widersprechen würde, »gegen welche zu kämpfen gauz aussichtslos wäre", eine traurige Ergänzung erfahren, sind furchtbarer als alle Krawalle und Plünderungen. Was die russische Regierung mit den Juden plant, ist grausamer und verabscheuungswürdiger als - die Ausschreitungen eines betrunkenen und beutegierigen Pöbels. Es ist der grausame, planmäßige und mit teuflischer Kaltblütigkeit angekündigte wirlhschastliche Massnimord. Isegrim. Eine Amerikanerin über die Greuel in Kischenew. Mrs. Richard Henry Savage, die Gattin des amerikanischen Schriftstellers Obersten Savage, der unter Anderem den bekannten, in Rußland spielenden Roman „Die officielle Frau" geschrieben hat, begab sich von New-Uork zum Besuche ihrer Tochter nach Kischenew. Ihr Schwiegersohn, ein früherer Kammerherr des Kaisers von Rußland, ist dort Adelsmarschall. Ueber die Eindrücke und über die Auffassung, die in den Adelskreisen Bessarabieus über die Judenkrawalle in Kischenew herrschen, schrieb die Dame an den Schriftsteller Doctor John Lehmann einen Brief, dem wir Folgendes entnehmen: „Meine Tochter hat alle Juden, die sich zu ihr aufs Schloß flüchteten, in ihrem Weinkeller versteckt. Es waren über vierzig an der Zahl. Die Dienerschaft aber, etwa 20 Personen, gerieth in große Angst und bat, man möchte die Juden doch Hinausweisen, da sie fürchtete, daß der außer Rand und Band gerathene Pöbel sich gegen das Schloß wenden und es niederbrennen würde. Daß mein Schwiegersohn seit vielen Jahren 1s marselial äs 1a noblesse war und dem Vater des jetzigen Kaisers von Rußland lange Zeit als Kammerherr diente, hätte ihm hiebei wenig genützt. Mein Schwiegersohn sieht in den Vorgängen, die sich in Klschenew abwickelten, eine Art Hochverrath. Es ist hier Niemandem zweifelhaft, daß der ganze Krawall von Petersburg aus picht allein erlaubt, sondern angeordnet worden ist. Er entsprang auch nicht der Stadt, trotz der wüthenden Verhetzungen, die mit Erlaubniß der Regierung hier stetig betrieben wurden, sondern er war sozusagen importirt. Aber das ist sicher, daß der Kaiser nichts damit zu thun hat. Dem hiesigen Gouverneur waren, wie man allgemein sagt, durch Befehl die Hände gebunden. Von wem aber dieser Befehl ausging, darüber will hier Niemand etwas wissen, und ich kann es nicht herausfinden. Jeder in den besten Kreisen hier hat den Eindruck, daß man diese Judenhetze planmäßig veranstaltet hat, und zwar aus politischen Ursachen. Sicher und zweifellos ist es, daß diese. Greuel sehr leicht hätten verhindert werden können, wenn die Befehlshaber des Platzes nur die geringste Energie hätten anwenden wollen, oder sagen wir besser: dürfen. Ein einziger Officier hielt mit vorgehaltener Pistole 30—40 Bestien zurück; drei von seinen Soldaten deckten auf der anderen Seite der Straße seinen Rücken. Das zeigt, was gethan werden konnte, wenn man gewollt hätte. Die rnssische Regierung meint, durch die Veranstaltung solcher Judenhetzen dem Volke ein Opfer zu geben und es vom Nihilismus und Socialismus abzuhalten. Aber gerade das Gegentheil ist der Fall. Wenn das Volk erst anfängt, die reichen Juden zu berauben und geraubtes Geld und Blut schmeckt, so sind auch die wohlhabenden Adeligen ihres Lebens nicht mehr sicher. Dies ist eine Meinung, der man hier vielfach begegnet. Ich sagte, daß, wenn ich die Macht gehabt hätte, zu befehlen, dann hätte ich einfach die ganze Feuerwehr anfahren und die Wasserschläuche auf die Angreifer richten lassen. „Ja," antwortete mir ein General, „das wäre vielleicht sehr gut gewesen; nur haben wir hier nicht viel Wasser und auch nicht viel Feuerwehr." Ich sagte aber den Herrschaften, daß es für mich feststeht, daß kein einziger Mann m Klschenew war, sondern nur Schlafmützen oder schlechte Menschen, sonst hätte man in jedem Falle diese Greuel verhindern müssen, die. wie Sie sagen, ein Schandfleck für das ganze Jahrhundert sind. Man glaubt und hofft hier, daß der neue Gouverneur, Prinz Urussow, ein tüchtiger und energischer Mann ist. Nun zur Petition Roosevelt's. Diese Petition wird hier absolut keinen Effect haben. Sie wird, so viel ich weiß, den Kaiser gar nicht erreichen, und ich glaube überhaupt nicht, daß der Kaiser etwas davon erfährt. Die Antwort lautet, daß man sich nicht in die Angelegenheiten eines fremden Staates mischen darf, und auch wir Amerikaner würden uns eine Einmischung verbieten. Ich habe meinen tiefen Abscheu vor den Bestialitäten in Kischenew ausgesprochen, aber ich muß auch sagen, daß ich diese Einmischung Amerikas für nicht richtig finde. Man muß eben auf dem Standpunkte stehen, daß jedes Volk innerhalb seiner Grenzen seine eigenen Greuel begehen darf. Wenn doch die Regierung in Petersburg, die in mißverstandener Politik so viel Menschen geopfert hat, daran denken möchte, daß man nicht mit dem Feuer spielen darf." Der Haschisch im Alten Testament. Der Haschisch ist das verrufenste Gift des Orients, zumal sein Gebrauch wahrscheinlich weit ins graue Alterthum zurückreicht. Es läßt sich auch leicht denken, daß mit der Verwendung und dem Anbau des Hanfs auch die eigenthümliche Wirkung des harzähnlichen Taues bekannt wurde, der sich auf den Blüthenständen dieser Pflanze beim Wachsthum auf gewissen Bodenarten und in bestimmten Climaten bildet. Die Benützung dieses Hanfharzes als eines Betäubungsmittels ist durch arabische Schriftsteller bis hinauf zum 6. und 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung verbürgt, aber es ist so gut wie fraglos, daß schon sehr viel früher dieser seit den Araberzeiten Haschisch genannte Giftstoff in seiner angenehmen, aber verderblichen Wirkung im Orient weit und breit geschätzt und gefürchtet war. Von besonderem Interesse sind die Studien, die der englische Gelehrte Ereigthon im „Janus" über Hinweise auf das Haschischlaster im Alten Testament veröffentlicht hat. Es wird dort etwa ein halbes Dutzend von Fällen angeführt, die nach der Meinung des Forschers nur auf das Haschisch gedeutet werden können. Da ist einmal der erste Vers im 5. Capitel des Hohelied Salomonis, wo Luther allerdings übersetzt: „Ich habe meine Myrrhen sammt meinen Würzen abgebrochen, ich habe meinen Seim sammt meinen! Honig gegessen" u. s. w. Creighton ist aber der Meinung, daß an dieser Stelle das Wort „Seim" eine irrthümliche Uebersetzung darstellt und daß das ursprüngliche hebräische Wort vielmehr Haschisch bedeutet, das im Orient noch heute vorzugsweise mit Honig zusammen genossen wird. Weit klarer ist die Beweisführung mit Bezug auf die Erzählung von dem Verbrechen Jonathans im 14. Capitel des ersten Buches Salomonis (Vers 25 bis 45). Es ist auch dort von einem ..Honig im Felde" die Rede, den das Volk wegen eines strengen Verbots nicht genießen durste. Jonathan aber „reckte seinen Stab aus, den er in seiner Hand hatte, und tunkte mit der Spitze in den Honigseim, und wandte seine Hand zum Munde; da wurden seine Augen wacker". An dieser Stelle kann der Honig schwerlich etwas anderes sein, als der klebrige Tau der Hanfblüthe, also das Haschisch. Der Zusammenhang tritt mit voller Deutlichkeit erst in der Vermuthung hervor, daß der Vater Jonathans, der König Saul, selbst ein Haschischesser war. Es scheint, daß der König das Laster von den Amalekitern gelernt, seine Verbreitung unter dem Volk Israel aber strengstens unterdrückt hatte. Dadurch wird im weiteren Verlauf jener Erzählung auch der Umstand erklärt, daß Saul und Jonathan bei dem auf das Verbrechen des letzteren folgenden Gericht gemeinsam durch das Los getroffen wurden. Es ist auch schwerlich anzunehmen, daß der Ungehorsam Saul's, der wider das Verbot des Propheten die besiegten Amalekiter und ihre Herde geschaut hatte, der Anlaß zu seiner Verdammung geworden sein sollte. Der eigentliche Grund wird vielmehr in seiner Hingabe an den Haschisch zu suchen sein. Die Juden hatten sich — und darin bestand ein großer Theil ihrer Ueberlegenheit — von den Lastern ferngehalten, deren Folgen die umwohnenden Völker zu Grunde richteten. Daher mußte der Prophet Samuel die Einschleppung des Haschisch und seinen Gebrauch durch den König selbst aufs schärfste verfolgen, um das Volk vor diesem Gift zu retten. Der Siegeslauf, den Jonathan, nachdem er von jenem „Honig" genossen, gegen die Philister ausführte, war vermutlich eine Art von Amoklauf, wie er bei gewissen indischen und malayischen Völkern noch jetzt unter dem Einfluß berauschender Mittel und in einem eigentlichen Wahnsinnszustand vorkommt, wobei alles dem Läufer in den Weg Tretende vernichtet, beziehungsweise getödtet wird. Blutwurst und Bibel. Man schreibt der „Frankfurter Zeitung": Daß ein Fleischermeister aus religiösen Bedenken die Herstellung von Blutwurst einstellt und dies seinen Kunden unter Berufung auf einige Bibelstellen mittheilt, ist wohl kein alltägliches Vorkommniß. Vor mir liegt eine Postkarte, die von einem Fleischermeister in Mühlheim a. d. Ruhr an einen Kunden in der Nähe Dortmunds gerichtet ist und wortgetreu lautet:

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