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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-31 · 31 (31.7.1903) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
31 (31.7.1903)
Date
1903-07-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 492 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Nr. 31 Woher ist ihm diese Erfahrung? Er spricht aber nach, was Andere fälschlich behauptet haben, er möge nur objective Aerzte befragen. Die Juden sind nachWeiniugereine weibliche, alsokuppelnde Nation, sie sind echte Heiratsvermittler: „In keinem Volke" — jetzt ist es wieder ein Volk, oben war es eine Geistesrichtung — „wird so wenig aus Liebe geheiratet, ein Beweis für die absolute Seelenlosigkeit der absoluten Inden". Wie heiraten denn die Bauern aller deutschen Stämme in Tirol, wie in Westphaleu und Böhmen? Weiß Meininger nicht, daß das Zusammenlegen der Bauerngüter oft die Hauptsache ist, weiß er nicht, daß die bäuerlichen Heiratsvermittler meilenweit herumgehen, die passende „Partie" zu finden? Ach ja, er sieht den Splitter im eigenen Auge, den Balken im fremden Auge nicht. Ich will aber den Bauern nicht Unrecht thun. Herr Meininger kennt ihre wirthschaftlichen Freuden und Leiden, ihre Schmerzen und Gefühle ebensowenig aus eigener Erfahrung, wie er die des Juden kennt, er braucht es auch nicht, denn er ist ein „Philosoph". „Daß die Kuppelei eine organische Veranlagung der Juden ist, beweist ihr Unverständniß für die Askese", sagt Herr Meininger. Sind etwa die Protestanten asketisch? Die christliche Askese entstand übrigens bei den semitisch-jüdisch-syrischen Christen und ist nichts Anderes als die Geistesrichtung, welche an Stelle der Menschenopfer trat, und das Judenthum ist bewußt derselben entgegengetreten, sowie es das Naffiräerthum nicht geschätzt hat. aber nicht aus nationaler Veranlagung, sondern religiöser Ueberlegung, der die Neuzeit nur recht gibt. Herr Meininger gibr ja in allem Ernste die Erklärung ab, er wolle mit seinen Bemerkungen einer theoretischen oder praktischen Judenverfolgung nicht das Mort reden, es gebe so wenig einen absoluten Christen als einen absoluten Juden, und Lösungen, wie „Kauft nur bei Christen", seien — jüdisch, denn nur der Jude generalisirt! risum teneatis amici! Der gelehrte Herr Meininger hat auch erst auf Chamberlein gewartet, daß er ihm Nachweise, was wohl noch vor der Geburt des Herrn Chamberlain aus den Evangelien die ganze Welt gewußt hat, daß die Diaspora einen wesentlichen Theil des geistigen Lebens der Juden umfaßte, er wird vielleicht auch überrascht sein, zu erfahren, daß der Talmud größtentheils im Babylonischen Reiche verfaßt wurde. Die Juden müßten aber erst das Judenthum überwinden, bevor sie für den Zionismus reif wären. Jeder einzelne Jude müßte das Judenthum in sich überwinden; dem Zionismus werde diese Aufgabe nie gelingen, die Juden müßten Christen werden, nur dann hätte der einzelne Jude das Recht, vom Arier als Einzelner genommen zu werden und nicht nach seiner Racenangehörigkeit, d. b. dann vergibt man ihm Alles. Das ist also des Pudels Kern. Er muß nach Meininger daraus verzichten, das Unmögliche zu leisten, sich als Jude zu schätzen, wie es angeblich der Arier haben will, der auf seiner Taufe nicht besteht und danach trachtete, sich dann als Mensch zu schätzen — Publicum, merkst Du was! „Er wird die seelische Taufe des Geistes zu erreichen trachten, welcher die äußerliche des Körpers nur immer dann folgen mag. Also erst Rousseau mit seiner angeborenen Gleichheit der Menschenrechte — dann Unmöglichkeit, als Jude zu ihnen zu gelangen, wie es eben Herr Meininger braucht. . . . Dementsprechend liegen beim Christen, wie Meininger behauptet, Stolz und Demuth im Kampfe, beim Juden muß es natürlich Hochmuth und Knechtung sein, deshalb fehlt dem Juden der Begriff der Gnade. Ich möchte dem Autor empfehlen, das Buch von S e r g i über die Decadenz der lateinischen Völker zu lesen, er würde über die Idee der Gnade anders denken, aber Herr Weininger scheint nur das zu lesen, was ihm paßt. Jehovah ist ihm natürlich ein abstrakter Götze, das ist zwar ein Widerspruch in sich, aber er hat sich ihn bei den neueren germanischen Theologen geholt, zu denen auch Delitzsch gehört, und der sich sehr geistreich ansieht; der Decalog ist das unmoralischeste Gesetz.Der absoluteJude ist nach Weininger seelenlos.Als ob nie das Christenthum auf den Decalog gebaut hätte, als ob nie der Jude in den Psalmen seiner „vesedomo tedaro" seine reine Seele enthüllt, als ob die Idee der Seele nicht das Christenthum vom Judenthum übernommen hätte! Die anima naturaliter christiana des Tertullian ist ja gegen die Anfaffung der Heiden gerichtet, aber Weininger paßt es, sie auf die Juden anzuwenden. Probatum est. Erst wirft er den Juden vor, daß sie keinen Teufels glauben haben, dann nennt er ihren Monotheismus einen „Altweiberglauben" aus schmutziger Angst. Deshalb, sagt er, ließen sich die Juden so leicht, wenn die Furcht aufhört, zum Materialismus bekehren. Der Materialismus ist natürlich eine jüdische Erfindung. Hören wir, wie er das begründet! Gar nicht. Vom Darwinismus scheint er wirklich anzunehmen, daß er in der Behauptung von derAffenabstammung des Menschen gipfelt (Bielohlawek wo bist Du?); an dem sind natürlich auch die Juden Schuld. Daß Dar win, Hackel und Huxley Urgermanen sind, das kümmert ihn nichts; Büchner und Ostwald müssen auch Juden sein. Daß es viele Chemiker gibt, die Juden sind, ist auch ein Beweis für die Verworfenheit derselben. Die heutige Entwicklung der Medicin ist ihm auch nicht recht, sie ist ihm zu freigeistig, also jüdische Erfindung. Spinoza ist kein Genie — wie wird er sich kränken, wenn er das erfährt — denn nach Weininger muß man an übersinnliche Dinge glauben, sonst ist man jüdischer Forscher. Doch wir wollen nicht aphoristisch werden. Das Buch von Weininger verdient, nicht, seines inneren Werthes halber, sondern als Zeichen der Zeit eine noch genauere Analyse, die wir für einen zweiten Artikel reserviren. Vom Zabrmnrkt des Lebens. Gloffen zur Tagesgeschichte. (Die Statistik des Ministers Plehwe. — Der russische Pöbel und die russische Regierung). Im Reiche der Knute geht die Sonne der Humanität nicht auf. Nack den Erklärungen des Ministers Plehwe, die er einer jüdischen Deputation gab, haben die Juden auf eine gerechte und menschenwürdige Behandlung in Rußland nicht zu hoffen. Unseren russischen Glaubensbrüdern stehen schwere Tage bcvor. Um sie zu verfolgen und zu unterdrücken, haben die Machthaber des Czarenreiches einen politischen Vorwand gefunden und erfunden. Herr Plehwe behauptet, daß in Südrußland die Juden 90 Percent, im Innern Rußlands 40 Percent der Revolutionäre bilden. „Wohl beunruhigt uns", sagt Herr Plehwe, „die immer zunehmende revolutionäre Bewegung, aber wir werden sie schon vernichten." Herr Plehwe identificirt also — darüber dürfen wir uns keiner Täuschung hingeben — die Revolution mit dem Judenthum. Er wird — das geht aus seiner Erklärung hervor — die Juden in Rußland vernichten. Mit größerem Cynismus hat wohl niemals ein Staatsmann den Bürgern eines Staates den wirthschaftlichen und politischen Tod angekündigt, und in einem Lande, das in den unterjochten Provinzen ein Schreckensregiment führt, unter einem Regierungssystem, das die Liebe zu Kaiser und Reich durch den Galgen und durch die Folter unterirdischer Bergwerksarbeit zu erzwingen sucht, müssen sich die Juden auf das Schlimmste gefaßt machen. Tausende von Menschen sind in Rußland unschuldig hingerichtet worden, theils durch den Henker, theils dadurch, daß man sie dem Schrecken und den Qualen der sibirischen Gefängnisse preisgab. Aus die Forderung nach Gerechtigkeit und einer bürgerlichen Verfassung hat die russische Regierung stets mit der Deportation nach Sibirien geantwortet. Das Gewissen der russischen Machthaber ist mit schwerer Blutschuld belastet; der Mord von tausenden Unterjochten füllt die innere Geschichte des Barbarenreiches aus. Die polnische Nation ist das Opfer dieses schmachvollen Regierungssystems, und Finnland seufzt unter dem Drucke infamer Tyrannei. Könnte man da wirklich so thöricht sein, zu erwarten, daß den Juden ein besseres Los beschieden ist? Gerade den Juden gegenüber sollte die russische Regierung einen Anfall von Rechtsgefühl bekommen? Herr Plehwe sagt, daß die Juden einen großen Percentsatz der Revolutionäre bilden. Woher der Minister seine statistischen Daten hat, können wir natürlich ebensowenig wissen, wie die Anzahl der russischen Revolutionäre überhaupt. Bei der Volkszählung declarirt sich ja Niemand als Revolutionär, und solange der Widerstand gegen die Staatsgewalt nicht offenkundig orgamsirt und betrieben wird, ist es auch unmöglich, die Zahl der Revolutionäre auch nur annähernd anzugeben. Kennt man aber die Zahl der Revolutionäre nicht, wie will man dann den Percentsatz der Theilnehmer an der Propaganda hinsichtlich ihrer Nationalität oder Confession feststellen? Nach dieser Erwägung allein schon kann man die Wahrheit und den sachlichen Werth der Behauptungen des russischen Ministers beurtheilen. Wir zweifeln sehr daran, daß Herr Plehwe selbst an die Richtigkeit seiner statistischen Daten glaubt. Wäre dies aber auch der Fall, so könnte der Minister seine Kenntnisse höchstens den Berichten seiner Polizeispione zu verdanken haben, deren Wahrheitsliebe und Verläßlichkeit von antisemitischen Neigungen beeinflußt wird.

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