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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-31 · 31 (31.7.1903) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
31 (31.7.1903)
Date
1903-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Vlocb's MocbenscbrM. Seite 491 sagt, »die platonische Idee"' des Judenthums. Plato lehrte nämlich, daß von allen Dingen sich im Himmelsraume Urbiloer (Erinnerungsbilder) befinden, über ihnen thront der, der sie geschaffen, der Demiurgos. Wer hat aber die von Weininger ausgestellte Idee des Judenthums geschaffen? Herr Weininger selbst. Nicht wie sie ist, sondern wie st; ihm paßt. Und daß er vom geschichtlichen Judenthum nichts weiß, ist ebenso klar, wie, daß er nicht viel von der Naturwissenschaft weiß, ans die er sich beruft. Als das »Weibliche", mithin verwerfliche am Judenthum führt er an, der Jude habe kein Bedürfniß nach — Eigenthum, am wenigsten in seiner festeren Form, dem Grundbesitze. Und da schreien sich die polnischen Schlächzizen heiser, daß Ihnen alltäglich eine steigende Quote vom Grundbesitz von den Juden aufgekauft wird! Wozu hat man nun das ganze Mittelalter und bei uns bis zum Jahrr 1848 den Juden die Erwerbung von Grundbesitz, in Rußland sogar bis heute verboten? Warum hat man es bei uns im Jahre 1852 wieder erneuert, wenn die Juden davon keinen Grundbesitz haben wollen, warum klagen die Antisemiten über den großen Häuserbesitz der Juden in Wien? Aber Shylock als Verächter des Eigenthums ist wirklich eine lustige, eine nette Erfindung des Herrn Weininger. Die Juden sind bei Herrn Weininger namentlich dem Communismus ergeben, im Handumdrehen — Geschicklichkeit ist keine Zauberei — macht er so den jüdischen Socialisten zum Communisten. Die moderne Socialdemokcatie h at sich (nach Weininger) darum in ihrem Gedankenkreise vom christlichen präraph aelitischen Socialismus so weit entfernt, weil die Juden darin eine so große Rolle spielen. Trotz der »vergesellschaflenden Neigungen" habe die Marxistische Form der Arbeiterbewegung kein Verhältniß zur Idee des Staates und die Juden kein Berständniß für den Staat. Wo ist der Lehrer, der Herrn Weininger über die ersten Ansangsgründe der Socialwisseuschaft belehren würde? Wer könnte ihn lehren, daß gerade die ursprünglichen Christengemeinden communistisch waren und der Bischof wesentlich die Verkeilung der gemeinsam erworbenen Güter zur Aufgabe hatte! Wer könnte Herrn Weininger belehren, daß sein präraphaelitischer Socialismus eigentlich ein Almosengeben ist! Wie das Wort Almosen selbst frühmittelalterlichen, christlichen Ursprungs ist, ist es auch die Sache und allerdings mit den wirklich socialdenkenden jüdischen Gesetzgebern nicht zu vergleichen. Herr Weininger will nicht sehen, was ihm nicht paßt. Charakteristisch für ihn ist, daß er» wo es ihm paßt, auch für die durchaus aus der Phantasie gewonnene, aber die Menschengleichheit voraussetzende Rousseau'sche Vertragstheorie vom Ursprung des Staates verficht, aber die daraus flleßende Idee von den angeborenen Menschenrechten scheint er nicht zu gvutiren. Während Andere, zum Beispiel Delitzsch u. A., den Juden vorwerfen, daß die Idee des Judenthums eine beschränkt nationale, nicht universale sei, macht er dem Judenthum zum Vorwurf, daß in seiner Idee die Verbreitung über die ganze Erde liege; und das Christenthum? Er verlegt ja gerade in diesen Umstand seine Ueberlegenheit über das Judenthum — Herr Weininger weiß offenbar nicht, warum es nur kurze Zeit einen ganz unabhängigen Judenstaat gegeben haben kann. Er weiß nicht, daß ein Pufferstaat zwischen zwei so colossalen Mächten, wie Egypten und Babylon, wenn es nicht gerade im Hochgebirge liegt, wie die Schweiz, nie zum vollen Genüsse seiner Selbstständigkeit kommt. Aber Herr Weininger verachtet eben die Historie. Wie Weininger den Frauen die Würde der Frauen abspricht, so auch den Juden. Welch eine Geschmacklosigkeit darin liegt, zu sagen, die Vorstellung eines jüdischen Gentleman sei unmöglich, fühlt er nicht, er fühlt nicht, daß man ihm darauf auch nicht entgegnen kann, es gibt doch jüdische Gentlemen, weil man ja Namen Lebender nennen müßte, was doch nicht schicklich wäre. Aber wir wollen hier nur eine von christlicher Seite constatirie Thatsache annageln. Ein echter Gentleman zeigt sich als solcher auch gegenüber seinen Gegnern; nun hat erst vor Kurzem die »Hamburgische Correspondenz" es beklagt, daß bei den Sammlungen für die Kischenewer Juden kaum welche Arier als Spender auftraten, während bei Unglücksfällen, die Christen betreffen, die jüdische Hamburgische Bürgerschaft als solche immer obenan stehe. Wir wollen daraus nicht das Entgegengesetzte schließen, aber — sapienti sat. Damit bringt Weininger auch in Verbindung, daß die Juden keinen Adel haben, umsomehr, als sie jahrtausendelang Inzucht treiben. Auch hier spricht er, wie der Blinde von Farben. Er hat wohl nie das Wort Jichus gehört und kennt seine Bedeutung nicht, er hat wohl nie den Stolz wahrgenommen, welcher die Abkömmlinge großer Rabbinen bis ins zehnte Geschlecht beseelt — er kennt nur die Parvenüs —, wiederum ein Beweis, woher er seine Kenntniß des Judenthums schöpft; nicht aus dem Volke, sondern aus dem ihm geläufigen Milieu. Aber darin hat er recht, die Vergangenheit des Juden ist nicht wirklich seine Vergangenheit, sie ist immer nur seine Zukunft, immer wird der Jude der Winkelried der Völker sein, der die Speere der volksfeindlichen Reaction mit seiner Brust auffängt, was Herr von Plehwe in den letzten Tagen bezeugte. Mit übergroßer Zärtlichkeit nimmt Herr Weininger (eingeborener Jude) alle menschenfeindlichen Gewalten, die durch Jahrtausende auf die Juden gewirkt und sie moralisch und physisch verelendet haben, in Schutz, bittet sogar die Nachkommen der Peiniger derselben, sich ja nicht zu sehr den Selbstvorwürfen hinzugeben» nur im Juden selbst liege der Fehler, wer das Gegentheil behaupte sei oberflächlich und brauche gar nicht weiter widerlegt zu werden, denn Vererbung ererbter Eigenschaften sei nicht bewiesen. Was aber bewiesen ist, ist die Unwissenheit Herrn Weininger's, der nicht weiß, daß Armuth, Fernhalten von guter Luft und freier Bewegung, daß das Wohnen in dem ungesunden Ghetto von Rom und Prag erbliche Krancheiten erzeugt; als ob das Zurückdrängen auf den Handel nicht die Erziehung in anderen Erwerbsmethoden unmöglich machen würde. Herr Weininger zeigt seinen evangelischen Sinn nur darin, daß er jedes Splitterchen im Auge seines Stammes genossen sieht, den Balken im Auge seiner Gegner beileibe nicht sieht oder sehen will. Das nennt man Objectivität! Herr Weininger kann es nicht ungeschehen machen, daß die Juden seltener Verbrechen begehen als die Arier, der Jude ist also nicht antimoralisch, aber — setzt er gleich hinzu — er stellt nicht den höchsten ethischen Typus vor — so, warum nicht? wer ja? — darauf antwortet er weiter nicht, aber der Jud ist — ein neues Wort — amoralisch, nicht sehr gut, nicht sehr böse, eher — gemein! Daher fehlt dem Judenthum die Conception der Engel und der Begriff des Teufels. Es gibt zwar keinen jüdischen Mörder, aber auch keinen jüdischen Heiligen. Die Juden müssen sich also beeilen, von der großen Zahl der Blutzeugen, der „ansellei enmuch, einige heilig zu sprechen, damit Herr Weininger sie anerkenne; er folgt darin übrigens Herrn H. St. Chamberlein, und was den Teufels glauben betrifft, wird es wohl richtig sein, daß dessen Elemente in der jüdischen Ueberlieferung aus dem Parsismus und Babylon stammen. Woher stammt aber der christliche Teufelsglaube und die christlichen Engel? Der Mann scheint wirklich nicht zu wissen, daß die Engelnamen Michael, Gabriel, Raphael, Acrel jüdisch find. Was aber den Teufelsglauben betrifft, dessen Spuren noch bei den Orthodoxen der östlichen Juden als Schedim, Ruach, als Mekatrik, Jezer horah, als Satan lebendig sind, so weiß eben Herr Weininger nichts davon, der das Judenthum wohl in Währing, Hernals oder Ottakring studirt hat; denn er behauptet offen, daß er dem quellenkritischen Streithafen nicht folgen könne. Wie wäre es dann, davon zu schweigen? Im Uebrigen ist der Teufel ein sittliches Princip? Auf einem Absatz des Weininger'schen Buches wären die Ritualmordantisemiten, aber auch auf sogenannte wohlmeinende Männer wie Herr von Gerlach zu verweisen. Wenn nämlich, so sagt er, gegen irgend einen unbekannten Juden eine Beschuldigung vorgebracht wird, so glaube man ja nicht, daß der Mann als einzelner Jude die anderen interefsire, etwa mehr als das Los eines ungerecht verfolgten Ariers. Nur die Befürchtung auf die Idee des Judenthums als auch auf die Gesammtheit der Judenschaft könnte schädlicher Schatten fallen, bringt die Juden in Bewegung. Nun wie erklärt das Herr Weininger als weiser Thebaner? Er sagt: nur sowie das Weib jedes andere mit Vergnügen heruntersetzen hört, nur auf das Weib darf kein Schatten fallen, daß die Männer sich ja nicht abschrecken lassen, nach Frauen zu verlangen. Daß, wenn einem Juden etwazur Last gelegt wird, der Mob in Mützen und Seidenhüten dies auf alle Juden ausdehnt, wie der Chinese auf die Christen, ist für Herrn Weininger eine zu einfache Erklärung der sogenannten Judensolidarität. O, das würde nicht ins System passen. Der Jude hält zu seiner Familie, aber das bezieht sich nicht etwa darauf, daß er nicht blos im Ghetto, sondern auch außerhalb des Ghettos in der Familie den wahren Zufluchtsort, das wahre Menschthum findet — o nein, »der Jude geht in der Familie unter"', weil er lüstern ist, wenn er auch nach Weininger im Zusammenhänge mit seiner nicht eigentlich antimoralischen Natur, sexuell weniger — wie sollen wir sagen — funktionsfähig sei, als der arische Mann. Woher weiß dies der Autor, der, so viel wir wissen, erst kürzlich Dr. phil. wurde, weder Arzt ist, noch Richter.

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