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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-24 · 30 (24.7.1903) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
30 (24.7.1903)
Date
1903-07-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 476 Dr. 2BIocb 5 MwcbenscbrM, Nr. 30 verurtheilt werden. Die Deutsche Reichsbank sei nur zum Nutzen der Juden da, Herr Bleichroeder brauche nur ein Blatt Papier, das heißt einen Check mit seiner Unterschrift zur Reichsbank zu schicken und bekomme ohne Anstand eine Million oder noch mehr dafür ausbezahlt. Der ehrlichste Bauer solle es einmal versuchen, aus seine Unterschrift und seine ehrliche Gesinnung hin von der deutschen Reichsbank auch nur den kleinsten Betrag zu erhalten, man werde ihn unter Hohnlachen hinauswerfen. Zeder intelligente Mensch muß freilich üoer solchen Unsinn lachen, aber eine geistig beschränkte Wählerschaft jubelt solchem Schwefel mit enthusiastischem Beifall zu. Die Methode ist also überall die gleiche, die plumpe Täuschung der Bevölkerung, die Speculatwn auf die Dummheit, in Oesterreich sowohl als draußen im Reiche. Nur besteht leider ein großer Unterschied zwischen Oesterreich und Deutschland. Draußen ist die Wahl eines Abgeordneten auf das antisemitische Programm ein höchst ausnahmsweises, sporadisches Ereigniß, bei uns in Oesterreich correspondirt der Tiefstand der Intelligenz mit der entsprechenden Stärke der christlich-socialen Partei. Isegrim. Zwei ehemalige österreichische Minister als czechische Historiker über die Secte der ,Abrahami1en" oder „Israeliten" in Böhmen und Mähren. Dr. Anton R e z e k, der ebeu aus seinem Amte scheidende czechische Landsmannmmister im Cabinn Körber, war bekanntlich vor seiner Berufung als Sectronschef ins Unterrichtsministerium Professor der neueren Geschichte an der czechischen Universität in Prag. Als solcher veröffentlichte er eine Reihe sehr geschätzter Werke aus der österreichischen und speciell böhmischmährischen Geschichte seit dem XVl. Zahrhunderr, welche wegen ihrer Gründlichkeit und wisse nscy östlichen Kritik der denützlen Quellen, sowie wegen der Klarheit und lebensfrifchen Darstellung in Fachkreisen allgemeines Lob fanden. Außer dem „Aufstand der böhmischen Stände gegen Ferdinand I." widmete sich Rezek mit ebensoviel Eifer als Erfolg der Fortsetzung von P a l a c k y’3 großem Gefchichtswerke, wovon seine Schriften: „Ferdinand I/, „Geschichte der s ä chsischen Invasion in Böhmen", „Geschichte von Böhmen und M ähren unter Ferdinand lll. und in der Neuzeit" rühmlichstes Zeugniß ablegen. Uns interessirt besonders Rezet's vortreffliche „Geschichte der Volksthümlichen religiösen Bewegung in Böhmen" (Prag 1887), in welcher eine recht anziehende Schilderung der sogenannten „Abrahamiten"-Secte vorkommt. Diesen Abschnitt ergänzte und erweiterte Rezek später zu einem filbstständigen Artikel, welchen er, wohl als Bewers seiner Sympathien für die nationalen Assimilationsbestrebungen des „Vereines czechisch-jüdi scher Akademiker" in Prag, im IX. Jahrgange des von jenem Vereine seit 1880 herausgegebenen „Czechisch-jüdischen Kalenders" publicirte. Um zehn Jahre früher, nämlich schon im Jahre 1877, hatte Josef Alexander Freiherr von Helfert, der bekannte österreichische Politiker und Historiker, welcher vor seiner Berufung zum Staatsfccretär ins Unterrichtsministerium unter Schwarzenberg und späteren Ernennung zum Verweser des Cultus und Unterrichtes im Staatsministerium nach dem Falle B a ch's bis 1863 und gleichfalls Universitätsprofessor, und zwar für römisches Kirchenrecht in Krakau gewesen war, die Geschichte dieser sogenannten „Jsraeliten"-Secte zum Gegenstände eingehender Forschungen gewählt, deren Resultate als Studien „lleber die sogenannten religiösen Schwärmer in Böhmen und Mähren unter Kaiser Josef U." in der „Zeitschrift des Böhmischen Museums" 1877 und 1879 erschienen.^ Ein Vergleich dieser beiden Abhandlungen ergibt von selbst die beste Klarstellung über den wissenschaftlichen und mittelbar auch den politischen Parteistandpunkt beider Autoren, welche als hochgelehrte Excellenzen vielfache Gelegenheit hatten, ihre historische Anschauung in wichtigen Angelegenheiten der österreichischen Unterrichtspolitik geltend zu machen. Wir laffen nun die beiden höchst interessanten Abhandlungen in der Reihenfolge, wie sie nacheinander erschienen waren, aus dem Czechischen übersetzt, folgen und bemerken nur noch, daß auch der namhafte czechische Culturhistoriker Josef S v ä t e k, ein Mitarbeiter Prof. Dr. R e z e k's an dessen Fortsctzung von Kar. Vlad. Z a p's populärer „B ö Hw is ch - Mähris ch e r C h r o n i k" (VI. Theil, 1895), denselben Gegenstand in seinen, auch deutsch herausgegebenen: „Culturh istorischen Bildern aus Böhmen" behandelt und auch der als fleißiger Culturhistoriker bestbekannte Schriftsteller und Politiker, gewesener Landesausschußbeisitzer Kar. A d L m e k in seinen Geschichtsbildern „Aus der Zeit der Unterjochung und Auferstehung, Rundblicke in der Culturgeschichte des Königreiches Böhmen im XVH. und XVIII. Jahrhundert" (1878) der „Abrahamiten"- oder „Jsraeliten"-Secte eingehend erwähnt. * * * I. Aus Josef Alexander Freiherr von Helfert's Studie: „Ueber die sogenannten religiösenSchwärmer in Böhmen und Mähren unter Kaiser Josef II." (»Zeitschrift des Böhmischen Museums", 1877, S. 204—225.) — „Aber viele von den wegen ihres Glaubens Verfolgten geriethen auf andere Wege. Man hatte ihnen ihre Bücher, die heiligen Schriften des Neuen Testamentes, gewaltsam weggenommen, sie sahen jedoch, wie den Juden das Alte Testament anstandslos belassen wurde. Sw sagten sich also : „W arum sollten nicht auch wir uns an's Alte Testament halten? Ist doch auch dieses Gottes Wort!" Sie gingen denn auch daran, sich mit Juden bekannt zu machen, bahnten geheimen Verkehr mir ihnen an, lockten sie allmälig in ihre Versammlungen, um von ihnen das Alte Testament zu erlernen. Ja, sie nahmen sogar mancherlei von den Gewohnheiten der Juden an, sie hörten auf, Schweinefleisch zu genießen, feierten den Samstag als Sabbath, weil doch der Schöpfer am siebenten Schöpfungstage geruht hatte. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß unter ihnen wohl Einzelne jüdischer Abstammung waren, die weltlichen Vortheilen zuliebe oder um mannigfachen Unterdrückungen zu entgehen, äußerlich sich zum Christenthum bekannt hatten, aber in ihrer Seele und in ihren Häuslichkeiten die ererbten Anschauungen und Gesinnungen keineswegs aufgeben mochten. Nur eine Sache wollte den neuen Bekennern an dem alten Glauben nicht gefallen, nämlich die Beschneidung. Sie fingen daher an, in den heiligen Schriften des Alten Testamentes nachzuforschen, ob denn die Beschneidüng immer befolgt worden sei, und sie fanden auch, daß Abraham ein gottgefälliger und lieber Mann gewesen sei, noch bevor diese Ceremonie zum Gesetz erhoben worden war, und sie sagten sich daher: „Warum könnten auch wir uns nicht so verhalten?" Um die Mitte des 18. Jahrhunderts hielten in verschiedenen Orten des Neubidschower Kreises Christen heimliche Versammlungen mit Juden ab, wo das Gesetz Moses gelehrt und gepredigt wurde und die daselbst Bekehrten auch durch die Beschneidung ihren Beitritt zum Judenthum besiegelten. Man nannte diese zum Judenthum hinneigenden Sectirer „I u d a i s a n t e s". Ein Rundschreiben des Landes-Guberniums an die königlichen Kreis- und Stadthauptmannschasten vom 9. Februar 1782 weist auf gewisse „Irrgläubige" hin, „welche sich zu so vielen, zum Theile ganz unbekannten, unsinnigen Religionsbekenntnissen bekannt hätten, daß sie für diese selbst erdachten Religionsbekenntnisse keines Vortheiles des Toleranz-Patentes theilhaftig werden könnten, da keinerlei derartige Religion bestehe, noch jemals geduldet werden dürfe." Den Obrigkeiten ward der Befehl, sorgsamst darauf zu achten, daß „ja jegliche Schwärmerei erstickt werde und man allen Ausschreitungen strengstens Vorbeuge, so unterdem Mantel des religiösen Eifers Vorkommen könnten". Das scheint mir der erste erwiesene Fall während der Josephinischen Periode zu sein, wo der Ausdruck „Religionsschwärmer" gebraucht wurde, welcher fortan bleibend auch in der gesetzlichen Amtssprache angewendet wurde, so daß auch in der böhmischen Volkssprache damals dieser deutsche Ausdruck „Lverruer" üblich wurde. Im Juni 1782, noch während der ersten Visitationsreise des Bischofs H a y *) berichtete das Chrudimer Kreisamt *) Johann Leopold H ay, (geb. 22. April 1735 in F u l n e k, gest. 1. Juni 1794 zu C h r a st), Bischof von Koni g gr ätz, ein besonderer Günstling des Kaisers Josef, ein gutmüthiger Menschenfreund und freundlicher Priester, dem ein hervorragender Antheil am Toleranz-Patente zugeschrieben wird, war zum Obersten königlichen Hofcommissär ernannt worden, um die Hauptsitze der religiösen

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