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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-17 · 29 (17.7.1903) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
29 (17.7.1903)
Date
1903-07-17
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Llocb's Mocbenscbrttt. Seite 471 »Du hast eine schwere Last zu tragen", sagte Artem und verfiel in Sinnen. Auch Kain wurde nachdenklich und senkte das Haupt. In die Thür der Schänke trat eine Gruppe von Trödlern. Sie näherten sich dem Buffet und begannen sich halblaut mit Paul zu unterhalten. Der Schankwirth erzählte etwas mit geheimnißvoller Stimme, blinzelte zu Kain und Artem hinüber und seine Zuhörer blickten mit Spott und Erstaunen auf die beiden Freunde. Kain griff die Blicke aus und begann am ganzen Körper zu zittern. Artem jedoch ward es abermals zu Muth, als ob er, mit der Sense in der H^md, eine Wiese entlang gehe. . . Die Sense saust und mit sanftem Rauschen legt sich das Gras zu seinen Füßen nieder ... „Verlaßt die Schänke, Artem . . ." begann Kain leise zu flüstern, „und wenn ihr nicht wollt, so werde ich hinausgehen .. es sind jetzt Leute gekommen, und ich bin schuld daran, daß sie sich über euch lustig machen . . „Wer mac^t sich luftig brüllte der aus seinen Träumen geweckte Artem, mit wildem Blick um sich schauend. Aber alle in der Schänke Anwesenden waren ernst und schienen ausschließlich mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt. N cht ein spöttisches Lächeln war zu bemerken. Streng die Brauen runzelnd, wandte sich Artem zum Juden: „Immer lügst du . . . klagst ohne Grund. Paß auf, das ist kein Kinderspiel! Du komm zu mir, wenn dir Jemand wirklich Unrecht thut. Und vielleicht hast du nur absichtlich so gesagt, um zu sehen, ob ich mein Wort halten werde?" Kain lächelte schmerzlich und gab keine Antwort. Mehrere Minuten saßen die Beiden einander schweigend gegenüber. Dann stand Kain auf, hing seinen Kasten um und schickte sich zum Fortgehen an. „Du gehst schon?" fragte Artem, ihm die Hand entgegenstreckend. „Nun geh' deinem Handel nach ... Ich bleibe noch eine Weile hier..." Mit seinen beiden kleinen Händen schüttelte Kain die riesenhafte Pfote seines Beschützers und verließ die Schänke raschen Schrittes. Auf der Straße angelangt, bog er um die Ecke, versteckte . sich hinter ein Haus, und warf von dort ungeduldige Blicke auf die Schänke, dre er von seinem Beobachtungsort sehen konnte. Ec brauchte nicht lange zu warten. Bald erschien in der Thür, wie in einem Rahmen, die Gestalt Artem's. Seine Brauen waren düster zusammengezogen, der Ausdruck seiner Züge ein solcher, als fürchte er eine unangenehme Begegnung. Lange und forschend ruhte sein beobachtender Blick auf dem in der Straße auf und abwogenden Menschenschwarm, dann nahm sein Gesicht wieder den ihm eigenen, träge gleichgiltigen Ausdruck an. Bald war er im Gedränge verschwunden; in der Richtung, wo die Straße am Fuße dks Berges mündet, — wahrscheinlich ging er, seinen Lieblingsplatz aufzusuchen. Kain's wehmüthiger Blick folgte seinem Beschützer; dann bedeckte der Jude sein Gesicht mit beiden Händen und lehnte seinen Kopf an die eiserne Thür des Speichers, neben welchem er'stand. _ (Fortsetzung folgt.) Nene Bücher. Die Judemuaffacres in Kischinew. Bon Told. Mit einem Weiheblatt von E. M. Lilien und Illustrationen. Preis 1 Mk. Berlin SW. 47, Jüdischer Verlag 1903. 102 Seiten. 4°. Da der Ertrag des soeben erschienenen Buches für unsere nothleidenden Brüder in Kischenew bestimmt ist, so empfiehlt es sich, das historische Buch thunlichst zu verbreiten. Die Wahlversammlungen, die jetzt bevorstehen, geben Gelegenheit dazu. Bernhard Mandl, Lehrer an der Knaben-Bürgerschule der israelitischen Religionsgemeinde in Budapest. Das jio dische Schulwesen in Ungarn unter Kaiser Josef II. (1780—1790). Preis 60h. Merzbach'sche Buchdruckerei Posen. Brandeis' illustr. israelit. Volkskalendev (28. Jahrg.) soeben erschienen! Aus dem reichen Inhalte des diesem Jahrbuche beigegebenen „Salon für Unterhaltung und Belehrung" sei hervorgehoben : Ein Brief des italienischen Kriegs mini st ers Grafen Ottolenghi an den Herausgeber dieses Jahrbuches; die spannende Ghettoerzählung „Die Schuld der Vater" von Dr. Max Grünfeld; Biographische Skizzen über den Lordmayor in London Sir Marcus Samuel und den dänischen Reichstagspräsidenten Hermann Trier, nebst deren Bildnissen; das neue Hospiz in Karlsbad für arme Israeliten nebst Abbildung und der alte Judenfriedhof in Prag. Preis, franco zugesendet, 60 h. Im Verlage von Cäsar Schmidt in Zürich erscheint dlmnächst: Geschichte der jüdischen Apologetik von M. F r l e d l ä n o e r. Eine Gejchichre der jüdischen Apologetik ist b'sher noch nicht geschrieben, so sehr das Bedürfniß nach einer solchen allenthalben empfunden wird. Seit Decennien wird in den jüdischen Journalen das Verlangen darnach laut, wird immer energischer von einsichtsvoller Seite gefordert, daß in den Rabbinerschulen ein Lehrstuhl für die Apologetik des Judenthums creirt werbe. Die Darstellung des Verfaffers bedarf keiner Anempfehlung, man kennt ihre Originalität aus seinen in den hervorragendsten Fach- und Tagesjournalen vielbesprochenen und eingehend gewürdigten Schriften: „Zar Entstehungsgeschichte des Christenthums;" „Das Judenthum in der vorchristlichen griechischen Welt"; „Der vorchristliche jüdische Gnosticismus"; „Der Antichrist" u. s. w. Die „Geschichte der jüdischen Apologetik" erscheint mit Subventionirung der Zunz-Stiftung in Berlin. Umfang ca. 33 Bogen gr. 8'. — Preis 8 Mk. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Subscriptionspreis, vor Erscheinen bei der Verlagshandlung Cäsar Schmidt bestellt, 6 Mk. 7 Fr cs. 50 Cts. (Porto zu Lasten des Bestellers). Dr. M. David. Jesaia. Biblische Lesestücke U. Jesaia. Preis der Lieferung 50 Pfennige. Bochum, 1903. (Selbstverlag.) _ Kriefkasten. H. K. in N. Goly. Anfragen betreffend Cultus und Ritus gehören eigentlich vor das Forum des zuständigen Rabbiners. Unsere Privatmeinnng haben wir in Nr. 26 ausgesprochen und auf die betreffende Talmudstelle verwiesen, auf welche unsere Entscheidung sich stützt. „Koscher". Gloggnitz. Jawohl! Dr. B. S., Wien. In der Form nicht genug ausgefeilt. E. C, Pozega. Ter zweite Band Rohling contra Bloch ist noch nicht erschienen. W. S. in Wien. Der Scandal mit dem Dienstmann Nr. 318 hat sich im Cafe Siüer zugetragen, wo das Nähere erfragt werden kann. K. T. Manuscripte werden nicht retournirt. Dr. P., Wien. Gewisse Schmähungen werden in anständiger Gesellschaft nicht beachtet, geschweige denn beantwortet. K. Am iB. Juli 1841 starb in lljhely der Rabbiner Moses Teitelbaum, welcher als Kabbalist ein großes Ansehen genoß. Dr. Adolf I e l l r n e k wurde am 28. Juli 1821 geboren. „Archivarius". Ihr Artikel über die „wunderthätige" Mitra des heiligen Januarius, welche an das Krankenlager des sterbenden Papstes gebracht, von diesem geküßt wurde, eignet sich nicht für ein jüdisches Blatt. St. F. Der Schönerianische Abgeordnete Stein ist neuerdings gerichtlich als „Lügner" und „Verleumder" bestätigt worden. I. G. O. Wenden Sie sich an den „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen-Hori" (Präsidentm kaiserl. Rath Bertha Kohn) Wien, II., Slefanieftr. 2. Das betreffende Institut hat die Aufgabe, nnbenuttelte Mädchen erwerbsfähig zu machen. Zum Studium nicht. PH. I. K. Jerusalem. Belgrad und Kischenew sind gleichmäßig Resultate derselben Eivilisation. An ihren Früchten sind sie zu erkennen. Ihr Protest nützt hier nichts. Danksagung. Für die aus Anlaß der Vermählung meiner Tochter Lisa mit dem Herrn Director Jacob Tartan aus Hamburg an mich gelangten zahlreichen Glückwünsche und Kundgebungen der Sympathie sage ich allen Freunden und Gönnern aus Nah und Fern auf diesem Wege herzlichen Dank. D r. Bloch. vor Privozer Tempel-Verein sucht für die hohen Feiertage einen nb’än b’jz spiö Honorar 200 Kronen. Ferner einen rb'zn b]?n rr-rw der auch i'pin dl?- sein muss Honorar 120 Kronen. Den' Acceptirten werden Reisespesen vergütet. Hierauf Refieetirende wollen ihre Gesuche bis 8. August 1. J. beim gefertigten Obmanne schriftlich einbringen. Pfivoz, 12. Juli 1903. Der Obmann des Tempel-Vereines : kt». Förster. 1:jyi

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