Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 29 (17.7.1903)
- Date
- 1903-07-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Klocb's Wocbenscbritt Seite 467 sagen. Die Petition ist ohne Verhandlung zurückgewiesen worden, weil die für Petitionen vorgeschriebenene gesetzliche Frist nach nach der zweiten Lesung schon verstrichen war. London. Die Mittheilung, daß auf dem Zionistencongteß in Basel der Hauptgegenstand der Discuffion die Cvlvnisation der palästinischen Proinz Wad El Arisch bilden werde, die unter englischem Protectorat steht und wo man 100.000 Juden anzusiedeln die Absicht hat, sowie daß die Verhandlungen mit der englischen Regierung bereits erfolgreich geführt seien, entbehrt nach unseren Informationen der Begründung. Es handelt sich um ein anderes Terrain, das erworben werden und wofür Dr. Herzl von der ,Jca* 75 Millionen Francs verlangt haben soll. Das Gesuch wurde jedoch abgelehnt. Die Auswanderung der Juden aus Rumänien. Das »Bukarester Tagblatt^ meldet: Man hat sich gewöhnt, die Meldungen über die Auswanderung der Juden als etwas Alltägliches zu betrachten, ohne denselben irgend ein größeres Interesse entgegenzubringen. Und doch verdient dieser seit dem Ausbruch der Krisis im Jahre 1899 in ununterbrochener Weise stattfindende Exodus größere Bedeutung, als man ihm im Allgemeinen beimißt. Wer Gelegenheit hat, den Nordbahnhof an einem Sonntag oder Dienstag zu betreten — es sind dies die zwei Tage, welche von den Emigranten zur Abreise gewählt werden, weil ihre Ankunft in Hamburg mit dem Abgang der Schiffe nach New-Iork zusammentrifft — den muß das Bild, das sich ihm darbietet, ungemein interessiren. Dichte Menschenmassen belagern den Perron, lebhaft conversirend; man sieht es jedem Einzelnen an dem Gesichtsausdruck an, daß er Wichtiges noch mitzutheilen hat. Man irrt sich jedoch, wenn man annimmt, daß irgend welche Zeichen von Elend auf den Gesichtern der Emigranten zu sehen sind. Die jetzigen Auswanderer sehen denjenigen, welche zur Zeit des Ausbruches der Krisis das Land verließen, um infolge der Arbeitslosigkeit nicht vor Hunger zu sterben, durchaus nicht ähnlich. Die meisten Auswanderer, worunter sich auch viele junge mid nette Mädchen bi finden, meistens Schneiderinnen und Näherinnen, sind reinlich gekleidete Handwerker und verlaffen das Land, nicht mittellos, mit den besten Aussichten, da sie in den fernen Ländern, denen sie zusteuern, Verwandte oder Freunde besitzen, welche sich für sie im Vorhinein schon um vcffsmde Arbeit umgeschaut haben. Das ungeordnete, hastige Berlossen des Landes hat jetzt einer gereg'lten, systematischen Auswanderung Platz gemacht, ein Umstand, welcher in erster Reihe der erfolgreichen und umsichtigen Thätigkeit der Gesellschaft „Jca" zu verdanken ist. Schaut man sich diese jungen, nützlichen und arbeitslustigen Elemente an, welche ununterbrochen seit mehreren Jahren das Land verlaffen, so frägt man sich: wie lange wird diese Auswanderungsbewegung anhalten und welche Conscqnenzni wi'.d die dadurch entstehende Entvölkerung des Landes nach sich ziehen? Diese Frage ist von großer socialer Bedeutung für Rumänien, und verdient wahrlich, anders als durch Veröffentlichung von tendenziös geschriebenen Werken über die Lage der Juden in Rumänien behandelt zu werden. Vermischtes. Wien. (Spende.) Für die armen Juden in Kischencw sind uns zugekommen: von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. B ö ck £ 36.—, als Ergebniß einer Sammlung im Rabbinatsbezirk Auspitz, ferner von den Herren: Jos.Bermann und L. Marody je K 2.—, S. Fanta, A. Fleischmann, M. Katz und F. Steiner in Budin a. E. je L 1.—, W. Pascheles in Prag K 5.—, von Professor M. Oesterreicher aus Preßburg K 16 50, zu welchem Betrage Herr Dezsö Spitzer aus Ploffenstein K 5.—, von Rabbiner Salomon Freund, Wien, K 5.—, Herr Professor Oesterreicher mit einigen Schülern seiner Anstalt, der israelitischen Knaben- Bürgerschule in Preßburg, K 1150, beitrugen. Wien. (S p e n d e.) Anläßlich des Ablebens der fei. Frau Jlma Brunner hat Frau Alice Bruckner statt eines Kranzes dem .Lehrmädchenhorte" eine Spende von K 25.— übersendet. Wien. An die löblichen Cultusgemeinden und Vereine! Der theologische Verein der Hörer an der israelitisch-theolog. Lehranstalt in Wien empfiehlt den löblichen Cultusgemeinden und Vereinen seine Mitglieder als Prediger für die kommenden hohen Feiertage. Offerte sind zu richten an Gustav Sicher, derzeit Vicepcäsident, Wien, II., Mayergasse 8. Wien (D r. Felix Edler v. Mises.) Wieder hat der Tod einen edlen Zveig vom Stamm des hochverehrten jüdischen Hauses Mises b'mweggeriffen. Nach langem, schwerem Leiden wurde Herr Dr. Felix Edler v. Mises am letzten Tage des vorigen Monates, welcher sonderbarerweise sowohl nach unserer als auch lwch der Weltrechnung sein 57. Geburtstag war, zu Grabe gebracht. Dr. v. Mises ist in Lemberg als das Kind einer der angesehensten jüdischen Familien geborgt. studirte in Wien, wo er auch längere Zsit als Aff stent thätig war, Medicin als Jünger der Professoren Z isel, Hebra und Dilles Er war glücklich verheiratet mit einer geborenen Rosenstock, welcher Ehe ein Sohn, der Doctor der Rechte ist, entsproß. Bis vor ungefähr zehn Jahren, seit welcher Zeit ihn Krankheit an's Zimmer fesselte und er sich gänzlich der Wissenschaft und ganz besonders der Erforschung der bebräischen Sprache widmete, übte der Verstorbene seinen Beruf abwechselnd in seiner Heimatstadt und in Wien aus. Um ihn die letzte Ehre zu erweisen, hatte sich zum Leichenbeaängniß eine große Anzahl von Männern aus der Gelehrtenwie Finanzmelt eingefunden. Oberrabbiner Dr. M. Güdemann hielt ein n tief ergreifenden Nackruf und Obercantor Singer verrichtete in Begleitung des ersten Cantors Schiller und des Chores in gewobnter feierlicher Wüse die Gebete. Um den Dahingeschiedenen trauern außer der Gattin und dem Sohne noch seine zwei Brüder, die Oberingenieure Emil v. Mises, Vorsteher der Lemberger Cultusgemeinde, und Arthur Edler v. Mises, Borstcker der Wiener Cultusgemeinde, wie seine Schwiegertochter ged. Elissen. Baden. (R e q n i e nt.) Anläßlich des Jabrzeittages nach dcr seligen Frau Sofie v. Gutmann, welcher auf den Sabbath den 1l. d. M. fiel, fand im Tempel eine pietätvolle Gedächtnisfeier für dieselbe statt, welcher nebst einer sehr großen Anzahl von Andächtigen die Schwiegertochter der Verblichenen, Iran Mathilde v. Gntmann mit ihren Kindern und der Ausschuß der Badener Cultusgemeinde unter Führung seines Präsidenten Herrn Moriz Leitner beiwohnte. Unter den Anwesenden wurden besonders bemerkt Oberrabbiner Dr. Moriz Güdem a n n und Rabbiner Dr. Adolf Schmied l. Rabbiner Tr. Armin A b e l e s aus Wien und Rabbiner Markus Fried aus Martinsberg. Als Maftir wurde Herr Wilhelm v. G n t m a n n, das älteste Enkelkind der Verstorbenen, zur Thora gerufen, der die Hafthora verständniß- und würdevoll vortrug. Dle Gedächtnißrede hielt Se. Ehrwürden Herr Wilhelm Reich. Rabbiner der Cultusgemeinde, in welcher er über die erziehlichen und häuslichen Aufgaben der jüdischen Fratt sprach und hervorhob. das; diese in erster Reihe berufen ist, den Impuls für jüdisches Fühlen und religiöses Denken zu geben, und zeigte, daß Frau Sofie von Gntmann von dieser hervorragenden Tugend jüdischer Frauen beseelt war, wodurch sie als eine Zierde in der jüdischen Frauenwelt hervorragte. — Am selben Sabbath Nachmittag fand auch im Tempel die Schlußfeier des Ingendgottesdienstes statt, wobei Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Wilhelm Reich die Ansprache an die Schuljugend hielt und sie tu eindringlichen und warmen Worten ermahnte, die Ferialzeit nicht nur mit muffiger Erholung, sondern auch mit geistiger Arbeit anszufnllen Ter gesangliche Theil des Gottesdienstes wurde vom Cantor Herrn Meier Seifert mit einem ans der Schuljugend verstärkten Chore executirt, von welchem auch zum Schluffe der Feier die Volkshymne gesungen wurde. Bilin. Am 28. Juni fand im Tempel zu Bilm die Trauung des Herrn Assistenten der k. k. Staatsbahn in Ladowitz, Friedr. Lux. mit Fräulein Selma Eckstein aus Bilin statt. Der im elektrischen L.chte erstrahlende Tempel war mit einem distinguirten Publicum gefüllt. Es hatten sich cingefunden der gesammte Cultusvorstand. ferner viele hohe Beamte iu Parade. Unter Anderen Herr k. k. Oberofficial und Bahnamtsvorstand Filivek, Herr k. k. Ober-Baucommiffär Oberingenieur Ried, Herr Adjunct Le Brevx sammt Frau Gemahlin und viele Andere. Die Trouung vollzog der hiesige Rabbiner Ehrwürdcn Herr Heinr. Brock in weihevoller Weise, die Trauungsrede machte einen tiefen Eindruck. Köflach. (Verlobung.) Herr Ludwig Braun. Kaufmann und Realitätenbesitzerssohn in Köflach, hat sich mit Fräulein Henriette Braun aus Graz verlobt. Preßburg. (Trauung.'» Der Inhaber der bekannten Weingroßhandlung Samuel Adler, Nordbahnhof Wien, hielt die Hochzeitsfeier seiner Tochter I e n n y mit Herrn Moriz Haar in unserer Stadt, resp. im Kreise der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde ab. Die Trauung, welcher nebst dem Gesammtvorstande der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde Se. Ehrwürden Oberrabbiner B. Schreiber, eine Abordnung der Vorstände der hiesigen Rabbinatsschule unter Führung des Jnspectors Herrn Leopold Groß.