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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-17 · 29 (17.7.1903) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
29 (17.7.1903)
Date
1903-07-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 466 Dr. Mocb's MocbenscbrM. Nr. 29 deutsame Kenntniß der biblischen Bücher zu interefsiren? Wahrlich, da thut eine Reform an Haupt und Gliedern noth und hohe Zeit wäre es, daß der Vorstand diesfalls Ernst mache und richtigere Wege suche als diejenigen, welche er bis nun eingeschlagen hat. Es bedürfte einer gründlichen Aenderung der Methode, einer sorgsamen Auswahl ausführender Organe. Omega. Prag. Bei der Neuwahl des Cultusvorstandes in f omota'u wurden gewählt Ludwig Konirsch als Cultusvorsteher, Adalbert Ritter als Cultusvorsteher-Stellvertreter, Gustav Epstein als Cassier. MUDr. H o f m a n n als Schriftführer, Eduard Kohn als erster Tempelvorsteher und Ignaz K v n i r s ch als zweiter Tempelvorsteher. — Bei der Wah* der Repräsentanz der Cultusgemeinde in Laun wurden gewählt: Dr. N-ttl. Advocat, zum Vorsteher; Mühlenbesitzer Stein zu dessen Stellvertreter; Bernard Fischer zum Tempelvorsteher; Julius Glaser. Großgrundbesitzer, zum Cassier; Leopold Freud zum Rechnungsfübrer und Alois Stern, Hausbesitzer, zum Armenvater und Schulinspector — Dem seit 9 Jahren im Amte stehenden abtretenden Cultusvorstande von Laun Herrn Julius Glaser, welcher trotz acclamatorischer Wiederwahl refusirte, wurde vom Altersvorsitzenden Dr. T a u s s i g unter lautem Beifall des Ausschusses Dank und herzlichste Anerkennung für seine der Gemeinde geleisteten Dienste votirt. Budapest. Eine fünfzehngliedrige Deputation der orthodoxen Iudenschaft des Landes erschien jüngst beim Ministerpräsidenten Grafen Khun-Hödervary. um ihn anläßlich seines Amtsantrittes zu beglückwünschen. Mitglieder der Deputation. welche vom orthodoxen Rabbiner von Budapest Koppel Reich geführt wurde, waren nebst den orthodoxen Rabbinen von Kroßwardein. Szatmar. Waizen und Nemetkereßtur, die Herren Anton Schwarcz (Großwardein), Larar Oesterreicher (Kiralyhelmecz), Iqna» Spiegel (Nemetkereßtur), Hermann Reizman (K'svärda), Moses Freudiger. Dr. Jacob Schächter. Eduard Müller und Adolf Frankl (Budapest). Daniel Weiß und Ludwig Hartstein. Der Sprecher der Abordnung Dr. Jacob Schächter verdolmetschte den Glückmunsch der Deputation und erbat den Schutz des Cabinetsckefs für die orthodox-jüdischen conseffionellen Jntereffen. — Hierauf dankte Se. Excellenz für die Begrüßung. »Es freut mich" — sagte er — »Ihre feste Anhänglichkeit an die Religion wahrzunebmen. Der religiöse Eifer ist mir sehr sympathisch, sehr lieb. Er bildet eine Stütze im Kampfe des Lebens. Die strenge Einhaltung der Glaubenssatzungen seitens jeder Confesiion schätze ich hoch. Der Glaubenseifer ist auch im Interesse des Vaterlandes erwünscht. Ich meinerseits versichere Sie meiner Unterstützung in ihren patriotischen Bestrebung-n.^ Lebhafte Eljenrufe begleiteten die Worte des Ministerpräsidenten, der sich dann sämmtliche Deputationsmitglieder vorstellen ließ. — Vom Ministerpräsidenten begab sich die Deputation zum Unterrichtsminister Dr. Wlassics, wo Daniel Weiß die Freude der othodoxen Iudenschaft darüber verdolmetschte, daß Minister Wlaffics auch im neuen Amte sein Portefeuille behalten. Dr. Wlassics beantwortete die Ovation sehr liebenswürdig und wechselte mit jedem der Erschienenen einige Worte. Vägnjhely. Die VLgujhelyer israelitische Cultusgemeinde, welche ihre seit 40 Jahren bestehende Unterrealschule mit der fünften Elaste erweitern wollte, wendete sich diesbezüglich an dos ungarische Unterrichtsministerium mit der Brite um das Oeffentlichkeitsrecht für die zu eröffnende fünfte Claffe. Das hohe Unterrichtsministerium beschied das Ansuchen der israelitischen Cultusgemeinde abschlägig mit dem Hinzufügen, daß die Cultusgemeinde die Errichtung der Oberrealschule erst dann in Angriff nehme, nachdem sie über alle jene Capitalien verfügt, welche zur Erhaltung einer achtclaffigen Oberreolschule erforderlich sind. Dieser abschlägige Bescheid enthält keine Ungerechtigkeit, er verlangt blos Unmögliches. Die Erhaltung der vier Elasten der Unterrealschule erfordert jährlich 35.000 Kronen, die vier ober« Elasten mit ihrer bedeutend geringeren Schülerzahl würden noch bedeutendere Kosten verursachen. Dies wiffend, beabsichtigte die Cultusgemeinde, stufenweise die nächsthöhere Claffe nur dann zu eröffnen, wenn ihr ein genügend großes Capital zur Verfügung steht, deffen Zinsen im Vereine mit den einlaufenden Schulgeldern und der Staatssubvention den Bestand der Claffe, ohne Rücksicht auf die Schülerzahl, sichern. Die Cultusgemeinde ist entschloffen, ihre Bitte dem liberal gesinnten Minister neuerdings vorzutragen. Auf Schritt und Tritt machen wir leider die traurige Erfahrung, wie nachtheilig für die ungarische Iudenschaft der Mangel einer administrativen Organisation ist. Die Zersplitterung im ungarischen Judenthume wirkt lähmend auf jedes kulturelle Unternehmen. Der wilde, glühende Parteihaß verdorrt, wie der heiße Chamfin, die lebensfähigsten Keime. Jährlich wird darauf hingewiesen, daß keiner von den 80—90 israelitischen Ltatus quo-Grmeinden von den zwei Landesfonden eine Unterstützung zutheil wird. Man copirt die Wiener Cultusgemeinde und unterstützt Künstler aus dem Landesfonde, läßt sie heranbilden, trotzdem allgemein bekannt ist, daß in Ungarn eine große Ueberproduction auf dem Gebiete der Kunst an den Tag tritt und die Kunst im wahren Sinne des Wortes nach Brod geht. Eine Mittelschule aber, die armen Schülern den Kampf ums Dasein, dem ihre Eltern durch antisemitische Consumvereine erlegen sind, erleichtert, wird gänzlich ignorirt. Daß die Bagujhelyer israelitische Realschule würdig ist, unterstützt zu werden, und dem Judenthum zur Ehre gereicht, mögen folgende Daten beleuchten: Die Schule wurde von 183 Schülern besucht, darunter waren 37 christlicher Confeffion. Zur Jahresprüfung erschienen 164, darunter erhielten 18 Borzugsnoten, 39 bekamen die Note »Gut", 80 erhielten die Claffe „Genügend", 23 haben sich einer Nachprüfung zu unterziehen und blos sieben wurden zur Wiederholung der Claffe angewiesen. Dieses Resultat ist ein besonders befriedigendes. Erwähnt zu werden verdient der pietätsvolle Act, welchen zahlreiche einstige Schüler der Realschule ihrem jüngst verstorbenen Lehrer Ludwig Dawidsohn gegenüber übten, indem sie ihm ein schönes Grabdenkmal errichten ließen. Die Erwähnung einiger Namen von Herren, die in Wien domiciliren, möge blos als Quittung betrachtet werden. Zur Errichtung des Grabmales für weil. Prof. Ludwig Dawidsohn spendeten folgende Herren: Sigmund Popper, Felix Signer, Sigmund Grosner, Josef Grosner, Philipp Adler und Gemalin, Norbert Donath, Hugo Signer, Dr. Julius Fodor, Rudolf Popper, Prag. London. Dieser Tage fand Hierselbst in der großen Versammlungshalle in Mille-end-Road eine Protestversammlung statt, an der Tausende von Juden aus dem Osten Londons theilnahmen. An der Versammlung waren vor allen Dingen auch die socialdemokratischen Führer betheiligt. Der Arbeiter-Parlamentarier Keinhardie sagte in einem Briefe, durch den er sein Fernbleiben entschuldigte: »Es ist die Zeit gekommen, wo die Regierungen von Europa eine Macht nur noch dann anerkennen sollten, wenn sie sich dem sittlichen Standpunkt des Zm alters entsprechend benimmt." Nach der Versammlung fand eine Protestkundgebung im Hydepark statt. Die Reden wurden meist in fremder Sprache gehalten. Man hörte russisch, deutsch, jüdisch, französisch und italienisch. Die russische Regierung wurde »als die infamste der modernen Zeiten" stark verurtheilt, und die Versammlung sprach ihr Bedauern darüber aus. daß keine Mansion- House-Bersammlung stattgefunden habe, trotzdem London einen jüdischen Lordmayor besitze. Die angenommene Resolution hatte folgenden Wortlaut: »Die Versammlung drückt den Opfern des Aufstandes in Kischenew, sowie deren Verwandten ihr Beileid aus. Sie gibt ihrer Bewunderung für alle Diejenigen Ausdruck, die ohne Rücksicht auf Glauben und Nationalität bei der Vertheidigung der hilflofen jüdischen Bevölkerung ihr Leben' aufs Spiel setzten. Sie verabscheut das Verhalten der russischen Regierung, die zur Einschüchterung der revolutionären Kräfte des Volkes es vermied, Schritte zu thun, die feige Niedermetzelung unschuldiger Mänuer, Frauen und Kinder zu verhindern. Die Versammluig ist der Ansicht, daß nur eine starke Entwicklung der Arbeiterbewegung in Rußland ähnliche Vorkommnisse verhindern kann und sendet allen denen, die in Rußland bestrebt sind, die augenblickliche Regierung zu stürzen und den Socialismus zu fördern, ihren aufmunternden, brüderlichen Gruß." London. (Auszeichnungen.) König Eduard hat bei Gelegenheit seines Geburtstages an verschiedene Juden hohe Auszeichnungen verliehen. Der Lord-Mayor von London Sir Marcus Samuel ist zum Baronet ernannt worden und der bisherige Baronet Sir Edward Lawson ist Lord geworden. Ferner dem Sir Richard Salmon, Generalanwalt der Transvaal-Verwaltung, den Bath-Ordeu, sowie ferner Herrn S. M. Grünwald den königl. Verdienstorden verliehen. London. (I. Zangwill und die Jewish-Colonisation Association.) Herr Israel Zangwill hat im Unterhaus eine Petition eingereicht, inß der er das Parlament ersucht, der von derJewish Colonisation Association nachgesuchten Statutenänderung in dritter Lesung seine Genehmigung zu ver-

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