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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-17 · 29 (17.7.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
29 (17.7.1903)
Date
1903-07-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Dlocb's Mocbenscbritt. Seite 463 tigen Menschen zum LastLragen, und wenn sie auf den Dreschplätzen fressen, oder die ihnen aufgelegte Arbeit nicht leisten, erhalten Sie viele Schläge, da sie lediglich zur Verrichtung von Arbeiten und zum Ackerbau verwendet werden. Apion aber war im Erdichten von Lügen dermaßen geistlos, daß er selbst, wo er von Thatsachen ausging, seine Lügen nicht zu fördern vermochte, da keine seiner Verleumdungen uns etwas schaden kann."') Gleichwohl haben ihm Tacitus und Plutarch die Sage von der Eselverehruug bei den Juden gläubig nacherzählt! Eine weitere Beleuchtung erhält diese Sage von christlicher Seite. Denn auch dem Christenthum blieb der Vorwurf, daß es den Eselscultus pflege, nicht erspart. „Ich höre", sagt der Heide Cäcil bei Minucius Felix, „daß die Christen das Haupt des schändlichen Thieres, des Esels, verehren"?) Worauf Octavius: „Solche Lügen sind ein Werk der Dämonen nnd werden durch sie erhalten und fortgepflanzt. Daher hast du es, daß der Eselskopf bei uns ein Heiligthum sei? Wer sollte aber wohl so dumm sein, daß mau diesen anbete; oder war der noch einfältiger, der da glaubte, daß so etwas wirklich geschehe? Doch ihr weiht ja gleichwohl ganze Esel, nicht nur Köpfe und verehrt Ochsen- und Schöpsenköpfe."b) Ausführlicheres lesen wir hierüber bei Tertnllian; wir erfahren hier einmal, daß selbst noch zu Beginn des dritten christlichen Jahrhunderts die Sage von dem steinernen Eselsbild, die aber jetzt auf das christliche Heiligthum übertragen ist, lebendig war, und dann, daß man sie hier mit derselben Methode, ja mit denselben Worten abwies, wie vormals auf jüdischer Seite. Tertnllian sagt: «Gewisse Leute aus ihrer Mitte haben nämlich geträumt, der Kopf eines Esels sei unser Gott. Diese Vermuthung hat Cornelius Tacitus auf folgende Weise zum Ausdruck gebracht: Im fünften Buche seines Geschichtswerkes über den jüdischen Krieg geht er nämlich auf den Ursprung des besagten Volkes zurück, führt auch über den Ursprung sowohl als über den Namen und die Religion unseres Volkes willkürliche Dinge an und erzählt, daß die Juden, aus Egypten befreit, oder, wie er glaubt, ausgewicsen, in wüsten und ganz wasserlosen Gegenden Arabiens von Durst ermattet, sich der Waldesel, von welchen sie vermutheten, daß sie nach der Weide zur Tränke liefen, zur Auffindung einer Quelle bedienten, daß sie wegen dieser Wohlthat den Obertheil eines verwandten Thieres zu ihrem Gott machten. Und daher, glaube ich, ist vermuthet worden, daß wir, als der jüdischen Religion nahe stehend, zum Dienste desselben Götterbildes eingeweiht wurden. Aber dieser selbe Cornelius Tacitus, jener Mann, der so redselig lügt (mendaciornrn loqnacissirnns), erzählt doch selbst in demselben Werke, daß Cnejils Pompejns, als er Jerusalem erobert hatte und daher den Tempel betreten konnte, um die Heimlichkeiten des jüdischen Cultus auszuspüren, dort kein Götterbild gefunden habe. Und doch, wenn etwas bildlich Darstellbares verehrt wurde, so hätte es sich gewiß nirgends eher, als in dem betreffenden Heiligthum vorgefunden, umsomehr, als jener Cultus, obwohl nichtig, doch keine fremden Zuschauer gefürchtet haben würde. Denn nur den Priestern war der Zutritt gestattet, den Uebrigen, sogar das Sehen durch einen vorgespannten Vorhang verweigert."* 2 * 4 5) Hierauf bringt Tertnllian die folgende, ebenso interessante als lehrreiche Mittheilung: „Da hat jüngsthin wieder ein anderer ein neues Bild von unserm Gott producirt. Er brachte nämlich ein Gemälde hervor mit der Ueberschrift: „Dens Obristianorum Ononyebites". Diese Figur hatte Eselsohren mit der einen Klaue ein Buch halten d, in einen langen Rock gehüllt." „Dieses Bild", fügt Tertnllian hinzu, „hatten sie nur gleich anbeten sollen; denn sie haben ja dergleichen Götter."^) Da hätten wir denn wieder die alte, dem Antiochus EpiPhanes in den Mund gelegte Erzählung von dem steinernen Eselsbilde, mit dem Buche in der Hand, vor uns, in ‘) Jos. contra Ap. II, 7. 2) Minne. Felix 9: Audio eos (sc. Christianos) turpissimae pecudis caput asini consecratum inepta, nescio qua ratione venerari. °) Das. c. 28. 4) Tertull. Apolog. c. 16. 5) Das.: Nova jam Dei nostri editio publicata est, ex quo — quidam — picturam proposuit cum eiusmodi inscriptione : Dens Christianorum Ononychites. Is erat anribus asininis, altero pede ungnlatus, librum gestans et togatns. neuer Auflage und in nur wenig veränderter Gestalt. — Tertnllian allerdings hält dieses nunmehr auf christlichen Boden verpflanzte Schmachbild für eine neue Erfindung. Es scheint ihm die Sache von dem steinernen Bilde eines langbärtigen, auf einem Esel sitzenden und ein Buch in der Hand haltenden Mannes, welches Antiochus Epiphanes im Tempel von Jerusalem gesehen haben soll, unbekannt gewesen zu sein. Das Bild ist jedoch das alte, der Schauplatz nur hat gewechselt. Nicht mehr sind es die Juden, die den Eselscultus Pflegen, sondern die Christen. Im Uebrigen ist Alles so ziemlich beim Alten geblieben. — II. Genesis der Sage vom Blutritual. Aber Apion weiß noch über eine andere, weit greulichere Entdeckung, welche Antiochus Epiphanes bei seinem Eindringen in den Tempel von Jerusalem gemacht, Bescheid. Antiochus habe nämlich daselbst einen auf einem Lager ruhenden Menschen gefunden, vor welchem ein Tisch voll köstlicher Speisen gestanden. Der Mann habe sich, kaum daß er den König erblickte, vor ihm auf die Knie geworfen und ihn flehentlich um Befreiung gebeten. Er sei, erzählte er, ein Grieche, sei auf seiner Wanderung durch das jüdische Land ergriffen und in diesen Tempel eingeschlossen worden. Abgeschnitten von jedem Verkehr, werde er hier mit aller Art Speise gemästet, um — wie er von den ihn bewirthenden Dienern vernommen — geopfert zu werden. Denn das schändliche Gesetz der Juden verlange solches, und das werde in jedem Jahre zur bestimmten Zeit so gehalten. Ein fremder Grieche werde da ergriffen, ein ganzes Jahr hindurch gemästet, dann in einen Wald geführt, wo er getödtet und geopfert werden worauf die Juden von seinem Fleische essen. Bei der Opferung aber leisten sie den Eidschwur, die Griechen zu hassen. Diese Fabel aber, weint Josephus, sei dem Antiochus Epiphanes zu Gefallen erdichtet worden, um seine Treulosigkeit und Tempelschäudung zu bedecken, die er in Folge von Geldmangel gegen die Juden begangen; allein sie reinige ihn durchaus nicht von diesen Verbrechen. Habe er doch den Tempel, ohne etwas von den Griechen zu wissen, betreten Er sei somit aus Frevelmuth gottlos gewesen, keineswegs aber durch göttliche Fügung, wie es das Uebermaß jener Lüge bezeuge, die man aus der Sache selbst leicht beweisen könne. Stünde doch das jüdische Gesetz nicht allein mit den Griechen in Zwiespalt, sondern mehr noch mit den Egyptern und vielen anderen Völkern. Und seien etwa Leute ans diesen Gegenden niemals durch das jüdische Land gereist, daß wider die Griechen allein unter Blutvergießen die Verschwörung erneuert worden sei? Oder wie wäre es möglich, daß sich alle Juden zu diesem Opfer versammelt und daß jenes Fleisch für so viele Tausende ansgereicht hätte, wie Apion dies erzähle? Und warum und weshalb habe der König nicht den Gefangenen, wo er auch immer gewesen sein mochte, mit Feierlichkeit in sein Vaterland znrückgebracht, wodurch er sich doch nicht nur den Ruhm der Frömmigkeit und der Liebe zu den Griechen erworben, sondern auch gegen den Haß der Juden große Hilfe von allen Seiten hätte erlangen können? Doch davon genug: denn unvernünftigen Menschen dürfe man nicht mit Worten kommen, da müssen Thaten sprechen.l) — Und nun weist Josephus die ganze Absurdität dieser schandbaren Fabel damit nach, daß er ein Bild der Einrichtung des Tempels gibt, welche die Möglichkeit des von Apion verbreiteten Ereignisses vollständig ausschließt. Er schließt seine Schilderung: „Was kann ich nun von Apion anders sagen, als daß er ohne jede Untersuchung unglaubliche Dinge vorgebracht hat? Allein schmachvoll ist es, wenn ein Grammatiker den wahren Sachverhalt der Ge- '). Contra Ap. II, 8: Sed. haec. relinquo; insensatos enim non verbis, sed. operibus decet argnere.

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