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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-10 · 28 (10.7.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
28 (10.7.1903)
Date
1903-07-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 28 Dr. Llocb's MocdenscbrM, Seite 449 Rechtsfreund Dr. Raphael Landau in Krakau an die Statthatterei in Lemberg recurrirt. Diesem Recurse wurde stattgegeben und die Taufe dieser dreier Kinder als ungesttzlich erkannt. Die Kinder werden jetzt dem Vater durch das Gericht zurückgestellt werden, wenn sie nicht etwa wieder plötzlich unauffindbar sein sollten. Budapest. (Trafikanten beim Finanzminister.) Bekanntlich hat der Finanzminister eine Verordnung erlasien. nach welcher es vom 1. Juli ab den Trafikanten israelitischer Confeffion untersagt ist, am Samstag ihre Geschäftslocale geschloffen zu halten. Diese Verordnung wurde später dahin abgeändert, daß das Geschäftslocal wohl geschloffen bleiben dürfe, jedoch in einem nächst dem Haupteingange unterzubringenden Vorschläge alle Trafiksorten feilgeboten werden müffen. Die israelitischen Trafikanten traten in Folge dessen kürzlich zu einem Landescongreß zusammen, welcher den Beschluß faßte, dem Finanzminister im Wege einer Deputation ein Memorandum zu überreichen, in welchem um Zurückziehung, respective Milderung dieser Verordnung angesucht wird. Vorige Woche sprach während einer Sitzung des Abgeordnetenhauses unter der Führung des Verbüer Oberrabbiners Samuel Reich eine zwanziggliedrige Deputation beim Finanzminister Lukäcs vor, um ihm das Memorandum zu überreichen. Der Deputation hatten sich die Reichstagsabgeordneten Ladislaus Nyegre, Elemer Domahidy. Bela Barabas, Akos Bizony und Coloman Solteß-Nagy angeschlossen. Oberrabbiner Reich schilderte in prägnanten Worten, wie schwer die Verordnung die Trafikanten israelitischer Confeffion treffe, und er bat den Minister, derselbe möge Abhilfe schaffen oder zumindest einen Uebergangstermin gewähren. Finanzminister Ladislaus Lukäcs nahm das Memorandum mit der Versicherung entgegen, daß es ihm ferne gelegen sei, den Confeffionalismus in irgend welcher Weise durch die Verordnung zu schüren, es waren vielmehr blos die Jntereffen des Aerars, welche bei Erlaß der Verordnung maßgebend wurden. Der Minister sagte ferner, er wolle den religiösen Gefühlen der Jntereffenten Rechnung tragen und die Finanzdirectionen anweisen, sie mögen die stricte Einhaltung der Verordnung nicht fördern, sondern .auf die localen Umstände Rücksicht nehmen. Schließlich erklärte er, daß er das Memorandum zum Gegenstand eines Studiums machen und Erleichterungen schaffen wolle. Auf die Bitte, ein Uebergangsstadium zu schaffen, stellte der Minister die Schaffung desselben in Aussicht. Zum Schluß machte der Abgeordnete Ladislaus Nyrgre den Finanzminister aufmerksam, daß der Gesammtverdienst einzelner kleiner Trafikanten in einer Woche nicht so viel betrage, als die Anstellung eines Verkäufers für die Samstage koste. Der Minister, welcher die Deputation sehr freundlich empfing, versicherte nochmals, daß er die Angelegenheit einer günstigen Erledigung zusühren wolle. Antisemitismus und Hochschule. Das »Prager Tagblatt" schreibt unter diesem Schlagworte : Man sollte meinen, daß das zwei disparate Begriffe sind, die einander vollständig ausschließen, denn man kann sich nicht denken, daß der Antisemitismus, der entweder einerseits geschichtlicher oder ethnographischer Unkenntniß oder andererseits dem niedrig stehenden Jnstinct. wenn nicht der Böswilligkeit und dem Neide entspringt, mit und auf der Hochschule, im Kreise der Professoren etwas zu thun hat. Man sollte meinen — allein man weiß, daß speciell an den deutsch-österreichischen Hochschulen und warum sollen wir es leugnen, gerade in Prag der Antisemitismus gepflegt wird, dessen Anhänger zumeist den Mangel an wissenschaftlicher Bedeutung durch eine starke Hervorhebung ihrer Gesinnung zu ersetzen suchen. Es wird sich vielleicht ein andermal Gelegenheit ergeben, diese Verhältnisse und ihren Einfluß auf den Vorschlag zur Ernennung von Profefforen und Docenten zu erörtern; für heute sei nur auf den concreten Fall der Salzburger Ferialcurse hingewiesen, welche zu deutsch-nationalen Quertreibereien geführt haben. Die Münchener »Hochschul-Nachrichten" äußern sich in einem von dem Herausgeber Dr. Paul von Savlisberg gezeichneten Artikel folgendermaßen: „Während die österreichischen Aerzte Gott und die Welt für ihre Berufsmisere verantwortlich machen, verhindern antisemitische Wiener Aerzte das Zustandekommen einer Reichsorganisation ihrer Berufscollegen, bezw. den die letztere anstrebenden socialärztlichen Reichscongreß und im gleichen Athemzuge, mit dem man in akademischen und anderen Blättern den Münd vollnimmt über die in Salzburg zu veranstaltende Protestkundgebung der freien »Voraussetzungslosen'' Wiffenschaft gegen den bildungs- ^eindlichen Clericalismus, weist man auch schon darauf hin, daß man leider erst zu spät erfahren habe, daß der Obmann des die Ferialcurse in Salzburg veranstaltenden Vereines ein — Jn^e sei. Die angesehensten deutschen Hochschullehrer gehen diefim Juden bei und werden in Salzburg Borträge halten, eine Handvoll studentischer Gelbschnäbel dagegen verlangt seinen Rücktritt und hätte, als derselbe, wie es von ehrenwerthen Leuten gar nicht anders zu erwarten war, verweigert wurde, am liebsten das ganze Project unmöglich gemacht. — wenn es nämlich nicht auch ohne sie gehen würde! Um nun doch wenigstens zu verhüten, »daß Juden und Juden-Liberale sich in Salzburg als Vertreter der deutschnationalen Studentenschaft und der freien deutschen Wlffenschaft breit machen", thun diese Herren gnädigst mit und fordern ihre Gleichgesinnten zu reger Betheiligung in den »Akademischen Blättern" auf. Sie können füglich zu Hause bleiben, denn die Vortragenden deutschen Hochschullehrer bedürfen dieser Ehrengarde nicht." Czaslau. (Ein Regimentsbefehl gegen den Antisemitismus.) Eine aus 36 Mann bestehende Abtheilung des 12. Landwehr-Jnfanterie-Regimentes erschien dieser Tage beim Tabakverleger Weiner zur Tabakfaffung, wobei ein Landwehrmann den Weiner, der Jude ist, in unqualificirbarer Weise im jüdischen Jargon verspottete. Weiner beschwerte sich bei dem Corporal, jedoch ohne Erfolg. Tags darauf beklagte sich Weiner bei dem Regimentscommandanten Obersten Müller v. Eck über das Benehmen der Mannschaft. Oberst Müllergab nun folgenden Regimentsbefehl heraus: »Bei der Tabakfaffung bei Herrn Weiner hat sich die betreffende Abtheilung in unwürdiger und einer dem § 2 des Dienstreglements 1 widersprechenden Art und Weise benommen. Es ist eines Menschen und insbesondere eines Soldaten unwürdig, über Angehörige einer anderen Confeffion in wegwerfender Weise zu sprechen oder ihn zu verspotten oder zu erniedrigen. Dieses jede Zucht verletzende Borgehen tadle ich auf das Schärfste und Strengste und erwarte, daß Jeder auch anderen Confeffiouen gegenüber jene Achtung bezeugen wird, welche denselben gebührt." Der Corporal, der die Abtheilung führte und den Mann nicht zurechtwies. wurde zu 20 T a g e n K a s e r n a r r e st, der Mann zu 10 Tagen strengen Arrests oerurtheilt, die übrige Mannschaft erhielt vor dem Rapporte eine strenge Rüge. Berlin. (Generalversammlung des Vereines »E s r a".) Am 28. Juni fand in Caffel's Hotel die alljährliche ordentliche Generalversammlung des »Esra", Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien statt. Nebst Delegirten des Berliner Zweigvereines wohnten derselben noch die V'rtreter der Local-Comites von Breslau, Hamburg, Kattowitz, Ostrowo und München bei. Wir bemerkten unter den Delegirten die Herren Rabbiner Dr. Rosenthal und Doctor Schottländer aus Breslau, Rabbiner Dr. C. Werner aus München, sowie einige Gäste aus Jaffy und Kischenew. Vorsitzender Herr Moritz Dorn erstattete den Jahresbericht, aus dem hervorging, daß der Verein gegen das vorige Jahr an Mitglieder zugenommen hat. Die Colonisation Palästinas hatte in dem Berichtsjahre ihren ersten sichtbaren und großen Erfolg zu verzeichnen gehabt, indem in diesem Jahre zum erstenmale die ganze palästinensische Weinernte verkauft werden konnte, so daß die materielle Zukunft der 2500 jüdischen Winzer im Heiligen Lande als definitiv fichergestellt gelten kann. Auch die Lage der übrigen jüdischen Colonisten Palästinas hat sich im Jahre 1902 wesentlich gebessert, und von den 27 im Heiligen Lande begründeten jüdischen Dörfern find kaum 4 noch der Unterstützung bedürftig. Von diesen ist die transjordanische Colonie Bneh-Jehudah im Berichtjahre vom Vereine »Esra" übernommen worden, welcher mit einer Ausgabe von Mk. 45.000 die Colonisten zur völligen Selbstständigkeit zu verhelfen hofft. Aus dem vom Caffier des Vereines Herrn Consul Jul. Friedemann erstatteten Cassenbericht geht hervor, daß der »Esra" im Berichtsjahre für Bneh-Jehuda Mk. 7642 ausgegeben hat und daß ferner in Baar und in Werthpapieren noch ein Bestand von Mk. 24.188 vorhanden ist. Demnach wird der »Esra" zuzüglich der zu erwartenden Einnahmen für das laufende Jahr 1903 die zur Sanirung der Colonie Bneh-Jehudah erforderliche Summe von Mk. 45.000 selber aufbringen können. Die Wiederwahl des Schatzmeisters, sowie der turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder des Central-Comitss erfolgte per Acclamation. Zum Schluffe gab der zur Zeit in Berlin weilende palästinenfische Vertreter des Vereines »Esra", Herr

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