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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-10 · 28 (10.7.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
28 (10.7.1903)
Date
1903-07-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 448 Dr. Dlocb's Mocbenscbrttt. Nr. 28 Krieg ohne Schulden — nur mittels natürlicher Hilfsquellen — auszufechten. Auf diese Weise gewann der Hofjuwelier des Königs. Ephraim Beitel, einen besonderen Antheil an der welthistorischen Ehre des preußischen Waffenruhmes. — Sogleich nach dem Hubertsburger Frieden, der von der gesammten Berliner Judenschaft feierlich begangen wurde, gestattete ihm der König, schöne Häuser und Gärten in Berlin anzukaufen, doch fein Lieblingswunsch, ein schönes Landgut bei Spandau zu erwerben, ward ihm nicht erfüllt), wogegen er die Gold- und Silbermanufactur zu Berlin und Potsdam übernehmen durfte. Das Berhältniß Friedrich des Großen, des Philosophen auf dem preußischen Thron, zu Ephraim Beitel entsprang einzig und allein seinem Herrscherprincip, dem Wohle des Staates förderlich zu sein, keineswegs aber seiner Freistnnigkeit und seiner übrigens pseudoliberalen »Toleranz", denn die Juden blieben auch unter seiner Regierung die Parias» nichts anderes — als »ausländische Vagabunden"^). Korrespondenzen. Ein kaisertreues Blatt. In dem officiellen Parteiorgan der christlich-socialen Ueberpatrioten, die sich in Hochrufen auf den Kaiser nicht genugthun können, in der »Deutschen Zeitung", war dieser Tage zu lesen: D e r o u t e: Ein Stimmungsbild . . . Auch die kaisertreuesten Patrioten werden die Feier des 18. August Heuer nur in sehr gedrückter Stimmung und mit gemischten Empfindungen begehen . . Tritt eine thatfrische, jugendstarke Persönlichkeit an die Ursprungsquelle der — treibenden Kräfte, dann — ja dann könnte es zu einem Durchhauen des Knotens kommen, welcher der Lösung mit hausbackenen Mitteln und auf gelinde Art mit so rebellischer Hartnäckigkeit widerstrebt . .. Doch das sind sehr weitlieqende, wenn auch vielleicht nicht unabsehbar entfernte Perspectiven. Schließlich: In unserem Reiche der Unwahrscheinlichkeiten, der unvermuthetsten scheinbaren „Unmöglichkeiten", die infolge eines ungeahnten, verblüffend überraschenden Umschlages über Nacht lebensvolle Gestaltung annahmen. bei der Unverläßlickkeit und Unberecheubarkeit ausschlaggebender Factoren — ist auch ein vollständiger Umschwung des Regierungssystems, ein heute von fast Allen für unmöglich gehaltener Personen- und Sceneriewechsel nicht mehr unmöglich, die Grenze, an der freiwillige und unfreiwillige, gewollte und ungewollte Demissionen und Pensionirungen, Rücktritte und Abdankungen Halt machen, vorneweg nicht fixirbar. Daß der habsburgischen Monarchie eine Verjüngung ihrer Säfte von der Wurzel durch Stamm, Aeste und Zweige bis in die Baumkrone hinauf noth thut, das haben mit eindringlicher Schärfe die letzten Tage gezeigt. . . . Graf Khuen: er ist als bloßes Vollzugsorgan kaum verantwortlich für die Versündigungen, die er am Reichsgedanken, an der Staatsidee, beffer: Fiction der staatlichen Gemeinsamkeit und Zusammengehörigkeit, begangen hat . . . Wir fürchten, daß nur eine große Umwälzung, eine grundlegende Neuerung, eine wahre Renaissance das erloschene Vertrauen in die Zukunft dieses namenlosen Reiches zu neuem Leben zu erwecken vermag. . . . Und da nicht einmal die Ehre gerettet erscheint» so sehen die Anhänger von Ordnung und Autorität, die Freunde des Reiches und der Armee sowie wirklich parlamentarischer Grundsätze nach einem Schützer und Schirmer aller staatserhaltenden Factoren. einem Retter aus Wirrsal und Noth aus, der den Glauben an die Monarchie und ihre weltgeschichtliche Mission wieder aufrichtet. Die »Kölnische Zeitung" theilte mit, »daß Dr. Lueger seinen Stadtrath Dr. Weffelsky in der von ihm unterhaltenen „Deutschen Zeitung" ziemlich unverblümt die Abdankung des Kaisers zugunsten des Thronfolgers fordern läßt". Die Herren Dr. Lueger und Dr. Weffelsky haben ein. Dementi publicirt und bestreiten, daß sie den Artikel veranlaßt hätten. Allein die »Deutsche Zeitung" ist das officielle Organ der christlich-socialen Partei. Der Bürgermeister wendet diesem Blatte Einkünfte zu, selbst von jüdischen Stiftungen. Im Laufe dieser Woche war in der »Deutschen Zeitung" eine »Goldenbergische Stiftung" publicirt. Der Stifter war ein guter Jude, und aus seinen Stiftungszeldern läßt der Bürgermeister der Stadt Wien die »Deutsche Zeitung" unterstützen. Die Ausschreibung dieser Stiftung erfolgte nicht in liberalen Blättern, ja nicht einmal im »Deutschen Bolksblatt", sondern ausschließlich und allein in der »Deutschen Zeitung". Sie, die »Deutsche Zeitung" ist das officielle Organ der Wiener Stadtrathspartei. Mit Recht bemertt dazu die »Freisinnige Zeitung": ')Vgl.-S. (König). »Annalen der Juden im preußischen Staate". *) Vgl. Prof. Eberty's Preußische Geschichte. 1673. Wir wissen nicht, ob Dr. Lueger jenen ärgernißerregenden Artikel der .Deutschen Zeitung" inspirirt hat oder nicht; wir wollen es auch nicht behaupten, schon deshalb nicht, weil wir dem Gedanken nicht Raum geben wollen, daß das Oberhaupt der Reichshauptstadt es wagen könnte, einen solchen Zeitungsartikel veröffentlichen zu lassen. Aber die „Deutsche Zeitung" kennt die Gesinnungen ihrer Hintermänner, sie weiß es, wie man in diesen Kreisen über die Heiligkeit und Unverletzlichkeit des Trägers der Krone denkt und spricht, sie kennt ihre Wünsche und weß das Herz voll ist, geht — die Feder über. ' Sage mir, mit wem du gehst, und ich weiß, wer du bist: Unbestritten ist die ..Deutsche Zeitung" ein „christlich-sociales Organ" — die Christlich-Socialen werden sohin die Meinung nicht abwehreu können, daß zwischen ihrem Denken und dem Inhalte des durch die „Kölnische Zeitung" nunmehr weitverbreiteten Artikels ein organischer Zusammenhang bestehe. Die »D'utsche Zeitung" ist das blödeste Antisemitenblatt Oesterreichs; sie wird nicht müde, die Juden als Hochverräther zu schmähen. In einem unbewachten Moment hat sie in das Innere ihrer schwarzen Seele blicken lassen. Wien. (Israelitische Allianz.) Die Sammlung zu Gunsten der Opfer des Maffacres in Kischenew hat bis heute insgesammt circa 208.000 Kronen erreicht. Zu den bereits veröffentlichten Sammlungs-Ergebnissen in einzelnen Cultusgemeinden sind folgende hinzugekommen, beziehungsweise nachzutragen: Mährisch-Ostrau (durch Herrn Moritz Kraßny. Obmann des Localcomitss der Israelitischen Allianz) Kr. 2682.50, darunter von Mährisch- und Polnisch-Ostrauer Gemeindemitgliedern K^. 2025.40 von Pkivoser Mitgliedern Kr. 190.60, vom Verein .Emunah" Kr. 30.—, aus Witkowitz Kr. 232 —, aus Oderberg Kr. 104.50, aus Hruschan Kr. 100.—; Agram durch die israelitische Cultusgemeinde, II. Sammlung Kr. 1300.— (zusammen mit der I. Sammlung Kr. 2500.—, außer den durch die löbliche Redaction der „Agramer Zeitung" in Folge der verdienstlichen Initiative des Herrn Ignaz Granitz gesammelten und bereits mitgetheilten Beträgen); Essegg, II. Sammlung Kr. 555.18 (darunter aus Essegg-Unterstadt Kr. 142.60. aus Neu-Gradiska Kr. 197.90, S. H.- Gutmann de Gelse in Bel'Zöe Kr. 100.—, Emil Rosenfeld Kr. 20.—, Sammlung Oscar Roitman Kr. 10.68, Dr. H. Plachte, Alex. Büchler, Geza Bauer, Dr. Reinfeld je Kr. IO.—), zusammen mit der I. Sammlung Kr. 1873.18'; Olmütz durch Herrn Rabbiner Dr. B. Oppenheim, und zwar: 1. iL Sammlung der Cultusgemeinde Kr. 92.—, 2. Erlös aus Sammelbüchsen, veranlaßt durch Herrn VicepräsideNten Josef Löw Kr. 50.06, 3. Reinertrag einer Kinderakademie im k. städtischen Redoutensaal Kr. 1282.—. 4. Sammlung bei der Hochzeit Geßler-Klein in Kunzendorf Kr. 70.—, zusammen Kr. 1494.06; Prag weitere Sendung Kr. 534.50; Böhm.-Leipa Kr. 571.38; Trautenau Kc. 429.—; Hekmanm estec Kr. 340.—; Wsetin Kr. 100.—; Teschen durch die israelitische Cultusgemeinde Kr. 742.—; Karl st ad t Kr. 375.— (darunter Cultusgemeinde und Chewra-Kadischa je Kr. 50.—, S. und H. Kramer Kr. 25.—); Sarajewo Kr. 347.—; K r u m a u Kr. 227.—; V l a s i m Kr. 171.40; Chr za no w Kr. 159.—; Drohobycz Kc. 130.—; K r a k a u (B. B.) Kr. 100.—; Floridsdorf Kr. 386.30; T r i e s ch Kr. 249.-; M i st e l b a ch II. Sendung Kr. 40.—; Baden Kr. 53.—; Groß-Enzersdorf Kr. 57.—; Brüx Kr. 99.80; Butschowitz Kr. 50.-; Weitentrebetitsch Kr. 48.—; durch die Oesterreichisch- Israelitische Union Kr. 64.—; Sniatyn (durch Vermittlung der israelitischen Cultusgemeinde in Wiei) Sammlung der Herren Josef Rosenkranz und Gedalie Kohu Kr. 105.53 (darunter B. Silberbusch Kr. 20.—, H. Weißelberger Kr. 14.—, M. Wechsler, Josef Kohn und Juda Kohn je Kr. 10.—). * * * * An der am 28. und 29. Juni in Berlin abgehaltenen Conferenz der Humanitären Vereine, die sich an der Hilfsaction betheiligen, war die Israelitische Allianz durch die Herren Dr. Alfred Stern, Wilhelm Pappenheim und Dr. Armand Kaminka vertreten. Auf Grund der von Herrn Dr. Kaminka für die Israelitische Allianz und von Herrn S. Berge! für den Berliner Hilfsverein erstatteten Berichte wurden dem Comite in Kischenew zur Fortsetzung seiner als zweckmäßig erkannten Wirksamkeit neuerlich größere Beträge zur Verfügung gestellt. Krakau. (W e g t a u f e n i n G a l i z i e n.) In der A,.- gelegenheit der ohne Wissen ihres Vaters getauften unmündigen Kinder Reiß hat vor einigen Monaten der hiesige Magistrat die Taufe der beiden älteren Kinder als ungesetzlich, hingegen die des jüngsten für rechtmäßig bestehend erkannt. Gegen die letztere Entscheidung hat der Vater des Kindes durch seinen

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