Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 27 (3.7.1903)
- Date
- 1903-07-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 27 Br* Mocb's Mocbenscbrm. Seite 433 Vorstand wenigstens in die Lage versetzt, zu erfahren, was bei dem Religionsunterrichte vorgeht. Fast kommt man auf die Vermuthung, daß der Cultusvorstand es vorziehe, hierüber nicht informirt zu werden. Trotz dieser mangelnden Information kann es dem Cultusvorstand nicht unbekannt sein, daß der Religionsunterricht an Mittelschulen sebr viel zu wünschen übrig lasse. Der wichtigen Aufgabe, unsere Knaben für das Judenthum zu begeistern, wird dieser Unterricht in den seltensten Fällen gerecht. Das Lehrziel, obschon niedrig genug gesteckt, wird nicht oder nur pro forma erreicht. Das Wenige, das gelehrt wird, bleibt meist nur oberflächlich haften, die Knaben bringen es weder dahin, dem hebräischen Gottesdienste in de;i Bethäusern folgen zu können, noch die wichtigeren Bibelstellen im Urtexte zu verstehen, auch nicht die hochintereflante Geschichte unserer Vorfahren zu kennen und zu würdigen. Wahr ist's, daß das gesetzlich vorgeschriebene Zeitmaß nicht ausreicht, um diesen Aufgaben vollständig zu entsprechen. Ob aber auch nur das Nothdürftigste geschieht, das sollte der Cultusvorstand doch ernstlicher prüfen, als dies seit anderthalb Jahren der Fall ist. Gerade im Hinblick auf das dem Religionsunterricht gewidmete Zeitminimum wäre eine gründliche Umgestaltung der L e h r- Methode rathsam. Um in zwei Wochenstunden, das sind — nach Abzug der Ferialzeiten — nicht mehr als 75 Stunden tin Schuljahre — Ersprießliches zu leisten, bedürfte es einer gründlich zu ändernden Lehrweise; mit der gegenwärtigen kommt man erfahrungsgemäß nicht an's gewünschte Ziel. Die Mittelschüler werden schwer belastet, ohne Wesentliches zu erlernen; namentlich ohne aus der Lehre Liebe zum angestammten Glauben zu gewinnen. Weit, eher ist das Gegentheil der Fall — so manche Taufe hängt mit den Mängeln des Religionsunterrichtes zusammen. Diesen Umständen sollte der Cultusvorstand größere Aufmerksamkeit widmen als bis nun; die Zukunft des Judenthums hängt daran. Omega. Belgrad und Bibel. Wie man weiß, sind im Gegensatz zu den harten, grausamen, blutdürstigen Semiten und besonders deren unter dem Namen Hebräer in der Weltgeschichte auftretenden Zweige, die Arier von j->her voll jenes ritterlichen Großsinnes gewesen, der den Schwachen schont und nichts mehr verabscheut, als Hinterhalt und Berrath. Wie schön aber ist es, daß unseren Tagen, in denen so manche altbewährte Tugend zu wanken beginnt, ja zu sinken droht, leuchtende Exempel erstehen! Kaum hat die Welt sich über die weichherzige Langmuth rufliscker Behörden ousgewundert, welche christliche Milde anstatt des brutalen Rechtes walten ließen gegenüber einem Häuflein Bemitleidenswerther, die ein Weniges sich an Leben, Leib und Gut einer einzelnen Classe von Mitmenschen zu vergreifen beliebt hatten — da erfährt sie mit Interesse, wie wieder eine Blurthat von seltener Ausdehnung und Gründlichkeit von dem, der ihre Früchte schmunzelnd erntet, zufällig einem Könige, ungesühnt gelassen wird. Ja, dieser zufällige König sieht noch in der von Königsmördern ihm dargebotenen Krone, der verbindlichst acceptirten, ein Geschenk von den „Gnaden Gottes". Welches Gottes? Nicht desselben sicherlich, der Herzen lenkte und Gewissen schärfte in grauen Zeiten, die weit hinter dem Mittelalter zurückliegen, mit dessen vorweltlichen Zuständen jetzt die serbischen Greuel von den Achselzucken so vieler Zeitungsleser entschuldigt werden. Nicht desselben Gottes, der den „Juden-König" David, den wahrhaft Gottbegnadeten, im Heldergrimme ausflammen ließ, da sein langjähriger Widersacher König Jsboseth, der Sohn Saul's „als er eben auf dem Bette lag und Mittagsruhe hielt," von zweien feiner Hauptleute, Rechab und Baana, verrätherisch überfallen und hingeschlachtet war, und die Ruchlosen vor den Herrscher traten, ihm ihre Glückwünsche zu bringen. Die Bibel (2. Samuelis 4, 5—6) erzählt den Vorgang so: „Sie brachten das Haupt Jsboseths zu David nach Hebron und sprachen : „Siehe da das Haupt Jsboseths, des Sohnes Sauls, deines Feindes, der dir nach dem Leben trachtete. Also hat Gott an diesem Tage unserem Herrn dem Könige Rache verschafft an Saul und seinen Nochkommen." David jedoch antwortete ihnen und sprach: „So wahr der Ewige lebt, der mein Leben erlöst hat aus jeglicher Noth! Den Mann, der mir berichtete: Saul ist tobt — und er glaubte doch ein guter Bote zu sein — den ließ ich ergreifen und tödten in Ziklag, statt ihm einen Botenlohn zu geben: wie viel mehr, wenn frevelhafte Menschen einen gerechten Mann in seinem Hause und auf seinem Lager erschlagen! Wie sollte ich sein Blut nicht fordern aus eurer Hand und euch wegschaffen von der Erde?" Dann gebot er seinen Leuten, und sie tödteten Rechab und Baana. Das Haupt Jsboseths aber begruben sie im Grabe Abners zu Hebron." Also empfand, also handelte ein Fürst, ein Judenkönig, vor fast 3000 Jahren, nicht zu lange nach Hammurabi, dem Semiten, sehr lange aber vor der Zeit, in der Peter, der Abkömmling des schwarzen Georg, den Mördern seines gleichfalls „von Gottes Gnaden" gewesenen Vorgängers dankbar zusagt, er wolle über alles Geschehene den Schleier des Vergeffens breiten. Eine heftige Anklage gegen König Peter. B u ka r e st. Der Onkel König Alexanders, Fürst Moruzzi veröffentlicht in der hiesigen „Zara" heftige Anklagen gegen den jetzigen König Peter I.. den er als intellectuellen Urheber des Attentats bezeichnet. Seit der Proclamation Serbiens zum Königthum — sagt Fürst Mornzzi — hatte Fürst Peter Karageorgiewitsch keinen Anspruch mehr auf den serbischen Thron, ebenso wie die Familien, die ehemals in Rumänien herrschten, heute keinen Anspruch mehr auf die rumänische Königskrone haben. Das Programm König Peters sei eine dem sittlichen G.'sühle Europas zugeschleuderte Herausforderung. König Peter ist der „große" Mörder, der seinen Instrumenten, den „kleinen" Mördern, in seinen Proclamationen Apologien schreibt. Was den unglücklichen Märtyrer betrifft, der unter einem einfachen Holzkreuz den ewigen Schlaf schläft, so wird er durch eine Gewalt, die über alle Menschliche herrscht, gerächt werden. Zur Schächlsrage. Das Schachten der Rinder ist, wie die Berliner „Allgemeine Fleischerzeitung" schreibt, seit einiger Zeit auch in der kaiserlichen deutschen Armee-Conservenfabrik in Haselhorst bei Spandau eiugeführt, und dies auf Grund der guten Erfahrungen, die man beim Schächten lange Jahre hindurch in der kaiserlichen Armee-Conservenfabrik zu Mainz gewacht hat. Namentlich für die Haltbarkeit des Fleisches hat das Schächten große Bortheile. Während in Mainz vor vielen Jahren große Massen Conserven als verdorben wegqeworsen werden mußten, erweisen sich die Conserven seit Einführung des Schächtens als viel haltbarer. In Potsdam fand eine Delegirtenversammlung der „Deutschen Thierschutzvereine" statt, in der beschlossen werden sollte, bei der Regierung dahin zu wirken, daß ein Gesetz erlassen werde, daß sämmtliches Schlachtvieh vor der Tödtung durch Schlag zu betäuben sei. Ein von der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" abgeordncter Metzzermeister, Herr Mayersohn, stellte den Antrag auf Ablehnung dieses Absatz-s, und wurde derselbe hierauf auch mit Majorität abgelehnt. Nus Böhmen bringen die Berliner „Mittheilungen" ^es Abwehrvereines aus einem zur Verfügung gestellten Briefe des Fabriksdircctors W. B. in Chotebor Folgendes: „Eine Firma in Wien, die Chemikalien fabricirt, ersuchte uns vor Ostern um Ueberlassnng eines Musters von zwei Kilogramm Bleichwasser, um es einer Analyse zu unterziehen und wenn möglich, dieses Wasser, das deutsches Fabrikat ist, für unsere Firma ebenfalls herzustelleu. Zn diesem Zweck sandte uns die Firma in eineni Kistchen eine leere Flasche, welche äußerlich durch Zeichnung ersichtlich war. Packete müssen durch den Adressaten von der Post abgeholt werden, und so ließen wir durch eine unserer 40 Arbeiterinnewdas Kistchen holen. Ein Mädchen, sehr hübsch. 15 Jahre alt, aber schon ganz verdorben, leichtsinnig in jeder Beziehung, das stets mehr brauchen konnte als es verdiente und Schulden machte, wo es ging, aber nie an deren Bezahlung dachte und sich immer Vorschuß ans ihren Lohn geben ließ. Dieses Mädchen holte das Kistchen am Samstag Mittag vor Ostern ab und verlangte von mir im Vertrauen einen Gulden geborgt: da aber Abends um 5 Uhr Auszahlung ist, war meine prompte Antwort: Bis Abends gibts den Gulden und noch mehr (den ganzen Lohn). Wie sich nun später herausstellle, combinirte sich das Mädchen zusammen, daß das Kistchen mit der Flasche für Blut sein müsse, und ick hätte zu ihr weiter gesagt, sie solle sich Abends mit ihrer Freundin im gleichen Alter um 10 Uhr einstellen, da könne jede sofort einen Gulden in Empfang nehmen und nachher jede nochmals 50 Gulden, und wenn es genügend Blut gibt, noch viel höhere Beträge, Nach einigen Tagen wurde inir von einer Arbeiterin, welche zuvor zwei Jahre bei mir als Dienstmädchen beschäftigt war, als Geheimniß anvertraut, daß unter den Arbeitern obige Beschuldigung als heimliches Gespräch geführt wird und ich einen derartigen Versuch an besprochenen Mädchen machen wollte und sie, die mich eines dcrartigen Verbrechens nicht für fähig hielt, könne es nichts länger mit anhören und wolle haben, daß die Bombe platzt. Ich wußte im ersten Moment nicht, wie mir geschah, war wie vom Blitz getroffen, faßte mich aber schnell, ging zur Gendarmerie und bekam gleich einen Gendarmen mit, der in unserem Comptoir das Verhör sofort einleitete, um die Urheber des Klatsches zu erniren, was schnell gelang und sich