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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-06-26 · 26 (26.6.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
26 (26.6.1903)
Date
1903-06-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 422 Dr. BLmtz^s Wochenschrift. Nr. 26 Literarische Umschau. Von Rabbiner Dr. Kodak. Vor nicht langer Zeit ist der dritte Sammelband (pn „Abhandlungen über die Wissenschaft des Judenthums", redigirt von S. A Horodezky, Berditschew 5662 (--- 1902) erschienen nnd reiht sich derselbe den ftüheren zwei Bänden würdig an. Er enthält vortreffliche Arbeiten namhafter Gelehrter. Der Herausgeber bespricht mit großer Ausführlichkeit das bekannte Moralbuch mua von Rabbi Jsak Abuhab, welcher am Anfang des 14. Jahrhunderts in Castilien lebte und wirkte und der auch die Bücher frnjn p"iK und D'JSn nn1? verfaßt hat, welche beide aber verschollen sind. Die Bedeutung Rabbi Abuhab's liegt, wie der Referent richtig hervorhebt, darin, daß er dem Studium der „Agada" seine ganze Aufmerksamkeit zuwandte, indem er dieselbe als unumgängliche Literatur für den großen Haufen des Volkes ansah, wodurch die sittliche Lebensführung gefördert wird. Und sowie Maimonides der Erste war, der die halachischen Vorschriften codificirte, so war R. Abuhab der Erste, welcher die a g a d i s ch e n Theile des Talmud methodisch zusammenstellte, wo er über die verschiedenen Pflichten der Juden abhandelte. Er berief sich häufig in diesem Moralbuch auf seine zwei anderen Werke, welche, gestützt auf den Dekalog, die Pflichten Israels in der Zerstreuung behandelten. Das Referat Horodezky's verbreitet sich mit großer Sachkenntniß über alles Wissenswerthe des genannten Moralbuches, besonders über den Gedankengang des Verfassers, seine Auffassung der schriftlichen und mündlichen Lehre, seine Stellung zur Religionsphilosophie und zur Kabbala, sowie seine Erläuterungen der jüdischen Vorschriften und seine Darstellung der jüdischen Ethik. Der rühmlichst bekannte Gelehrte M. F r i e d m a n n, Lcctor am Wiener Beth-ha-midrasch und am dortigen Rabbiner-Seminar, liefert als Fortsetzung eine lehrreiche Abhandlung über die Entwickelung des talmudftchen Grundsatzes, betreffend „die UnreinheitderHände im Allgemeinen und durch Berührung der heiligen Schriften insbesondere", und kommt zum Resultat, daß das Schwergewicht dieses Grundsatzes einzig und allein in der geringen oder hohen Bedeutung der Heilighaltung der biblischen Schristabschnitte liegt. Die Ansicht des Verfassers, .daß die Motivirungen der Amoräer m Bezug alter V e rordnungen nicht als tradüionell, sondern als Beschwichtigung aufzufaffen sind, während die wirkliche Begründung (wie aus Synh. 21 b zu. ersehen ist) wohlweislich verschwiegen blieb, verdient volle Beachtung. Zur Anm. 1, S. 30 ist auch auf denlCommentar Raschi's zur Stelle hinzuweisen, der die Frage dahin deutet, ob das Wort p-n männlich oder weiblich sei. Die Ansicht des nunmehr verstorbenen Literaten Juda Nechama in Salonichi, daß die Frage darin besteht, ob v o r dem fraglichen Worte das Komma zu setzen sei, ist nicht unbedenklich, da das Wort np'tM ja weiblichen Geschlechtes ist; es müßte denn an eine lieeutia poetica gedacht werden. Ganz richtig ist Friedmaun's Emendation (S. 34) der Tossifta, statt „rein" zu lesen „genäht", wie es auch Maimuni hat. Allein die Erklärung, daß die Gegenstände dazu bestimmt wurden, stimmt nicht mit der Halacha überein, wo festgestellt worden ist. daß die Bestimmung (ruain) keine Bedeutung hat; vgl. die betreffenden Stellen im bab. talm. Berachoth 23 d (wozu auch Alfasi und Commentatoren), Megilla 26 d; Synh. 47 b und 48 a und Menachoth 34 b. Vortreffliche Erklärungen und Emendationen zu Talmud- und Midraschstellen bringt in Fortsetzung zu den ersten zwei Bänden dieses Sammelwerkes der hervorragende Gelehrte Prof. Dr. W. Bacher (Nr. 38 bis 44). Zu Nr. 43 ist füglich zu verweisen auf Jalkut Schim. Psalm 19, wo der Satz „und bis Ende der Welt (reichen) ihre Worte" auf die a g a d i s ch e n Lehren sich bezieht, wodurch der göttliche Namen überall verherrlicht wird. Zu Nr. 44 möge hier gelegentlich der Nachsatz in dem bekannten Ausspruch Hillel's eine Erklärung finden. Dieser lautet: „und das Andere ist die E r k l ä r u n g dazu (zur Nächstenliebe), gehe und lerne es gründlich." Nun entsteht die Frage, auf welche Weise sind alle anderen Vorschriften die Erklärung des Gebotes der Nächstenliebe? In welchem Verhältniß, ja in welchem Zusammenhänge stehen Speisegesetze, Sabbathvorschriften und andere mehrere zur Nächstenliebe? Sonderbar genug ist es, daß diese Frage von den Gelehrten gar nicht in Betracht gezogen wurde. Raschi a. a. O. sagt: „alles Andere, d. h. die übrigen Woäe der Lehre, ist die Erklärung dieser Sache, zu erkennen, was haffenswerth ist, gehe und lerne, so wirst Du es erkennen." Wie ist aber dies zu verstehen? Wie sollen die vielen Gesetze der „Thora" die Nächstenliebe erläutern? Wie sollen wir aus derselben erkennen, was haffenswerth ist? Allein, es bietet sich hier die Nöthigung, das Wesen des Judenthums zu erfassen und es umß ins Gewicht fallen, daß die ganze Lehre Israels das untrügliche Mittel enthält, die Nächstenliebe richtig zu verstehen und selbe zu bethätigen. Sehr tiefsinnig betonen unsere alten Weisen, daß d i e G ebote einzig und allein zu dem Zwecke gegeben worden sind, um die Menschen zu läutern, das heißt um die sinnlichen Begierden einzuschränken, um dadurch Neid, Sinneslust und Ehrsucht — diese gefährlichen Kinder der Selbstsucht — aus dem menschlichen Gemüthe zu entfernen, um durch Mäßigkeit und Enthaltsamkeit die Widerstandskraft zu festigen und so den Menschen zu veredeln. Und gewiß nur in diesem Sinne sagte der Tanaite Rabbi Chananja. Sohn Akaschja's, „daß der Heilige, gelobt sei er, Israel Läuter n n g*) verschaffen wollte, deswegen vermehrte er für dieselben Lehre nnd Gebote." — Denn je größer die Entbehrung, je öfter die Neberwindniifl, je häufiger der Mensch im Stanre ist, sich mit deni Nothwendigstcn zu begnügen, desto stärker ist seine Widerstandskraft, desto leichter wird seine Opferfähigkeit. - desto öfter seine Opferwilligkeit zu Gunsten seiner Nebenmenschen. Mithin ist es klar und deutlich ersichtlich, daß alle Vorschriften der Thora, welche zum Zwecke haben, die Selbstsucht einzudämmen, die Widerstandskraft zu stählen, und so den Menschen von dcil Schlacken der niedrigen Triebe zu reinigen und das Herz zu veredeln, den geeigneten Weg zur Menschenliebe und Gerechtigkeit bilden. Und dies liegt im Nachsatz Hillel's: „nnd das Andere ist die Erläuterung dazu."- Der gelehrte Alterthumsforscher und scharfsinnige Kritiker Abraham Epstein lieferte in seiner geistreichen Weise eine Abhandlung über das Buch mbro mabn worüber viele Schriftsteller allerlei Ansichten brachten, nnd kommt nach einer ausführlichen Auseinandersetzung früherer Untersuchungen zum Resultat, daß Rabbi Simon Kaira die „Halachoth geilolot-k-4 etwa im Jahre 825 in Sura verfaßte, der viele Vorarbeiten benützte; seine Hanptqnellen aber waren die „Scheiltoth“ des Rabbi Achai und die „Halachoth'Pesukoth“ des Rabbi Jehuda Gao», aus deren Werken er ganze Stellen aufnahm. Nach circa 70 Jahren ist eine zweite Ausarbeitung dieses Werkes in Spanien oder in Afrika zu Stande gekommen, wo der Redacteur Decisionen aus den „Gutachten der Gaonim", die bis zum Jahre 890 lebten, ausgenommen hat. Die erste Ausgabe kannten die Gaonim und nannten Rabbi Simon als Verfasser, während die Gelehrten Deutschlands und Nord-Frankreichs diese dem Gaon Rabbi Jehuda zuschrieben. Die zweite Ausgabe, von deutschen und französischen Gelehrten N'asDK bv 3*n genannt, verbreitete sich in Spanien, Südfrankreich und Italien. Die früher gedruckten Auflagen entstanden aus der ersten Ausgabe und die jetzige (Hildesheimer'schei Auflage, nach einer Handschrift des Vatikan, ist nach der zweiten Ausgabe geschehen. Dr. Harkawy's Mittheilung .Handschriftliche Gcbetstücke (nach Psalmmuster) eines Unbekannten" dürfte als Beitrag zur Geschichte der falschen Messiasse angesehen werden. Der Styl der Gebete ist incorrect, was nicht nur der Abschreiber, sondern auch der Verfasser selbst verschuldete, was Harkawy auch anmerkt und manche Stellen corrigirt und commentirt. Herr David Kahana weist mit befriedigenden Beweisen dieAnsicht Dr. Porges' zurück, daß die Angriffe auf die sprachlichen Forschungen des Gaon R. Saadja nicht von Dunasch ben Labrat, sondern von einem Andern verfaßt sind, und erhärtet damit die Echtheit der dcmselben bis nun zugeschriebenen Kritik gegen E'aadja, welche Dunasch in größerer Kürze als die Kritik gegen Menachem ben Seruck — und dies unvollendet — ausgearbeitet hat. „Zur Geschichte des Banues" bringt A. Schulmann werthvolle Notizen aus vielen rabbinischen Rechtsgutachten des Mittelalters und constatirt die culturelle Bedeutung dieses Strafmittels und seine eventuelle Nützlichkeit im Ghetto, wenn auch hie und da Unzukömmlichkeiten vorkamen, was im Leben oft nicht ganz zu vermeiden wäre. Referent erklärt dabei die Abstufungen des Bannes" und die verschiedenen Fälle, sowie die Art und Weise ihrer Verhängung Bei der vom Referenten ungelösten Frage (S. 92, Anm. 2), welchen Einfluß die Repräsentanten der Gemeinde („D ie Guten derStad t") bei der Handhabung der Strafmittel gehabt hatten, ist in Betracht zu ziehen, ob dieselben wirklich diesen Namen (die Guten) verdienten, d. h., ob sie durch ihr Wissen, Frömmigkeit nnd Leistungsfähigkeit auf Einfluß Ansprüche machen konnten. In diesem Falle war ihre Stimme gewiß maßgebend. Ob der Referent W i e s n e r's Buch „Der Bann in seiner geschichtlichen Entwicklung auf dem Boden des Judenthums" benützt hat, ist aus der Abhandlung nicht zu ersehen. Eine handschriftliche Edition des vollständigen Commentars zum Prof. Hosea von Rabbi Elieser (oder Elasar) aus Beäugency (lat. Balgeutiacuw) lieftrt Herr Dr. S. A. Poznanski aus Warschau, wozu er sehr nützliche Anmerkungen und eine lehrreiche Einleitung anfügte. „Proben" eines neuen Commentars znm ersten Buch Moses, welcher unter Mltarbeitung namhafter Gelehrter (wie Bacher, Blau, Grunwald, Deutsch, Chajes, Perles, Krauß u. A.) von Abraham Kah a na in Bälde erscheinen wird, finden hier einen geeigneten Platz. Rabbiner Dr. S. Eppenstein liefert eine treue hebräische Uebersetzung des handschriftlichen arabischen Commentars von Rabbi Tanchum (lebte in Palästina im 13. Jahrhundert und wird benannt „ein Mann aus Jerusalem"), zu Psalm 27 und 28, wozu der Uebersetzer einige sachliche Bemerkungen vorausschickte. Der scharfsinnige Rabbiner R. Gerson Aschkenasi erfährt durch den Herausgeber (Horodezky) eine unparteiische Beurtheilung. Aschkenasi wurde im jugendlichen Alter in Krakau in der Mitte des 17. Jahrhunderts zum Rabbinats-Afsessor ernannt — was damals (als Krakau von zahlreichen Gelehrten wimmelte) sehr hoch angeschlagen werden *) So ist die richtige Uebersetzung und nicht, wie die Comnientatoren meinen, „Begünstig u n g", um Israel mehr Lohn zu verschaffen.

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