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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-06-26 · 26 (26.6.1903) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
26 (26.6.1903)
Date
1903-06-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 418 Dr. Bloch's WochsnschrffL N . 86 verblieben am 1. Mai d. I. 114 Personen. Es starben 170 Patienten. Die hohe Sterberate wirkt nicht befremdend, wenn man in Betracht zieht, daß das Lebanon Hospital einen umfangreichen Ambulanzdienst ausübt und daß alle von schweren Unfällen betroffenen Personen in dem Stadttheil, in welchem das Hospital liegt, nach dieser Austalt gebracht werden. Die Anforderungen waren so groß, daß im vorigen Jahre noch zwei weitere Ambulanzen in Dienst gestellt werden mußten, um schwerkranke Personen oder solche, bei denen sofortige Hilfe nothwendig war, nach der Anstalt zu transpoitiren. Jnsgesommt wurde die Ambulanz 817 Male rcquirirt, und so prompt wurde j'dem Rufe stattgegeben, daß die Verwaltung des Hospitals öffentlich belobt wurde. In der Klinik wurden 13.233 Patienten behandelt. Durch reiche Zuschüsse, insbesondere seitens Frau Clara Simon, welche 30.000 Dollars dedicirte, und Frau Fannie Bach, welche dem Hospital 8000 Dollars hinterließ, wurde die Finanzlage des Hospitals gebessert. Es wurden, dem Berichte des Schatzmeisters Leo Hutter zufolge, 56,856 Dollars vereinnahmt und 56.059 38 Dollars verausgabt. In der Kaffe verbleiben noch 2068'54 Dollars. Der Präsident hob in seinem Bericht die Hilssbereitschaft der Hospitalleitung hervor und erwähnte, daß die Anstalt sechs Monate lang 145 Zöglinge, die im Heim der Sheltering Guardian Society erkrankten, kostenfrei ausgenommen und verpflegt habe. Vor Kurzem sei mit dem Bau von Wohnungen für Convalescenten begonnen worden und man werde solchen Kranken, die aus anderen Hospitälern entlassen worden, jedoch noch nicht genügend erstarkt sind, um arbeiten oder sich selbst verpflegen zu können, Aufnahme gewähren. Bereits. seien 12.000 Dollars für die Baukosten dieser Wohnungen eingegangen und man hoffe, auch den Rest, ungefähr 8000 Dollars, noch durch freiwillige Beiträge erzielen zu können. Aus Anregung eines Kindes, das schwerkrank in's Hospital gebracht worden war und genas, bildete sich ein Verein von Kindern, die wöchentlich je fünf Cents beisteuerten, um eine Abtheilung für Babies errichten zu lassen. Die Hospitalgebäude liegen auf einer Anhöhe, sind umringt von Bäumen, und Lage sowie tüchtige Verwaltung trugen dazu bei, den Patienten die verlorene Gesundheit wieder zurückzugeben. Obwohl von Juden gegründet und hauptsächlich durch Beiträge jüdischer Bürger unterhalten, ist das Hospital dennoch confessionslos und die Verwaltung macht keinen Unterschied bei der Aufnahme von P rtienten betreffend deren Glaubens- oder Racenangehörigkeit. In seinem Bericht nahm der Präsident auch Bezug auf die Unterstützung, welche die Presse dem Hospital zutheil werden ließ und er dankte der , Staatszeitung" für deren Interesse an dem Institut. Die Beamtenwahl hatte folgendes Resultat: John Weil. Präsident (zum zehnten Mal wiedergewählt); Phil. Freund, 1. Bicepräsident; L. Zimmermann. 2. Bicepräsident; Leo Hutter, Schatzmeister, und H. Barnaid. Secretär. Direktoren auf drei Jahre: E. Arnstein, H. Stern. Ph. Freund. A. Boehm, I. Oshinsky, Z. Kotteck, Louis Coon und S. L. Hyman. Vermischtes. Kranzablösuugsspenden zu Gunsten der Chetvra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Gustav Pisling: Von N. N. X 20.—; von N. N. X 20.—; von N. N. X 20.—; von N. N. X 5.—. Zusammen K 65.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Rosa Schwarz: Von Frau Jenny Spitzer, II.. Kaiser Josefstraße K4.~; von Herrn Heinrich Spitzer in Baden, Neugasse 16, X 10.—; von Herrn A. Schwarz, Berlin, Friedrichstraße 112a, K 5.—; von Herrn Dr. Wolheim, II., Taborstraße 11, X 4.—; von Herrn Gustav Spitzer, II., Taborstraße 11) X 4.—. Zusammen K 27.—. Für den Verein für fromme und wohlthätige Werke sind uns zugegaugen als Kranzablösungsspende anläßlich des Ablebens der sel. Frau Julie Frankl: Von Herrn Albert Bauer, II., Ferdinandstraße 16, K 25«—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Alfred Eisenberger: Vom Vorstande des israelitischen Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines für Mariahilf und Neubau X 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel Herrn Adolf N e i tz e r: Von N. N. X 20.—, von Sigmund Almoslino, II., Fugbachgasse 4, K 5.—, von Josef Abheiter, II., Taborstraße 116, K5-. ZusammenK30—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Cäcilie Adler: Von Herrn Josef und Frau Josefine Roth, II., Große Mohrengasse 25, X 10.-. Anläßlich des Ablebens des sei. Herrn Max Geller: Von Frau Fany Geller, XX., Traunfelsgasse 5, K 4.—, von Herrn Adolf Geller, XX., Rauscherstraße 6, X 2.—, von Herrn Adolf Bein, II., Obere Donaustraße 1, X 2.—, von Herrn Nathan Bein, II., Obere Donaustraße 1, X 2.—, von Herrn Osias Teitelbanm, II., Obere Donaustraße4, X 2—, von Herrn Leon Haas, XX., Webergasse 13, 'K l.—. Zusammen K 13.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Genson Leb Graf: Von der Familie G. L. Graf, II., Czerninplatz 1, X 20.—, von Herrn Sigmund Oppenheim, II., Praterstraße 30, X 6.—. Zusammen X 26.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Pedassar Kalmus: Von Herrn und Frau Jonas Weil, I., Neuthorgasse 2, X 20.—, von Herrn Nudott und Frau Marie Foges, VI., Millergasse 29, X 10.—. Zusammen X 30.—. Cäcilie Adler. Mit Frau Cäcilie Adler ist eine der bedeutendsten Erscheinungen im Dienste der Wohlthätigkeit, eine der geistig hervorragendsten Frauen der Wiemr Gesellschaft verschieden. Am 3. August 1828 in Breslau als Tochter des Fabrikanten Albert Bauer und seiner Frau Fanny (geb. Adler) geboren, wurde sie in dem geistig angeregten Hause, in welchem auch für sociale Hilssthätigkeit viel Interesse herrschte, ein reizvoller Mittelpunkt. Kaum 18 Jahre, vermählte sie sich mit dem jüngeren Bruder ihrer Mutter, Josef Adler und übersiedelte mit ihrem Gatten nach Krakau. Durch die Revolution von 1848 wurde die Theilnahme des Ehepaares für sociales und politisches Leben angeregt und Frau Cäcilie Adler fand viel Gelegenheit, denen beizuslehen, die durch die Zeitverhältnisse gelitten hatten. 1852 über siedelte das Paar nach Wien und hier bot sich Frau Adler ein reiches Feld für ihre segensreiche Wirksamkeit. 1874 hatte sie in Berlin die von ihrer Schwester Frau Lina Morgenstern, der verehrten Führerin der Frauenbewegung, im Jahre 1866 gegründeten Volksküchen kennen gelernt und sie beschloß, auch in Wien einen Verein von Volksküchen anzuregen. In der That gelang ihr dies und im Jahre 1875 konnte unter ihrer Leitung die erste Wiener Volksküche eröffnet werden. Leider zwang sie ein zunehmendes Leiden ihres Gatten, sich bald von der Leitung zurückzuziehen. Nach dem Tode ihres trefflichen Mannes wurde Frau Cäcilie Adler in das Curatorium des Blindeninstitutes gewählt und da entfaltete sie eine Thätigkeit, die ihr ein unvergeßliches Andenken bei den ihrer Fürsorge anvertrauten Blinden und die aufrichtige Verehrung aller Kreise sicherte. Ihrer Initiative folgend, wurden die bekannten Sparkörbchen mit der Aufschrift „Sehende Kinder, gedenket der unglücklichen Blinden" angefertigt und vcitheilt und die glänzendsten Erfolge damit erzielt. Aber auch sonst widmete sie sich mit größter Aufopferung und unermüdlicher Pflichttreue dem Wohle ihrer Schützlinge. Als ein schweres Leiden sie auf's Krankenlager zwang, eilten ihre Schwestern, die bekannte Führerin der Frauenbewegung in Deutschland, Schriftstellerin Frau Lina Morgenstern, und ihre gleichgestimmte und gleichgesinnte Schwester Frau Dr. Honigmann aus Breslau, zu ihrer Pflege herbei. Sie starb am 18. d. M. ohne Todeskampf und ihr Tod hinterläßt eine unausfüllbare Lücke in der Wiener Gesellschaft. Die bedeutendsten Männer und Frauen Wiens zählten zu ihren Bewunderern und Verehrern und die Nachricht von dem Hinscheiden dieser ausgezeichneten Frau wurde überall mit schmerzlichster Theilnahme vernommen. Ueber die Beerdigungsseierlichkeit wird uns gemeldet: Wien, 21. Juni. Die Leichenfeier der heute zu Grabe getragenen Frau Cäcilie Adler geb. Bauer gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Theilnahme und Verehrung seitens der hohen und weitesten Schichten der Bevölkerung. Lange vor Beginn der Feierlichkeit (1072 Uhr Vormittags) waren sämmtliche Wohnungsräume der Verblichenen in der Wasagasse von einem überaus distinguirten Publicum derart gefüllt, daß die stets noch herbeieilenden Freunde und Bekannte im Treppenhause und Vestibüle Ausstellung nehmen mußten. Punkt 1072 Uhr intonirte Obercantor Singer unter Begleitung seines Chorpersonals das Joschew beseser und unter Schluchzen und allgemeiner Ergriffenheit wurde der einfache Sarg gehoben und auf den vierspännigen Galawagen aufgebahrt, wonach sich der unabsehbare Wagenzug zum Centralfriedhofe in Bewegung setzte. Nach dem Vortrage der üblichen liturgischen Gesänge hielt Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann der Verblichenen einen überaus warmen Nachruf, in welchem er im Anschlüsse an den Wochentext von dem grünenden Ahrons-Stab auch hervorhvb, daß das Andenken der Heimgegangenen edlen Frau, die so vielen unglücklichen Kindern eine hingebungsvolle Mutter war, auch in unserer Mitte ewig frisch grünen werde bis ans Ende der Zeilen. Im gleichen Sinne sprachen auch noch Director Heller vom

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