Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 26 (26.6.1903)
- Date
- 1903-06-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 26 Dr. Bloches WvchrnfchrW. Sette 415 K 45.—; RokycanL 180.—; Brüx. Chewra-Kadischa L 50.—; Karlsbad X 96.—; Podiebrad K 224.—; Hoh enems K 55.-; Jiöin K 182.-; Dukla K 100.-; Reichenau K 90.—; Senftenbcrg K 149.—; Teltich K 100.40; Chrudim (ourch Herrn Friedrich Stein) K 123.20. Floridsdorf. (Israelitisch-politischer Verein „Gleichheit".) Unter dem Vorsitze des Präsidenten der Cultusgemeinde, D. Jakob König, fand am 23. d. M. in den „Giselasälen" eine zahlreich besuchte Versammlung des Israelitisch-politischen Vereines „Gleichheit" statt, in welcher der Secretär der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union", Herr Siegfried Fleischer, über das Thema: „Heimatsrecht, Staatsbürgerrecht — staatsbürgerliche Rechte" sprach. Vom Vorsitzenden und der Versammlung herzlich begrüßt, gab der Vortragende zunächst eine Uebersicht über den derzeitigen Stand und die Praxis der Heimatsgesetzgebung. Er erörterte die grundlegende Bedeutung des Heimatsrechtes für alle anderen staatsbürgerlichen Rechte, insbesonders für das Recht des ungestörten Aufenthaltes, für das Wahlrecht in die öffentlichen Vertcetungskörper, endlich auch für die Ausübung gewisser Berufszweige, welche an die österreichische Staatsbürgerschaft geknüpft sind. Sodann begründete der Redner in eingebender Weise die Nothwendigkeit, daß auch die ungarischen Staatsangehörigen jüdischer Confess'on, welche seit mehr als zehn Jahren in Cisleithanien seßhaft sind, sich um die Aufnahmszusicherung in ihrer Aufenthaltsgemeinde und in weiterer Folge um die österreichische Staatsbürgerschaft bewerben. Biele dieser ehemals ungarischen Staatsangehörigen besitzen infolge des Gesetzartikels 50 vom Jahre 1873 heute auch nicht mehr die ungarische Staatsbürgerschaft, so daß ihre Heimatszugehörigkeit vollständig in der Luft hängt. Das Verharren in diesem Zustande bedeute geradezu ein Verbrechen, welches die Betreffenden an ihren Kindern begehen. Aber selbst die noch bestehende Zugehörigkeit zum ungarischen Staate bedeutet durchaus keinen Bortheil, wenn man seine dauernde Existenz in Cisleithanien begründet hat. Zu jenen wirthschaftlichen Nachtheilen, mit welchen Ausländer zu kämpfen haben, gesellen sich noch die Erschwerung der Eheschließung, Unzukömmlichkeiten in der Militärstellung und die fortdauernde Gefahr, daß wegen geringfügiger Delicte die Landesverweisung ausgesprochen werden könne. Da zudem nach dem neuen Heimatsgesetze die zehnjährige Ersitzungsfrist erst vom vollendeten 24. Lebensjahre gerechnet werden kann, so können Kinder von Ausländern, die es versäumt haben, vor erreichter Volljährigkeit dieser Kinder das Staatsbürgerrecht zu erwerben, frühestens erst mit dem vollendeten 34. Lebensjahre auf dieses Recht Anspruch erheben. In die Zeit vom 24. bis zum 34. Lebensjahre fällt aber zumeist die Berufswahl, die Nothwendigkeit, sich eine feste und dauernde Existenz zu gründen. Alle Diejenigen also, welche es versäumen, die österreichische Staatszugehörigkeit vor erreichter Volljährigkeit ihrer Kinder zu erlangen, schädigen in der unverantwortlichsten Weise die Zukunft derselben. Redner verweist auf die Beschlüffe des letzten Städtetages, durch welch;» die Regierung zur Revision des neuen Heimatsgesetzes im Sinne einer Erschwerung der Aufnahme von Ausländern aufgefordert wird, und mahnt in dringender Weise, die kurze Spanne Zeit, die vielleicht nur noch gegeben ist, auszunützen. Die Geltung jeder Bevölkerung-closse innerhalb der staatlichen Gemeinschaft richte sich nach der Energie, mit welcher dies; Classe von ihren politischen Rechten Gebrauch zu machen weiß. Den Staatsbürgern jüdischen Glaubens stecke das vormärzliche Schutzjudenthum noch viel zu sehr im Blute . . . Sie müssen endlich lernen, sich als gleichwerthig und gleichberechtigt mit ihren andersgläubigen Mitbürgern zu fühlen. Nur Derjenige sei werth, ein Reckt zu besitzen, der auch den Muth besitzt, für dieses Recht zu kämpfen. Wie ein Glied unseres Körpers durch den fortgefftzten Nichtgebrauch allmählich verkümmere und endlich ganz absterbe, so drohe die Gefahr, daß durch den Nichtgebranch der gesetzlich eingeräumten Rechte diese selbst in Vergessenheit gerathen und endlich vollständig verkümmern. In einer Zeit, in der die Theorie von den Wirths- und Gastvölkern immer mehr Anhänger gewinnt, in welcher der Antrag Herzog auf Entrechtung der Juden die nothwendige Stimmenzahl zur Unterstützung und Parlamentarischen Behandlung fand, in welcher immer mehr der Ruf nach Erlassung von Einwanderungs- und Aufenthaltsverboten gegen ausländische Juden ertönt, sei es unerläßlich, daß die Juden ihre Indolenz endlich abstreifen - und kraftvoll und energisch alle Rechte thatsächlich ausüben, alle Ansprüche geltend machen, zu denen sie gesetzlich befugt find. Das Bewußtsein der staatsbürgerlichen Gleichwerthigkeit wird dann auch dazu führen, daß man mit allen gesetzlichen Waffen jeden Schimpf, jeden Unglimpf, jeden gewaltthätigen Eingriff in die eigene Rechtssphäre zurückweise. Der einstündige Vortrag wurde von der Versammlung mit lebhaftem, anhaltendem Beifalle ausgenommen. Mit Worten herzlichen Dankes an den Referenten schloß der Vorsitzende die Versammlung. Abgeordneter Dr. Stransky als Proteetor des Antisemitismus. Das Organ des jungczechischen Abgeordnet-n und Bicepräsidenten des jungczechischen Reichsrathsclubs, Dr. Stransky. die Brünner „Lidove Noviny“, brachte in letzter Zeit wiederholt Artikel von antisemitischer Tendenz. Gegen diese Artikel wendet sich nunmehr das Organ der czechischen Juden „ceskozidovske Listy“ iu Prag, tu welchem es in einem Aufsatz von Dr. Eduard Lederer u. A. heißt: „Der Gründer, Inspirator, Miteigenthümer und Leiter der „Lidove Noviny“ ist der g-taufte Jude Dr. Stransky. Wir sind nicht so thöricht, um Jemandem vorzuwerfen, daß er sich taufen ließ. Das ist Sache jedes Einzelnen, wie er sein Berhältniß zum lieben Gott und zur — Matrik einrichtet. Aber soviel Noblesse sollte Herr Dr. Stransky doch haben, um uns mit dem Antisemitismus in Ruhe zu lasten. Sein Blatt schrieb am 24. Mai, daß die Juden ihrer Abstammung nach nicht Czecken sein können. War das geweihte Wasser, welches auf die Locken des Herrn Dr. Stransky bei dessen Taufe träuMe. von so ätzender Wirkung, daß es s in semitisches Blut in arisches verwandelte? Wurde sein semitisches Profil infolge der Taufe in ein slavisches verwandelt? Oder wollte er sich bei seinem katholischen Volke k inschmeicheln, indem er an sich das serbische Sprichwort bewahrheiten wollte: „Der Renegat ist ärger als der Türke?" Olmütz. In einer der letzten Nummern des erzbischöflichen Blattes „Olmützer Zeitung" finden wir folgende Mittheilung: „Der wohlgeachtete Herr Dr. jur. Victor Löwy. k. k. Bezirksuntersuchungsrichter in Hof wurde vom Stadtpsarrer am 6. Juni in die katholische Kirche ausgenommen." An einer anderen Stelle berichtet das Blatt über den versuchten Ueberfall eines Irrsinnigen auf den Kaiser und sagt: „Der Jude, Jacob Reich mit Namen, wurde als geistesgestört erkannt und der Irrenanstalt überantwortet." Hiezu bemerkt das „Mähr. Tagblatt" : „Bei der „Olmützer Zeitung" ist somit Jener, der seinen Glauben wechselt, „wohlgeachtet", während es bei einem Anderen, von welchem sie selbst zugibt, daß er geisteskrank ist. besonders hervorgeboben wird, daß er ein Jude ist. Ist das nicht zweierlei Maß? Ob es übrigens die „Olmützer Zeitung" auch vermerkt hätte, wenn der Wiener Attentäter zufällig „Kohn" statt Reich geheißen und deffen Angehörigkeit zum Judenthume betont hätte, wollen wir dahin gestellt sein lasten. Liccgespan v. Jankö über die ungarischen Jude». E'ne Deputatio t der Groß-Kikindaer israelitischen Gemeinde unter Führung des Präsidenten Himer Düzsa machte dieser Tage bei dem neuen Bicegespan des Comitates Torontäl August I a n k 6 ihre Aufwartung, um ihn anläßlich seiner Wahl zu beglückwünschen. Der Bicegespan empfing die Deputation sehr freundlich und sprach in ungesuchten, aus dem Herzen stammenden Worten seinen Dank für die Glückwünsche aus. „Was meine Gefühle anbelangt." sagte der Bicegespan, „bin ich Idealist, durch meine Erziehung Humanist und so habe ich in meiner Seele die Achtung für die Religion und deren Institutionen, somit auch für Ihre Religion unberührt bewahrt. Es thut mir somit überaus wohl, die Vertreter Ihrer Religion hier begrüßen zu können, dies umso mehr, als die ungarische Judenheit mit ihrem Patriotismus, ihren ungarischen Gefühlen eine starke Schutzwehr des Patriotismus, eine der stärksten Schanzen der ungarischen Staatsidee bildet." Die Aeußerungen des Bicegespars wurden von der Deputation mit lebhaften Eljenrufen ausgenommen. Der Trafikverschleifi am Samstag in Budapest. Aus Anregung der Gewerbecorporation der Miskolczer Kleinhändler haben sich vorige Woche in Budapest jene Trafikanten israelitischer Confeffion, die ihre Geschäfte am Samstag geschloffen halten, zu einem Landescongreß zusammengefur.den. Es war nämlich seit jeher statthaft, daß die Trafikanten isr. Co.ffssio.t an Samstagen ihre Geschäftsläden geschloffen halten