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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-06-26 · 26 (26.6.1903) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
26 (26.6.1903)
Date
1903-06-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 414 Dr. Bloch's Wochenstirrifr. Nr. 26 Er gebot, den Juden mit zwei Hunden auf den Nichtplatz zu führen, wo er auf dem nach dem Ghetto gelegenen Moldau-Ufer neben dem Haus des Scharfrichters unter dem Galgen so lange sitzend verharren möge, bis die Juden das Lösegeld erlegen würden. Es wird erzählt, daß sie mit goldener Münze bezahlen wollten; Waldstein aber trieb sie mit der Weisung davon, sie sollten das Gold gegen zehn mit Silbergeld gefüllte Beutel eintauschen. Sie bemühten sich die Nacht hindurch, im Ghetto Silbermünzen aufzutreiben,. die um diese Zeit, dank dem Münzconsortium «Bessewi, Liechtenstein und Andere) von schlechtem Korn war. Das wußte Waldstein sehr wohl, denn er gehörte mit zu der Münzgesellschaft und nahm an dem Betrug theil; aber er legte mehr Gewicht auf die Qualität, als auf das Korn. Als ihm die Juden die zehn Beutel brachten, trieb er sie abermals aus dem Haus, weil die Beutel zugedeckt waren. Er soll geschrieen haben: „Verdammte Hunde, warum deckt ihr das Zeug zu? wohl gar, damit die Leute von mir denken sollen, daß ich mich bestechen lasse?" Und jetzt erst ertheilte er den Juden den Befehl, diese Summe auf ihren Schultern über die Prager Brücke nach dem Altstädter Rathhaus zu tragen, damit das Vergehen der Juden Allen bekannt würde. Musketiere mußten neben ihnen einherschreiten; wer den Beutel zudecken würde, sollte auf offener Straße gezüchtigt werden. Diese Geldbeutel wurden von folgenden Aeltesten getragen: Jacob Munka, Esais Liberi, Jsais Kapschrk, Samuel Tochle, Rabbi Eneko, Rabbi Josef, Gentl Relach, Mark Schneider. Hirschl, Gyppen Michel Liga. Waldstein ließ die Summe bei der Stadtkanzlei depouircn, „zur Vermehrung der katholischen Religion und zum unvergänglichen Andenken seines Namens und des ganzen Waldsiein'schen Geschlechtes". Als die an dem schmachvollen Zug betheiligten Juden das Geld auf den Schultern in das Rathhaus gebracht hatten, wurde Joseph unter dem Galgen in Freiheit gesetzt. „Gelobt sei. der Alles zum Besten lenkt und vergibt. Amen." So endet der Bericht von dieser grausamen Episode aus dem Prager Ghetto. Die jüdische Leidensgeschichte zeigt hier wie fast überall das sittliche Verhalten auf Seiten der Juden, auf der anderen Seite die Barbarei. Correspondenzen. Wien. (Ferien!) Im Nachrichtentheile der Wiener Tagesblätter konnte man vor etwa einer Woche die Notiz lesen: „Mit dem heutigen Fcühzuge der Nordbahn wurden 130 Mädchen, theils reconvalescente, theils kränkliche Kinder, die zufolge ihres Gesundheitszustandes schon jetzt vom Schulbesuche befreit wurden, zu einmonatlichem Aufenthalte in das „Kaiser Franz Josef- Ferienheim^ nach Tischnowitz befördert." — Wohl Wenigen hat diese Zeitungsmeldung irgend ein Interesse abzuringen gewußt; Wenige werden darüber nachgedacht haben, was es bedeutet, 130 armen, kranken Kindern die Wiedererlangung ihrer Gesund-- heit zu ermöglichen, sie zu nähren und zu pflegen, den Kummer so vieler armer Eltern zu stillen und Licht und Freude in gar manche armselige Stube zu bringen. Wiederholt schon ist in diesen Blättern die nicht genug zu rühmende Thätigkeit des Vereines „Ferienheim" für israelitische Feriencolonien gewürdigt worden. Dieser Zweig, diese Art und Weise der Kinderfürsorge soll jedoch nicht nur gelobt werden, auch ihrer stets fortschreitenden Entwicklung soll man Aufmerksamkeit zuwenden; es mögen all die Wohlthäter, die ihr Scherflein zu dem edlen Zwecke beitragen, und alle Jene, die geben können und wollen, wahrnehmen, was dieser jüdische Kinderfürsorge-Vcrein leistet. Nicht allein, daß in jedem Jahre mehr als 500 Kinder, scrophulose, Herzkranke, lungenleidende und erholungsbedürftige Kinder, je nach ihrem Leiden in die bezüglichen Eolonien und Eurorte entsendet werden, ist das „Ferienheim" bemüht, von Jahr zu Jahr Verbesierungen und Ergänzungen in seinen Eolonien zu schaffen/ welche mit dazu beitragen, Zeugniß dafür abzulegen, daß es gute, und edle Menschen gibt. Als eine Sehenswürdigkeit, die aufS der Cultusgemeinde X 400.—, von einer Theatervorstellung durch ihrem Gebiete in ganz Europa kaum ihres Gleichen findet, istMden Verein „Z-phira" K 330.46, Sammlung der Gemeinde die Musteranstalt „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" in Tischno-M Putilla K 200.50); witz zu bezeichnen. Neuerlich wurde dieser Besitz des „Ferien-ZM Türkisch-israelitische Gemeinde in Wien: X1300; heim" um einen Beftandtheil bereichert. Eine große Halle mit einerMJgl au (durch Rabbiner Dr. Ungcr) X 403.—; Agram (durch gedeckten Veranda wurde im Frühjahre erbaut und eben ihrer Be-M'die Redaction der „Agramer Zeitung") zweite Sendung K 421.—; stimmung übergeben. Gleichsam ein Glaspavillon, dientdieser NeubauW.Rei chenberg X2319; Linz K 971.—; Komotau (durch Rabdes Ferienheim-Baufondes verzehrt und bange Sorge muß den Vereinsvorstand ob der nöthigen Beschaffung weiterer Geldmittel erfüllen. Aber sie können ruhig in die Zukunft blicken oll' die Edlen, die dieses Werk geschaffen. — Noch gibt es Wohlthäter, die Sinn und Einsicht haben für die Wichtigkeit der Ziele des „Ferienheim", Herz und Mitleid für die armen, kleinen Geschöpfe, die in Krankheit, Kummer und Elend vergehen müßten. Wackere junge Mädchen haben sich zusammengethan, um den Verein „Ferienheim" in seinen Bestrebungen zu unterstützen. Unter der Devise „Die Jugend für die Jugend" wirbt das Mädchencomilä in Kinderkreisen um Mitglieder. Durch einen jährlichen Beitrag von blos einer Krone kann jedes Kind Mitglied der Gruppe werden und Mitwirken an dem edlen Werke. — Die Ferienzeit naht heran. Die Besitzenden rüsten zum Aufbruche in ihre Sommerfrischen. Die armen Eltern abec, deren Kinder der unbedingt nöthigen Erholung entbehren müssen, erfüllt bitterer Schmerz. Helfen wir mit, ihn lindern! Tragen wir unser Scherflein bei zur Erholung und Gesundung der armen Kleinen! Wir fühlens kaum und ihnen wird geholfen. — F. — Wien. (Jsraelitische Allianz. Hilfsaktion für Kischenew.) Herr Rabbiner Dr. Kaminka ist aus Kischenew zurückgekehrt und hat dem Vorstande über die Organisation der Hilfe und die Thätigkeit des an Ort und Stelle wirkenden Centralcomitßs, an dessen Sitzungen er theilgenommen, eingehend Bericht erstattet. Nach einer genauen Berechnung des Schadens und des Minimums der erforderlichen Hilfe ergab sich, daß für die circa 2400 in äußerste Noth gebrachten Familien mindestens 1,108.000 Rubel aufzubringen sein werden. Dabei ist für die Geschäftsleute und Handwerker, deren Hab und Gut zertrümmert wurde, nur eine Entschädigung von durchschnittlich 33 Percent und für die Witwen und Waisen nach den Ermordeten (ca. 150 Seelen) nur die nach den localen Verhältniffen bemessene, sehr bescheidene Unterstützung zur Gründung einer Existenz, beziehungsweise zur Erziehung der Kinder in Aussicht genommen. Die diesbezüglichen, zum großen Theil auf Grund der Ermittelungen und Berichte der für die Familien der Ermordeten vom Comite eingesetzten Curatoren bereits bewilligten Subventionen schwanken zwischen 1600—250 Rubel als einmalige Unterstützung pro Kopf. Eine in vielen Fällen gebotene Erhöhung wird nur möglich sein, wenn das Ergebniß der Spenden-Sammlungen das obige Minimalerforderniß übersteigen sollte. Bis Mitte Juni waren beim Cornite in Kischenew (zu deffen Mitgliedern die angesehensten, in ganz Rußland das größte Vertrauen genießenden jüdischen Persönlichkeiten gehören) circa 620.000 Rubel (1,550.000 Kronen) eingegangen, wovon etwa die Hälfte aus Rußland selbst, wo fast in allen Gemeinden Sammlungen veranstaltet und von den entlegensten Städten Beiträge gesandt wurden (zum Beispiel aus Baku 8000 Rubel, aus Port Arthur 2400 Rubel; eine Sammlung des jüdischen Wochenblattes „Woskhod" ergab circa 43.000 Rubel, der „Nowosti" 24.000 Rubel). Ergebniß der Sammlung der Israelitischen Allianz zu'Wien. Bis heute sind, einschließlich der avisirten Sendungen, circa 200.000 Kronen eingegangen, darunter sind außer den bereits mitgetheilten Einzelsammlungen folgende mitenthalten: Prag, weitere Sendungen durch Herrn Dr. A. Rosenbacher, Obmann der Filiale der Israelitischen Allianz, K 1345.50; 1150 und 860.82 (zusammen mit früheren Sendungen K 31.075.23, darunter X 8181*77 aus Provinzgemeinden); r Teplitz, durch die israelitische CultusgemeindeX4201.50; l Czernowitz (Filiale der Israelitischen Allianz), weitere Sendung X 2000. Gesammt-Ergebniß X 6173.02 (darunter von dazu, bei ungünstiger Witterung den Schützlingen die Möglichkeit zu bieten, in einem großen, luftigen Raume ihre Mahlzeiten einzu-! nehmen und von allen Seiten Licht und Ausblick ins Grüne zu Habens Die ärztlichen Beiräthe des Vereines haben — von dem Grund satze ausgehend, daß für arme, kranke Kinder das Beste gerade gut genug ist — den Bau als unumgänglich nothwendig bezeichnet. Wohl hat der Neubau, dem die Errichtung und Einrichtung eines Marodenrespective Jsolirhauses vorausging, den letzten Rest ^biner Dr. Thieberger) X 250.—; Brünn (weitere Sendung) kK 296.—; Kremsier (durch Rabbiner Dr. Frankl-Grün) .X 135.—; Gr.-Meserilsch (durch Herrn I. G. Müller) Jx 157.—; Wodni an (durch Rabbiner Kraus) X48.—; Kolin, Ergebniß einer Theatervorstellung X 353.92; Friedek-Mistek;X 184.—; Königliche Weinberge, Israelitischer Frauen- ^verein X 329.—; Müglitz X 123.—; Arnau a. E. X140.—; Stanislau, weitere Sammlung durch Verein „Agudas Achim"

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