Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 25 (19.6.1903)
- Date
- 1903-06-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 407 Wcralnr. Zur Geschichte der Juden in Polen. Recensionen. I. Kilka Slow o dawniejszych. Coznicach drewnianych w Polsee, napisal Mathias Bersohn. Zeszyt III. Warszawa 1903. Herr Bersohn, der schon so manch werthvollen Beitrag zur Geschichte der Juden in Polen publicirte, veröffentlicht nun das dritte Heft seiner Schrift über die alten Holzsynagogen in Polen und die darin erhalten gebliebenen jüdisch-alterthümlichen Gegenstände. Das vorliegende Heft, auch äußerlich in jeder Hinsicht splendid ausgestattet, beschreibt auch einige solcher Synagogen, die innere Einrichtung und Geräthe, und werden auch die beschriebenen Objecte in feinen Illustrationen dem Leser vermittelt. Ein neues Gebiet wird hiedurch eröffnet und werden schöne Bauten in einem unausgesprochenen, eigenartigen Styl gehalten, anscheinend von ziemlich architektonischem Werth von jüdischen Architekten in Polen im XVII. Jahrhundert erbaut, vorgeführt; ebenso müssen wir die innere Einrichtung, wie die des Almemors und der heiligen Lade als wahre Kunstwerke der damaligen jüdischen Kunstschnitzer und Tischler bewundern, aus welcher Arbeit, den reichen Ornamenten und Arabesken, ein eigenartiger altjüdischer Knnstgeist oder eine hebräische Kunsttradition zu sprechen scheint. Nicht mindere Beachtung verdienen die Geräthe in Blech, Messing und Silber, theilweise Kunststücke von hohem artistischen Werth, von jüdischen Handwerkern damals dort angefertigt. Der Verfasser scheute keine Mühe und Kosten, um das Material zu sammeln, und beleuchtet mit dieser Arbeit das Gebiet der Bau- und Kunsthandwerk-Geschichte der Juden in Polen, das leider bis nun anderwärts vernachlässigt worden, wofür ihm Dank gebührt. Abgesehen von dem historischen Werth dieser Schrift, ist solche auch von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit als Beitrag zur Geschichte der Architektur und des Kuiistgewerbes in Polen. Man findet auch in diesem Heft miteingeflochten interessante Notizen zur Geschichte der Juden in Masovien. II. Der Mamram, der jüdisch-polnische Wechselbrief, von Dr. Ph. Bloch. Berlin 1903. Der gelehrte Verfasser unterzog sich der Mühe, alles auf diesen schon im XVI. Jahrhundert bei den Juden in Polen erwähnten Wechselbrief, genannt Mamran, zusammenzustellen und eine Erklärung über den Ursprung, den Namen und seine Deutung, seine Form, seine Vorrechte, wie auch seine Giltigkeit zu geben. Zur besseren Erklärung sollte der Verfasser angeben, daß der „Mamran" einfach ein Wechsel in unserem heutigen Sinne war, und diente auch als Gefälligkeitsaccept, wie aus M. Lublin's Responsen Nr. 115 ersichtlich. Daß der Verfasser gegen die Annahme der Rabbinen, wie Joel Sirkes, Sab. Kohen, Moses Riwkes und Mendel Krochmal, die alle behaupten, daß der Mamran eine Einrichtung der Ländersynode in Polen war, dies bestreiten will, lediglich ans dem Grunde, weil R. Mordechay Jaffe an einer angezogenen Stelle, wo er das Wesen des Mamran erklärt, dies nicht erwähnt, ist unbegreiflich. Er will zwar dies damit begründen, daß „Jaffe gehörte zu den hervorragendsten Führern der Ländersynode und vielleicht zu ihren Begründern", was auch wohl Grätz annimmt, aber ganz und gar unrichtig ist. Die Ländersynode hat m i n d e st e n s schon ein Jahrhundert früher existirt, oder richtiger sich viel früher allmälig entwickelt, und im XVI. Jahrhundert nur die Gemeinde- und Landesältesten in der Leitung eine führende Rolle einnahmen, während die Rabbinen nur als „Landesrichter" in geringer Anzahl zugezogen worden sind, und deren jedesmalige Wahl nur durch das Los entschieden wurde. M. Lublin spielte sicherlich auch eine größere Rolle, während die Synoden tagten, und wurde oft bei Entscheidungen schwieriger Fragen von den Nettesten zu Berathungen zngezogen, wie aus seinen Responsen Nr. 64 ersichtlich, und sogar manchmal von den „gewählten Landes richtern" um seine Ansicht befragt, (Resp. 79); trotzdem sehen wir ihn aber, wegen einer Verordnung der Ländersynode, bei dem Landesältesten Erkundigungen cinziehen (Resp. Nr. ^2). Die damaligen Rabbinen und Schuloberhänpter besuchten nur die Messen und Märkte, um einen Gedankenaustausch pflegen zu können, wie dies aus der Responsen-Literatur dieser Zeit bar hervorgeht, was aber mit den Sitzungen der Ländersynode nichts gemein halte. Es würde mich zu weit führen, wollte ich hier dieses Thema einigermaßen erschöpfend erörtern, und darum beschränke ich mich jetzt nur auf die kurze Bemerkung. Wien, im Mai 1903. S. Spinner. Gibeath Saul (Hügel Sauls). Verfasser S. Hornstein. Uebersetzung, Eigenthum und Verlag von Rosa Hornsteln, XX., Wallensteinstraße 56. Dieses Buch verdient es, daß die allgemeine Aufmerksamkeit der Judenheit darauf gelenkt werde, denn es kann nicht nur das Interesse der Erwachsenen erregen, sondern eignet sich auch sehr gut als Lecture für die Jugend. Denn unsere liebe Jugend interessirt sich für alles Mögliche, nur nicht für ihr Volk und dessen Geschicke. Sie begeistert sich an den Helden und Thaten anderer Völker, kümmert sich um die Beschaffenheit und Verhältnisse der fernsten Länder und Ländchen. Nur das Land und die Stadt, die unserem Herzen theuer sind, deren wir in unserem täglichen Gebete gedenken, sie haben für unsere Kinder keine Bedeutung, kaum daß sie deren Namen aussprechen können. Doch dem muß und kann abgeholfen werden. Das heilige Land, wo unsere Ahnen gelebt, für das sie gekämpft und gelitten, dessen Boden sie mit ihrem Blute gedüngt haben und dessen Erwerbung jetzt noch angestrebt wird, muß dem Herzen unserer Kinder nähergerückt werden. Dazu bietet sich vorliegendes Buch als vorzügliches Mittel. Denn es liefert nicht die trockene Beschreibung von Land und Leuten, sondern läßt in liebevoller Beleuchtung und Schilderung die Landschaftsbilder an unserem Auge vorübergleiten. Jüdischer Geist und jüdisches Herz haben sich bei der Verfassung dieses Buches in die Arbeit getheilt und unterstützt und darum wird es feine Wirkung nicht verfehlen; was vom Herzen kommt, geht auch wieder zum Herzen. Deshalb eignet es sich auch für die Hand unserer Jugend, der die wirklich gelungenen Illustrationen eine willkommene, freudige Zugabe sein werden. So wird denn dieses Buch aufs Wärmste empfohlen, es werde ein wahres Familienbuch und fehle in keinem jüdischen Hause. Es wird jeder, der es nur einmal in die Hand genommen, gewiß öfter darnach greifen. Man mache nur einmal den Versuch damit. Jakob K o h n, Oberlehrer. Jüdische Statistik. Als erste Publication des jüngst begründeten Vereins für jüdische Statistik erscheint demnächst unter der Redaction von D r. Alfred N o s s i g ein stattlicher Octavband unter dem Titel „Jüdische S t a t i st i k" (Berlin. Jüdischer Verlag, Preis 7 Mk.^. Alle großen jüdischen Organisationen, wie die Jewish Colonisation Association, der Deutsch-Israelitische Gemeindebund und viele Andere veröffentlichen hier durch ihre officiellen Vertreter Berichte über ihre statistischen Arbeiten. Auch enthält das Werk zahlreiche nionographische Beiträge berufener Autoren, unter anderem von Eduard Bernstein, Josef Jacobs, D r. Arthur RnpPin. Die Publication bietet eine liebersicht aller bis jetzt auf dem Gebiete der jüdischen Statistik unternommenen Arbeiten und ein erschöpfendes Bild der Lage der bedrängten Massen des Judenthums. Bestellungen durch den Jüdischen Verlag, Berlin SW. 47, oder durch den Verein für jüdische Statistik, Berlin-Halensee, sowie durch alle Buchhandlungen. „Ost und West-. Jllustrirte Monatschrift für Modernes Judenthum. Juni 1903. Heft Nr. 6. III. Jahrgang. Verlag von C. C alv ary und Comp., Berlin, N W. 7. Inhalt: Die jüngfteLehre. Die Alliance Israelite Universelle von Dr. H. M. C., Berlin. Ein Lied von M. S ch e r l a g. Max Liebermann von Georg Hermann. Secher — Jabes von R. H u l d s ch i n e r. Moritz Lazarus von Dr. B. M ü n z. Zionide von Johannes F a st e n r a t h. Synagogale Kunst von B. S a m u e l. Ein nothwendiges sociales Hilfswerk von Fabius Schach. Miscellen, Aphorismen, Westöstliche Monatfchau. Kriefkasten. Herrn L. M. in Berlin. Es ist vollkommen richtig, daß die sogenannte „Deutsche Zeitung", herausgegeben vom „Urgermanen" Herrn Nedwied (was auf czechisch „Bär" bedeutet), jedem Raubmörder, wenn er auf Juden seine „wirthschaftlicye" Thätigkeit erstreckt, ihre Sympathien voll und ganz auszudrücken sich beeilt. So mußte es auch seinerzeit dem Raubmörder Woboril, der den armen Trödler Keßler ermordete und dann reuig am Galgen die Verbrechen gebüßt hat, noch widerfahren, von obigem Blatte entschuldigt und gerechtfertigt zu werden. „Als Alle untreu wurden, sie blieb ihm dennoch treu". Ihre Sympathie mit den Kischenewer Raub- und Lustmördern ist daher begreiflich. In den von der „Deutschen Zeitung" gegen die Juden veröffentlichten Artikeln ist jedes Wort meist ein geflügelter — Raubmörder. Trotzdem ist ihre Schädlichkeit ziemlich gering, da die geschätzte Gönnerin Woboril's und Consorten wegen der geistigen Oede, die aus ihren Spalten entgegenstarrt, so ziemlich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheint und sich, wie allgemein bekannt, den Titel „des dümmsten Blattes von Wien" errungen hat. G. Frau Geheimrath Virchow hat aus dem Büchernachlasse ihres verstorbenen Gemahls, des Herrn Professors Doctor Rudolf Virchow, sämmtliche auf das Judenthum bezügliche Bücher, Broschüren. Rundschreiben und Zeitungsausschnitte der Bibliothek des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes überwiesen. A. B. C. Z. Im Nothfall mit 9 oder mit 8 Personen. Die diesbezügliche Vorschrift findet sich im Talmud Tractat „Sofrim“. Ä. lieber den Königsmord in Serbien schreibt die antisemitische „Ostdeutsche Rundschau": Man wird die politische Bedeutung der Vorgänge in Serbien am richtigsten einschätzen, wenn man sich auf den Standpunkt stellt, daß die Ausrottung der Dynastie Obrenowitsch und die Rückberufung der Dynastie Karageorgiewitfch nichts weiter sind als ein Sieg des Princips der Legitimität, den jeder monarchisch gesinnte Politiker mit aufrichtiger Befriedigung begrüßen muß. S. B. Keinen Erfolg. K. Das Königreich Sachsen mit seinem ausgesprochen antisemitischen Regime erhielt ausschließlich socialdemokratische Vertreter. D. G. Nur für allerwichtigste Mittheilungen haben wir Raum.