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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-06-19 · 25 (19.6.1903) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
25 (19.6.1903)
Date
1903-06-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 402 Dr. Bloch's Wochrnfchrifl. Nr. 25 Folge einer bedeutend größeren Anzahl Hilfsbedürftiger in unserer Gemeinde die Anforderungen an den Verein zu hoch, oder waren die verfügbaren Mittel an und für sich zu schwach, Thatsache ist, daß der damals neugewählte Präses bei feinem Amtsantritte leere Cassen vorfand. Und heute? Nun heute übernimmt der Nachfolger von Ignaz' Stein ein Vereinsvermögen von rund 100.000 Kronen. Er hat es verstanden, ehemalige Koliner Familien, welche durch ihr Wohlthun hervorragend sind, und mit denen er vermöge feiner verwandtschaftlichen Beziehungen in stetem Verkehr war, derart für den Verein zu interefsiren, daß es ihm befchieden war, sein Werk von schönem Erfolge gekrönt zu wiffen. So sehen wir sie heimgehen unsere Alten, sie, die ihr Leben selbstlos der guten Sache widmeten, und fragen uns wehmuthsvoll, ob denn auch fernerhin nach ihrer Art Wohlthun und Humanität im Schooße unserer Gemeinde geborgen bleiben wird. Wir wünschen es aus tiefstem Herzen, allein bejahen können wir uns leider angesichts eines zuweilen bei uns in Erscheinung tretenden neuen Curses diese Frage nicht. — Zum Besten der Hinterbliebenen der Opfer von Kischenew hat die Koliner Gemeinde, von der Ansicht ausgehend, daß Derjenige, der gleich gibt, doppelt gibt, als eine der Ersten nach Bekanntwerden der ruchlosen That eine Sammlung eingeleitct und ihre Gaben den Unglücklichen zuführen lassen. Es soll indeß mehr geschehen, es soll — so verlangt es ein neuer Eurs — Theater gespielt werden; man will nicht nur das Geld hergeben, man will sich auch amüsiren. Man hörte, daß irgendwo ein czechisch-jüdischer Dilettant ein Stück geschrieben hat, welchem er den Namen „Nedan.“ (Mitgift) böhmisch „veno“ gab, ließ ihn kommen und das Stück wurde aufgeführt. Kühl bis ans Herz, ja beinahe frostig nahmen die Zuhörer das Stück auf und war es denn anders möglich? „Ein jüdisches Charakterbild" nennt der Verfasser sein Stück. Jüdisches war nichts weiter dabei, als einige Worte im Jargon (czechisch wurde gespielt), aber geradezu unjüdisch ist die Handlung, denn die zeigt uns eine Familie, deren Mitglieder durch unlautere Machenschaften ein Eheversprechen, welches Einer der ihrigen einem Mädchen gab, zu lösen trachtet. Das nennt der Autor „ein jüdisches Charakterbild" und ist so — wie soll man sagen — ungeschickt, seinen Zuhörern, als er wahrnahm, daß sie das Stück frostig ablehnen, ungefähr Folgendes zu sagen: „Meine Verehrten! Unsere, also die jüdischen Eigenschaften werden von Vielen zu sehr gelobt, von Vielen aber auch zu sehr getadelt; in dem „Charakterbild" aber, welches ich Ihnen vorführte, gab ich Ihnen ein getreues Bild, denn ich habe es aus dem Leben gegriffen." „So mein Lieber, Sie wissen wohl nicht, daß Sie in dieselben Fehler verfallen wie unsere Gegner; gleich denen beurtheilen Sie auch Alle nach Einem, dabei sind Sie verwegen genug, aus den Machenschaften in einer Familie, der Sie vielleicht näher stehen, Schlüsse auf die Charaktereigenschaften des jüdischen Volkes zu ziehen." Es war gut, daß man unter sich war, denn ein ^edilul haschem“ wäre es gewesen, wenn unsere nichtjiidischen Mitbürger, auf deren Besuch man auch rechnete, das Stück und die Erklärung des Verfassers mitangehört hätten. Ich sage, daß man auch auf das Erscheinen unserer nichtjüdischen Mitbürger rechnete: wahrscheinlich blieben die aus, weil sie sich sagten, daß, wenn sie schon in Form des Vorbringens ihres Obulus einen Protest gegen die Kifchemwer Vorgänge aussprechen, mit dem Gelde nicht vorerst die Auslagen für Theater und Tanz bestritten werden sollen. Es war aber auch mehr als komisch, als man auf der einen Seite des Saales den Kischenewer Opfern ein „maslrir" widmete und im nächsten Augenblick von der anderen Seite den schmetternden Ruf eines Jünglings vernahm: „Ein vis-a-vm". Budapest. (Pester israelitischer Frauenverein.) Dieser durch seine humanitäre Wirksamkeit hervorragende Verein hielt am 17. Mai unter Vorsitz der Präsidentin Frau Marie Herzl seine Generalversammlung ab. Der Jahresbericht hebt hervor, daß es gelungen sei, die Bauschuld des neuen Waisenhauses gänzlich zu tilgen. Im abgelaufenen Verwaltungsjahre wurden an momentanen Unterstützungen K 27.227, an regelmäßigen monatlichen Unterstützungen K 30.921, an vierteljährlichen Zinsbeiträgen K 10.702 und an Heirats-Ausstattungsbeträgen K 1479, zusammen K 70.329 vertheilt. Im Mädchenwaisenhause wurden 60 gänzlich Verwaiste und ebenso viel im Halbwaisen-Asyl erzogen und betragen die Ausgaben für beide Anstalten, sowie für theils 64 andere Mädchen, insgesammt demnach für 184 Waisenmädchen K 76.352 44. In der Volksküche speisten vom 1. April vorigen Jahres bis 31. März dieses Jahres 168.596 Personen ohne Unterschied der Confession und hievon gänzlich gratis 15.838 Personen — zum größten Theile arme Studirende, — außerdem in der Zeit vom 15. December v. I. öis 15. März d. I. 13.287 arme Schulkinder, darunter 900 Kinder gänzlich gratis. Die Verwaltungskosten der Volksküche betrugen K 43.293*19. Die Gesammtausgaben betrugen K 195.958 37, welchen nur Einnahmen im Betrage von K 171.424*92 gegenüberstehen. Das Deficit von K 24.533 45 wurde durch Abschreibung von den entsprechenden Fonds gedeckt. Hieraus wurde jener zahlreichen Stiftungen, Legate und Spenden Erwähnung gethan, welche es ermöglicht, daß nach Abschreibung des bedeutenden Deficits das Vereinsvermögen sich dennoch wieder mit K 36.757*10 erhöht hat. Der Bericht hebt mit besonderer Anerkennung die Verdienste der im abgelaufenen Jahre zurückgetretenen Vorsteherinnen und Ausschußmitglieder hervor, und zwar der Vorsteherin Frau Amalie Pfeiffer, Antonie Keppich und Ernestine Schreiber, der Sectionsmitglieder Jenny Neumann und Jda Hirsch, indem denselben für ihre langjährige hingebungsvolle Wirksamkeit Dank und Anerkennung ausgesprochen wird. In pietätvoller Weise wird auch des Ablebens R. v. Wechselmann's, Josef Wahrmann's und MorizLöwy's Erwähnung gethan. Der Bericht wurde zur Kenntniß genommen, dem Ausschuß das Absolutorium ertheilt und sowohl der Präsidentin, den Vit Präsidentinnen, Vorsst herinnen und Ausschußmitgliedern, ferner dem Vereinssecretär Gabriel Forrai für ihr rastloses Wirken und schließlich der Presse Dank ausgesprochen. Zu Rechnungs- und Bilanzrevisoren wurden Ludwig v. Bisicz Berthold v. Goldberger, Wilhelm Leipziger und Adolf v. Ullmann neuerlich gewählt, ferner die zurückgetretenen Vorsteherinnen Amalia Pfeiffer und Ernestine Schreiber, sowie kais. Rath Dr. Philipp Weinmann und Jacob Boschan zu Ehrenmitgliedern gewählt. Schließlich wurde die statutenmäßige Neuwahl des Vereinsausschusses vorgenommen und die bisherige Präsidentin Frau Marie Herzl und die bisherigen Viceprästdentinnen Anna v. Brüll und Louise v. Neumann, sowie die gegenwärtigen Ausschußmitglieder alle wiedergewählt. An Stelle der zurückgetretenen Mitglieder gelangen die Damen Therese Breitner, Emmy Geßti, Marie Schwarz-Sternthal uud Ella Suranyi in den Ausschuß. Aus Franken. Die weit verbreitete und vielgelesene Zeitung „Bamberger Neueste Nachrichten", von der man sonst absolut nicht behaupten kann, daß sie antisemitische Tendenzen verfolge, brachte nachstehende Notiz: »Burgpreppach, 22. Mai. Ein israelitisches Fuhrwerk begegnete gestern Nachmittag einer Wallfahrt, die von Vierzehnheiligen gekommen ist. Während die Wallfahrt vor dem Fuhrwerk betend vorüberzog, machten sich die Insassen desselben über die Theilnehmer lustig und spotteten in ganz erheblicher Weise. Kaum war das Fuhrwerk einige Meter in Trab davon gefahren, so hörte man einen dumpfen Schlag und das Fuhrwerk lag auf ebener Straße. Die Insassen erlitten unbedeutende Verletzungen." Diese sonderbare Mittheilung erregte unliebsames Aufsehen und gab zu den verschiedenartigsten Commentirungen Anlaß. Um so erfreulicher ist es, daß genannte Zeitung selbst schon in der nächsten Nummer das nachfolgende Dementi brachte: „ Burgpreppach, 24. Mai. Das Bürgermeisteramt Burgpreppach schreibt den „Nürnberger Neuesten Nachrichten": „Bitte zur Berichtigung und Aufklärung des in Nr. 119 Ihrer Zeitung erschienenen Artikels den wahren Sachverhalt durch folgende wahrheitsgetreue Schilderung richtigstellen zu wollen. Zu dem am 21. d. M. erfolgten Unfall des angeblich israelitischen Fuhrwerks wird berichtigend vermerkt: „Es war kein israelitisches Fuhrwerk, welches angeblich eine Procession behelligt haben soll, derartige Ausschreitungen sind bei dem einmüthig paritätischen Charakter unserer Bevölkerung gänzlich ausgeschlossen, sondern es war das Fuhrwerk eines streng-guten Katholiken, besetzt mit Theilnehmern einer nationalliberalen Wahlversammlung. Auf dem Heimwege bekam eben der gute Rappe etwas Umsturz—parteiische Gedanken, ohne daß jedoch dadurch dem Centrnm, sowie Nationalliberalismus besonderer Schaden oder Nachtheil entstanden wäre. Beregte Procession passirte erst bedeutend später die geräumte Unfallsstätte. Es scheint deshalb Einsender des Artikels vom 22. d. M. entweder schlecht unterrichtet zu sein, oder aber sollte es mit Bedacht geschehen sein, gehässige Unwahrheiten zu verbreiten? Letzteres wäre des allgemeinen Friedens halber zu bedauern." Bukarest. Wir haben früher über die Gründung und das Ende der russophilen Zeitschrift »Prawoslawni Wostok", die in Bucarest in russischer und französischer Sprache erschien, berichtet. Die Zeitschrift, welche von dem serbischen Dichter Jlici unter Mithilfe eines etwas schrullenhaften rumänischen Advocaten Namens Braescu redigirt wurde, erhielt eine die Kosten deckende Subvention von dem Petersburger Verein der Slawophilen. Der rumänischen Regierung war diese Zeitschrift, welche offen angab, in Bukarest das Centrum für eine orthodoxe, d. h. russische Propaganda bilden zu wollen, nicht angenehm und es hieß sogar, sie wolle Herrn Jlici ausweisen. So weit ist es aber nicht gekommen. Eines schönen Tages kündigte Herr Jlici an, daß er sich gezwungen sehe, das Erscheinen seiner Zeitschrift einzustellen, zugleich aber in einem Abschiedsartikel der Hoffnung Ausdruck

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