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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-06-19 · 25 (19.6.1903) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
25 (19.6.1903)
Date
1903-06-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. L6 «eite 395 ß<& Dr. Bloch's Wochenschrift. Man wird die beiden Zeitungen „Deutsches Volksblatt" und „Jüdisches Volksblatt" bald miteinander verwechseln, trotz des Unterschiedes in den Titeln, die beide nicht gerechtfertigt sind. Das „Deutsche Volksblatt" ist nämlich nicht deutsch und das „Jüdische Volksblatt" ist nicht jüdisch, sondern ein von Juden geschriebenes antisemitisches Organ, dessen Artikel vom „Deutschen Volksblatt" mit einem Behagen abgedruckt werden, wie es eben nur ein Antisemit bei der Wiedergabe von Angriffen gegen die Juden empfinden kann. Es fehlte nichts, als das „Jüdische Volksblatt" täglich erscheinen zu lassen, damit das „Deutsche Volksblatt" auch täglich seinen saftigen Judenhetzartikel hat, den es nur aus dem „Jüdischen Volksblatt" herauszuschneiden braucht. Styl, Sprache und Denkungsart sind so ziemlich beiden Blättern gemeinsam und ihrer rührenden Vereinigung im Antisemitenhof stünde alsdann nichts entgegen. Wir wissen nicht, ob Herr Richard Rappaport das „Jüdische Volksblatt" mit der Absicht gegründet hat, der antisemitischen Presse willkommenes Material zu liefern,- die Leistungen seiner Hilfsarbeiter möchten darauf hindeuten. Im klebrigen mag sich Herr Rappaport darüber mit seinen Redacteuren und seinen Lesern auseinandersetzen; wir müssen uns heute mit den Ausschreitungen dieses Blattes aus dem Grunde befassen, weil wir seit einiger Zeit neben einer Anzahl hervorragender und verdienter Mitglieder des Wiener Cultnsvorstandes die die Auszeichnung genießen, von dem quasi „jüdischen" Blatte beschimpft, verdächtigt und verleumdet zu werden. Zunächst convenirt dem genannten Blättchen der Titel der „Oesterreichischen Wochenschrift" nicht. In einer Notiz unter der Spitzmarke „Unverschämte Verschämtheit" erklärt es den Titel „Oesterreichische Wochenschrift" als eine „Maskerade", als ob unter dieser Bezeichnung das Judenthum verborgen werden sollte. Unser Blatt heißt aber: „Dr. Bloch's Oesterreichische Wochenschrift, Centralorgan für die gesammten Interessen des Judenthums". Das wird von den Biedermännern im „Jüdischen Volksblatt" unterschlagen — vollständig nach der Art des Pan Verganew. Seit dem ersten Tage des Erscheinens der „Oesterreichischen Wochenschrift" war es unsere Aufgabe, die Rechte der jüdischen Staatsbürger in Oesterreich zu vertreten, analog und im Gegensätze zum „Vaterland", das als Organ der österreichischen Katholiken gilt, obgleich auch im Titel dieses Blattes von Katholiken nicht die Rede ist. Wie! Ein Blatt, dessen Herausgeber seit zwei Decennien der vielfach anerkannte Vorkämpfer des Judenthums ist, der lange Jahre ganz allein dem antisemitischen Ansturm Stand gehalten, der in diesen Blättern mit der Feder und von der Tribüne des Parlamentes herab durch sein freimüthiges Wort die Ehre des jüdischen Namens vertheidigt hat, sollte sich schämen, als Jude offen aufzutreten? Er sollte sein Judenthum verstecken wollen? Diesen Vorwurf gegen Dr. Bloch erhebt eine jüdische Zeitung, deren 8Mitu8 rootor stets Strohmänner vorschiebt. Muß denn hier erst daran erinnert werden, daß Dr. Bloch gezwungen war, sein Reichsrathsmandat niederzulegen, weil seine unerschrockene Abwehr aller antisemitischen Angriffe im Parlamente dem Führer der Christlich-Socialeu unangenehm geworden war und dieser den Polenclub mit Erfolg beredet hatte, ihn von diesem gefürchteten Widersacher zu befreien? Der Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift" hat niemals im Schatten gekämpft und mit den Waffen der Wahrheit hat er stets dem Gezücht der Lüge die Maske vom Antlitz gerissen. Und da will man jüdischen Lesern weißmachen, daß Doctor Bloch sein Judenthum hinter einer Maske verstecke? Diese Anklage ist perfid, allein auch recht albern, so daß wir darüber ruhig hinweggegangen stnd. Eine ausgiebige Züchtigung verdient hingegen das „Jüdische Volksblatt" für den Anwurf, es sei der „Oesterreichischen Wochenschrift" die Publication einer Präsidentenkrise im Cultusvorstand bei „sonstiger Entziehung der Subvention untersagt" worden. „Diese Zeitungen", heißt es da, „leben eben vom Verschweigen solcher für das Publicum wohl sehr wichtiger Affairen. Die größten Schweigerfolge hat bis jetzt die ..Oesterreichische Wochenschrift" erzielt, deren Subvention erst in jüngster Zeit von 3000 Kronen auf 3600 Kronen jährlich erhöht wurde". So ist wörtlich zu lesen in dem Organ des Herrn Richard Rappaport. Die „Oesterreichische Wochenschrift" bezieht von der Wiener Cultusgemeinde eine jährliche Subvention von 3000 Kronen, und sie rechnet sich dies, ob das nun dem „Jüdischen Volksblatt" recht ist oder nicht, zur Ehre an. Die Geschichte dieser sogenannten „Subvention" ist folgende: Als der Proceß Rohling-Bloch einen für den Prager Canonicus geradezu vernichtenden Ausgang genommen hatte, war derselbe im Schoße des Wiener Cultusvorstandes Gegenstand einer eingehenden Besprechung. Es wurde allseitig anerkannt, daß Dr. Bloch diesen Kampf mit seltener Sachkenntniß, mit unerschrockenem Muthe und mit Preisgebung seiner persönlichen Interessen allein, ohne jede anderweitige Berathung, siegreich zu Ende geführt hatte, es wurde anerkannt, daß es einzig und allein seinen ausgezeichneten und mühevollen Informationen zu danken sei, wenn einer der hervorragendsten Rechtsgelehrten unseres Vaterlandes über den Talmud und die Blutlüge ein Buch veröffentlichen konnte, dessen reiches, wissenschaftliches Material für alle Zeiten ein werthvolles Arsenal für die Vertheidigung des Judenthums gegen verleumderische Angriffe — allerdings dachte man damals noch nicht an jüdische Verleumder — bilden wird und welches geeignet war, auch unbefangene christliche Kreise über das Judenthum und seine Religionsschriften aufzuklären. Diese That schien damals dem Wiener Cultusvorstande bedeutend genug, um zu beschließen, daß Herrn Dr. Bloch aus den Mitteln der Gemeinde eine jährliche Ehrengabe verabfolgt werde; und lediglich deshalb, um dem Selbstgefühle des Empfängers Rechnung zu tragen und dem Beschlüsse den Charakter einer Demonstration zu benehmen, wurde diese Ehrengabe in die Form einer Subvention für die „Oesterreichische Wochenschrift" gekleidet, die von Dr. Bloch eben begründet worden war. Der Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift" hat keine Ursache, sich dieser Anerkennung eines Verdienstes zu schämen, welches in der ganzen Welt gewürdigt, und für welches ihm von der Judenschaft des ganzen Erdkreises Ehre und Ruhm gezollt wurde. Welches Verdienst hat der Herausgeber des „Jüdischen Volksblatt" jenem des Doctor Bloch entgegenzusetzen, sofern er nicht die Entzweiung der Wiener Judenschaft, den Wetteifer in der Verleumdung mit allen antisemitischen Blättern, die schmähliche Verunglimpfung ehrlicher und achtbarer Männer sich als ein Verdienst anrechnen will? Jawohl! Die „Oesterreichische Wochenschrift" bezieht eine „Subvention" von der Wiener Cultusgemeinde, aber diese Subvention ist ein Ehrensold für eine ehrenvolle Thal, für einen Kampf, der vor dem Forum des Gerichtes mit den Waffen der Wissenschaft geführt wurde, für welche allerdings die entgleisten Studenten des „Jüdischen Volksblatt" unmöglich ein richtiges Verständniß besitzen können. Auf diese „Enthüllung" braucht also das „Jüdische Volksblatt" sich wahrlich nichts einzubilden, denn diese Subvention ist in den gedruckten Budgetberichten der Cultusgemeinde alljährlich ausgewiesen. Dagegen publiciren wir allwöchentlich Inserate des Cultusvorstandes, deren tarifmäßige Bezahlung beiweitem den Betrag jener sogenannten „Subvention" übersteigen würde.

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