Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 24 (12.6.1903)
- Date
- 1903-06-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 34 De. Bloch's Wochenschrift. Sette 389 Wien. (Trauun g.) Sonntag den 14. Juni um 12 Uhr Mittag findet im israelitischen Tempel Prag (Geistgaffe) die Trauung des Fräulein IdaRoth, Tochter des Herrn Sigmund Roth in Prag, mit Herrn Eduard Neurath, Sohn des Herrn Michael Neurath in Wien, statt. Wien. Herr D Meitner, Realitätenbesitzer, in Wien, UI.. Hetzgaffe 12, feierte am 9. d. M. mit seiner Gattin Bertha Meitner geb. Weinberger im engsten Familienkreise das Fest der silbernen Hochzeit. Wien. (Zionistencongreß.) Das zionistische Actionscomite hat den sechsten Zionistencongreß für den 23. August d. I. und die folgenden Tage nach Basel einberufen. Die Tagesordnung wird später bekanntgegeben werden. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag am 7. d. M. fand im israelitischen Tempel, XVI., Hubergasse 8, die Trauung des Fräulein Lisa Smotritzky, Tochter des Cantors Herrn I. Smotritz k y, mit Herrn Bernhard Ilm er statt. Herr Rabbiner Dr. Bach hielt an das Brautpaar eine sinnige Ansprache, in der er auf das priesterliche Wirken des Vaters der Braut lobend hinwies. Herr Cantor Smotritzky versah die cantorale Function unter Assistenz des gut geschulten Chores, welcher von dem trefflichen Chordirigenten Herrn Port geleitet wurde, in vorzüglicher Weise. Das Gotteshaus war von dem zahlreich erschienenen Publicum gefüllt und bemerkte man u. A. den Bethausvorstand, mit dem Obmann Herrn S. Rosner an der Spitze. Herrn Obercantor G u t t m a n n, die Cantoren Pekarnik, Schleifer, Silbermann. Regner, Kwartin, Adjunct Herrn Julius Braun und Official Herrn Rudolf Kraus. Dem Brautpaare kamen aus Nah und Fern zahlreiche Telegramme und Glückwünsche zu, welche von der Sympathie Zeugniß geben, deren sich Herr Cantor Smotritzky allenthalben erfreut. Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redacteur! Gegenüber der Berichtigung des geehrten Herrn Dr. Leo Ehrentheil, welche sich gegen meme Mittheilung in der vorletzten Nummer Ihres geschätzten Blattes richtet und offenbar auf ein Mlßverständniß beruht, bitte ich, sowohl in Rücksicht der Unparteilichkeit, als auch mit Berufung auf das Preßgesetz, § 19, von nachstehender Erklärung Kenntniß nehmen zu wollen. Hochachtungsvoll Dr. Schwarz. — Die Berichtigung in Nummer 23 der „Oesterr. Wochenschrift", welche Herr Dvctor Leo Ehrentheil einsandte, veranlaßt uns zu folgender Erklärung: Wir Unterzeichneten — Mitglieder der Cultusgemeinde und des Bethausvereines ^Bet-Hachneteth", HI. Bezirk — bestätigen hiermit der Wahrheit gemäß, daß in der am 10. Mai d. I. behufs Statutenänderung abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung in Anwesenheit des Vicepcäsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Herrn Dr. Gustav Kohn und Cultusvorstehers Herrn Kauders und in Anwesenheit von 56 Mitgliedern, gleich nach Verlesung des neuen § 1 — den Gottesdienst betreffend — wo, im Gegensatz zu dem alten Statut der Paffus „nach altem Ritus" weggelaffen war, sich sofort heftiger Widerspruch erhob, der die Weiterberathung unmöglich machte und sich erst dann legte, als der Herr Vicepräsident beschwichtigend einwirkte und der Referent Herr Dr. Ehrentheil selbst sich veranlaßt sah, den Paffus „nach altem Ritus" wieder in Geltung zu lassen. Dies der wahre Hergang, den wir mit unserer Unterschrift bezeugen. Isidor Tauber, Vorstandscaffier; Josef Grünwald, Vorstandsmitglied; Ferdinand Kohn, Hermann Brllitz, David Ziegler, Max Krakauer, Ephraim Goldwag, Alfred Kisch, Bernhard Wipper, Ignaz Flügelmann. Floridsdorf. Die Leitung des neugegründeten jüdisch-politischen Vereines „Gleichheit" entfaltet eine rege Thätigkeit. Am 25. v. M. fand der Eröffnungsabend des Vereines statt. Vor einem zahlreichen Publicum, das in den Giselasälen versammelt war, sprachen die Herren Dr. Paul Weisengrüu und Secretär S. Fleischer zu dem Thema „Warum organisiren sich die Juden", und entledigten sich ihrer Aufgabe in einer formvollendeten, ausgezeichneten Rede. Am 3. v. M. fand eine zweite Vereinsversammlung statt, in der Herr Dr. Leopold Kohn als Referent über „die jüngsten Gräuelthaten in Kischenew und was sie lehren" sprach. Die Ausführungen des Referenten wurden von den zahlreich erschienenen Mitgliedern und Gästen des Vereines mit lebhaftem Beifalle aufgenommen. Die Vereinsleitung sieht es als ihre nächste Aufgabe an, den vielen hier ansaffigen ausländischen jüdischen Einwohnern das Heimatsrecht zu verschaffen. Baden bei Wien. (Trauerfeier für Kischenew.) In der israelitischen Cultusgemeinde Baden war der zweite Schewuothtag für alle Tempelbesucher ein Tag der Aufregung. Da stand Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Wilhelm Reich auf der Kanzel und hielt die übliche Haskarapredigt. Doch plötzlich ward sein Ton leiser, als wollte ihm etwas das Herz zusammenschnüren. Die Geister der in Kischenew Ermordeten stiegen vor ihm auf und sein gepreßtes Herz rang nach Lust. Allmählich nur fand er sich wieder, und im Gedenken dieser Märtyrer ihres Glaubens erklangen Töne und Worte, die sturmartig das Innere der Zuhörer erschütterten und aufregten. Nach der Predigt bestieg der Rabbiner das Almemor und citirte alle Namen der Kischenewer Märtyrer in einem Tone, der alle Llppen erbeben und alle Augen thränenfeucht machte. Wahrlich, ein solcher Moment müßte selbst die verstocktesten und rohesten Feinde des jüdischen Volkes erweichen und in sich führen, und könnte er es nicht, dann wäre es um den Fortschritt der Menschheit traurig bestellt. J. Bad Nauheim. Der bekannte Schriftsteller Leo Her zberg-Fränkel ist in Folge eines Herzleidens von den Meraner Aerzten in unseren Curort geschickt worden und befindet sich hier bereits auf dem Wege der Befferung. Innsbruck. Am 2. l. I. fand in unserem Bethause eine ergreifende Haskarah für unsere armen hingemordeten Brüder zu Kischenew statt. Bei der zu Gunsten der Unglücklichen in unserer Gemeinschaft veranstalteten Geldsammlung wurden Kr. 282°80 aufgebracht, welcher Betrag durch Herrn Obmann Wilhelm Dannhauser an die Israelitische Allianz in Wien zur Uebermittlung eingesandt wurde. Olmütz. (W o h l t h ä t i g k e i t s - A c t e.) Der hierorts wohnhafte, durch seinen Wohlthätigkeitssiun bekannte Privatier, Herr Heinrich Iellinek, hat aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres der israelitischen Cultusgemeinde Olmütz 2000 Kronen zur Errichtung einer Heiratsausstattungs- Stiftung für israelitische Mädchen, deren Ecrichtungskosten er aus Eigenem trägt, 200 Kronen zur Dotirung des Armenfonds und 200 Kronen zur Dotirung des Siechenhausfondes in dieser Gemeinde gespendet, weiters 100 Kronen für israelitische Arme, 100 Kronen dem israelitischen Frauenvereine, 100 Kronen dem israelitischen Freitisch-Vereine zugewendet, dem Bürgermeisteramte 100 Kronen zur Vertheilung an Stadtarme, 50 Kronen für die Ferien-Colonie übergeben und dem Olmützer Frauen- Wohlthätigkeitsverein mit einer Spende von 50 Kronen bedacht. Die Vertretung der israelitischen Cultusgemeinde Olmütz hat den Jubilar anläßlich seiner Jubelfeier beglückwünscht und ihm eine Adreffe überreicht und sind demselben auch außerdem zahlreiche Beweise der Sympathie zugekommen. Die Handlungsweise des Herrn Heinrich Jellinek und dkffen sich auch bei dieser Gelegenheit erwiesener Wohlthätigkeitssinn verdienen Dank und Anerkennung und mögen im Interesse der leidenden Menschheit Nachahmung finden. Protznitz. Unter Leitung des k. k. Bau-Oberingenieurs O l a j o s s y fand hier eine behördliche Commission zu dem Zwecke statt, um den schon lange als baufällig bezeichneten israelitischen Tempel einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen. Das Resultat dieser Untersuchung ergab, daß die Commiffion die sofortige Sperrung des genannten Tempels anordnete. Holleschau. Dienstag den 16. Juni l. I. um halb 3 Uhr Nachmittags fi iDet im hiesigen israelitischen Tempel die Trauung des Fräulein Janka Braunfeld. Tochter des Herrn Adolf Braunfeld, Secretär der israelitischen Cultusgemeinde, mit Herrn Michael Striks, Sänger der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, statt. Die Trauungsfunctionen werden Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. D. Freund und Herr Obercantor Bela Guttmann aus Wien, unter gefälliger Mitwirkung eines Wiener Temprlchores, vollziehe!). Jaslo. Für die unglücklichen, geplünderten und nach dem entsetzlichen Massenmorde Hinterbliebenen armen Glaubensgenossen in Kischenew wurden während des Wochenfestes im Bethause des hiesigen Handwerkervereins „lack Caaruzim.“ bei der Thoraverlesung nachstehende Spenden gewidmet: Von den Herren: Jakob Aleksandrowicz Kronen 4.—, Süssel Schmiedling 10. , M. W. Oberlender 5.—, Wolf Brandstätter 5.—, Dr. Abr. Kornhäuser 25.—, Tawid Elias 2.—, Ascher Zweig 2. - , M. Margulies 2. —, Efroim Brück 2.—, Moses Rosner 2.—, Isaak Berner 2.—. Zusammen der Betrag von Kronen 61.—. die dem Zwecke zugeführt werden. Gleichzeitig wurde während Maskir Neschnmoth für das Seelenheil der unschuldig gefallenen Märtyrer durch Herrn M. Bernstein ein Ll Hole gebetet unter namemlicker Anführung der Opfer. 1l. P. Prerau. Am 2. Tage des Schewuoth-Festes fand im hiesigen Tempel ein feierlicher Trauergottesdienst für die Opfer der Kischenewer Bluttage statt. Herr Rabbiner Dr. Jakob Tauber hielt eine ergreifende Trauerrede, die auf die zahl-