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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-06-12 · 24 (12.6.1903) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
24 (12.6.1903)
Date
1903-06-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 386 Vr. Bloch's Wochvnfchrifk. Nr. 84 das seine Juden verbrannte oder verbannte, mit der jüngsten Weltmacht — der Union — welche die Juden gastlich aufnimmt und ihnen alle Rechte gewährt, so kommt der orakelhafte Spruch zur Geltung: Das Land, das den Juden schlägt — gedeiht nicht. New-Zork. 28. Mai. (In Carnegie Hall protestiren Ex-Präsident Cleveland, Mayor Low, Carl Schurz und andere prominente Männer gegen die russischen Greuelthaten.) Selten war Carnegie Hall so stark besucht, als gestern Abend gelegentlich der Versammlung, in welcher es sich für die New-Iorker darum handelte, ihrer Entrüstung über die vor Kurzem in Kischenew begangenen Greuel Ausdruck zu verleihen und Protest einzulegen gegen eine etwaige Wiederholung derartiger Ereignisse. Zweifellos hatte aber auch die Ankündigung, daß Ex-Präsident Grover Cleveland persönlich anwesend sein und eine Rede halten würde, wesentlich dazu beigetragen, daß die Menschen zu Tausenden herbeigeströmt waren, daß nicht nur jeder Sitz, sondern der kleinste Winkel eingenommen war. Der Auftus zu der Versammlung, der an alle Bürger ohne Unterschied des Glaubens gerichtet war, war von folgenden Personen unterzeichnet: Thomas F. Ryan, Levi P. Morton, David McClure, Francis Lynde Stetson, A. S. Frissell, Charles Scribner, August Belmont. John F. Dillon, Wheeler H. Peckham, John E. Parsons, Eugene A. Philbin, George Foster Peabody, Edmund Wetmore, Edwin Langdon, C. A. Griscom jr., James C. Connor, Everett P. Wheeler, John De Witt Warner, William F. Stvnebridge, William H. Baldwin jr., James Stillman, John A. Stewart, John C. Brown, R. Fulton Cutting, Carl Schurz. John S. Kennedy, Lyman I. Gage, William E. Dodge, Robert W. De Forrest, Morris K. Jessup, John G. Carlisle, Charles S. Flint, Henry Clews, Joseph F. Daly, Joseph Larocque, William G. Choate, William D. Guthrie, Gustav Schwab, Cephas Brainerd, John D. Crimmins, Henry W. Taft und George L. Rives. Unter den Bice-Präsidenten befanden sich die Herren Cornelius N. Bliß, John A. Stewart, Lyman S. Gage, John S. Kennedy. Charles S. Fairchild, I. Crosby, Brown, Anson Phelps Stockes, Richard Watson Gilder, Alexander E. Orr, James C. Carter, William G. Choate, John E. Parsons, John D. Crimmins, William B. Hornblower, A. S. Frissell, R. Fulton Cutting, W. H. Baldwin jr., Jacob A. Cantor, Gustav Schwab, A. D. Juilliard, Abraham R. Lawrence, Charles A. Moore, Charles H. Ban Brunt, Morgan I. O'Brien, John F. Dillon, William D. Howells, Smith Ely, John Harfen Rhoades, Charles C. Burlington, William D. Guthrie, Wheeler H. Peckham, David B. Ogden, C. A. Griscom jr., Thomas F. Ryan, C. V. Fornes und W. A. Sulzer. Secretäre der Versammlung waren Paul D. Cravath, William H. Baldwin jr., und Henry W. Taft. Als Redner standen außer Ex-Präsident Cleveland die Herren Mayor Low, Präsident Jacob Gould Schurman von der Cornell Universität, Rev. Dr. Robert S. Mac-Arthur und Edward M. Shepard auf dem Programm. Unter begeistertem Beifall stellte Herr Paut D. Cravath Mayor Low als Vorsitzer der Versammlung vor. Der Bürgermeister hielt folgende Ansprache: »Bor etwa 250 Jahren, thatsächlich in dem Jahre, nachdem New-Amsterdam eine Stadt geworden, fanden etliche spanische und portugiesische Israeliten ihren Weg nach hier und wurden willkommen geheißen. Seit jenem Tage bis auf den heutigen haben sich die Israeliten in New-Iork zu Hause gefühlt und heute hat diese Stadt wahrscheinlich mehr Israeliten aufzuweisen, als irgend eine Stadt der Welt. Dieser Umstand berechtigt uns, aus eigener Erfahrung zwei Dinge zu sagen: Erstens, daß der Jude ein ruhiger, ordentlicher und fleißiger Bürger ist, und zweitens, daß er, wenn er mit Güte anstatt mit Grausamkeit behandelt wird, eine Nation stärkt, aber nicht schwächt. Auch berechtigt es die Bürger New-Iorks, gegen solche Greuel, wie sie in Kischenew verübt wurden, heftig zu protestiren. Es ist bemerkenswerth, daß diese Protestbewegung in New- Iork auf der Ostseite begann. Bevor noch die Presse viel Aufhebens über die Maffacres in Kischenew gemacht, hatten unsere Mitbürger israelitischer Abstammung, von welchen viele aus Erfahrung wiflen, was ein russischer Riot ist, angefangen, einen Fonds zu sammeln für die Unterstützung der Nothleidenden, und gegen die Schreckenstaten zu protestiren. Bor nahezu drei Wochen hielt ich in der Bowery eine Ansprache, in welcher ich meiner israelitischen Zuhörerschaft sagte, daß ihre Mitbürger ohne Unterschied der Confession diese Greuel verdammen, und daß wir sie, weil sie prompte Maßnahmen ergriffen, um das Elend ihrer Freunde zu lindern, achten. Aber hier kann ich sagen, was ich dort nicht sagte — denn dies ist ein Auditorium von Christen — daß wir es im Namen unserer Religion beklagen, daß solch' ein Schandfleck auf uns geworfen werden sollte. Rußland ist den Vereinigten Staaten gegenüber eine freundliche Macht, und es gibt besondere Gründe dafür, weshalb Amerikaner ihr freundlich gesinnt sind, aber aus diesem Grunde sollten wir jetzt nicht stillschweigen. Nein, weil wir wünschen, daß die beiden Nationen fortfahren, Freunde zu bleiben, wollen wir Rußland lieber bitten, mit denen, welche diese schmachvollen Vorgänge verschuldeten, so zu verfahren, daß es unmöglich ist, daß solche Dinge in. seinen Grenzen wieder Vorkommen. Wir ersuchen Rußland, seinen jüdischen Unterthanen mehr Freiheit zu geben, denn wir dürfen wohl sagen, daß in der Freiheit, nicht aber in der Beschränkung von Privilegien, hier in New-Iork eine solche Cur für solche Unruhen gesunden ward, die vor Kurzem in Rußland vorkamen und die Welt in Schrecken versetzten. Was New-Dork vor 250 fahren that, kann Rußland auch thun, wenn es will. Möge Gott es ihm eingeben, es zu thun." Während Mayor Low sprach, war die bekannte Figur von Ex-Präsident Cleveland auf der Plattform aufgetaucht, und sofort erhob sich das Publicum, um dem illustren Gast zuzujubeln und ihm eine augenscheinlich von Herzen kommende Ovation zu bereiten. Mayor Low und Edward M. Shepard begrüßten Herrn Cleveland durch einen kräftigen Händedruck. William H. Baldwin jr. verlas ein Schreiben von Herrn Carl Schurz aus Bolton Landing. Lake George, in welchem dieser sein Bedauern darüber ausdrückte, daß er der Versammlung nicht beiwohnen konnte. Es sollte nicht vergessen werden, daß die Greuel in Kischenew, während sie in ihrer Grausamkeit über Alles hinausragten, nur eine der natürlichen Folgen einer weitverbreiteten Bewegung seien. „Die Verfolgung und Maltraitirung menschlicher Wesen auf Grund ihrer Race oder ihres religiösen Glaubens ist ein Vergehen, nicht nur dem Opfer gegenüber ungerecht, sondern auch erniedrigend für den Berüber", so schrieb Herr Schurz, und dann weiter: „Aber die Verfolgung und Mißhandlung der Juden, wie sie vor Kurzem erlebt ward, ist nicht nur besonders barbarisch in der Wildheit der Excesse, sondern auch in einem sonderbaren Maße erniedrigend und feige in der Erfindung der Gründe, die für ihre Rechtfertigung angegeben werden. Den Juden werden verschiedene anstößige Eigenschaften vorgeworfen. Wenn wir ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen wollen, ist es dann nicht unsere Pflicht, zu erforschen, wie diese Eigenschaften, so weit wie sie wirklich existiren mögen, im Lichte der Geschichte erscheinen? Jahrhunderte waren die Juden in ihren Ghettos eingepfercht und auch sonst abgeschlossen von der übrigen Menschheit, und dann machte man ihnen den Vorwurf, daß sie eng zusammenhielten. Jahrhunderte wurde ihnen in den meisten Ländern das Recht Vorbehalten, Land zu besitzen und den verschiedenen bürgerlichen Berufen nachzugehen, und dann hielt man ihnen vor, daß sie keinen Sinn für den Ackerbau hätten und den Handel bevorzugten. Jahrhunderte hatten sie sich zu vertheidigen gegen die gesetzlose Raubsucht der Mächtigen und gegen die Feindseligkeiten der Menge, von welcher sie beraubt, geschlagen und angespieen wurden, wie die Verworfenen, die keine Rechte und keine Gefühle haben und auf Achtung keinen Anspruch machen können; und dann beschuldigte man sie, daß sie unscrupulös und listig wurden und die Gelegenheiten benützten, die man ihnen gelassen." Jetzt, so führte Herr Schurz des Weiteren aus, fänden sich antisemitische Apostel, welche verkünden, daß die Juden, wenn man ihnen dieselben Rechte gestatte, als anderen Leuten, die Christen übertölpeln, ihres Eigenthums berauben und sich selber in den Besitz der controlirenden Mächte der Gesellschaft bringen würden, und daß deshalb die Juden ausgerottet werden müssen. Nichts könne absurder sein, aber diesen Agitationen sei es zuzuschreiben, daß sich solche Dinge ereigneten wie in Kischenew, und deshalb sei es nur sehr angebracht, energischen Protest dagegen einzulegen. Bon Lyman Abbott, John F. Dillon, Thomas C. Platt, William D. Howells und Rev. W.. C. Bitting kamen ebenfalls Entschuldigungsschreiben zur Verlesung.

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